Eine neue Stolperschwelle vor dem Historischen Rathaus der Stadt Bochum erinnert an die Opfer des Euthanasieprogramms der Nationalsozialisten – und an die Schuld, die das städtische Gesundheitsamt und die Verwaltung damals auf sich geladen haben. Oberbürgermeister Jörg Lukat stellte die Stolperschwelle am Montag, 8. Juni, bei ihrer Verlegung vor. Sie trägt die Inschrift: „GESUNDHEITSAMT BOCHUM 1933 – 1945 / HUNDERTE MENSCHEN WERDEN ALS ´LEBENSUNWERT` STIGMATISIERT - AUF ANORDNUNG VON GESUNDHEITSAMT UND VERWALTUNG EINGEWIESEN IN HEIL- UND PFLEGEANSTALTEN UND IN ARBEITSHÄUSER - ZWANGSVERLEGT UND ERMORDET IN TÖTUNGSANSTALTEN“.
„Es ist unfassbar, zu sehen, was passiert, wenn demokratische Schutzmechanismen ausgehebelt werden“, so Oberbürgermeister Lukat in seiner Ansprache. „Jede einzelne Geschichte, jedes Schicksal macht mich zutiefst betroffen. So etwas darf nie wieder passieren.“ Die Stolperschwelle wurde verlegt auf Initiative der „Omas gegen Rechts“; das Stadtarchiv hatte geholfen, die dunkle Geschichte des Euthanasieprogramms in Bochum zu recherchieren.
Zusätzlich zur Stolperschwelle sind am Montag acht neue Stolpersteine auf Bochumer Stadtgebiet verlegt worden. Damit befinden sich nun 400 dieser Erinnerungsmarken in Bochum. Sie sind Teil eines bundesweiten Projekts des Künstlers Gunter Demnig, der damit die Erinnerung an die Vertreibung und Ermordung von den Nazis verfolgter Menschen lebendig erhält. Eine Übersicht über alle in Bochum verlegten Stolpersteine, sortiert nach Namen und Straßennamen, findet sich online auf den Seiten des Stadtarchivs der Stadt Bochum, eine Karte im Geoportal auf bochum.de.
(9. Juni 2026)