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Aktuelles zur Bochum Strategie

Bochumer Stadtgeschichte: Das kleine Mosaiksteinchen

Ein altes leicht gelbliches Dokument in verschnörkelter Schrift. Die Schrift ist teils gedruckt und teils mit der Hand geschrieben. Unten steht in größerer Schrift "Der Standesbeamte". Weiße Baumwollhandschuhe halten das Dokument fest. Im Hintergrund sind alte Bücher zu sehen.

Aktuelles zur Bochum Strategie

Erinnerungskultur ist kein Selbstzweck. Die erhöhte Sichtbarkeit der Stadtgeschichte im öffentlichen Raum, zusammen mit einer lebendigen Geschichtskultur, in einer bunten, diversen Stadtgesellschaft, das alles schafft eine gemeinsame Identität. Das Bochum Strategie-Projekt „Erinnern statt Vergessen – Erinnerungskultur und Stadtgeschichte“ möchte daher das Bewusstsein dafür stärken.

„Die Auseinandersetzung mit unserer Stadtgeschichte leistet einen Beitrag zur Entwicklung eines Wir-Gefühls“, erklärt Projektleiter Kai Rawe. Mit Ausstellungen, Vorträgen und Podiumsdiskussionen stiftet das Stadtarchiv historisches Wissen. Bochumerinnen und Bochumer erhalten dadurch ein Verständnis für unsere moderne Gesellschaft, die so ist, wie sie ist, weil sie sich über die Jahre dahin entwickelt hat. Die Auseinandersetzung mit Bochums Geschichte soll zum Anlass genommen werden, eine politische Haltung für die Gegenwart und Zukunft zu entwickeln. „Das Projekt mag seinen Inhalt in der Vergangenheit Bochums haben, doch es richtet den Blick mit seiner Vermittlungsaufgabe in die Zukunft“, so Kai Rawe.

Um die Geschichte dieser Stadt weiterzugeben, hat das Projekt drei Standbeine. Die Stadtgeschichte wird durch sogenannte Stelen sichtbar gemacht. Insgesamt werden im Projektzeitraum 50 Stelen im gesamten Stadtraum an Stellen mit historischer Relevanz aufgestellt. Auf den Stelen finden Bochumerinnen und Bochumer Informationen zu einem historischen Ereignis des Ortes oder zu einer historischen Person. Eine dieser Personen ist Philip Würzburger. Er war (Mit-)Initiator hinter der Gründung des Bochumer Stadtparks und damit eine bekannte Bochumer Persönlichkeit des 19. Jahrhunderts. Viele der geplanten Stelen setzen sich jedoch insbesondere mit der Geschichte des Nationalsozialismus und der Demokratiegeschichte Bochums auseinander. Die erste Stele steht bereits im Herzen Bochums: vor dem Historischen Rathaus.

Eine rostbraune viereckige Stele vor dem Bochumer Rathaus. Auf ihr ist eine metallene Platte angebracht mit Informationen zum Historischen Rathaus. Die Logos der Stadt Bochum und des Stadtarchivs sowie ein QR-Code sind ebenfalls auf der Metallplatte zu sehen.
Die erste Stele im Herzen Bochums: am Historischen Rathaus. (Quelle: Stadt Bochum/Stadt Bochum)

Das zweite Standbein dient der Auseinandersetzung mit vielfältigen Orten der NS-Geschichte Bochums. So wurde an der Bergener Straße in einem ehemaligen Zwangsarbeiterlager nun eine Gedenkstätte errichtet, die noch dieses Jahr eröffnen soll. Die Ausstellung thematisiert die Zwangsarbeit, die Lebens- und Leidensgeschichte der dort Inhaftierten, aber auch die lange Geschichte der Nutzung nach dem Ende des zweiten Weltkriegs. Insbesondere Jugendliche erhalten pädagogische Angebote, unter anderem in Form von schulischen Workshops, um sich mit der Geschichte des Ortes sowie mit dem Thema der Erinnerungskultur auseinanderzusetzen.

