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Kieselrot: Wege im Park am Ehrenmal sind belastet

Park am Ehrenmal in Wattenscheid

Bei der Umgestaltung des Parks Am Ehrenmal ist die Stadt Bochum unerwartet auf mit Dioxin belastetes Kieselrot – ein Füll- und Streumaterial, das nach derzeitigem Recherchestand höchstwahrscheinlich aus dem Wegebau in den 1950er oder 60er Jahren stammt – gestoßen. Am heutigen Montag, 9. März, hat die Stadt Bochum daher über den aktuellen Bauabschnitt hinaus den gesamten Park am Ehrenmal vorsorglich eingezäunt und wird nun im Zuge der Neugestaltung des Parks auch die Sanierung der Wege in der Grünanlage planen und durchführen. Eine Gesundheitsbelastung für Anwohnern, Spaziergänger, Hundehalter oder Radfahrer kann die Stadt ausschließen.

In dem denkmalgeschützten Park erneuert ein Garten- und Landschaftsunternehmen derzeit im städtischen Auftrag die Wege. Dazu gehört auch, den Erdaushub für die korrekte Entsorgung zu untersuchen. Das erste Probenergebnis lag am Mittwoch, 4. März, vor und fiel überraschend aus: Die Proben erwiesen sich als dioxinbelastet, die Werte lagen mit zirka 6.000 Nanogramm/Kilogramm jedoch deutlich unter dem Grenzwert von 10.000 Nanogramm (ein Nanogramm entspricht einem Milliardstel Gramm). Das Umwelt- und Grünflächenamt entschied sich dennoch, weitere Proben im gesamten Park zu nehmen. Diese Ergebnisse liegen seit Freitagnachmittag, 6. März, vor. Danach überschreitet die nachgewiesene Konzentration den Grenzwert mit bis zu 33.000 Nanogramm erheblich. „Richtig ist, dass Dioxin an sich hochgiftig, krebserregend und erbgutverändernd ist, hier liegt der Schadstoff aber gebunden in Kupferschlacke vor – es ist also kein Kontaktgift“, erläutert Stadtbaurat Dr. Markus Bradtke. Es gilt zudem als nicht wasserlöslich – sprich wenn es regnet, wird es nicht ausgeschwemmt. Eine Gesundheitsgefährdung für Menschen kann die Stadt daher ausschließen.

Zu dieser Erkenntnis über mit Kieselrot gebaute Spazierwege, Sport- und Spielplätze war das Land NRW nach umfangreichen Untersuchungen bereits 1991 gekommen und hatte seine Ergebnisse in einem Erlass gebündelt. „Anlass war die Kupferschlacke, die ein Unternehmen aus Marsberg seinerzeit unter dem Produktnamen Kieselrot vertrieben hatte und das sich im Gegensatz zu Kupferschlacke anderer Hersteller als dioxinbelastet erwiesen hatte“, schildert Dr. Jürgen Schneider, Leiter der Abteilung für Technischen Umweltschutz im Umwelt- und Grünflächenamt. Die Stadt hatte daraufhin städtische Verdachtsflächen, darunter vor allem Aschesportplätze, auf Kieselrot untersuchen lassen und nach und nach saniert. Denn: „Die langfristige Entsorgung, spätestens bei einer Instandsetzung von Flächen, hielt das Land für notwendig“, sagt Dieter W. Hartwig, Leiter des Umwelt- und Grünflächenamts. „Genau dies werden wir nun im Park Am Ehrenmal in Wattenscheid tun.“

Luftbild des Parks am Ehrenmal in Wattenscheid
Luftbild des Parks am Ehrenmal in Wattenscheid (Quelle: Aerowest GmbH 2017)

So sei der Austausch der Deckschicht ohnehin geplant gewesen, da die Wege komplett neu aufgearbeitet werden. Aufgrund der speziellen Entsorgung des belasteten Altmaterials rechnet die Stadt Bochum nun mit höheren Kosten für die Neugestaltung der Anlage. Ob es auch zu einer längeren Bauzeit kommen kann, ist aktuell noch nicht absehbar.

Die Stadt wird zusätzlich die Grünflächen im Park beproben, um nachzuweisen, dass beim bisherigen Wegebau kein Kieselrot auf die Grünflächen und die geplante Spielzone getragen wurde. „Wir gehen derzeit nicht davon aus, dass sie belastet sind, da Kieselrot üblicherweise damals für den Platz- und Wegebau benutzt wurde“, so Markus Bradtke. Für Grünflächen gelten im Gegensatz zu Plätzen und Wegen, Gewerbe- und Industrieflächen sensiblere Grenzwerte. Über die neuen wie die bisherigen Ergebnisse informiert die Stadt im Internet unter www.bochum.de/kieselrot. Anwohnerinnen und Anwohner erhalten den aktuellen Sachstand zudem per Post. „Wir wollen selber erklären, was im Park Am Ehrenmal passiert, und nicht andere von außen deuten lassen“, so Markus Bradtke.

Mit der Sanierung von Kieselrot hat die Stadt Bochum langjährige Erfahrung, auch mit vergleichbar belasteten Flächen. So hat sie die letzte Kieselrot-Sanierung 2014 abgeschlossen. Die Bauarbeiten im Park Am Ehrenmal müssen nicht ruhen; beim Aushub und der Entsorgung müssen die Baufirmen jedoch speziellen Vorgaben einhalten. Dafür lässt das Umwelt- und Grünflächenamt ein Arbeitsschutzkonzept erstellen.

(9. März 2020)