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Stadt traut künftig auch im Musikforum und unter freiem Himmel

Neues Konzept: Bochum macht Ja-Wort an weiteren besonderen Orten möglich

Für ihr Ja-Wort können Paare künftig in Bochum zwischen weiteren besonderen Orten und zusätzlichen Zeiten wählen. Zu beliebten historischen Räumen wie dem Amtshaus Gerthe und ausgefallenen Locations wie dem Planetarium erweitert das Bochumer Standesamt sein Angebot für Eheschließungen deutlich. Damit reagiert es auf den Wunsch von Paaren, die ihre standesamtliche Eheschließung als Eventhochzeit feiern möchten.

Einer dieser neuen Bochumer Trauorte wird die Empore im früheren Schiff der Marienkirche – dem heutigen eindrucksvollen Foyer des Anneliese Brost Musikforums Ruhr – sein. Der frühere Kirchenraum liegt dem Brautpaar quasi zu Füßen, das Tageslicht lässt die sanierten Buntglasfenster aufleuchten und die mit Gold geschmückten Deckensäulen strecken sich vor der Empore in die lichte Höhe. Trauen kann und wird dort Thomas Kipp, geschäftsführender Betriebsdirektor der Bochumer Symphoniker (BoSy). Er freut sich auf die besondere Aufgabe, die er zusätzlich und freiwillig im Zuhause der BoSy übernimmt: „Ich war jahrelang Hochzeitssänger“, verrät er verschmitzt.

Auch Trauungen unter freiem Himmel ermöglicht die Stadt jetzt in ausgewählten und geeigneten Kulissen: zum Beispiel zwischen den noch stehenden Mauern der malerischen Silvesterkapelle im Schlosspark Weitmar. Sollte die Sonne am schönsten Tag im Leben leider nicht strahlen, steht mit dem dekorativen Veranstaltungsraum des Kubus im Haus Weitmar ein regensicheres, ebenfalls stimmungsvoller Trauort direkt nebenan zur Verfügung, der einen ungewöhnlichen Mix aus zeitgenössischer und ebenfalls mittelalterlicher Architektur bietet. „Eines der für mich schönsten Gebäude im Ruhrgebiet“, schwärmt Simon Hass, Betreiber der Gastronomie „baristoteles“ im Kubus. „Ich hab‘ schon immer gedacht, dass wäre irre, wenn man hier im Park heiraten könnte.“

Gleichsam historisches Ambiente und dazu ländlichen Charme bietet der Uemminger Hof als weiterer neuer Trauort. Vor einem großen Sprossenfenster in der ehemaligen Sattelkammer, auf alten Holzstühlen und neben einem wunderschönen Kachelofen können sich hier Paare das Ja-Wort geben – oder direkt im Vorhof, wenn ihnen das Wetter hold ist. Draußen wartet ein idyllischer, gepflasterter Innenhof auf die Brauleute und ihre Gäste. „Wir bewirtschaften den Hof, den meine Familie seit dem elften Jahrhundert besitzt, nicht mehr landwirtschaftlich“, sagt Heinrich Schulte Uemmingen. „Wir freuen uns auf neue Impulse für unser Landgut.“

Wer dagegen die Industriekulisse des Ruhrgebiets – diese typische Mischung aus alten Arbeitsspuren und neuem Zeitgeist – liebt, wird im Bochumer Traukatalog ebenfalls fündig: Die Bochumer Veranstaltungsgesellschaft (BoVG) öffnet für Eheschließungen und Hochzeitsgesellschaften das restaurierte Dampfgebläsehaus nahe der Jahrhunderthalle. Die über mehrere Meter hohen Wände und Decken mit ihren zeitgeschichtlichen Spuren erinnern an frühes Schaffen; durch die mehrere Stockwerke hohe moderne Glasfassade fällt viel Tageslicht. Dazu mitten im Westpark gelegen, hat das Bochumer Standesamt einen spannenden Trauort gefunden, der Natur und Industriekultur großartig verbindet. „Hochzeitfeiern finden bei uns bereits statt“, erzählt Andreas Kuchajda, Geschäftsführer der BoVG. „Wenn jetzt die Trauungen dazukommen, kommt zusammen, was zusammengehört.“ Die Widmungsurkunde dafür erhielt er wie die anderen neuen Kooperationspartner von Oberbürgermeister Thomas Eiskirch, der nächstes Jahr auch erstmals selber trauen wird. „Ich bin immer wieder danach gefragt worden“, erklärt er. „Ich habe großen Respekt davor.“

