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Aktuelles zur Bochum Strategie

Erste Grundschulen werden Familienzentren

Eltern engagieren sich ehrenamtlich an Familienzentren (FGZ).
Bei den Familienzentren (FGZ) an Grundschulen engagieren sich Eltern ehrenamtlich. (Quelle: Stadt Bochum )

Aktuelles zur Bochum Strategie

An Bochumer Kindertagesstätten sind Familienzentren ein Erfolgsmodell: Nach ihrem Vorbild bietet die Stadt, gefördert vom Land NRW, deshalb Eltern nun auch an Grundschulen Unterstützung bei Fragen zu Bildung, Betreuung und Erziehung an. Bochums Überzeugung dabei: Jedes Kind hat das Recht auf Bildung und Förderung – je früher, desto besser.

An der Amtmann-Kreyenfeld-Schule (Ost), Feldsieper Schule (Mitte), Gertrudisschule (Wattenscheid) und Waldschule (Süd) haben die ersten Familiengrundschulzentren (FGZ) seit August 2021 nach und nach ihre Arbeit aufgenommen. Auf dem Schulhof an der Fahrendeller Straße ist heute Elterncafé: Zeit für zwanglosen Austausch oder drängende Fragen. „Guten morgen – Tee und caffe“ prangt in weißer Kinderkreideschrift auf der schwarzen Tafel, die am Lastenrad der Feldsieper Schule hängt. Halt macht das Coffee-Bike am Teilstandort. Auf dem Ausschank liegt eine Wunschliste. „Schnitzeljagd“ und „Familiencafé“ haben Kinder notiert, Eltern „Reparaturcafé“ und „Upcycling“. Schule – das soll an Familiengrundschulzentren mehr sein als Unterricht und Betreuung.

„Wir wollen keine Familienzentren andocken“, erläutert Tanja Biel, die im Schulverwaltungsamt in der Stabsstelle Bildungsnetzwerke den Aufbau der kommunalen FGZ koordiniert. Die Schulen sollen sich dazu entwickeln und Eltern im Alltag bedarfsorientiert und partnerschaftlich zur Seite stehen. „Zuhören und erhören“, sagt Dinah Bronner, seien der Schlüssel. Die 36-Jährige leitet das vom evangelischen Kirchenkreis getragene FGZ an der Feldsieper Schule.

Das Elterncafé dient zum Austausch und ist Teil der FGZ. (Quelle: Stadt Bochum )

„Schule, Betreuung, Familie – das ist ein Dreiklang, der bei den Beteiligten einen Hype auslöst, der Haltung verändert“, beobachtet FZG-Leiter Felix Koch an der Waldschule. „Es kommen Menschen auf uns zu, die bereit sind, Angebote zu schaffen – und zwar on top.“

An der Waldschule haben sie dafür im letzten Halbjahr einen Klassenraum freigezogen, mit einer Küche und Möbeln auch für Erwachsene ausgestattet. Trägerin ist die AWO. Zweimal in der Woche bieten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus OGS und Schulsozialarbeit hier Beratung an. Es gibt einen Nähkurs. Die Sporthalle nutzt das FGZ für Kinderturnen und Familienfußball. „Papas kicken mit ihren Töchtern, auch eine Mutter spielt mit“, erzählt Felix Koch. Gerne zocken sie auf dem nahen Kunstrasenplatz. „Der Andrang ist groß“, so der 34-jährige. Ziel aller Aktionen: ungezwungen ins Gespräch zu kommen.

Neben dem Austausch untereinander bieten die FGZ auch Nähkurse oder Familienfußball an. (Quelle: Stadt Bochum )

„Wir haben uns lange Gedanken gemacht, was wir brauchen“, berichtet Christian Töpfer, Leiter des FGZ an der Gertrudisschule. 80 Prozent der 340 Familien besitzen Migrationshintergrund. „Viele sprechen nicht sicher Deutsch, können bei Hausaufgaben nicht gut helfen, bleiben im Stadtteil unter sich“, schildert der 49-Jährige. Viermal pro Woche gibt es daher ein Sprachcafé für Eltern, unterstützt von Dolmetscherinnen und Dolmetschern. Das FGZ bietet Spaziergänge an, damit Eltern den Stadtteil kennenlernen, kooperiert mit einer Tanzschule. „Zwei Jahre lang haben durch Corona Bewegung und Begegnungen gefehlt – das merkt man“, so Christian Töpfer. „Es ist eine Scheu da, den Schulhof zu betreten.“ Um Raum für die Angebote zu haben, hat die AWO als Trägerin von OGS und FGZ die Schulbetreuung in die Klassenzimmer verlegt. Im freigezogenen Pavillon gibt es nun „Extra-Zeit zum Lernen“. Wo Sorgen erkennbar werden, offeriert das FGZ Hilfe, holt Expertise ins Haus.

„Netzwerkarbeit“, nennt es Arda Dogan, der seit Februar das vom evangelischen Kirchenkreis getragene FGZ an der Amtmann-Kreyenfeld-Schule leitet und zum Beispiel gerne Spielenachmittage mit Stift und Papier ausrichtet, „um beim Spaßfaktor zu zeigen, es muss nicht immer digital sein“. Freitags, bewusst am Ende der Woche, steht Qi Gong zur Entspannung auf dem Plan. Natürlich gibt es all die Angebote oder ähnliche auch anderswo. „Bei uns ist der Zugang aber familiärer“, weiß Arda Dogan. Und es sind Türöffner: „Man traut sich, Dinge anzusprechen.“ Zur Zusammenarbeit von Trägerverband, Kirchengemeinden, Jugendamt, Förderverein im FGZ sagt der 37-Jährige: „Wir knüpfen den Knoten dafür.“

So wirken an einem Ort viele vielfältig mit an der Entwicklung der Kinder, schultern gemeinsam Erziehungsaufgaben und Bildungsauftrag, teilen Erfolge, unterstützen bei Fragen und Nöten. In Afrika gibt es dafür ein Sprichwort: „Es braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind zu erziehen“, zitiert Dinah Bronner. Sie findet: „In unserem gemeinsamen und ganzheitlichen Ansatz steckt das Potential, Gesellschaft zu verändern.“

Im Bochumer Norden und Südwesten soll perspektivisch ebenfalls je ein Familiengrundschulzentrum (FGZ) entstehen. 8.000 Euro erhält jedes FGZ im Jahr vom NRW-Ministerium für Schule und Bildung. Inhaltlich unterstützt die Wübben Stiftung die Entwicklung und Vernetzung der FGZ. Die Stadt investiert zusätzlich in jedes FGZ jährlich 7.000 Euro – mehr als dreimal so viel, wie der gesetzliche Eigenteil es vorsieht. Grundschulen zu Familienzentren zu entwickeln, ist ein Projekt der Bochum Strategie. Das Ziel: gleiche faire Bildungschancen zu schaffen.

Tanja Giel koordiniert die FGZ. (Quelle: Stadt Bochum )
Seit Mitte August 2021 koordiniert Tanja Biel den Aufbau der kommunalen Familiengrundschulzentren. Die Wirtschaftsjuristin kümmert sich um die finanzielle Ausgestaltung und rechtliche Abwicklung. Sie sorgt dafür, dass unter anderem Schulleitungen, Träger und Kooperationspartner vernetzt sind. „Man sieht bei den Kitas, wie gewinnbringend Familienzentren sind“, sagt die 30-Jährige. „Da macht es Sinn, das Konzept in die Grundschulen zu tragen und für die dort vorhandenen Bedarfe weiterzuentwickeln.“