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Wie war das wirklich mit dem Maiabendfest?

Das Maiabendfest geht, wie Darpe und Bornholdt nachgewiesen haben, auf eine Verbindung des vorchristlich-heidnischen Festes der Frühlingswiederkehr mit mittelalterlichen Schützentraditionen in der Stadt Bochum zurück.

Beim heidnischen Maifest zog die Jugend aus und fällte im Gemeindewald einen Baum, den sie an zentraler Stelle des Dorfes aufstellte und schmückte; anschließend wurde ein Fest veranstaltet. Im Mittelalter entwickelten sich diese heidnischen Maifeste, die in Süddeutschland noch heute zum Brauchtum gehören, hier zu bürgerlichen Waffen- und Schützenfesten.

Als historisch gesichert kann gelten, daß in Bochum jüngere Mitglieder der Schützengilde am Vortag des 1. Mai in den Gemeindewald, den Bockholt, zogen, dort eine Eiche fällten und sie unter Beachtung verschiedenster Vorschriften in die Stadt brachten. Der Baum wurde dort, so Kortum, nicht aufgestellt sondern gegen Zahlung eines Geldbetrages an Bürger der Stadt abgetreten. Andere Quellen sprechen von einer Aufstellung des Maibaumes und einer Ausschmückung der Stadt, wofür ebenfalls ein Geldbetrag bereitgestellt wurde. Unstrittig ist, daß die finanzielle Zuwendung zur Finanzierung eines Festes, der sogenannten Schützenzeche, diente.

Historisch nicht haltbar ist die Überlieferung, die das Maiabendfest mit der Dortmunder Stadtfehde von 1388 in Verbindung bringt. Danach sollen Bochumer Junggesellen am 17. September 1388 Bewaffneten aus der freien Reichsstadt Dortmund Vieh, das letztere in Kamen gestohlen hatten, abgenommen und den rechtmäßigen Eigentümern zurückgegeben haben. Anschließend habe Graf Engelbert III. von der Mark - so die Sage - das Fest zu Ehren der Bochumer Junggesellen gestiftet. Nach Dortmunder Quellen war die Stadt Bochum jedoch zu keinem Zeitpunkt in die Auseinandersetzungen zwischen den Grafen von der Mark und der Stadt Dortmund involviert. Diese "Waffengangtheorie" der Bochumer Junggesellen kam erst im 19. Jahrhundert auf und ist aus älteren Quellen nicht zu belegen.

Erste Hinweise auf die Existenz einer Schützengilde in Bochum finden sich in einer Bürgerbuch-Eintragung von 1540. In Stadtrechnungen des 17. und 18. Jh. werden wiederholt Schützenfeste erwähnt, die jedoch im Sommer veranstaltet wurden. Die Junggesellenkompagnie, offensichtlich eine zweite Schützengesellschaft in der Stadt Bochum, wird erstmals in einer Stadtrechnung vom 21. September 1658 genannt und nimmt in der Folgezeit an sogenannten Fohr- oder Grenzgängen teil, bei denen auf Stadtkosten erhebliche Mengen an Bier und Spirituosen verzehrt wurden.

Aus preußischen Edikten des 18. Jhs. läßt sich ein Wandel im behördlichen Umgang mit den Schützengilden erkennen: Während die Verwaltung den häufig durch überzogene Trinkgelage strapazierten Aspekt des Schützenwesens verurteilte, wurde die Wandlung der Schützengilden zu Bürgermilizen mit Verteidigungsaufgaben nachhaltig unterstützt. Der auch in Preußen noch übliche Brauch des Maisetzens (Aufstellen von Maibäumen) wurde untersagt, Mißbrauch unter Strafe gestellt.

Zwischen 1829 und 1834 mußte das Maiabendfest erneut ausgesetzt werden: Da nach preußischem Recht in jeder Kommune nur ein Schützenverein existieren durfte, wurde die Junggesellen-Kompagnie zwangsweise mit dem 1829 gegründeten Bürgerschützen fusioniert; sie konnte aber nach langen Auseinandersetzungen mit dem Bürgerschützen-Vorstand und der Verwaltung 1834 ihr Recht auf Durchführung des Maiabendfestes durchsetzen.

Bei der Teilung der Harpener Mark ab 1769 wurde in Verhandlungen mit ortsansässigen Landwirten das traditionelle Recht der Bochumer Bürgersöhne anerkannt, am Vortag des 1. Mai einen Maibaum aus dem Bockholt zu holen. Diese Dienstbarkeit wandelte man im Zuge der Markenteilung in eine jährliche Geldzahlung von 8 Talern um, die zunächst der Eigentümer des sogenannten Böhne-Kottens, von 1876 an die Stadt Bochum zu leisten hatte.

Literaturauswahl:

Bornholt, Andreas:
600 Jahre Bochumer Maiabendfest. Die historische Entwicklung eines städtischen Heimatfestes im Revier. Bochum 1988.

Brinkmann, Karl:
Graf Engelbert III. von der Mark und das Bochumer Maiabend- fest. Bochum 1964.

Darpe, Franz:
Geschichte der Stadt Bochum nebst Urkundenbuch. Bochum 1894.

Kortum, Carl-Arnold:
Nachrichten vom ehemaligen und jetzigen Zustande der Stadt.

Pöppe, Heinz:
Das Bochumer Maiabendfest von 1388.

Reusch, Hans-Otto:
Wä gäiht noe Harpen. Das Maiabend-Fest der Stadt Bochum im Wandel der Zeiten. Bochum 1928.

Seippel, Max:
Das Maiabendfest in Bochum. Bochum 1881.


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