Bestehen bleibt die beliebte Auswahl bisheriger Trauorte wie den Trauzimmern im historischen Rathaus, in den Bezirksverwaltungsstellen Wattenscheid, Gerthe, Langendreer und Weitmar (hier im kommenden Jahr auch im Garten des Amtshauses), der historischen Straßenbahn, dem Heimatmuseum Helfs Hof, Zeiss-Planetarium und Beckmannshof, der „Rosa Strippe“ – und: Nach seiner Sanierung und Neugestaltung macht das Deutsche Bergbau-Museum jetzt wieder in der „Steigerstube“ Eheschließung unter Tage möglich.

Seine Trauzeiten dehnt das Bochumer Standesamt parallel zu den neuen Trauorten deutlich aus: Im Trauzimmer des historischen Rathauses können Paare nun zusätzlich von 13 bis 16 Uhr an Freitagen und an Wochentagen vor Feier- oder Brückentagen und an zunächst zwei Samstagen im Monat von 10 bis 14 Uhr heiraten. „500 zusätzliche Termine können wir Brautpaaren im nächsten Jahr anbieten“, berichtet Thomas Eiskirch. Möglich machen dies städtische Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die sich wie BoSy-Betriebsdirektor Thomas Kipp freiwillig und zusätzlich zu ihren eigentlichen Aufgaben bereit erklärt haben, als Traustandesbeamtinnen und -beamte zu fungieren; dafür hat das Standesamt sie eigens geschult und entlohnt sie für die Trautätigkeit. „Trotzdem hat uns beeindruckt, wie viele Kolleginnen und Kollegen bereit sind, sich dafür zu engagieren“, freut sich der Verwaltungschef.  

Die ersten Eventeheschließungen an den neuen Trauorten sind schon ab diesem Monat möglich. Die städtischen Kosten für eine dieser Eventtrauungen betragen, zusätzlich zu den normalen Gebühren für eine Eheschließung, 166 Euro. Je nach gewähltem Trauort, fallen dort separate Kosten an. Weitere Informationen zu den verschiedenen Trauorten und -zeiten und benötigten Unterlagen gibt es auf der Homepage der Stadt Bochum unter www.bochum.de/trauzimmer, telefonisch unter 0234 910–19 51 oder per E-Mail an standesamt@bochum.de.

Eheschließungen 2018

Die Zahlen in Klammern geben die 2018 dort jeweils durchgeführten Eheschließungen an.

Bisherige Eheschließungsstandorte:

  • Historisches Rathaus (930)
  • Rathaus Wattenscheid (80)
  • Amtshaus Gerthe (245)
  • Amtshaus Langendreer (96)
  • Amtshaus Weitmar (49)

Bisherige Eventtrauorte:

  • Zeiss-Planetarium (46)
  • Deutsches Bergbau-Museum (wieder seit 1. September 2019)
  • historische Straßenbahn (10)
  • Beratungsstelle Rosa Strippe (5)
  • Beckmanns Hof an der Ruhr-Universität (14)
  • Helf’s Hof Wattenscheid (Heimatmuseum) (1)

Weitere Zahlen aus 2018:

  • angemeldete Eheschließungen (früher „Aufgebote“): 1.900
  • durchgeführte Eheschließungen in Bochum: 1.475
  • von anderen Standesämter für Bochum geschlossene Eheschließungen: 425
  • etwa 67 Prozent aller Eheschließungen in Bochum finden freitags oder samstags statt

(2. September 2019)