Das „Schaufenster Stadtgeschichte“ präsentiert einmal im Monat ein besonderes Dokument oder Objekt aus den Beständen des Stadtarchivs - Bochumer Zentrum für Stadtgeschichte. Auf diese Weise werden nicht nur historische Ereignisse oder Persönlichkeiten vorgestellt. Das „Schaufenster Stadtgeschichte“ gewährt auch einen Einblick in die bunte Vielfalt der historischen Zeugnisse, die zum kulturellen Erbe Bochums gehören und die im Stadtarchiv - Bochumer Zentrum für Stadtgeschichte verwahrt werden.
Im August geht es um den Artikel „Bauhütte GmbH Bochum“ aus dem Bochumer Volksblatt vom 13. August 1921. Er kann in den Räumen des Stadtarchivs an der Wittener Straße 47 besichtigt werden. Der Eintritt ist frei. Weitere Informationen gibt es online unter www.bochum.de/stadtarchiv.
Der Begriff „Bauhütte“ ist heute eher unbekannt. Bekannter ist „Dombauhütte“, zum Beispiel im Zusammenhang mit dem Kölner Dom. Als „Bauhütte“ wurde im Mittelalter die Vereinigung unterschiedlichster Berufe genannt, die für den Bau von gotischen Bischofskirchen – sogenannten Kathedralen – zuständig war. Leiter einer Bauhütte waren ein oder mehrere Baumeister.
Anfang der 1920er Jahre herrschte in Deutschland und insbesondere im Ruhrgebiet große Wohnungsnot. Hauptsächlich mangelte es an Wohnungen für die unteren sozialen Schichten, das heißt: Arbeiter und kleinere Angestellte. Politisch wurde dieses Problem mit dem Begriff „Kleinwohnungsfrage“ beschrieben. Die Selbstorganisation auf Genossenschaftsbasis war ein Versuch, Abhilfe zu schaffen und Wohnungen zu errichten. In dem vorliegenden Fall gaben Gemeinden des Landkreises Bochum, der Verband der Bauarbeiter, der Bergarbeiterverband Bochum/Hattingen sowie der Konsumverein Wohlfahrt das Kapital für die Genossenschaft „Bochumer Bauhütte“. Ziel war der Bau von Kleinwohnungen (Küche, Bad, Schlaf- und Wohnzimmer) für die Genossenschaftsmitglieder.
Leider stand die Geschichte der „Bochumer Bauhütte“ unter keinem guten Stern. Aufgrund eines Formfehlers verweigerte das preußische Innenministerium den ersten Genehmigungsantrag zur Gründung einer Genossenschaft, so dass es erst am 12. November 1921 zur Bildung der „Bochumer Bauhütte“ und der Mitgliedschaft im Bauhütten-Vertriebsverband Rheinland-Westfalen kam. Die französische Besetzung Bochums und des Ruhrgebiets vom Januar 1922 bis zum August 1925 erschwerte die Bautätigkeit oder machte sie ganz unmöglich. Außerdem entwertete die Inflation das Gesellschaftskapital, so dass die „Bauhütte“ bereits am 5. Juni 1926 die Auflösung beschließen musste. Trotzdem verdient dieser Versuch, die Wohnungsfrage zu lösen, Beachtung. Hier liegt eine der Wurzeln des sozialen Wohnungsbaus und der Beginn, diesen als öffentliche Aufgabe zu begreifen.
(31. Juli 2026)