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24. April 1911: Der Todestag von Franz Darpe


Porträt von Dr. Franz Darpe
Am 24. April 1911 starb 68-jährig der Gymnasialdirektor und Historiker Franz Darpe in Coesfeld. „Sein Tod“, so schreibt Paul Leidinger, „riß eine tiefe Lücke, die die Westfälische Geschichtsforschung bis heute nicht zu schließen vermochte“. Der hundertste Todestag bietet Anlass, an den umtriebigen Gelehrten zu erinnern und sein wissenschaftliches Werk zu würdigen.

Franz Darpe wurde am 25. September 1842 in Warendorf geboren. Sein Vater Friedrich Darpe war zunächst Küster und Organist der Kirche St. Laurentius und seit 1820 Musiklehrer und Chorleiter am Gymnasium Laurentianum. Offenbar prägte das Elternhaus die Bildungsentwicklung des jungen Franz. Von 1852 bis 1860 besuchte er das Warendorfer Laurentianum. Nach dem Abitur im Jahr 1860 ging Darpe nach Münster, um dort an der „Königlichen Theologischen und Philosophischen Akademie“, einer akademischen Lehranstalt zur Ausbildung von Geistlichen und Gymnasiallehrern und Vorläuferin der später wieder gegründeten Universität, zunächst Theologie, dann aber Geschichte und alte Sprachen zu studieren. Im August 1865 wurde er mit einer gräzistischen Dissertation zur Wortstellung bei Thukydides promoviert. Es folgten die ersten Schritte auf der Lehrerlaufbahn: die philologische Staatsprüfung im Februar 1866, das Probejahr am Gymnasium Paulinum in Münster 1866/67 sowie eine kurze Zeit als Privatlehrer im Haus des preußischen Gesandten und späteren Zentrumspolitikers Karl Friedrich von Savigny in Berlin während der Jahre 1867/68.

Mit Schuljahresbeginn im Herbst 1868 trat Franz Darpe – gerade 26-jährig – seine erste feste Stelle als Lehrer am Gymnasium Dionysianum in Rheine an. Sein Tatendrang war groß: Er ließ sich als Turnlehrer sowie in Deutsch und den neuen Sprachen ausbilden, wirkte in Turn- und Gesangsvereinen des Ortes mit und begründete 1882 sogar die Freiwillige Feuerwehr in Rheine. Die historische wie sachliche Kommentierung antiker Schulautoren führte den studierten Historiker zurück zur Beschäftigung mit der Vergangenheit, wobei er sich nicht etwa reichs- oder gar weltgeschichtlichen Themen widmete, sondern der Geschichte Rheines und der münsterländischen Umgebung.

Im Herbst des Jahres 1883 wechselte Franz Darpe von Rheine nach Bochum, wo er eine Stelle als Erster Oberlehrer am Städtischen Gymnasium antrat. Sein Engagement und seine Gelehrsamkeit waren mittlerweile auch an höherer Stelle aufgefallen und fanden mit der Verleihung des Professorentitels durch ein ministerielles Patent vom 14. März 1885 eine erste Würdigung. Es befindet sich mit seinem Nachlass im Stadtarchiv-Bochumer Zentrum für Stadtgeschichte. Neben einigen wenigen Einzelschriften zur Geschichte Bochums und der Grafschaft Mark verfasste Darpe an seinem neuen Wirkungsort eine aus den Quellen geschöpfte Gesamtdarstellung der Bochumer Stadtgeschichte vom Mittelalter bis zu seiner Gegenwart, der er ein Urkundenbuch und eine Siegeltafel beifügte. Sie erschien zunächst in Einzelabhandlungen jeweils als Beilage zu den Jahresberichten des Städtischen Gymnasiums Bochum von 1888 bis 1894 und schließlich 1894 als Gesamtausgabe. Doch Darpes historisches Interesse endete nicht an der Bochumer Stadtgrenze: Aus seiner Feder stammen insgesamt sechs Bände des „Codex traditionum Westfalicarum“, einer Reihe historisch-kritischer Editionen von Wirtschaftsschriftgut westfälischer Klöster und Stifte. Seinen ersten Band, nämlich „Die ältesten Verzeichnisse des Münsterschen Domkapitels“, legte Darpe 1886 vor; der letzte der von ihm bearbeiteten Bände erschien posthum 1914. In Bochum beschäftigte sich der rastlose Historiker darüber hinaus auch mit ur- und frühgeschichtlichen Denkmälern, indem er „Alte Wallburgen und Urnenfriedhöfe in Westfalen“ erforschte.
Im Hauptberuf war Franz Darpe indes nach wie vor Lehrer und kümmerte sich intensiv auch um die Belange seiner Profession. Als 1884 der westfälische Zweig des Deutschen Philologenverbandes ins Leben gerufen wurde, gehörte er zu den ersten Mitgliedern und wurde noch auf der Gründungsversammlung zum Ersten Vorsitzenden gewählt. Dieses Amt bekleidete er 27 Jahre bis zu seinem Tod. Für seine Leistungen erfuhr Darpe weitere Ehrungen: 1891 wurde ihm der Rote-Adler-Orden 4. Klasse und 1893 der Rang der Räte ebenfalls vierter Klasse durch Kaiser Wilhelm II. verliehen. Auch beruflich ging es voran: Nachdem Darpe im Schuljahr 1895/96 die Direktionsgeschäfte des Bochumer Gymnasiums geführt hatte, erhielt er durch ein kaiserliches Patent die Ernennung zum Königlichen Gymnasialdirektor. Noch im selben Jahr übertrug man ihm die Leitung des Gymnasiums Nepomucenianum in Coesfeld.

