Jahresempfang von Oberbürgermeister Thomas Eiskirch im Deutschen Bergbaumuseum

Bochumer Jahrestreff 2019

Rede des Oberbürgermeisters Thomas Eiskirch am 6. November 2019

-  Es gilt das gesprochene Wort -

Sehr geehrte Damen und Herren,

herzlich willkommen zum Jahrestreff 2019!

Wie hat Ihnen der musikalische Auftakt gefallen? Als ich Esther Brouns bei der „Classic Night“ im Musikforum zum ersten Mal gehört habe, stand für mich sofort fest, diese Künstlerin muss ich für den Jahrestreff gewinnen! Schön, dass es heute geklappt hat!

Vielen Dank für das tolle musikalische Intro an Esther Brouns sowie ihren Begleiter am Piano Andreas Paweletz.


Liebe Gäste,

ich freue mich, dass so Viele meiner Einladung gefolgt sind, darunter auch Mitglieder des Landtages NRW mit der Landtagsvizepräsidentin Carina Gödecke an der Spitze sowie die Mitglieder des Rates und der Bezirksvertretungen unserer Stadt.

Eine besondere Freude und Ehre ist, dass der Regierungspräsident erneut den Weg aus Arnsberg auf sich genommen hat, um am Bochumer Jahrestreff teilzunehmen. Lieber Hans-Josef Vogel, herzlich willkommen!

Dem Hausherrn des Deutschen Bergbau-Museums, Herrn Prof. Brüggerhoff, danke ich herzlich für seine Gastfreundschaft am heutigen Abend.

Ich habe dieses Haus ganz bewusst als Treffpunkt für unsere diesjährige Begegnung gewählt. Schließlich hatte ich angekündigt, dass wir uns immer dort treffen, wo es in Bochum etwas interessantes Neues gibt.

Nach gut drei Jahren Sanierung, Umbau und Neukonzeption ist hier im Juli die neue Dauerausstellung eröffnet worden. Damit ist das Mammutprojekt geschafft, das 2016 mit dem Einpacken und Auslagern von rund 350.000 Exponaten begonnen hatte. Unser Bergbaumuseum ist wieder komplett! Und es ist moderner geworden, offener. Zukunftsorientiert.

Möglich gemacht hat das nicht zuletzt die großzügige Unterstützung von Bund, Land und RAG-Stiftung. Dafür an dieser Stelle noch einmal ganz herzlichen Dank!

Falls Sie, meine Damen und Herren, noch keine Gelegenheit hatten, sich einen Eindruck vom neuen Bergbaumuseum zu verschaffen, heute Abend können Sie das. Die Kolleginnen und Kollegen des Museums bieten später Kurzführungen an. Dafür, lieber Herr Prof. Brüggerhoff, Ihnen und Ihrem ganzen Team vielen Dank.

Meine Damen und Herren,

es gibt aber noch einen weiteren Grund dafür, dass ich Sie zum Jahrestreff 2019 ausgerechnet hierher eingeladen habe – einen inhaltlichen.

Das Bergbaumuseum ist einerseits ein Ort, an dem Erinnerungen an ein wichtiges Kapitel deutscher Industriegeschichte bewahrt werden. Es ist die zentrale Anlaufstelle in Sachen Bergbau- und Montangeschichte. Andererseits ist das Bergbaumuseum eine renommierte Forschungseinrichtung für Georessourcen. Wie kaum ein zweiter Ort in Bochum vereint dieses Haus Tradition und Moderne. Und damit steht es symbolisch für das, worüber ich heute mit Ihnen sprechen möchte: Bochums Weg in die Zukunft.

Inhaltlich knüpfe ich an das an, was wir in den vergangenen Jahren thematisiert haben:

2016 im Eissalon Ruhr stand die wirtschaftliche Entwicklung unserer Stadt im Mittelpunkt des Jahrestreffs. Ich habe über Bochum als „Ermöglicherstadt“ gesprochen. Als Stadt, in der wir Chancen nutzen, um Entwicklung möglich zu machen.

2017, in der Rotunde, haben wir den Blick auf die Entwicklung Bochums als soziale Stadt gerichtet. Wir haben unter anderem über die Weiterentwicklung des Bochumer Integrationskonzeptes gesprochen, über die Gründung der Ehrenamtsagentur und vieles mehr.

