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2. Juni 1942
Der Luftangriff auf Dahlhausen

Bombenangriff auf Dahlhausen am 2. Juni 1942
In der Nacht zum 2. Juni 1942 warfen britische Kriegsflugzeuge über Bochum-Dahlhausen von 1.05 Uhr bis 2.40 Uhr insgesamt 15 Sprengbomben, 2000 Stabbrandbomben, 300 Phosphorbrandbomben sowie eine Kautschukbenzin-Brandbombe ab. 21 Menschen wurden bei dem Angriff verletzt.

Im Verwaltungsbericht der Stadt Bochum zu den Jahren 1938 bis 1948 heißt es nüchtern: “Die Reihe der planmäßig durchgeführten Großangriffe wurde [...] eröffnet mit einem massierten Bombenabwurf auf den Ortsteil Dahlhausen am 2. 6. 1942. [...] Ein großer Teil der Bochumer Bevölkerung wurde nach jedem Fliegerangriff obdachlos, ein anderer der Kochgelegenheiten beraubt. [...] Die dadurch entstehenden Kosten hatte für jeweils fünf Tage nach jedem Angriff die Feststellungsbehörde zu übernehmen. [...] Die Sorge für die Bestattung der bei den Angriffen ums Leben gekommenen Personen übernahm das Kriegsschädenamt in Zusammenarbeit mit dem städtischen Garten- und Friedhofsamt, die Betreuung der Verwundeten in Gemeinschaft mit dem Gesundheitsamt”.

So zutreffend die Daten und Fakten auch sein mögen, so wenig geben sie Auskunft über den Schrecken, die Panik und den Schmerz der Betroffenen. Ihre Gefühle kommen in Augenzeugenberichten zur Sprache. Eine Bochumerin formulierte ihre Eindrücke nach einem schweren Angriff im Mai 1943 folgendermaßen: “Ein Bild des Grauens bot sich mir. Ruinen über Ruinen, die zum Teil noch brannten. Auf den Straßen lagen bis zur Unkenntlichkeit verbrannte Menschen kohlrabenschwarz. [...] Die Menschen hatten das, was sie retten konnten, vor den Trümmern auf den Bürgersteigen aufgestapelt und saßen verzweifelt daneben” (nach Wiborni, Bochum, S. 12).

Das hier geschilderte Grauen wurde zum Alltag des Bombenkriegs - in Bochum und andernorts.

Wie das Ruhrgebiet insgesamt, das man als ‘Waffenschmiede’ des Deutschen Reiches betrachtete, wurde auch Bochum häufig und heftig bombardiert. Bereits von 1940 bis 1942 war die Stadt mehr als 50 Mal das Ziel alliierter Luftangriffe: Der erste, der Menschenleben forderte,  traf am 16. Mai 1940 Bochum-Werne. Die Schäden hielten sich in jenen Jahren noch in Grenzen, obgleich schon damals Todesopfer zu beklagen waren. Diese frühen Angriffe auf das Ruhrgebiet galten vor allem Verkehrs- und Industrieanlagen.

Das änderte sich jedoch bald mit der als “Battle of the Ruhr“ bezeichneten Luftoffensive, die im März 1943 mit einem Luftangriff auf Essen einsetzte. Inzwischen ging es den Alliierten nicht mehr in erster Linie darum, kriegswirtschaftlich wichtige Ziele zu treffen: Auch die Moral der Bevölkerung sollte durch massive Angriffe untergraben werden.

Das Ruhrgebiet wurde neben Berlin zum Hauptziel der Luftangriffe erklärt, an denen sich seit Mai 1943 auch amerikanische Bomber beteiligten. Bochum erlebte im Mai, Juni und September 1943 mehrere Großangriffe, die Hunderte Todesopfer und noch weit mehr Verletzte forderten. Die Altstadt und Teile der Innenstadt wurden zerstört. Zahlreiche Menschen verloren ihr Heim und lebten fortan in Trümmern. Nach britischen Schätzungen betrafen die Zerstörungen bis Ende 1943 ein Viertel des gesamten Ruhrgebiets.

Gegen Ende des Jahres 1943 ließen die Bombardements der Ruhrgebietsstädte vorübergehend nach, setzten aber im August 1944 nach der Invasion in der Normandie mit bisher nicht gekannter Stärke wieder ein und endeten erst im Frühjahr 1945. Im Herbst 1944 begann die zweite große “Ruhrschlacht”, die allein zwischen Oktober und Dezember insgesamt etwa 15.000 Todesopfer forderte.

Der schwerste Angriff auf Bochum erfolgte am Abend des 4. Novembers 1944. Einem amtlichen Kriegsbericht jener Zeit zufolge kamen dabei 1.200 Menschen ums Leben, 300 wurden vermisst, 2.000 verwundet und 70.000 obdachlos. Trotz aller Verluste verfehlte das “moral bombing” sein Ziel: Die Zivilbevölkerung rückte in ihrer Not nur noch enger zusammen. Die nationalsozialistische Kriegspropaganda nutzte das Leid der Menschen für ihre Zwecke.

Eine solche einseitige und tendenziöse Perspektive war und ist freilich bei der Betrachtung des Themas unangebracht. Denn wer der deutschen Opfer des Bombenkrieges und der Kriegszerstörungen deutscher Städte gedenkt, darf Guernica und Warschau, London und Coventry, Rotterdam und Leningrad sowie die vielen anderen von Deutschen angegriffenen Städte nicht aus dem Blick verlieren und die unzähligen Toten der anderen Nationen vergessen.

Hinweise:
  • Johannes Volker Wagner, Hakenkreuz über Bochum. Machtergreifung und nationalsozialistischer Alltag in einer Revierstadt, Bochum 1983

  • Monika Wiborni: Bochum im Bombenkrieg. 4. November 1944, Gudensberg-Gleichen 2004