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Sommerserie "Verborgene Orte"

In den Sommerwochen präsentieren die Stadt und ihre Gesellschaften einige stille Stars, die sonst eher nicht im Rampenlicht stehen: ihre verborgenen Orte. Manche schwer zu finden, manche nur schwer zugänglich – und doch spielen alle eine wichtige Rolle im vielfältigen Leben der Stadt.

Wie zum Beispiel der Raum über der Bühne des Schauspielhauses, der im Zentrum des dritten Teils der Serie steht.

Der Dachboden im Schauspielhaus Bochum

Oberhalb der Saaldecke des Großen Hauses im Schauspielhaus Bochum verbirgt sich ein Raum, der auf seiner Eingangstür schlicht als „Dachboden“ ausgewiesen ist. Wer den Raum zum ersten Mal betritt, schwankt in den Reaktionen meistens zwischen Faszination und Ratlosigkeit: Was hat es mit den unzähligen Metalldrähten auf sich, die sich vom Boden bis zur Decke spannen? Wohin führen die vielen Treppen, Brücken und Holzstege, die sich labyrinthartig durch den Raum ziehen? Und warum wird die ohnehin recht unheimliche Atmosphäre dieses Ortes noch zusätzlich durch eine stark abgedimmte, blaue Beleuchtung verstärkt – die unweigerlich an eine Geisterbahn erinnert?

Zumindest auf die letzte Frage gibt es eine schnelle Antwort, wenn man den Dachboden etwas genauer unter die Lupe nimmt: Das schwach-blaue Licht wurde installiert, weil eine stärkere Beleuchtung auch den unterhalb des Dachbodens befindlichen Zuschauersaal erhellen und somit jede Theatervorstellung stören würde. Grund dafür sind zahlreiche Bohrlöcher in der Deckenkonstruktion, durch die sich die Stromkabel und Befestigungsketten der Kronleuchter im Theatersaal ziehen. Die vielen Metalldrähte wiederum sind der Konstruktion der 1953 erbauten Theaterdecke geschuldet, die aus Drahtputz, so genanntem Rabitz, hergestellt wurde. Diese Bauweise hat es ermöglicht, die gewölbte Saaldecke wie die obere Schale eines halbierten Eies auf die Träger und Säulen des im Zweiten Weltkrieg in weiten Teilen zerstörten Apollo-Theaters zu setzen. Die so genannten Abhänger sind ein wichtiger Bestandteil dieser Konstruktionsweise, tragen jedoch nicht – wie man vermuten könnte – das Gewicht der Decke.

Das Labyrinth aus Holzstegen und Treppen wurde angelegt, weil die empfindliche Rabitzdecke unter keinen Umständen betreten werden darf. Gleichzeitig muss der Dachboden durchquert werden, um die Beleuchterbrücken im Schauspielhaus Bochum zu erreichen, die ebenfalls hier untergebracht sind.

(2. August 2019)

Nächste Folge der Serie „Verborgene Orte“ am 9. August 2019, BoGeStra.