Und als wir uns 2018 im Justizzentrum getroffen haben, standen Sicherheit, Ordnung und Sauberkeit im Fokus. Hier habe ich unter anderem die Arbeit der Abfalldetektive angekündigt, die inzwischen erfolgreich tätig sind. Und wir haben uns zum gemeinsamen Stadtputz verabredet. Übrigens eine ganz tolle Aktion. Ich habe mich sehr darüber gefreut, dass über 8.000  Bochumerinnen und Bochumer dabei mitgemacht haben! Ich bin sicher, beim nächsten Mal werden wir 5-stellig. Wenn Sie (wieder) mitmachen möchten, merken Sie sich den 28. März 2020 schon mal vor.

Ich habe Ihnen in den vergangenen Jahren die Bochum Strategie vorgestellt. Wir haben darüber gesprochen, wie wir uns das Bochum der Zukunft vorstellen. Welche Ziele wir verfolgen und was wir tun müssen, um diese Ziele zu erreichen. Erste Projekte bzw. Kernaktivitäten – 50 hat der Rat schon beschlossen – haben wir angestoßen. Einige sind mittlerweile erfolgreich umgesetzt. Bei anderen sind wir dran.

Insgesamt hat sich unglaublich viel getan! Die Abwärtsspirale, in die unsere Stadt durch das Aus zunächst der Handy- und dann der Autoproduktion geraten war, ist gestoppt. Es geht wieder aufwärts!

Viele in der Stadt spüren das. Aber es muss auch mal laut gesagt werden! Man sieht nämlich meistens nur das, was noch zu tun bleibt und das ist ohne Frage noch eine ganze Menge. Aber freuen wir uns doch endlich auch mal über das, was wir schon erreicht haben!

Ich nenne nur einige Beispiele:

  • Mark 51/7 ist, glaube ich, im Moment das Paradebeispiel. Mit  DHL, dem Max-Planck-Institut für IT-Security, den Maker-Spaces der Ruhr-Uni, den Instituten Zess und Think, Bosch/Escrypt, Faiveley und vielen anderen.

    Wir hatten hier eine einmalige Chance, die Flächen neu zu entwickeln. Eine Chance, um die uns viele Nachbarn beneiden. Und wir haben sie genutzt! Hier werden in Zukunft mindestens doppelt so viele Menschen arbeiten wie zum Ende der Automobilproduktion. Das ist schon richtig klasse. Und deshalb ist völlig zurecht die „Bochum Perspektive“, also die Gesellschaft von Stadt und Opel, mit dem Polis Award für urbanes Flächenrecycling ausgezeichnet worden.
     
  • Anderes Beispiel: die Innenstadtentwicklung mit dem Victoria-Karree, dem Haus des Wissens und der Markthalle, die sich die Bochumerinnen und Bochumer so sehr wünschen.

Wie lange ist darüber schon diskutiert worden? Jetzt packen wir es an! Und wir gestalten den Husemannplatz neu. Die Innenstadt soll „aufenthaltssympathischer“ werden. Es wird Raum zum Flanieren geben und Raum zum Spielen. Dies ist bisher keine Innenstadt für Kinder. Das werden wir ändern! Es wird mehr Grün geben und Wasser. Kurz gesagt, die Aufenthaltsqualität wird deutlich steigen!

  • Beispiel Wohnen: Unser Handlungskonzept sieht den Bau von jährlich 800 neuen Wohnungen vor, davon mindestens 200 im öffentlich geförderten Bereich. In 2018 wurden bereits über 900 Baugenehmigungen erteilt. Dieser Trend setzt sich im laufenden Jahr fort. Ich finde, das ist ein gutes Signal.
     
  • Auf gutem Weg sind wir auch im Bereich des Kita-Ausbaus. Das ist übrigens so ein Beispiel, wo viele nur sehen, was noch zu tun bleibt, anstatt sich über den Erfolg zu freuen. Ja, es ist richtig, dass in Bochum immer noch Kita-Plätze fehlen – wenn auch längst nicht so viele wie in anderen Städten. Fakt ist aber auch, dass im letzten Jahr mehrere hundert Plätze neu geschaffen wurden. Danke an dieser Stelle an alle Träger, die das möglich gemacht haben. Im nächsten Kindergartenjahr werden wir bei der Betreuung der unter 3-Jährigen erstmals die 40-%-Quote erreichen. Und sofort sehen wir ein neues Ziel. Im nächsten Schritt nehmen wir uns 45 % vor. Und so weiter.