Sobald Darpe am 1. Oktober 1896 seinen Dienst am Coesfelder Gymnasium aufgenommen hatte, begann er auch dort – wie schon in Rheine und Bochum – mit der Sichtung des örtlichen Archivmaterials. Bereits 1897 veröffentlichte er das erste von zwei Urkundenheften, 1905 erschien das zweite. Beide wurden 1908 zum Coesfelder Urkundenbuch zusammengefasst und erneut publiziert. Als im Jahr 1896 die Historische Kommission der Provinz Westfalen gegründet wurde, nahm Franz Darpe am 21. Mai an der konstituierenden Sitzung teil; er gehörte der Kommission seitdem als aktives Mitglied an. Und als ob alle diese Aufgaben nicht bereits genug gewesen wären, die Tage des Gymnasialdirektors zu füllen, schrieb er auch noch die geschichtlichen Einführungen zu acht Bänden der Reihe „Bau- und Kunstdenkmäler Westfalens“, die von 1906 bis 1913 erschienen. Darunter befanden sich auch die Bände zu Bochum (Stadt und Land) und Coesfeld, zu Städten also, die er aus eigener Anschauung und Forschung bestens kannte.

Bis zuletzt war Franz Darpe als Schuldirektor und Forscher tätig. Als er 1911 starb, hinterließ er seine Ehefrau Franziska (gest. 1919) und fünf Kinder: Fritz, Margarethe, Hedwig, Maria und Ida.
Hinweise: Der Überblick über Darpes Leben und Werk folgt Paul Leidinger: Professor Dr. Franz Darpe (1842-1911). Gymnasialdirektor – Verbandsvorsitzender – Historiker, in: Warendorfer Schriften 8-10 (1978-1980), Seite 90-103, Zitat Seite 100. – Ferner sind – freilich ohne Anspruch auf Vollständigkeit – noch zu nennen: Eberhard Brand: Einführung, in: Franz Darpe: Geschichte der Stadt Bochum [1894], ND Bochum 1991, Seite 1-5 und Erwin Dickhoff: Art. Darpe, Franz, Prof. Dr. phil., in: Ders., Coesfelder Biographien (Beiträge zur Coesfelder Geschichte und Volkskunde 8), Münster 2002, Seite 60 f. – Darpes Nachlass wird im StadtA Bochum verwahrt, Signatur NAP 93: NL Franz Darpe (masch. Findhilfsmittel von Wiltrud Apfeld, Bochum 1990: 20 Verzeichnungseinheiten). Zum Nachlass siehe Karl Wolters: Untersuchungen zur Familiengeschichte Darpe, in: Warendorfer Schriften 19/20 (1989/1990), Seite 280-295, besonders Seite 290-293.