Referat für Gleichstellung, Familie und Inklusion

Kindergarten und Schule

Jedes Kind hat seine eigenen Bedürfnisse, an die sich die Kindertageseinrichtung anpassen muss.

Referat für Gleichstellung, Familie und Inklusion

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So soll eine Gemeinschaft  gefördert werden.
Die Kindergartenzeit umfasst das Alter von drei bis sechs Jahren. Die Betreuungsangebote in Kindertageseinrichtungen sind vielschichtig.

Ein besonderes Betreuungsangebot, insbesondere für Kinder mit Behinderung, bieten heilpädagogische Kindertageseinrichtungen. In der Heilpädagogik geht es nicht primär um die Behebung eines speziellen Defizits, sondern um eine ganzheitliche Förderung des Kindes, Jugendlichen oder Erwachsenen in seinem gesamten sozialen Umfeld. Dabei nimmt die Heilpädagogik Rücksicht auf die persönlichen Eigenarten und Begabungen des jeweiligen Individuums.

Heilpädagogische Kindertageseinrichtungen sollen somit Kinder in ihrer ganzheitlichen Persönlichkeit umfassen. Zu unterscheiden sind weiterhin rein heilpädagogische von additiven Einrichtungen.
Rein heilpädagogische Kindertageseinrichtungen beschäftigen sich ausschließlich mit der Erziehung und Förderung von Kindern mit Behinderung. Die Gruppengröße fasst zwischen acht und zwölf Kinder.
Im Gegensatz dazu fördern additive Kindertageseinrichtungen eine gemeinsame Erziehung und Förderung von Kindern mit und ohne Behinderung. Dabei sind vierzehn bis sechzehn Kinder jeweils in einer Gruppe untergebracht.

Sowohl rein heilpädagogische als auch additive Kindertageseinrichtungen bieten eine sechsstündige Betreuung pro Tag, haben einen großen Einzugsbereich und bieten therapeutische Angebote.

Eine Auflistung aller vorhandenen Kindergärten / Kindertageseinrichtungen finden sie hier.
 

Hintergrund

Mit dem 9. Schulrechtsänderungsgesetz (Erstes Gesetz zur Umsetzung der VN-Behindertenkonvention in den Schulen), das vom Landtag NRW am 16.10.2014 verabschiedet wurde, hat das Land den Auftrag der VN-Behindertenrechtskonvention umgesetzt und die ersten Schritte auf dem Weg zur inklusiven Bildung an allgemeinen Schulen gesetzlich verankert.

Mit Beginn des Schuljahres 2014/2015 sollen Schülerinnen und Schüler mit einem Bedarf an sonderpädagogischer Unterstützung grundsätzlich ein Platz an einer allgemeinen Schule angeboten werden. Eltern von Schülerinnen und Schülern mit einem Bedarf an sonderpädagogischer Unterstützung sollen weiterhin die Förderschulen wählen können, wenn sie dies vorziehen und vor Ort ein entsprechendes Angebot vorhanden ist.

In einem inklusiven Schulsystem wird das gemeinsame Lernen von Menschen mit und ohne Behinderungen zur Normalform.

Unter dem Begriff „Gemeinsames Lernen“ wird die sonderpädagogische Unterstützung nunmehr zusammengefasst (§ 19 Abs 2 Schulgesetz NRW - SchulG) und löst den gemeinsamen Unterricht (Primarstufe) und die integrativen Lerngruppen (Sekundarstufe) ab. Es gibt nach wie vor sieben Förderschwerpunkte):

  • Lernen
  • Sprache
  • Emotionale und soziale Entwicklung
  • Hören und Kommunikation
  • Sehen
  • Geistige Entwicklung und
  • Körperliche und motorische Entwicklung.

Dabei werden die Förderschwerpunkte Lernen, Sprache, Emotionale und soziale Entwicklung auch unter dem Begriff „Lern- und Entwicklungsstörungen“ zusammengefasst. Man geht hier von einer zeitlich begrenzten Störung aus.