    Auch die ersten flexiblen Kitas mit erweiterten Öffnungszeiten gehen demnächst an den Start. Das heißt, wir sind dran – und wir bleiben dran!
     
  • Seit Anfang des Jahres gibt es bei der Stadt ein Familienbüro. Bereits Ende 2018 hat die Bochumer Ehrenamtsagentur ihre Arbeit aufgenommen. Und das neue Fliednerhaus hat kürzlich sein einjähriges Bestehen gefeiert. Auf diesen Neubau einer Notschlafstelle für Obdachlose können wir meines Erachtens besonders stolz sein. Dieses Projekt ist uns nämlich genauso wichtig wie eine Ansiedlung auf Mark 51/7.  Damit beweist sich Bochum einmal mehr als soziale Stadt!

Ich könnte die Aufzählung fortsetzen.

In kaum einer anderen Stadt hat sich in letzter Zeit so viel bewegt wie bei uns! Und das, meine Damen und Herren, ist nicht nur meine persönliche Wahrnehmung.

Beim IHK-Wirtschaftsforum im Juli haben die Vertreterinnen und Vertreter der Wirtschaft deutlich zum Ausdruck gebracht, dass sie Bochum auf dem richtigen Weg sehen. Von der „schlimmen Stimmung“ in der Stadt nach der Schließung des Opel-Werks, so hat der stellvertretende IHK-Präsident Andor Baltz unter anderem gesagt, von dieser Stimmung sei nichts mehr zu spüren. 95 % der Unternehmer fühlen sich in Bochum willkommen. – Das ist ein irrer Wert! Ebenso viele würden die Stadt anderen Firmen weiterempfehlen. Das heißt, man steht dafür mit seinem guten Namen. Ich finde, das ist auch ein irrer Wert!

Über ein so positives Feedback habe ich mich natürlich riesig gefreut.

Aber die Unternehmer haben auch ganz deutlich gesagt, woran es bislang noch hapert:
43 % benannten den Imagewandel als eine zentrale Herausforderung für den Wirtschaftsstandort Bochum. Und ich finde, damit haben sie Recht! Wir müssen das neue Bild Bochums, das der „Ermöglicherstadt“, bekannter machen. Wir müssen es in die Welt tragen!  

Klar, es gibt inzwischen die ersten Artikel wie z. B. in der Süddeutschen Zeitung mit dem Titel:  „Da wo die Sonne nicht mehr verstaubt.“ Es gibt Artikel über das Musikforum – international sogar. Neulich habe ich einen Artikel gelesen, der hieß „Der Pulsschlag aus Stahl wird digital.“ Wir kriegen das manchmal gar nicht alles mit. Es passiert langsam was. Es gibt eine Geschichte über das neue Bochum, die erzählbar ist. Aber damit sie auch wirklich überall gehört und lesen wird, müssen wir sie in die Welt tragen.

Wenn das Bild, das die Menschen außerhalb unserer Region von Bochum haben, nur von der Vergangenheit geprägt ist, dann ärgert mich das gewaltig. Bochum ist nicht (mehr) „vor Arbeit ganz grau“. Die Realität ist deutlich anders. Grün, bunt und vielfältig. Aber das ist eben noch nicht überall angekommen.

Meine Damen und Herren,

die wirtschaftliche Entwicklung eines Standortes ist die Basis für alles andere. Ohne stabile Wirtschaft - keine Lebensqualität. Und wenn führende Köpfe der Wirtschaft Bochum als „Hidden Champion“ bezeichnen, dann ist das für mich Lob und Ansporn zugleich. „Champion“ – finde ich super! Aber „hidden“ – das müssen wir ändern! Wir brauchen uns nicht zu verstecken. Und wir dürfen uns nicht verstecken!

Das habe ich als Hausaufgabe aus dem IHK-Wirtschaftsforum mitgenommen: Das Image Bochums muss verbessert werden! Das kann ich aber nicht alleine. – Und das können wir auch als Stadt nicht alleine. Wir können das nur gemeinsam. – Alle gemeinsam. Die ganze Stadtgesellschaft muss mitmachen. Und dafür möchte ich Sie heute Abend gewinnen.