Das dritte Standbein ist das Angebot der Vernetzung. In Bochum gibt es zahlreiche Verbände, Initiativen, Vereine und Privatpersonen, die sich mit dem Thema Erinnerungskultur befassen, sich untereinander jedoch nicht kennen. Aufgrund dessen bietet eine gemeinsame Veranstaltung von der Volkshochschule Bochum und dem Stadtarchiv hier eine Plattform der Vernetzung und des Austausches, auf der Referentinnen und Referenten zu unterschiedlichen Themen Impulse für die Erinnerungs- und Gedenkarbeit in einer bunten, diversen Stadtgesellschaft geben.

„Die Auseinandersetzung mit der Historie eines Ortes kann ein Mosaikstein sein, um sich in der Stadt zu Hause zu fühlen“, erklärt Kai Rawe. Damit sich Bürgerinnen und Bürger mit einer Stadtgeschichte und ihrer Erinnerungskultur verbunden fühlen, muss es verschiedene Anknüpfungspunkte in der Stadt und ihrer Geschichte geben, mit denen sich Menschen identifizieren können. „Vor einiger Zeit hat mir ein Kollege von einem Gespräch zwischen ihm und einem Studenten aus Aleppo erzählt. Dieser Student ist nach Bochum gezogen. Er hatte in einem Buch von Bochums Stadtgeschichte geblättert und ein Bild aus 1946 gefunden, also nach dem Krieg, als die Stadt zerstört war. Der junge Student hat dies gesehen, war überrascht und erzählte, dass es bei ihm zu Hause in Aleppo momentan genauso aussehen würde. Diese Verbindung, so einen Anknüpfungspunkt, braucht eine Stadtgeschichte und die Erinnerungskultur, damit aus ihr ein Wir-Gefühl entstehen kann“, so Kai Rawe.

Im Vordergrund ein Schild mit der Aufschrift Reihe 116c. Im Hintergrund eine weiße Wand auf der Plakate zur Erinnerungskultur in einer Vitrine hängen. Neben den Informationen zur Mitgestaltung des Lern-und Erinnerungsort des Lager Bergener Straße hängt ein Abbild eines jungen Mannes. Das Bild ist in schwarz und weiß. Darunter steht der Name Nikolaj Storoschenko.
In der Gedenkstätte an der Bergener Straße wird die Lebens- und Leidensgeschichte der dort Inhaftierten und die lange Geschichte der Nutzung nach dem Ende des zweiten Weltkriegs ausgestellt. (Quelle: Stadt Bochum/Stadt Bochum)

Bewusstsein schaffen und in den Austausch gehen – das sind zwei der Hauptziele des Projekts. Hier spielt auch das Stadtarchiv eine wichtige Rolle, denn es hat eine kommunale Pflichtaufgabe zu erfüllen. Es trägt Sorge dafür, dass die Quellen zu den geschichtlichen Themen zugänglich sind und genutzt werden können. Damit bleiben die historischen Kenntnisse nicht nur erhalten, sondern werden außerdem wieder neu vermittelt.

Im Herbst ist erneut in Zusammenarbeit mit der Volkshochschule Bochum ein Vernetzungstreffen geplant. Zudem soll der Gedenk- und Erinnerungsort an der Bergener Straße in diesem Jahr eröffnet werden. Es folgen außerdem weitere Stelen an markanten Plätzen im Stadtraum – auch auf Bochumer Friedhöfen. So können Bochumerinnen und Bochumer an verschiedenen Orten in der Stadt ihr persönliches Mosaiksteinchen in Bochums Stadtgeschichte finden.

Kai Tawe steht zwischen zwei Regalen gefüllt mit Boxen. Er verschränkt die Arme und lächelt in die Kamera. Er trägt einen Anzug und eine Brille.

Kai Rawe arbeitet seit 2019 als Leiter des Stadtarchivs – Bochumer Zentrum für Stadtgeschichte und ist zugleich Projektleiter des Bochum Strategieprojektes „Erinnen statt Vergessen – Erinnerungskultur und Stadtgeschichte“. Zuvor studierte und promovierte er in Bochum und arbeitete anschließend erst als Mitarbeiter und dann bis 2019 als Leiter des Stadtarchivs in Mühlheim an der Ruhr.