BOP Freizeit & Vereine Informationen Fabrik Pinnwand Ausweis Lesen Frauen und Beruf Frauen und Bildung Reisepass Medizin Helfen Haus Callcenter Familienzuhause Großvater Erziehung Familie mit Kind Verlobung Erde Tod Bau Zertifikat Katze Auto Datum und Uhrzeit Abmachung Wegweiser Vertrag Bus Nachwuchs Bürgerecho Facebook Twitter YouTube Instagram Flickr E-Mail nachladen nach unten Panorama Service Regeln Aktuelles Wissen Marktplatz Finanzen & Gebühren Umwelt & Klima Logout Vorreiterin Talentschmiede Wissenschaft Kultur Großstadt Kompetenzen Kompass Projekte Sportehrung: Abstimmung Sportehrung: Kriterien Sportehrung: Meldeformular Sportehrung: Rückblick Barrierefreiheit Weg Aussicht Baum Gitarre Konfetti Sprechblase
Aktuelle Pressemeldungen

Für eine Stadt, in der auffällt, wenn jemand fehlt

Rund 30 Institutionen unterzeichnen die Bochumer Verabredung

Gruppenbild Bochumer Verabredung gegen Einsamkeit

Aktuelle Pressemeldungen

Rund 30 Institutionen aus unterschiedlichen Bereichen der Bochumer Stadtgesellschaft haben am 9. Juli im Moxy Hotel Bochum gemeinsam die Bochumer Verabredung erarbeitet und unterzeichnet. Auf Einladung von Vereint Bochum e. V. haben sie sich dazu verpflichtet, Einsamkeit als gemeinsame Aufgabe anzugehen und sich mit konkreten Beiträgen einzubringen. Entstanden ist ein zivilgesellschaftlich getragener Zusammenschluss für ein Bochum, in dem auffällt, wenn jemand fehlt.

Unterstützt wird die zivilgesellschaftlich getragene Initiative auch von der Stadt Bochum. Oberbürgermeister Jörg Lukat eröffnete das Treffen mit einem Grußwort: „Die Bochumer Verabredung bringt auf den Punkt, worum es uns gehen muss: Bochum soll eine Stadt sein, in der auffällt, wenn jemand fehlt. Das ist mehr als ein Satz. Das ist ein Anspruch an unser gemeinsames Handeln.“

Beteiligt waren rund 30 Institutionen aus unterschiedlichen Bereichen der Bochumer Stadtgesellschaft:

  • Stadt & Verwaltung: Stadt Bochum
  • Wohlfahrt: AWO, Caritas, Diakonie, Der Paritätische, Plan B, GEMI, ASB
  • Gesundheit: Katholisches Klinikum Bochum, Knappschaft-Bahn-See
  • Wissenschaft & Bildung: Ruhr-Universität Bochum, AKAFÖ, AStA der RUB, Alice-
  • Salomon-Berufskolleg,Bezirksschüler*innenvertretung,Annette-von-Droste-
  • Hülshoff-Realschule, StuPa der Ruhr-Universität
  • Wirtschaft: Stadtwerke Bochum, VBW, G DATA, Privatbrauerei Moritz Fiege, GLS Bank, Bonamic
  • Stadtmarketing: Bochum Marketing
  • Sport: VfL Bochum 1848, Sportjugend Bochum
  • Kultur: Prinz-Regent-Theater, Museum unter Tage
  • Freizeit & Begegnung: WasserWelten Bochum

Am Ende des Treffens wurde die Bochumer Verabredung von den beteiligten Institutionen gemeinsam unterzeichnet. Gleichzeitig wurden erste konkrete Ideen gesammelt und ein weiteres Zusammenkommen vereinbart. Damit ist sie mehr als ein gemeinsames Bekenntnis: Sie wird bereits mit ersten Beiträgen und nächsten Schritten gefüllt.

Eingeflossen sind Erkenntnisse aus unserer stadtweiten Umfrage, der Ideenwerkstatt sowie aus zahlreichen Aktionen und Gesprächen der vergangenen Monate. Fachlich begleitet wurde der Prozess von Expertinnen und Experten aus Forschung und Praxis, unter ihnen Dr. Anja Langness (Bertelsmann Stiftung), Axel Weber (Kompetenznetz Einsamkeit) und Melanie Weiser (Progressives Zentrum).

Dr. Marie-Kristin Döbler vom ISF München hat mit einem Impuls den Rahmen gesetzt: was Einsamkeit eigentlich für eine Stadt bedeutet. Prof. Dr. Maike Luhmann von der Ruhr-Universität Bochum, eine der führenden Einsamkeitsforscherinnen im deutschsprachigen Raum und Vorstandsmitglied bei uns im Verein, hat die Bochumer Verabredung von Anfang an mitgeprägt.