Jetzt werden Sie sich vielleicht fragen: Wie soll das gehen?

Ich denke, was wir brauchen ist eine Geschichte, die wir alle erzählen können. Die kurz und knapp ist. Nicht zu ausführlich. Eine Geschichte mit einer gemeinsamen Basis, die man runterbrechen kann auf die verschiedenen Bereiche des städtischen Lebens. Mit der nicht nur Bochum Marketing Stadtwerbung betreiben kann. Oder die Wirtschaftsentwicklung Bochum auf Messen wie der EXPO-Real darstellt. Wir brauchen Botschaften für alle. Hochschulrepräsentanten müssen sie genauso gut vermitteln können wie Schülervertreterinnen und Schülervertreter, Kulturschaffende,  Sportvereinsvorsitzende, Unternehmerinnen und Unternehmer, Gewerkschafter, Ehrenamtliche …. einfach alle.

Und wie kriegen wir das hin? Dazu habe ich einen Vorschlag:

Wir als Stadt haben in einem ersten Schritt zusammengetragen, was wir eigentlich über Bochum sagen wollen. Wir haben es aufgeschrieben und versucht, es auf den Punkt zu bringen. Dabei rausgekommen ist eine Geschichte, die im Wesentlichen aus fünf Botschaften besteht.

Botschaften, die ein positives Bild unserer Stadt zeigen, die dabei in sich schlüssig sind und für jedermann nachvollziehbar. Botschaften also, die wir alle vermitteln können und die – so würde ich es mir jedenfalls wünschen – alle auch vermitteln wollen.


Ich sage Ihnen jetzt mal, welche Botschaften das sind:

1. Gespür für relevante Arbeit -  Wir wissen, was es zu tun gilt.

Das hört sich erstmal kompliziert an. Aber die Bochumerinnen und Bochumer wussten schon immer, was zu ihrer Zeit die für Deutschland wichtigsten Schlüsselindustrien waren. Das war mit dem Bergbau so. Das war mit der Stahlindustrie so. Bergbau und Stahl waren einst die Wirtschaftszweige, die maßgeblich zu Wachstum und Wohlstand in Deutschland beigetragen haben. Dann kam Anfang der 1960-Jahre die Automobilindustrie. Dann – vor gut 20 Jahren – die Telekommunikation mit Unity Media und mit der Telekom. Bochum war immer Heimat der Schlüsselindustrien unseres Landes.

Die nächsten Schlüsselbranchen, auf die wir jetzt setzen, das sind IT-Sicherheit und Gesundheitswirtschaft. Und schon wieder hat Bochum das richtige Gespür. Wir sind am Puls der Zeit. Das was wichtig ist für Wertschöpfung in unserem Land, das findet wieder deutlich spürbar bei uns in Bochum statt. Das heißt, wir haben das Gespür für relevante Arbeit. Wir wissen, was es zu tun gilt.

Und dieses Wissen nutzen wir für den Wandel, der uns als kontinuierliche Herausforderung begleitet. Den Wandel von der Kohlehauptstadt Europas zur Stadt des Wissens und zur Talentschmiede im Ruhrgebiet.

2. Wissen, Wandel, Wir-Gefühl – die Bochum-Formel  

Wir setzen auf den Rohstoff Wissen. Mit fast 60.000 Studierenden sind wir der Hochschulstandort in NRW. An den neun Bochumer Hochschulen kann man fast alles studieren. Es gibt über 250 Studiengänge. Das heißt, wir sind in der Breite, aber auch in der Spitze ganz vorne mit dabei. Mit Resolv und Casa, mit Zess und Think. Wissen ist die Ressource, um die herum wir das neue Bochum gestalten. Das kann man auf Mark 51/7 sehen. Das kann man aber auch an vielen anderen Stellen sehen, vor allem wenn man bedenkt, dass jeder akademische Arbeitsplatz vier nichtakademische Arbeitsplätze nach sich zieht.

Bochum hat das Buch im Wappen. Das hat Symbolcharakter. Bochum hat eine lebendige Gründerszene. Wir können an dieser Stelle auch über Casa sprechen, oder über Geothermie. Aber es sind nicht nur die Hochschulen. Dieses Wissen ist auch anderswo verortet. Zum Beispiel in den Berufsschulen. Da ist die E-Bike-Garage entwickelt worden. Auch das ist ein Beispiel dafür, das Wissen unser Rohstoff ist.

