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Sommerserie „Verborgene Orte“

In den Sommerwochen präsentieren die Stadt und ihre Gesellschaften einige stille Stars, die sonst eher nicht im Rampenlicht stehen: ihre verborgenen Orte. Manche schwer zu finden, manche nur schwer zugänglich – und doch spielen alle eine wichtige Rolle im vielfältigen Leben der Stadt. 

Diesmal geht es in den Keller des Rathauses, den alten Tresorraum und die ehemaligen Arrestzellen.

Dicke Stahltüren und vergitterte Fenster:
In den alten Arrestzellen und dem Tresorraum unter dem Rathaus

Meistens ist es still im Untergeschoss des Rathauses. Stumme Zeugen in den Korridoren und Räumen aber erzählen von einer anderen, belebteren Zeit. Wer den Keller des Verwaltungssitzes am Willy-Brandt-Platz betritt, steigt hinab in die Vergangenheit.

Eine Treppe hinunter, ein schmaler Gang, dahinter ein Zimmer voller Aktenregale, dann geht es erst mal nicht mehr weiter. Einen halben Meter dick ist die Stahltür, die den Weg versperrt. Sie schützt den alten Tresorraum der Bochumer Stadtverwaltung vor ungebetenen Gästen, es ist wohl der am stärksten gesicherte Ort im ganzen historischen Rathaus. Wenn früher, in der Zeit der Lohntüten, Zahltag war, wurden die auszahlenden Beamten darin eingesperrt, Geldboten, die den Tresor verließen, trugen eine Pistole am Koppel – und öffnen ließ sich die schwere Stahltür nur, wenn zwei Beamte die ihnen jeweils anvertrauten Teile des Schlüssels zusammensetzten. Bis heute werden die beiden Teile an verschiedenen Orten im Rathaus verwahrt – in Zigarrenkisten, Marke „Suerdieck Pedro Brasil 800“, gehütet von Brigitte White und Michael Zolnowsky. „Früher brauchte man auch die richtige Zahlenkombination“, erklärt White, während sie und Zolnowsky mit vereinten Kräften die Tür aufschieben.

Dahinter stehen immer noch einige Geldschränke, gebaut von der Firma Pohlschröder aus Dortmund, es gibt ein Telefon mit Wählscheibe, ansonsten alte, teils historische Bücher und Akten. Der Tresorraum wird heute zur Lagerung von Archivalien genutzt und dient bei Rathausführungen der Veranschaulichung der Vergangenheit des 1931 fertiggestellten Bochumer Rathauses. Seine Lage zwei Stockwerke unterhalb des Großen Ratssaals reizte den Volksmund zum Spott: „Es gab schnell die Redensart: ,Die Ratsherren sitzen buchstäblich auf dem Geld der Stadt‛“, berichtet Stadtarchivar Markus Lutter – früher befand sich auch noch die Stadtkasse direkt oberhalb des Tresors.

Ein paar Gänge entfernt befinden sich weitere gut gesicherte Räume: die ehemaligen Arrestzellen. Vier Zellentüren, mit doppelten Riegeln und einem kleinen Guckloch versehen, sie gehörten zu der im Rathaus ansässigen kleinen Polizeiwache. Heute wird in den Zellen nicht mehr zwangsweise ausgenüchtert, auch hier lagern: Akten, Akten, Akten. Im Zweiten Weltkrieg wurde der Trakt auch als Luftschutzraum genutzt, noch heute finden sich große, kurbelgetriebene Belüftungsanlagen an den Wänden.
Nicht alles, was im Keller des Rathauses untergebracht ist, hat nur noch historische Funktion. In einem eigenen Zimmer steht ein gigantischer Schiffsdiesel, der bei einem Stromausfall das Rathaus weiterhin mit Elektrizität versorgen soll. Rund 10.000 Liter Dieselkraftstoff lagern für diesen Fall in zwei Tanks. Einmal im Monat wird der Generator zu Testzwecken kurz angeworfen – dann wird es wieder still unter dem Rathaus.

(23. August 2019)


Nächste Folge der Serie „Verborgene Orte“ am 30. August 2019, USB Bochum GmbH