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LieLa: Helene Fischer „unterstützt“ Deutschkurs für Flüchtlinge und Multiplikatoren

LieLa - Liechtenstein Languages. 1. Train-the-Trainer-Kurs in Bochum am Besuchertag für interessierte Lehrkräfte, Pädagogen, Flüchtlingshelfer. Ausbildung von Multiplikatoren durch den Verein "Neues Lernen".
Die wummernden Bässe sind unverwechselbar. Auch durch die geschlossenen Türen. Dann ertönt der bekannte Refrain: „Atemlos durch die Nacht…“. In der Aula des Klaus-Steilmann-Berufskollegs lernen junge geflüchtete Menschen mit einer neuen Unterrichtsmethode Deutsch und Lehrkräfte, wie sie mit dieser „die schwere Sprache“ ihren Schützlingen schneller und mit Spaß beibringen können. „Liechtenstein Languages“ – kurz „LieLa“ – heißt sie. Helene Fischers Schlager ist im ersten „Train-the-Trainer“-Kurs in und für Bochum ist wichtiger Teil davon. Das Warm-up sozusagen, bei dem die Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit vielen Überkreuzbewegungen die Hirnhälften zum Start aktivieren.

Sprache spielerisch erwerben und sich als Zugewanderter oder Geflüchteter innerhalb kürzester Zeit mit einem alltagstauglichen Grundwortschatz verständigen zu können, das ist das Ziel von „LieLa“. Am Klaus-Steilmann-Berufskolleg hat der Verein „Neues Lernen“ aktuell in einem ersten „Train-the-Trainer-Kurs“ auf Initiative der IHK Mittleres Ruhrgebiet und durch Unterstützung der Stadtverwaltung Bochum und der Bezirksregierung Arnsberg 20 Lehrerinnen und Lehrer als Multiplikatoren für Berufs- und weiterführende Schulen ausgebildet. Die Kurs-Premiere endete am Freitag (10. Februar) – mit erfolgreichen, begeisterten Absolventen. Das Konzept aus dem Fürstentum bezieht die rechte, emotionale Gehirnhälfte systematisch in das Sprachlernprogramm ein, integriert verschiedene Erkenntnisse der Hirnforschung und ermöglicht auch Menschen, die nicht oder in einer anderen Schriftsprache alphabetisiert sind, innerhalb von zwei bis vier Wochen eine erste Sprechfähigkeit zu erwerben und sich so schneller in ihrem neuen Umfeld zu orientieren. Dabei kommt „LieLa“ ganz ohne Tafel und Tische aus.

Spiel "Ich bin der Regenschirm" LieLa - Liechtenstein Languages. 1. Train-the-Trainer-Kurs in Bochum am Besuchertag für interessierte Lehrkräfte, Pädagogen, Flüchtlingshelfer. Ausbildung von Multiplikatoren durch den Verein "Neues Lernen".
Bei der täglichen Begrüßung begegnen sich die jungen Flüchtlinge und angehenden Multiplikatoren auf einer großen, flachen Bodenmatte, mit der der Halbkreis aus Stühlen ausgelegt ist. Sie schütteln Hände, stellen sich vor und schlüpfen in andere Rollen: Schüler Maxi aus Afrika heißt gerade „Daniel Schulz“; Lehrerin Tina Joswig ist „Sophie Sutter – aus der Schweiz, freut mich, Sie kennenzulernen“. Nach dieser so genannten Beziehungsarbeit folgt ein Unwetter: Zwei Lehrer, die sich ebenfalls fortbilden lassen und für die Übung „Anke Fischer“ und „Franz Dürrenmatt“ heißen, reiben sich schnatternd die Oberarme, lassen mit Fingern angedeutet Regen prasseln, biegen sich mit wehenden Arme wie Schliffrohre im Wind: „Es ist kalt“ – „es regnet“ – „es stürmt“ werfen sie sich im Wechsel mit den Schülern zu. Eine Runde gibt es zu entsprechenden Wetter-Bildern nur die Gesten. Ein Spiel vertieft die Vokabeln: „Ich bin der Regenschirm – wer passt zu mir“, fragt die nächste Lehrerin. Neue Wörter wie Gummistiefel und Regenjacke fließen ein. Bevor die Schüler die Begriffe als „Montagsmaler“ ohne Worte und Gesten erraten müssen, rappen sie zu Klängen aus dem CD-Spieler einen Song auf die deutschen Wochentage: „Die Frage, die ich hab‘ – wie heißt der erste Tag?“ Auch die Dialog-Übung ist musikalisch. A capella singen sich eine Lehrerin und die Schüler durch ein Gespräch, das Uhrzeiten, Fortbewegungsmittel und Wegbeschreibungen einbindet. In der Entspannungsphase am Unterrichtsende liest eine andere Lehrerin den Schülern zu leiser Instrumentalmusik Schlüsselsätze und -fragen aus den behandelten Wortfeldern vor. Thematisch im Wechsel wiederholt sie Vokabeln, während die Schüler es sich auf Yoga-Matten bequem machen, Sätze und Fragen nachklingen lassen.