Die positiven Entwicklungen sind uns nicht einfach so „zugeflogen“. Wir haben sie uns erarbeitet. Und wenn ich sage „wir“, dann meine ich das ganz wörtlich. Bochums Erfolg auf dem Weg des Wandels ist nämlich nicht zuletzt darauf zurückzuführen, dass die Menschen in unserer Stadt ihn gemeinsam gehen. So sind wir inzwischen hier im Ruhrgebiet. So sind wir in Bochum: Wenn es darauf ankommt, können wir uns aufeinander verlassen. Früher, unter Tage, war das überlebenswichtig, heute ist es eine unserer ganz großen Stärken: unser Wir-Gefühl.

Die Bochumerinnen und Bochumer sind solidarisch. Sie sind da, wenn es gilt, Schwächeren zu helfen. Sie engagieren sich ehrenamtlich im Sport, in der Kultur und im Sozialen. 140.000 Bochumerinnen und Bochumer sind im Ehrenamt aktiv. Eine beeindruckende Zahl! Sie erheben sich geschlossen gegen Fremdenfeindlichkeit. Menschen aus über 160 Ländern leben hier friedlich zusammen und sind einander freundschaftlich verbunden. Gemeinsam meistern wir Krisen und gemeinsam stemmen wir große Projekte. Der Bau des Anneliese Brost Musikforums ist ein eindrucksvolles Beispiel dafür, was Bochum mit seinem Wir-Gefühl erreichen kann. Und jetzt kommt das nächste Großprojekt auf uns zu: die Innenstadtentwicklung. Das wird wieder eine Mammutaufgabe. Sie wird uns in den nächsten Jahren noch viel Kraft kosten. Aber wir trauen uns, sie in Angriff zu nehmen.  –  Gemeinsam.

Wissen, Wandel, Wir-Gefühl – das ist die Bochum-Formel. Sie treibt unseren Gestaltungswillen an.


3.  Wir gestalten Bochum –  Vom Verwalten zum Gestalten

Wir in Bochum verwalten nicht den Status quo, wir gestalten unsere Zukunft. Und das gilt nicht nur für die Stadtverwaltung, die sich auf den Weg vom Verwalten zu immer mehr Gestalten gemacht hat.

Bei meinen vielen Begegnungen mit Menschen aus den unterschiedlichsten Bereichen des städtischen Lebens spüre ich das immer wieder: Sie alle wollen gestalten. Gestalterinnen und Gestalter sind nicht nur Bochums Stadtplanerinnen und Stadtplaner bzw. unsere Architektinnen und Architekten. Es sind die Menschen in den Wohlfahrtsverbänden, bei den Kleingärtnern, im Quartier. Es sind die Kulturschaffenden und Unzählige mehr.

Ein Beispiel: der ASB. Der Arbeiter-Samariter-Bund in Bochum hat es sich zur Aufgabe gemacht, werdende Eltern bei der Suche nach einer Hebamme bestmöglich zu unterstützen. Man hat nämlich gesehen, welche Probleme es für Hebammen beim Berufseinstieg gibt. Und man hat gesehen, dass wir in Bochum die Hochschule für Gesundheit haben, dass nirgendwo in Deutschland so viele Hebammen ausgebildet werden wie hier bei uns. Also hat man sich gesagt, tun wir doch alles dafür, dass diese Hebammen auch hier bleiben. Das hilft denen beim Berufseinstieg und es hilft den Familien in Bochum, die Kinder bekommen wollen. Deshalb hat man hier eine Hebammenzentrale gegründet. Auch das, meine Damen und Herren, ist ein tolles Beispiel fürs Gestalten.

Als „Ermöglicherstadt“ spricht Bochum alle an, die sich hier verwirklichen wollen. Menschen, die gute Ideen in die Tat umsetzen und ihre Träume hier leben wollen, sind uns herzlich willkommen. Weil wir gemeinsam Bochum jeden Tag ein bisschen besser machen können.

Und damit komme ich zum vierten Punkt – einem der nicht zu unterschätzen ist:

4.  Stabilität – Ausgangspunkt, um zu gestalten

Wir haben uns in Bochum eine stabile Basis erarbeitet: Die Arbeitslosenquote hat sich in den letzten fünf Jahren um mehr als 10 % verringert. Bei Langzeitarbeitslosigkeit um über 13%. Es gibt deutlich mehr Jobs.

