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Die Eröffnung des Opelwerks in Bochum

Opel Bauphase im Jahr 1962
Rund zehn Jahre nach dem Ende von Krieg und Demontage wurde Bochum wieder zu einer Stadt der Kohle und des Eisens: Die Zechen und Großbetriebe der Eisen- und Stahlindustrie prägten erneut das Bild der Stadt. Doch die Hoffnung auf lange währenden Wohlstand erfüllte sich nicht: Die 'saubereren' Energieträger Erdöl und Erdgas drängten die Steinkohle allmählich in den Hintergrund, und der Ruhrkohlenbergbau, der 1957 noch ein Rekordergebnis erwirtschaftet hatte, geriet bereits am Ende jenes Jahrzehnts immer tiefer in die roten Zahlen. Seit 1973 gibt es in der einst "zechenreichsten Stadt des Ruhrgebiets" keinen Bergbau mehr.

Um Arbeitsplätze zu sichern und Verdienstmöglichkeiten für die Menschen zu schaffen, mussten andere Erwerbsquellen erschlossen und ein Strukturwandel eingeleitet werden. Die Bemühungen darum setzten früh ein: Schon in den Fünfzigerjahren gelang es, neue Betriebe in die Stadt zu holen. Der wohl wichtigste Schritt auf diesem Weg war aber, die Adam Opel AG dafür zu gewinnen, Produktionsstätten für den Fahrzeugbau in Bochum zu errichten.

Bereits 1960 hatte die Firma Opel Kontakt zur Stadt Bochum aufgenommen, weil man hoffte, in einer Zeit ausgeprägten Arbeitskräftemangels im Ruhrgebiet unter den beschäftigungslos gewordenen Bergarbeitern geeignete Mitarbeiter gewinnen zu können. Dank intensiver Förderung der Stadt entschied sich Opel tatsächlich für Bochum als weiteren Werksstandort. Am 20. Mai 1962 wurden die entsprechenden Verträge zwischen dem Konzern und der Kommune unterzeichnet. Der Bau des damals modernsten Automobilwerks in Europa konnte beginnen.

Es folgte das seinerzeit größte industrielle Bauvorhaben Europas. Opel standen dafür mit dem Gelände der stillgelegten Zeche Dannenbaum in Bochum-Laer rund 678.000 Quadratmeter und 4,5 Kilometer entfernten Bochum-Langendreer auf dem Areal der ehemaligen Zeche Bruchstraße weitere 709.000 Quadratmeter zur Verfügung.

Bis zum Richtfest am 12. April 1962 wurden 17 Millionen Ziegelsteine, 415.000 Kubikmeter Beton, 68.000 Tonnen Konstruktionsstahl, 21.800 Tonnen Baustahl, 120.000 Quadratmeter Glas , 186 Kilometer Rohre und 100 Kilometer Hoch- und Niederspannungskabel verbaut.

Dem traditionellen Richtspruch fügte Oberpolier Kuhnert damals noch den folgenden Vers hinzu:
"Das Auto ist heut' in der Tat,
ein Ding, das fast ein jeder hat.
So hat der Opel sich bedacht,
bevor's ein anderer schneller macht,
um alle Konkurrenz zu schlagen,
in weniger als tausend Tagen
auf unser aller Fleiß vertraut
ein neues Werk hier aufgebaut".

Am 10. Oktober 1962 eröffnete der Vorstandsvorsitzende Nelson J. Stork das Opel-Werk in Bochum offiziell - pünktlich zum 100-jährigen Jubiläum von Opel und ein Jahr früher als ursprünglich geplant.

Bereits an jenem Tag liefen die ersten Kraftwagen vom Typ 'Kadett' vom Band. Dieser neu entwickelte Fahrzeugtyp wurde ausschließlich in Bochum gefertigt. Deshalb lautete der flugs ersonnene Werbeslogan: "Ein neues Werk, ein neuer Wagen". Die Karosserie des 'Kadett' setzte man in Laer zusammen, in Langendreer wurden Fahrgestelle und Motoren hergestellt. Die Endmontage erfolgte schließlich in einer Halle in Laer.

Dass die Stimmung unter den Arbeitern sehr gut war, beschreibt Helmut P.: “Ich war, bevor ich zu Opel gekommen bin, bei der Firma Krupp in Essen beschäftigt. Bei Opel hat man mir [...] 3,60,– DM Stundenlohn geboten, kein Akkord, Stundenlohn. Anfang 1962 war das ein traumhafter Stundenlohn. Bei Krupp habe ich für 2,80,– DM im Akkord gearbeitet. Hier boten sie mir plötzlich Zeitlohn, ich war gelernter Facharbeiter. Am 12. März 1962 bin ich bei Opel angefangen. [...] Wir waren jung, engagiert und wollten uns damals auch was schaffen. [...] Da war eine neue Firma, da mußt du einsteigen, hier wird dir was geboten. Davon, von dieser Einstellung der Leute, hat die Firma auch profitiert”.

Der Erfolg stellte sich rasch ein: Schon am 11. Dezember, also nur zwei Monate nach dem Produktionsbeginn, lief der 10.000 Kadett vom Band. Zum Jahresende 1962 beschäftigte das Bochumer Opel-Werk insgesamt 10.566 Arbeitskräfte.

Auch Bochum profitierte davon, weil es den erforderlichen Strukturwandel entscheidend vorangetrieben und eine wirtschaftliche Krise vorerst abgewendet hatte.

Literaturhinweise:
  • Johannes Volker Wagner für das Stadtarchiv Bochum (Hg.), Wandel einer Stadt. Bochum seit 1945. Daten - Fakten – Analysen, Bochum 1993.
  • Eberhard Seim / Christoph Wellen, Opel kommt (“Räder für’s Revier” - Die inoffizielle Geschichte der Bochumer Opel-Werke, Bd. 1: 1962-1991). Ohne Ort, ohne Jahr (Zitat des Helmut P. S. 50)
  • Stefan Klasing, Opel Kadett A. Bochum, ich komm’ aus Dir. Bielefeld 2007 (Richtspruch-Vers S. 35)