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Petra Landers

Frauenfußball in der Bundesliga und in Sambia

Petra Landers: Eine Stehauffrau

Autogrammkarte von Petra Landers

Ein Treffen – nicht auf dem Sportplatz, sondern in ihrer Wohnung in Bochum-Riemke. Petra Landers öffnet und ruft munter nach unten: „Hier oben bin ich.“ Sie wirkt jung und immer noch durchtrainiert. Kurze blonde Haare, Sporthose, Trainingsshirt und Trekkingsandalen.

Die ehemalige Fußballnationalspielerin ist inzwischen 53. Wenn sie „von früher“ spricht, strahlt sie. Sie findet es schade, dass die Kinder heute so verplant sind. Sie war das nicht. Das Mädchen von einst spielte draußen. Schule, Hausaufgaben machen, rausgehen. Der Ball war schon damals immer dabei. Bei Familienfeiern war sie mit ihren Cousins unterwegs: Der eine spielte Fußball, der andere schraubte an Mopeds. Petra Landers machte beides.

Schon bald war klar: Petra gehörte in einen Fußballverein – bei dem Talent. Als einziges Mädchen kickte sie im FC Bochum, da war sie elf. Umziehen musste sie sich in der Schiedsrichterkabine, was ihr nichts ausmachte. „Es war einfach normal für mich.“ Mit 13 wechselte sie zum TuS Harpen, ein Jahr später spielte sie in der dortigen Frauenmannschaft mit, als Küken.

1981, da war sie 19, gründete sie eine  Mädchenmannschaft. Es war eine spontane Idee, die sie einfach umgesetzt hat. „In einer gemischten Mannschaft müssen sich Mädchen mehr durchbeißen“, sagt sie. „Doch manche trauen sich nicht, in eine Jungsmannschaft zu gehen.“

Tafelservice als Prämie für den Europameister-Titel des Damen-National-Teams 1989
Tafelservice als Prämie für den Europameister-Titel des Damen-National-Teams 1989
Für sie selbst begann kurz darauf ein neuer Abschnitt: Sie stieg in eine der damals besten Frauenmannschaften Deutschlands ein: Bergisch Gladbach. Dass sie parallel ihre Ausbildung zur KfZ-Mechanikerin machte und später als Druckvorlagenherstellerin in Bochum arbeitete, war kein Stress für sie. „Die Fahrt war mentales Training.“ Sie schmunzelt. Training, das war wichtig. Denn sie spielte „ganz oben“ mit. Im November 1982 absolvierte sie ihr erstes Länderspiel, gegen die Schweiz. „Ich war ein Teil von etwas Großem.“

Leider dauerte das Hoch nur kurz – denn Petra Landers verletzte sich und musste über drei Jahre aussetzen. 1987 konnte sie wieder einsteigen. Und sie spielte – mit gerissenem Kreuzband – 1989 das EM-Halbfinale, das Finale ging nicht mehr. Bis 1991 war die Abwehrspielerin bei 15 Länderspielen aktiv. Die erste Frauen-Weltmeisterschaft fand, erneut verletzungsbedingt, ohne sie statt. Ein harter Schlag, für die Frau, die sich nicht unterkriegen ließ, sondern weiter als Trainerin in Bochum-Kornharpen arbeitete.

2003 übernahm Petra Landers die Druckerei, in der sie gearbeitet hat. Von da an stand der Sport hinten an. Sie, für die der Ball das Leben war, trainierte gar nicht mehr – die Arbeit fraß sie auf. Bis 2008 plötzlich eine junge Regisseurin in ihr Leben trat und eine Dokumentation über sie drehen wollte. „Da war plötzlich alles wieder da“, erinnert sich die Bochumerin.

Und dann ging es wieder los: nicht mehr auf dem Spielfeld, aber hinter den Kulissen. Sie wurde in die „Discover Football“-Jury berufen. Aus 42 Mädchen- und Frauenmannschaften aus allen Ländern wurden 8 ausgewählt, die nach Deutschland kamen. Als die Mannschaft auf Sambia auflief, ist in Petra Landers etwas passiert. Auch im Gespräch hat sie plötzlich dieses Leuchten in ihren Augen. Sie lächelt, als sie erzählt: „Ich hatte das Gefühl, das bin ich, die da singend und im Gleichschritt aufs Feld kommt.“

Bei einem Urlaub im Iran wurde dann eine Idee geboren: „Ich mache ein Buch.“ Zusammen mit einer befreundeten iranischen Sportfotografin wollte sie bei der bevorstehenden Frauen-Fußball-WM fotografieren und zeigen, was Frauenfußball ist.

Petra Landers mit Kindern in Sambia

Doch es kam anders. Vor ihrer Ausreise wurde die Freundin im Iran verhaftet. Für Petra Landers brach eine Welt zusammen. Die WM lief an ihr vorbei. Zudem musste sie die Druckerei aufgeben, da die digitale Konkurrenz zu groß geworden war.

So stand mit 50 ein kompletter Neustart an. Sie nahm sich eine Auszeit und erfüllte sich ihren Lebenstraum: Sie fuhr endlich nach Sambia. „Sambia ist für mich ein Gefühl, das ist unbeschreiblich.“ Sie trainierte dort vier Mädchenmannschaften. „Sie spielen teilweise barfuß, auf einem Gelände, da hätten wir in Schuhen Angst, uns weh zu tun“, sagt sie. Die Zeit in Sambia hat sie sehr berührt und dazu bewegt, sich mehr zu engagieren.

Im Juli fliegt sie erneut nach Afrika – mit ihrer Nichte. „Ich hoffe, dass auch sie dort die Wertschätzung erfährt, die ich spüre. Dort zählen nicht die neuen Markenschuhe, dort zählst du als Mensch.“ Dieses Mal warten acht Mädchenteams auf die ehemalige Nationalspielerin.

In Bochum arbeitet sie ebenfalls mit Kindern: derzeit noch in einer Grundschule im Offenen Ganztag – und bald als Tagesmutter in einer Großpflegestelle, gemeinsam mit einer Kollegin. Darauf freut sie sich sehr. „Mich mit Kindern zu beschäftigen, macht mich glücklich.“ Und sicher wird es bei ihr immer einen Fußball geben. Auch für Mädchen.

(Andrea Behnke)

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