Nach fast 30 Jahren haben wir im städtischen Haushalt in 2018 endlich wieder ein positives Jahresergebnis erreicht. Und wir werden für 2020/21 zum ersten Mal auch einen ausgeglichenen Haushalt in den Rat einbringen – und das ohne Erhöhung von Gewerbesteuer und Grundsteuer!

Und in den letzten vier Jahren ist die Geburtenrate in der Stadt um 16 % gestiegen. Das alles gibt uns ein Gefühl von Stabilität.

Wir stehen stabil. Und diese Stabilität ermöglicht uns jetzt eine langfristige Planung. Sie gibt uns die nötige Ruhe, innezuhalten. Aber das darf uns jetzt nicht dazu bringen, einzuschlafen. Wir müssen die Ruhe nutzen, um uns neu auszurichten. So hilft sie uns langfristig.

Der letzte Punkt - vielleicht der wichtigste:

5. Optimismus - gemeinsam für eine großartige Zukunft
                                    
Wir sehen unserer Zukunft optimistisch entgegen. Denn wir haben gelernt, Chancen zu sehen, wo andere nur von Problemen reden. Wenn wir diese Chancen nutzen, werden wir auch in Zukunft erfolgreich sein. Wir müssen in Bewegung bleiben und flexibel sein. Dürfen nicht in festgefahrenen Denkmustern verharren. Das wissen wir und deshalb ist auch unser Plan für die Zukunft, die Bochum Strategie, nicht in Stein gemeißelt. Wir entwickeln sie kontinuierlich weiter – gemeinsam mit allen, die ihre Ideen einbringen wollen.   

Bochum soll eine Stadt sein, die Lust auf die Zukunft macht. Und alle, die hier gerne leben, sollen zu Botschafterinnen und Botschaftern des neuen Bochums werden. Gemeinsam für eine großartige Zukunft.


Das sind die fünf grundlegenden Botschaften. Ich fasse nochmal kurz zusammen:

•    Gespür für relevante Arbeit – Wir wissen, was es zu tun gilt.

•    „Wissen, Wandel, Wir-Gefühl“ – die Bochum Formel

•    Wir gestalten Bochum. – Vom Verwalten zum Gestalten.

•    Stabilität – Ausgangspunkt, um zu ermöglichen und zu gestalten.

•    Optimismus – Gemeinsam für eine großartige Zukunft.

Meine Damen und Herren,

Imagewandel lässt sich nicht verordnen. Er wird dann erlebbar, wenn er breit getragen wird.

Wenn wir es schaffen, diese Botschaften in all ihren verschiedenen Facetten zu vermitteln, wird uns der Imagewandel gelingen. Davon bin ich fest überzeugt. Und deshalb bitte ich Sie alle: Machen Sie mit! Füllen Sie die Botschaften mit Ihren individuellen Inhalten. Ich glaube, die Geschichte lässt sich ganz wunderbar aus verschiedensten Blickwinkeln erzählen. Sie wird dabei nie wortgleich sein. Und es wird auch nicht immer jeder Teil gleich gut passen. Aber jeder kann – so hoffe ich zumindest – schauen, was passt denn zu mir? Wo kann ich mit meinen Beispiel von diesem neuen Bochum erzählen?

Lassen Sie uns dieselbe Sprache sprechen und gemeinsam deutlich machen: Bochum ist im Aufbruch, aber noch lange nicht am Ziel.

Vielen Dank.

Im Laufe des Abends werden wir noch viel Gelegenheit haben, uns über den angestrebten Imagewandel auszutauschen. Ich freue mich darauf, von Ihnen zu hören, wie Sie persönlich sich in der Geschichte wiederfinden. Wie Sie die Botschaften für Ihren Bereich vermitteln können. Um das Thema Imagewandel gemeinsam mit Ihnen angehen zu können, brauche ich Ihre Hinweise. Ihre Beispiele. Ihre Ideen.

Lassen Sie uns darüber sprechen!

Und nicht vergessen: Wer mag, ist herzlich eingeladen, sich einer Kurzführung durch Teile der Ausstellung anzuschließen. Viel Spaß dabei!