Den Prozess der Inklusion unterstützen vor Ort die vom Land bestellten Inklusionskoordinatorinnen und Netzwerke der beteiligten Lehrkräfte. Das Kompetenzteam für die Stadt Bochum bietet Fortbildungen an.

Das Regionale Bildungsbüro bearbeitet Inklusion als Querschnittsthema und sichert im Rahmen der Vernetzung aller betroffenen Akteure auch eine Zusammenarbeit mit den betroffenen Eltern.

Wesentliche Neuregelungen durch das 9. Schulrechtsänderungsgesetz
Antrag auf sonderpädagogische Unterstützung (AO-SF)

In der Regel stellen nun die Eltern den Antrag auf sonderpädagogische Unterstützung (§ 19 Abs. 5 SchulG). Die Schulaufsichtsbehörde entscheidet über den Bedarf an sonderpädagogischer Unterstützung und legt den Förderschwerpunkt fest. Anschließend schlägt die Schulaufsichtsbehörde den Eltern, mindestens eine allgemeine Schule vor, an der ein Angebot des Gemeinsamen Lernens eingerichtet ist. Die Schulaufsicht entscheidet demnach nicht mehr über den Förderort, sondern die Eltern entscheiden.

Wichtig für die Anmeldung an der weiterführenden Schule ist: Bei den weiterführenden Schulen haben die Eltern von zieldifferent unterrichteten Kindern nur die Wahl zwischen der Regelschule oder Förderschule, die Schulform kann nicht gewählt werden. Bei zielgleich unterrichteten Kindern, die eine Grundschulempfehlung mitbringen, wird die Schulform berücksichtigt.

Die Schule kann in Ausnahmefällen (§ 19 Abs. 7 SchulG) ebenfalls einen Antrag auf sonderpädagogische Unterstützung stellen. Diese sind gegeben, wenn eine Schülerin oder ein Schüler nicht zielgleich unterrichtet werden kann oder wenn ein vermuteter Bedarf an sonderpädagogischer Unterstützung im Förderschwerpunkt Emotionale und soziale Entwicklung vorliegt, der mit einer Selbst- oder Fremdgefährdung einhergeht.

Bei einem vermuteten Bedarf an sonderpädagogischer Unterstützung im Förderschwerpunkt Lernen kann die allgemeine Schule den Antrag frühestens stellen, wenn eine Schülerin oder ein Schüler die Schuleingangsphase der Grundschule im dritten Jahr besucht. Nach dem Ende der Klasse 6 ist ein Antrag nicht mehr möglich.

Bei der Beschulung von Schülerinnen und Schülern mit sonderpädagogischem Unterstützungsbedarf wird zwischen „zielgleich“ und „zieldifferent“ unterschieden. Diese Begriffe sind aus schulrechtlicher sowie aus pädagogisch-praktischer Sicht relevant. Sie beziehen sich auf die Bildungsziele, die in den Lehrplänen für die Regelschulen formuliert sind.

Zieldifferent:

Falls die Beeinträchtigungen langfristig und schwerwiegend sind, können trotz sonderpädagogischer Unterstützung die Lehrplanziele und Abschlüsse wahrscheinlich nicht erreicht werden. Es wird zieldifferent unterrichtet. Dieses gilt in der Regel für den Förderschwerpunkt Lernen und Geistige Entwicklung und für Mehrfachbehinderungen. Zieldifferent unterrichtete Schülerinnen und Schüler werden nicht benotet und erhalten keine Notenzeugnisse.

Zielgleich:

Das Ziel des Bildungsgangs kann trotz des sonderpädagogischen Unterstützungsbedarfs wahrscheinlich erreicht werden. Es wird zielgleich unterrichtet. Hier gilt bei der Wahl der Schule die Grundschulempfehlung.

Orte der sonderpädagogischen Förderung

Im § 20 Abs. 1 SchulG ist festgelegt, dass sowohl inklusiv arbeitende allgemeine Schulen als auch Förderschulen und Schulen für Kranke Orte sonderpädagogischer Förderung sind. Auf dem Weg zu einem inklusiven Schulangebot können Schulträger mit Zustimmung der oberen Schulaufsicht allgemeine Schulen als Schwerpunktschulen bestimmen (§ 20 Abs. 6 SchulG). Eine solche Schule umfasst über die Förderschwerpunkte Lernen, Sprache sowie Emotionale und soziale Entwicklung hinaus weitere Förderschwerpunkte, mindestens aber einen weiteren Förderschwerpunkt.

