Sommerserie „Verborgene Orte“ - Das BOGESTRA-Unterwerk im Stadtbahn-Bahnhof Schauspielhaus

Sommerserie „Verborgene Orte“

In den Sommerwochen präsentieren die Stadt und ihre Gesellschaften einige stille Stars, die sonst eher nicht im Rampenlicht stehen: ihre verborgenen Orte. Manche schwer zu finden, manche nur schwer zugänglich – und doch spielen alle eine wichtige Rolle im vielfältigen Leben der Stadt. 

So wie das Lebenselixier der Bochumer Straßenbahnen.

Das BOGESTRA-Unterwerk im Stadtbahn-Bahnhof Schauspielhaus

Foto 1: Teamleiter Andreas Mendritzki erklärt die Stromanlage
Foto: Bogestra

Das Lebenselixier der Straßenbahn kommt aus dem Untergrund. Daher passieren die Straßenbahnen und die Wagen der U35, wenn sie in Bochum durch die Stadtbahntunnel fahren, immer wieder auch die Anlagen, die für die Stromversorgung der Bahnen zuständig sind.

Diese Anlagen werden Unterwerke genannt. Sie haben eine Lebensdauer von rund 30 Jahren und kosten circa 1,5 Millionen Euro. Eines der rund 40, die die BOGESTRA davon hat, befindet sich an einem „verborgenen Ort“ im Stadtbahn-Bahnhof Schauspielhaus. Viele Besucher hat so ein Unterwerk natürlich nicht. Normalerweise halten sich dort nur Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Teams Energie und Bahnstrom der BOGESTRA auf. Und auch diese können die Räumlichkeiten nur nach Voranmeldung betreten, denn sie sind alarmgesichert.

Strom für Bahnen und Fahrtreppen
„Unsere Aufgabe ist es sieben Tage die Woche, rund um die Uhr für den Strom zu sorgen, den unsere Bahnen brauchen“, sagt Teamleiter Andreas Mendritzki. Er hat auch die Erklärung, wofür es hier unten die großen Schaltschränke, die Bauteile und Transformatoren gibt.

Die Straßenbahnen fahren mit Gleichstrom mit einer Spannung von circa 750 Volt. Am Unterwerk angeliefert wird so genannter Drehstrom mit einer Spannung von10.000 Volt. Durch verschiedene Schritte wird er im Unterwerk zu dem benötigten Strom umgeformt. Doch nicht nur das passiert in der Anlage. Weilauch zum Beispiel Fahrtreppen, Aufzug und Beleuchtung Strom brauchen, wird dort auch der „Stations-Strom“ aus dem 10.000-Volt-Drehstrom gemacht.

Transformator – Gleichrichter – Bahnstromverteilung
Damit die Bahnen den „richtigen“ Strom erhalten, kommen Gleichrichter und Transformatoren ins Spiel. Auf dem Weg zur Bahn folgt der Strom im Unterwerk einer festen Route: Vom Einspeisepunkt des 10.000-Volt-Drehstroms geht es via Schaltschrank zum Transformator. Dort wird die Spannung auf etwa 600 V herabgesetzt. Mit Hilfe des Schaltschranks kann der Transformator überwacht beziehungsweise ab- oder angeschaltet werden. Die transformierte Drehstrom-Spannung wird anschließend mittels Gleichrichter auf etwa 750 Volt gleichgerichtet. In der heutigen Zeit geschieht das mit so genannten Dioden-Gleichrichtern. Über eine weitere Schaltschrank-Station wird der so entstandene Bahnstrom an die Stelle gebracht, wo er ins Fahrleitungssystem gelangt.

Foto 2: ausgezogener Mega-Schalt-Schrank
Foto: Bogestra


Doppelt ist besser
Eine Besonderheit lässt sich beim Blick auf die Schaltschränke schnell feststellen: In Stadtbahn-Unterwerken kommen Bauteile wie Transformatoren und Gleichrichter in der Regel mehrfach vor. Und das hat einen guten Grund. Andreas Mendritzki: „Durch die Dopplung sind wir in der Lage auf gesteigerte Leistungsanforderungen zu reagieren und haben bei Defekten schnell die Möglichkeit auf die Parallelstrukturen umzuschalten und die Versorgung der Bahnen ist weiter gewährleistet.“ Damit das Umschalten im Fall der Fälle ohne Probleme klappt, werden die Unterwerke mindestens einmal pro Jahr auf Herz und Nieren durchgecheckt. Darüber hinaus gilt: Wenn es zwei parallele Systeme gibt, werden sie im Wechsel genutzt. Das heißt nach einer gewissen Zeit wird vom einen auf das andere System gewechselt. Somit wird die Abnutzung gleichmäßig verteilt. Keine gute Lösung wäre, wenn ein Gerät läuft und das Backup-Gerät ungebraucht daneben steht. „Da gibt es Erfahrungswerte: Wenn eine Anlage jahrelang nicht gebraucht wird, wird sie nicht besser“, sagt Andreas Mendritzki.

Mega-Schalter und Rückspeisung
Dass im Unterwerk der Strom nicht so richtig mit dem zu vergleichen ist, was zu Hause aus der Steckdose kommt, macht das Zeichen für Hochspannung klar, das im und am Unterwerk an ganz vielen Stellen zu sehen ist. Dass daher auch ein „Schalter“ hier anders aussieht als zu Hause, ist zu erkennen, wenn Andreas Mendritzki einen Schaltschrank öffnet. Um das Gerät gut warten zu können, kann ein Teil des Mega-Schalters sogar herausgezogen werden. Ein paar Schaltschränke weiter sind Anzeigen zu finden, auf denen nicht nur zu sehen ist, wenn Strom aus dem Unterwerk an die Bahnen abgegeben wird, sondern auch wenn Strom von den Bahnen zurückkommt. Heutzutage sind alle Straßenbahnen und die Wagen der U35 in der Lage Energie, die sie beim Bremsen erzeugen, zurück ins System zu speisen. Also auch, wenn sie neben dem „verborgenen Ort“ am Bahnsteig des Stadtbahn-Bahnhofs Schauspielhaus halten.

(9. August 2019)

Nächste Folge der Serie „Verborgene Orte“ am 16. August 2019, Sparkasse Bochum.