Für ein „Gutes Morgen“: Es war das erste Festival dieser Art und hat am Wochenende rund 13.000 Menschen auf das Gelände der Bochumer Jahrhunderthalle gelockt. Zwei Tage lang haben Menschen über Zukunft und Nachhaltigkeit debattiert, gelacht, gelesen und sogar geturnt.
An den Foodtrucks gingen größtenteils vegetarische und vegane Burger, Pommes und Bio-Currywürste über die Tresen. Zwei Open-Air-Konzerte sowie Zukunftstalks mit Persönlichkeiten aus Medien, Wirtschaft und Zivilgesellschaft bildeten den Rahmen für ein Festival mit ernsthafter Mission: die vielen Hoffnungspunkte für eine gute Zukunft – trotz Krisenstimmung – wahrzunehmen und zu verstärken. Teil des Festivals war eine Messe mit 170 nachhaltigen Unternehmen. Offizielle Gastgeberin des von der GLS Bank veranstalteten Festivals war die Stadt Bochum.
Ex-Vizekanzler Robert Habeck gab den Eröffnungsimpuls. Er war am Samstag, 6. Juni, der zentrale Gast in einem der fünf Zukunftstalks. Der Grünen-Politiker füllte die Veranstaltungshalle komplett. Insgesamt 3.000 Menschen verfolgten seinen Vortrag deshalb draußen auf der Großleinwand des Festivals. Sein Gedankenanstoß: Es brauche ein aktives Gestalten der Zukunft, kein reines Bewahren eines Status quo der Gegenwart oder gar Erhalten der Vergangenheit. Geld könnte so eingesetzt werden, dass es ein Anreizsystem für eine nachhaltige Wirtschaft schaffen könnte. Und zum Miteinander: „Unsere offene Demokratie in Deutschland hat Feinde“, rief Robert Habeck zur Wachsamkeit auf. Um Zukunftsmut zu machen, riet er: „Viele Menschen in dieser Welt sehen noch das Versprechen einer offenen Gesellschaft, sehen, was bei uns gut läuft - das sollten wir auch tun und handeln.“
Nachhaltige Wirtschaft lebt Wandel vor
Eine Idee, was ein Gutes Morgen ausmacht, gaben rund 170 Aussteller auf Deutschlands größter Nachhaltigkeitsmesse. Zahlreiche lokale Initiativen, Vereine und Unternehmen präsentierten ihre Projekte und machten deutlich, wie vielfältig das Engagement in Bochum ist. Diese fand parallel in der Jahrhunderthalle statt. Besucherinnen und Besucher konnten erleben, wie innovativ und lösungsorientiert Unternehmen bereits erfolgreich wirtschaften und dabei positiv die Zukunft gestalten.
„So viele Unternehmen, Menschen, ja sogar Städte arbeiten bereits anders – ganzheitlich, verbunden und zukunftsorientiert“, freute sich GLS Bank-Vorständin Aysel Osmanoglu. „Unser Festival hat gezeigt, dass wir eine Wirtschaft prägen, die sozial-ökologisch ist, auf Kooperation setzt und Freude macht.“
Zuversicht prägt Bochum
Die GLS Bank und die Stadt Bochum hatten gemeinsam zum Gutes Morgen-Festival eingeladen: Die Stadt als Gastgeberin, die sozial-ökologische Bank als Veranstalterin.
„Wir haben mit unserer Nachhaltigkeitsstrategie ganz klare Ziele in und für Bochum gesetzt, denn wir sind die Stellvertreterinnen und Stellvertreter der Generationen, die nach uns kommen“, sagte Oberbürgermeister Jörg Lukat. Neben dieser verantwortungsvollen Rolle unterstrich er, wie wichtig Zuversicht sei, um Zukunft – um ein Gutes Morgen – zu gestalten: „Zuversicht muss etwas sein, das Bochum weiter prägt. Das heißt: Wir müssen uns diese positive Bereitschaft erhalten, sich schwierigen Themen und Aufgaben zu stellen. Dabei müssen wir global denken und lokal handeln.“
Auf dem Gutes Morgen-Festival veranschaulichte die Stadt daher, wie sie Bochum zum Beispiel bei Bauvorhaben klimaresilienter zur „Schwammstadt“ umgestaltet und verdichtete Siedlungen begrünt.
„Das erste ,Gutes Morgen‘-Festival war ein voller Erfolg“, so Philipp Schuster von der städtischen Stabsstelle für Klima und Nachhaltigkeit. Als offizielle Gastgeberin war die Stadtverwaltung nicht nur organisatorisch eng eingebunden, sondern auch mit zahlreichen eigenen Angeboten unter dem Motto „Bereit für Morgen, Bochum?“ präsent. Neben den Messeständen zu „Bochum als Schwammstadt“, „Hitzeaktionsplanung“ und „Nachhaltige Quartiere“ gab es Mitmachaktivitäten wie den Klimaspaziergang, die Nachhaltigkeitsrallye und die Audiotour durch die Bochumer Innenstadt. Besonderen Anklang fand der Workshop zur Bochumer Nachhaltigkeitsstrategie: Bei der Frage „Nachhaltigkeit – Was hat das mit mir zu tun!?“ diskutierten Festivalgäste das Spannungsfeld zwischen Nachhaltigkeit als kommunaler Aufgabe und als individuelle Verantwortung für das „Bochum von Morgen“.
Nach der erfolgreichen Premiere soll das „Gutes Morgen“-Festival, das mit Zukunftsmut, Vorträgen, Diskussionen, Musik und einer offenen, inklusiven Atmosphäre überzeugte, alle zwei Jahre in Bochum stattfinden.
(9. Juni 2026)