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Oberbürgermeister fordert „Respekt bitte!“

Kampagne wirbt für korrekten Umgang miteinander

Der gute Ton - immer häufiger gerät er im Umgang miteinander in sozialen Netzwerken oder von Angesicht zu Angesicht in Vergessenheit, brechen sich Emotionen ungebremst Bahn, kommt es zu Beleidigungen, Sachbeschädigungen oder gar handgreiflichen Übergriffen. Dies gilt für fast alle gesellschaftlichen Bereiche, unabhängig vom Bildungs- und Sozialstand der Beteiligten. Den raueren Umgang bekommen auch städtische Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu spüren. „Das geht so nicht weiter“, erklärt Bochums Oberbürgermeister Thomas Eiskirch und fordert im Zuge einer neuen Kampagne: „Respekt bitte!“

In den Dienstgebäuden der Bochumer Stadtverwaltung machen derzeit überall gut sichtbar Plakate und Aufsteller klar, dass Bürgerinnen und Bürger zu Recht eine respektvolle Ansprache erwarten dürfen, wenn sie ein Anliegen an ihre Behörde haben. Dies ist jedoch keine Einbahnstraße: Auch die städtischen Beschäftigten haben einen Anspruch auf Respekt, selbst wenn etwas mal nicht gelingt. „Ich helfe gerne weiter, möglichst jederzeit und soweit es geht“, sagt Ilka Donde. Die Verwaltungsfachangestellte stellt im Bürgerbüro unter anderem Pässe und Führungszeugnisse aus. „Aber uns sind bei den Anliegen gesetzlich Grenzen gesetzt“, erläutert die 35-Jährige. „Die meisten Bürgerinnen und Bürger verstehen das, manche leider nicht.“ Deren Ton werde dann schon mal schärfer, verletzend bis bedrohlich. Dass andere rechts und links die Entgleisungen mitbekommen, hindert die Ausfälligen nicht. „Da hilft es zu wissen, dass die Führungskräfte des Hauses hinter uns stehen, wenn es schwierig wird“, findet die Sachbearbeiterin.

Denn klar hat die Stadt Bochum mit einer Grundsatzerklärung gegen Gewalt 2016 ihre Position erklärt und stellt seitdem konsequent Strafanzeige, wenn Beschäftigte beleidigt, bedroht oder angegriffen werden, wenn Bürgerinnen oder Bürger ihren Unmut an der Büroausstattung auslassen und dabei Gegenstände zu Bruch gehen. „Solche Vorfälle werden nicht mehr klein geredet“, erzählt Uwe Schmidt, stellvertretender Vorsitzender des städtischen Personalrates. Die Stadt weiß die Bochumer Staatsanwaltschaft in Verfahren an ihrer Seite: Wo rechtlich möglich, werden Verstöße geahndet. Bei Um- und Neubauten berücksichtigt die Stadt Sicherheitsaspekte, hat erste Fachbereiche technisch mit Alarmierungssystemen ausgerüstet. Diese helfen im Notfall. „Sie werden selten genutzt, erhöhen aber das Sicherheitsgefühl“, weiß Norbert Rehnelt von der städtischen Stabsstelle für Arbeitsschutz, Arbeitssicherheit und Gesundheit im Betrieb. Eine positive Wirkung haben auch die uniformierten Sicherheitsleute, die in publikumsstarken Warte- und Arbeitsbereichen eingesetzt sind und zurückhaltend Präsenz zeigen. „Sie sind damit eine große Hilfe“, berichtet Stephan Heimrath, der das Amt für Bürgerservice leitet. „Es ist schade, dass all dies nötig ist“, bedauert Personalvertreter Uwe Schmidt.

Die Kampagne „Respekt bitte!“ setzt daher vor all diesen Sicherheitsmaßnahmen an. Sie mahnt dazu, den harschen Umgangston zu überdenken und einander wieder grundsätzlich respektvoll zu begegnen. „Die Grenze des Anstandes liegt nicht da, wo es strafbar wird, sondern deutlich davor“, stellt Oberbürgermeister Thomas Eiskirch klar und steht dafür mit seinem Gesicht und Namen auf den Plakaten und Aufstellern ein. „Wir tun uns als Gesellschaft alle einen Gefallen, nicht zu schweigen, sondern für eine Neufindung des Umgangstons einzutreten.“

(16. August 2019)