Denkmalliste der Stadt Bochum

Erläuterungen

Die Bergbausiedlung Am Rübenkamp befindet sich im Bochumer Stadtteil Hordel. Sie besteht aus insgesamt drei Häusern, die zwischen 1888 und 1892 von drei privaten Bauherren errichtet wurden und zu dieser Zeit höchstwahrscheinlich baugleich waren.

Die ursprüngliche Entstehungsgeschichte lässt sich heute nicht mehr eindeutig rekonstruieren. Es lässt sich jedoch nachweisen, dass die Zeche Hannover die Siedlung in den darauffolgenden zwei Jahrzehnten Haus für Haus erwarb und den Bergarbeitern des Schachtes 1 der Zeche Hannover zur Verfügung stellte. Da die Siedlung Am Rübenkamp in unmittelbarer Nähe zum Schacht 1 errichtet wurde, bot sie optimale Wohnbedingungen für die damals vor Ort beschäftigten Bergarbeiter.

Trotz unmittelbarer Zechennähe hat die Siedlung nichts von ihrem ländlichen Charakter einbüßen müssen: Jedes der drei Häuser verfügt über einen Garten mit einer Zeile aus drei Stallgebäuden für die damals übliche Nutztierhaltung. Die drei Gebäude sind jeweils eingeschossig mit Satteldach und stehen in einer Reihe an der Straßenfront. Die Fassaden sind mit einem hellen, schlichten Putz versehen und sowohl an den Fenstern des Erd- als auch des Dachgeschosses befinden sich zweiflüglige Fensterläden. Diese sind charakteristisch für die Gebäude Am Rübenkamp und machen ein besonderes, gestalterisches Element der Siedlung aus. Die Ausführung der Straße ist unverändert erhalten und weist noch die damals übliche Schlackendecke auf. Die Abflussrinne aus Ziegeln, die sich auch heute noch zwischen den einzelnen Häusern befindet, stammt ebenfalls noch aus der Zeit der Gebäudeerrichtung.

Die Häuser weisen jeweils gut 130 qm Wohnfläche auf und waren ursprünglich in fünf Wohneinheiten unterteilt, wobei die Grundrisse eine äußerst flexible Vermietung zuließen, da sämtliche nicht nutzungsgebundene Räume von einem zentralen Flur aus zu erreichen und zusätzlich miteinander verbunden waren. Somit konnten die Zimmer je nach Bedarf einzeln vermietet oder als Mehrraumwohnungen genutzt werden.

Die Gebäude der Siedlung erfuhren jedoch bereits kurz nach ihrer Errichtung verschiedene Umbauten. Eines der Häuser erhielt 1892 einen größeren Anbau der dazu diente, den Stall und das Wohngebäude miteinander zu verbinden. Die Dachgeschosse sind ebenfalls unterschiedlich ausgebaut. Bedauerlicherweise ist die Siedlung im zweiten Weltkrieg nicht von Bombenangriffen verschont geblieben: So wurde beispielsweise das Gebäude Am Rübenkamp 8 so stark zerstört, dass nur noch die Kellerdecke, Giebelwände und die Außenwände des Erdgeschosses stehen blieben. Am Rübenkamp 4 wurde zu 60% zerstört, während Hausnummer 6 nahezu unbeschädigt blieb. Die Wiederaufbauten erfolgten nach dem Krieg in einem für die Zeit typischen, schlichten Stil. Hausnummer 8 wurde bei den Wiederaufbauten ohne Zwerchgiebel sowie mit nach vorne verlegtem Treppenhaus und Toiletten für alle Wohnungen wiederhergestellt, während Hausnummer 4 aufgrund der vorgefundenen Mauerwerksreste mit einem Schleppdach auf dem deutlich abgeänderten Zwerchgiebel wiederaufgebaut wurde. Das wenig zerstörte Haus Am Rübenkamp 6 blieb bis auf einen rückwärtigen Toilettenanbau im Wesentlichen unverändert.

Trotz verschiedener Umbauten und Kriegszerstörungen hat sich der einheitliche Charakter der Siedlung erhalten. Dies ist vor allen Dingen der einheitlichen Fassadengestaltung und der einheitlichen Reihung der Gebäude an der Straßenseite zu verdanken.

Die Siedlung präsentiert sich aufgrund ihres Erhaltungszustandes auch 120 Jahre nach ihrer Errichtung als lebendiges Zeugnis für die Wohn- und Lebensbedingungen von Bergarbeitern. Die verschiedenen Veränderungen, die an den ursprünglichen Bauten im Laufe der Zeit durchgeführt wurden, geben einen Einblick in die Bedürfnisse verschiedener Generationen, die diese Gebäude nutzten. 1997 wurde die Siedlung unter anderem aufgrund ihrer besonderen Bedeutung für die Sozial- und Wirtschaftsgeschichte der Stadt Bochum unter Denkmalschutz gestellt.

Heute befindet sich die Siedlung Am Rübenkamp im Besitz des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe, der die Siedlungshäuser als zusätzliche Ausstellungsobjekte der Zeche Hannover in den Kontext des westfälischen Industriemuseums stellt.

Text:
Linda Elaine Buresch (2010): Historische Siedlungen in Bochum - Ein Querschnitt von 1868 bis 1918