Gemeinsam mit allen Beteiligten wurde anschließend erarbeitet, welchen konkreten Beitrag jede Institution aus ihrem eigenen Wirkungsbereich leisten kann, vom Begegnungsformat in der Kantine über die Bereitstellung von Räumen bis zu offenen Gesprächsrunden. „Einsamkeit ist kein persönliches Versagen. Sie kann jede und jeden treffen und sie wird dort besonders gefährlich, wo niemand hinsieht. Mit der Bochumer Verabredung sagen wir als Stadtgesellschaft: Wir übernehmen Verantwortung dafür, dass Menschen in Bochum einander wieder wahrnehmen. Jede Organisation bringt das ein, was sie kann – Räume, Wissen, Kontakte, Angebote, Zeit oder Aufmerksamkeit,“ so Prof. Dr. Maike Luhmann, Ruhr-Universität Bochum und Vorstandsmitglied von Vereint Bochum.

Einsamkeit ist längst keine reine Privatsache, sie betrifft nicht nur einzelne Menschen, sondern die ganze Stadtgesellschaft. Deshalb haben wir uns auf drei Versprechen verabredet: Wir sehen hin und hören zu. Wir nehmen Einsamkeit ernst und reden nicht nur über Menschen, sondern mit ihnen.

Wir handeln und übernehmen Verantwortung. Jede und jeder bringt ein, was zur eigenen Rolle passt: Räume, Angebote, Kontakte, Wissen oder Zeit. Wir bleiben dran und halten den Kreis offen. Die Verabredung ist ein Anfang. Wir kommen wieder zusammen, entwickeln gemeinsame Handlungsfelder und klären, wer was übernimmt.

(14. Juli 2026)

Überall kann man einsam sein – mitten unter Menschen, im Gewohnten und im eigenen Alltag. Einsamkeit ist nicht dasselbe wie Alleinsein. Sie ist das schmerzhafte Gefühl, dass die eigenen Beziehungen weniger nah oder tragfähig sind, als man sie sich wünscht. Sie tut weh, auch wenn man es niemandem ansieht. Sich einsam zu fühlen ist kein persönliches Versagen und kein Makel. Es kann jede und jeden treffen – in jungen Jahren, in der Lebensmitte, im Alter, nach Verlusten, Umbrüchen oder neuen Lebenssituationen. Besonders betroffen sind oft jene, die ohnehin mit Hürden oder Ausgrenzung konfrontiert sind. Dies kann aufgrund ihres Alters, einer Krankheit oder
Behinderung, durch Armut, Herkunfts- oder Fluchtgeschichte oder durch fehlende Teilhabe sein. Weil viele aus Scham schweigen, dürfen wir nicht warten, bis sich jemand meldet. Was leise beginnt, darf kein stilles Thema bleiben.

Einsamkeit ist deshalb keine Aufgabe des einzelnen Menschen allein, vielmehr ist sie eine gemeinsame Herausforderung. Anhaltende Einsamkeit kann krank machen und schwächt mit der Zeit das Vertrauen in andere und unser Miteinander. Sie betrifft damit nicht nur einzelne Menschen, sondern uns alle.

Diese Dynamik entsteht und verstärkt sich dort, wo Begegnung im Alltag seltener wird, wo Orte fehlen oder verschlossen wirken und wo Menschen Barrieren erleben, die ihnen den Zugang zu Gemeinschaft erschweren. Es braucht viele, die hinsehen und mit anpacken. Deshalb wollen wir dem Thema gemeinsam begegnen, mit unterschiedlichen Möglichkeiten, Erfahrungen und Perspektiven. Jede und jeder kann etwas beitragen. Entscheidend ist, dass aus diesen Beiträgen ein gemeinsames Handeln entsteht: Für ein Bochum, in dem Menschen einander wahrnehmen, in dem die Zugehörigkeit wächst und es auffällt, wenn jemand fehlt.

Wir, die Unterzeichnenden, verabreden:

  1. Wir sehen hin und hören zu.
    Wir nehmen Einsamkeit ernst und machen Zugehörigkeit zu einem festen Anliegen in unserem eigenen Wirkungsbereich. Wir reden nicht nur über Menschen, sondern mit ihnen und beziehen ihre Erfahrungen ein – besonders die Stimmen derer, die sich nicht gesehen, nicht gemeint oder nicht zugehörig fühlen. Niemand wird dabei auf seine Einsamkeit reduziert.
  2. Wir handeln und übernehmen Verantwortung.
    Wir schaffen und stärken niedrigschwellige Orte und Gelegenheiten der Begegnung und lernen dabei aus Erfahrung, Praxis und Forschung. Wir prüfen, welchen Beitrag wir in unserem jeweiligen Bereich leisten können und machen sichtbar, wie wir uns einbringen möchten: durch Räume, Angebote, Kontakte, Wissen, Erfahrung, Aufmerksamkeit oder andere Möglichkeiten, die zu unserer Rolle passen.
  3. Wir bleiben dran und halten offen.
    Diese Verabredung ist ein Anfang, kein Abschluss. Wir entwickeln gemeinsame Handlungsfelder, nächste Schritte und klare Verantwortlichkeiten und kommen wieder zusammen, um daran weiterzuarbeiten. Die Verabredung ist kein geschlossener Kreis, sondern eine Einladung an alle in Bochum, die mitwirken wollen.