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Schaufenster Stadtgeschichte: Postkarte zum ersten Bochumer Blumentag

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Historische Postkarte, die zwei mit Blumen geschmückte Männer zeigt.
Postkarte zum ersten Bochumer Blumentag (Quelle: Stadtarchiv Bochum)

Das „Schaufenster Stadtgeschichte“ präsentiert einmal im Monat ein besonderes Dokument oder Objekt aus den Beständen des Stadtarchivs – Bochumer Zentrum für Stadtgeschichte. Auf diese Weise werden nicht nur historische Ereignisse oder Persönlichkeiten vorgestellt. Das „Schaufenster Stadtgeschichte“ gewährt auch einen Einblick in die bunte Vielfalt der historischen Zeugnisse, die zum kulturellen Erbe Bochums gehören und die im Stadtarchiv – Bochumer Zentrum für Stadtgeschichte verwahrt werden.

Im Mai geht es um eine Postkarte zum ersten Bochumer Blumentag, die am 15. Mai 1911 gelaufen ist. Sie kann in den Räumen des Stadtarchivs an der Wittener Straße 47 besichtigt werden. Der Eintritt ist frei. Weitere Informationen gibt es online unter www.bochum.de/stadtarchiv.

„Opfer der Wohltätigkeit“ nennt diese Postkarte aus dem Jahr 1911 spöttisch-mitfühlend die beiden abgebildeten Herren. Sie haben es offenbar mit ihrer Spendenbereitschaft übertrieben und müssen nun die floralen Folgen tragen. Sogenannte Blumentage, an denen junge Frauen und Mädchen für wohltätige Zwecke Kunstblumen verkauften, waren ein kurzlebiges Phänomen, das sich ab 1910 rasant in ganz Europa ausbreitete. Über Kopenhagen, Basel, Stuttgart, Elberfeld, Essen und viele weitere Orte erreichte der Trend am 14. Mai 1911 auch Bochum. Der Kreiskriegerverband Bochum Stadt stellte gemeinsam mit vier Frauenvereinen ein großes Volksfest mit Parade auf die Beine, das an „den glorreichen Frieden vom 10. Mai 1871“ erinnern sollte. „Helferinnen (und teilweise Helfer), die durch Ausweiskarten und Sammelbüchsen kenntlich gemacht“ waren, verkauften gelbe und weiße Margeriten gegen eine Spende von mindestens zehn Pfennig pro Stück. Insgesamt kamen dabei 35.000 Mark zusammen – heutige Kaufkraft: 240.000 Euro –, die „zum Besten der Veteranen und Armen“ eingesetzt werden sollten. Wie sich an den Organisatorinnen sowie Organisatoren und ihrer Themenwahl erkennen lässt, kam der Impuls für die Blumentage vor allem aus bürgerlich-konservativen, militärverbundenen Kreisen. Von Arbeitenden- und Gewerkschaftsseite wurden sie als gönnerhaft und ineffizient kritisiert. Der damals 21-jährige Kurt Tucholsky machte sich 1911 in seinem Gedicht „Blumentag“ über einen fiktiven Spender lustig. Der Erste Weltkrieg machte dem „Hype“ um die Blumentage vorerst ein Ende. Nach 1918 wurden sie zwar vereinzelt wiederbelebt, erreichten aber nie wieder ihre frühere Popularität. Nach wenigen Jahren waren sie endgültig Geschichte.

(4. Mai 2026)