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Frauenbilder - Porträts zeitgenössischer Bochumer Frauen

Porträt Gaby Schäfer

Frauenbilder - Porträts zeitgenössischer Bochumer Frauen

Bürgermeisterin seit 27 Jahren

Ein Porträt der Bürgermeisterin Gaby Schäfer
Bürgermeisterin Gaby Schäfer (Quelle: Stadt Bochum)

„Als Bürgermeisterin muss man ausgewogen und immer lieb sein.“ Das dachte Gaby Schäfer, als sie gefragt wurde, ob sie sich dieses Amt vorstellen könne – sie, die sich als „durchaus streitbar“ bezeichnet. Dass sie vor 27 Jahren trotzdem beherzt „Ja“ sagte, hatte zwei Gründe: Zum einen war sie die erste Frau auf dieser Position, zum anderen empfand sie das Amt als große Ehre. 

Inzwischen hat Bochum weitere Bürgermeisterinnen gesehen – und Gaby Schäfer hat es nicht bereut, Wegbereiterin gewesen zu sein. „Ich gebe viel und ich bekomme viel zurück“, sagt sie. Vor allem mag sie die menschlichen Begegnungen, mit Kindern ebenso wie mit Erwachsenen, zum Beispiel mit Seniorinnen oder Senioren zum 100. Geburtstag.

Politisch aktiv war die 69-Jährige schon immer. Sie war erst Klassen-, später Schülersprecherin, dann trat sie in die SPD ein und wirkte bei den JuSos mit. Aufgewachsen ist sie in einer Kleinstadt in Rheinland-Pfalz, „so schwarz, dass man im Kohlenkeller Schatten geworfen hat“. Doch die junge Frau war fasziniert von Willy Brandt, der just Kanzler war, als sie 1972 das erste Mal wählen durfte. Da wohnte sie schon in Wattenscheid, denn ihr Vater, gebürtiger Oberhausener, hatte dort eine Stelle angenommen. Für Gaby Schäfer war es wunderbar, weg aus der Kleinstadt ins Ruhrgebiet zu kommen. 1974 zog sie mit ihrem Mann, dem SPD-Politiker Axel Schäfer, nach Querenburg, wo sie auch heute noch wohnt und die Vielfalt im Stadtteil sehr schätzt.

Soziale Stadt

Besonders am Herzen liegt der Politikerin die „soziale Stadt“: Arbeitsmarktpolitik, Gesundheitspolitik, gesellschaftliche Teilhabe … und ganz besonders setzt sie sich für Frauenfragen ein. Diese haben sie auch ihr Berufsleben lang beschäftigt. Bis vor zwei Jahren war Gaby Schäfer Leiterin des Frauenbüros der Stadt Gelsenkirchen. „Es hat sich gerade in der jüngeren Generation etwas bewegt, aber es gibt immer noch viel in Sachen Chancengleichheit zu tun“, sagt sie. Sie ist eine von jenen, die nicht müde werden, sich für Gleichstellung stark zu machen. Beruflich, aber auch in verschiedenen Ausschüssen oder als einstige Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Frauen.

Beruf, Politik und Familie zu vereinbaren, war auch für Gaby Schäfer nicht immer einfach. Sie hat einen Sohn, der war, wie sie sagt, immer „Priorität 1“, trotz aller anderen Verpflichtungen. „Dank der Großeltern bei uns im Haus konnten wir eine Lücke in der Kinderbetreuung einfacher überbrücken“, gibt sie zu. Zudem habe sich auch ihr Mann zu der Zeit, als der gemeinsame Sohn noch kleiner war, stärker zurückgenommen. „Er hat mich immer gut unterstützt“, erzählt die Bürgermeisterin, die „nebenbei“ auch noch seit fast 25 Jahren Vorsitzende des Stadtsportbunds ist.

Frauen als Vorbilder

Daraus, dass es auch anstrengende Zeiten gab, macht sie keinen Hehl: „Die Freizeit kam einfach sehr kurz.“ Trotzdem ist sie sich sicher: Es lohnt sich, sich politisch zu engagieren – und man kann es schaffen, als Frau und als Mann. „Wichtig ist es, dass die Rahmenbedingungen in der Politik so gestaltet werden, dass auch junge Mütter oder Väter mitgestalten können.“ Das heißt: Politik müsse sich auch ändern und mit der Zeit gehen. Zudem brauche es weibliche Vorbilder, die vermitteln, dass Politik nicht nur Arbeit ist, sondern wirklich Spaß macht. Die Freude am Tun nimmt man der aktiven Frau sofort ab. 

Politik gehört zu ihrem Leben – und zu dem ihres Mannes ebenfalls. „Doch es ist nicht so, dass wir zu Hause ununterbrochen über Politik sprechen“, sagt Gaby Schäfer mit einem Schmunzeln. So verbringen die beiden gerne Zeit mit den Enkelkindern. 
Obwohl Gaby Schäfer inzwischen im Ruhestand ist, ist sie durch ihre Ehrenämter ausgelastet: Neben den Aufgaben als Bürgermeisterin ist sie Sprecherin im Ausschuss für Arbeit, Gesundheit und Soziales und sitzt im Haupt- und Finanzausschuss. Außerdem ist sie Mitglied der Arbeitsgruppe Inklusion, die ihr sehr wichtig ist. 

„Doch irgendwann wird auch eine Zeit ohne politische Ämter kommen“, blickt sie in die Zukunft. Dann möchte sie sich vielleicht einen Lebenstraum erfüllen und sich in einem entwicklungspolitschen Frauen- oder Kinderprojekt einbringen. „Ich mag die Welt ein Stückchen verbessern“, sagt sie. Und fügt hinzu: „Doch das kann ich natürlich auch weiterhin in Bochum.“

Andrea Behnke