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Frauenbilder - Porträts zeitgenössischer Bochumer Frauen

Carina Gödecke

Frauenbilder - Porträts zeitgenössischer Bochumer Frauen

Politikerinnenkarriere mit Herz

Ein Porträt von Carina Gödecke
Carina Gödecke, Politikerinnenkarriere mit Herz (Quelle: Axel Striebeck)

Mit vier Jahren kam sie ins Ruhrgebiet – seitdem ist Bochum-Laer ihre Heimat. Obwohl Carina Gödecke als Landtagsabgeordnete oft in Düsseldorf ist, schlägt ihr Herz für Bochum, für diese „liebenswerte kleinere Großstadt“, wie sie sagt.

Das Ruhrgebiet sei „ehrlich und offen“. Und genau diese Adjektive fallen einem auch ein, wenn man mit der 62-Jährigen spricht, die schon als Jugendliche in die SPD eingetreten ist. Es sprudelt aus ihr heraus, ihre Leidenschaft für Themen, das Zusammenleben der Menschen und die Politik wird spürbar. 

Geboren 1958, als „Opelanerkind“, mit dem Gefühl, der Opel-Betriebsrat sei „ihr“ Betriebsrat. Sie selbst wollte eigentlich Lehrerin werden, studierte Chemie und Erziehungswissenschaften. Doch dann: Nach dem Referendariat gab es keine Möglichkeit für eine Lehrerin mit dem Fach Pädagogik. So hat die Sozialdemokratin erst als Wahlkreismitarbeiterin beim damaligen Landtagsabgeordneten und späteren Oberbürgermeister Ernst-Otto Stüber gearbeitet, danach beim Heinz-Kühn-Bildungswerk in Dortmund.

Mit 37 in den Landtag

„Dort habe ich gemerkt, dass mir Konzeption und Organisation liegen“, sagt Carina Gödecke. Daher blieb sie erst einmal in der Erwachsenenbildung und engagierte sich weiter in der Lokalpolitik, unter anderem war sie im Rat der Stadt Bochum und im SPD-Vorstand. 1995 nahm ihre politische Karriere noch mehr Fahrt auf: Als ein Landtagsmandat frei wurde, wurde sie als einzige Frau in ihrer Heimatstadt aufgestellt. „Da habe ich durchaus auch Diskriminierung erfahren“, erinnert sie sich. Männer haben Seilschaften geknüpft – doch sie konnte sich, dank der Unterstützung anderer (auch Männer) durchsetzen. Kurzum: Sie wurde in den Landtag gewählt; das „Gequatsche“, wie Carina Gödecke es nennt, blieb: „Was kann sie denn schon?“, hörte sie mehr als einmal.

Da bewies sie, was sie kann. Und das ist und war sehr viel. Ihre Themen für Bochum sind schon lange die Schul- und Bildungspolitik, der gesellschaftliche Zusammenhalt und alles, was für die Stadt wichtig ist. Sie scheute sich nie, Verantwortung zu übernehmen: Ihre Ämter in der Politik und im Ehrenamt kann man gar nicht alle aufzählen … 

Von 2000 bis 2010 war sie Parlamentarische Geschäftsführerin der Landes-SPD. Danach wurde sie die Erste Vizepräsidentin des Landtags – und von 2012 bis 2017 schließlich Landtagspräsidentin. „Ich wollte eigentlich nicht unbedingt in die erste Reihe“, sagt die Bochumerin. Es war die Aufgabe, die sie lockte. Hier konnte sie viel bewegen, über Parteigrenzen hinweg. Prozesse und Strukturen zu erkennen, ist etwas, das ihr als Naturwissenschaftlerin liegt.

Interkultur und Interreligion

Obwohl man Landtagspräsidentin „rund um die Uhr ist“, denkt Carina Gödecke sehr gerne an diese Zeit zurück. Besonders setzte sie sich für die Demokratie ein, gegen Antisemitismus und Strömungen von rechts. Interkultur und Interreligion sind ihr besonders wichtig. Wenn sie heute auf ihre lange politische Laufbahn zurückblickt, sind es ihre Verdienste in genau diesen Bereichen, die sie stolz machen. Der aktuelle Staatsvertrag mit den jüdischen Gemeinden zum Beispiel oder die Etablierung einer Antisemitismusbeauftragten.

Auch die Frauenpolitik ist ihr seit jeher ein Anliegen. Nicht nur aufgrund ihrer eigenen Erfahrungen. Sie plädiert mit Leib und Seele für ein Paritätsgesetz. Denn: Politik sei vielerorts immer noch zu sehr Männersache, findet sie. „Wir brauchen auch junge Frauen als Vorbild, gerade in Mandaten“, meint sie. Sie selbst als „20-Stunden-am-Tag-Politikerin“ tauge da nur bedingt. Sie hat bis heute viele (Ehren-)Ämter, ist Erste Vizepräsidentin im Landtag und zudem in mehreren Ausschüssen, unter anderem im Ausschuss für Gleichstellung und Frauen. 

Dennoch hat Carina Gödecke angekündigt, dass sie nach dieser Wahlperiode aufhört mit der Landespolitik. „Nach so vielen Jahren ist das schon ein komisches Gefühl“, sagt sie. „Aber ich möchte der neuen Generation helfen, mitzugestalten. Und den Weg freimachen.“ Dass sie sich zur Ruhe setzt, kann man sich jedoch nicht vorstellen. „Erst einmal möchte ich ein Vierteljahr schlafen“, sagt sie schmunzelnd. Um dann zu erzählen, dass sie 2020 in die Kreissynode der Evangelischen Kirche in Bochum berufen wurde. Und dass sie noch in diesem Jahr Botschafterin der Deutschen KinderhospizSTIFTUNG wird. Auch nach all den Jahrzehnten aktiver Politik hat ihr Engagement noch kein Ende.

Andrea Behnke / März 2021