Grundschulen

Eltern von Kindern mit festgestelltem Bedarf an sonderpädagogischer Unterstützung haben einen Anspruch darauf, dass ihnen das Schulamt mindestens eine geeignete Grundschule vorschlägt, an der Gemeinsames Lernen praktiziert wird.

In Bochum haben zurzeit 30 Grundschulen Erfahrungen mit integrativen Lerngruppen/dem Gemeinsamen Lernen und sind personell entsprechend ausgestattet.

Vermuten Eltern (oder Kindestageseinrichtungen) aufgrund der bisherigen Entwicklung eines Kindes, dass ein sonderpädagogischer Unterstützungsbedarf im Bereich der Lern- und Entwicklungsstörungen besteht, ohne dass jetzt schon dazu ein Feststellungsverfahren beantragt ist, dann können die Eltern ihr Kind an der wohnortnächsten Grundschule anmelden, die das Gemeinsame Lernen anbietet. Dort wird das Kind individuell gefördert.

Weiterführende Schulen  Aufnahme in Klasse 5

Verfahren
Den Eltern der Kinder mit festgestelltem sonderpädagogischem Unterstützungsbedarf (zielgleich und zieldifferent) wird in einer Beratung eine Schule vorgeschlagen, an der das Gemeinsame Lernen eingerichtet ist. Bei zielgleich unterrichteten Kindern wird die Schulformempfehlung berücksichtigt.

Anmeldung:
Die Eltern melden an den Anmeldeterminen ihr Kind bei der ihnen angebotenen Schule an. Die Kinder mit festgestelltem sonderpädagogischem Unterstützungsbedarf haben einen sicheren Platz an der Schule, die ihnen vom Schulamt für die Stadt  Bochum angeboten wird.

Von integrativen Lerngruppen zum Gemeinsamen Lernen
Die integrativen Lerngruppen in der Sekundarstufe laufen nach und nach aus. Solange diese Gruppen noch existieren, gelten für sie die bisherigen Regelungen fort.

Bisher haben 17 weiterführende Schulen integrative Lerngruppen geführt. Im Schuljahr 15/16 werden vermutlich 16 Schulen Gemeinsames Lernen anbieten. (Davon stehen 11 bereits fest. Das Angebot wird jährlich dem erhobenen (Schulamt) Bedarf angepasst.)

Lehrerversorgung
Die sonderpädagogische Unterstützung in Form von Lehrerstunden werden im Förderschwerpunkt Lernen und Emotionale und soziale Entwicklung sowie Sprache  nicht mehr pro Schüler/in gewährt, sondern budgetiert. Damit soll das Ressourcen-Etikettierungsdilemma vermieden werden, wonach ein Kind erst einwandfrei etikettiert werden muss, um Unterstützung zu erhalten. Grundschulen mit dem Angebot des Gemeinsamen Lernens sollen mindestens eine halbe Stelle pro Zug erhalten. Weiterführende Schulen sollen mindestens eine Stelle pro Zug erhalten. Über die konkrete Stellenzuweisung entscheidet die Schulaufsicht.
In beiden Schulstufen soll an den Status Quo der Schulen mit Angeboten im Gemeinsamen Lernen angeknüpft werden.

Die sonderpädagogische Unterstützung in den anderen Förderschwerpunkten (HK, SQ, GE und KM) wird weiterhin pro Kopf gewährt.

Förderschulen

Die Entwicklung der Förderschulen ist abhängig vom künftigen Anwahlverhalten der Eltern. Die Förderschulen mit dem Förderschwerpunkt Lernen haben in den zurückliegenden Jahren einen hohen Rückgang der angemeldeten Schülerinnen und Schüler zu verzeichnen.

Berufsorientierung
Das neue Übergangssystem „Kein Abschluss ohne Anschluss“ kümmert sich perspektivisch auch um die Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Unterstützungsbedarf.