„Ziel ist nicht, jedes Wort zu verstehen“, sagt Arno Brändle vom Verein „Neues Lernen“, der den 20 Pädagogen zwei Wochen lang praktisch gezeigt hat, wie sie „LieLa“ unterrichten können. „Die Schüler sollen in ein Sprachbad eintauchen – Melodie und Klang verinnerlichen.“ Denn: Man dürfe nicht glaube, dass sich Flüchtlinge automatisch in einem deutschen Sprachbad bewegen. „In viele Flüchtlingsunterkünften wird oft gar nicht Deutsch gesprochen“, so Arno Brändle. Ziel sei daher, durch „LieLa“ wichtige Begriffe kennen zu lernen und anhand von Bildergeschichten die Abläufe von Standardsituationen im neuen Kulturkreis zu begreifen. Der „Gang zum Amt“ zählt dazu. „Am Ende eines Kurses verstehen sie sehr viel – nämlich Strukturen und Inhalte“, so der Trainer aus Liechtenstein.

Tina Joswig, die am Klaus-Steilmann-Berufskolleg internationale Förderklassen unterrichtet, hat der „Train-the-Trainer-Kurs“ überzeugt; sie will mehr von den spielerischen Lerninhalten in den normalen Unterricht einbauen, die Beziehungsarbeit zu den Schüler mit der neuen Methode intensivieren. Auch das Wissen an Kollegen weiterzugeben, kann sie sich gut vorstellen. „Zunächst arbeiten wir aber intern zu zweit mit den Schülern aus dieser Gruppe noch eine dritte Woche weiter“, verrät sie. Auch Ayke Kleinpass und Stephanie Stangenberg, die beide am Walter-Gropius-Berufskollegen Flüchtlingen „Deutsch als Fremdsprache“ beibringen, wollen „LieLa“ sofort in ihrer Starterklasse anwenden. „Und in den neuen Klassen, die im Sommer dazu kommen“, berichtet Ayke Kleinpass. Wichtig sei, normale Schulregeln – zuhören, aufzeigen, drankommen – aufzubrechen. „Ein anderes Lernklima zu schaffen, die sterile Atmosphäre eines Klassenzimmers aufzuheben, gehört dazu“, sagt Stephanie Spangenberg. Arno Brändle weiß, warum das so wichtig: „Unsere Rückmeldung aus ,normalen‘ Sprachkursen, war, dass die Leute da seit zwei Monaten sitzen, aber nicht Deutsch sprechen.“ Das mache „Liechtenstein Languages“ so gefragt.

In Bochum soll „LieLa“ daher künftig als vorgeschalteter, vierwöchiger Kurs laufen, auf den die bestehenden Sprach- und Schriftkursen zur Alphabetisierung in Deutsch aufbauen. Die 16- bis 19-jährigen Testteilnehmer – unbegleitete Flüchtlinge vorwiegend aus Syrien und Afghanistan, aber auch aus Afrika und dem Irak – freut das: „Der normale Unterricht ist langweilig.“ Und schüchtert oftmals ein, schreckt ab. „Es ist beeindruckend, die jungen Menschen hier so fröhlich und motiviert zu erleben – wenn man bedenkt, was der eine oder andere so hinter sich hat“, fasst Stephanie Stangenberg zusammen.


(14. Februar 2017)

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