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2. Personen, Gruppen, Organisationen

2.1 Überblick

Im folgenden werden zuerst die Bochumer Baubehörden, dann die hier angestellten leitenden Personen und zuletzt die von außen an die Baubehörde herangetretenden Gruppen und Organisationen vorgestellt.

Dabei schien es zum besseren Verständnis der sehr komplexen Zusammenhänge ratsam, keine vollständige Aufzählung aller mit dem Bauwesen Befaßten anzustreben, sondern hier kurzgefaßt nur die Personen, Gruppen und Organisationen zu nennen, die kontinuierlich prägenden Einfluß auf das Bauwesen nahmen oder aber zu nehmen versuchten. Die Auswahl entschied sich aber auch danach, von welchen Gruppen und Personen aus heutiger Sicht eine Beteiligung an der Planung erwartet wird. Aus diesem Grund sind hier die Alliierten und die verschiedenen Parteien aufgenommen worden, Sporadisch auftretende Personen, Gruppen und Organisationen oder aber vertiefende Details werden, soweit nötig, erst im unmittelbaren Zusammenhang benannt.

2.2 Die Bochumer Bauverwaltung

Die Reorganisation der 1945 weitgehend aufgelösten Bochumer Bauverwaltung ist gekennzeichnet durch einen heute kaum noch nachzuvollziehenden schnellen Personalwechsel. Er beginnt vor Kriegsende mit Einberufungs- und Umstrukturierungsmaßnahmen bei der Behörde und setzt sich nach Kriegsende im Rahmen der Entnazifizierung und der ersten Neueinstellungen fort. Bis zur endgültigen Konstituierung eines neuen Dezernates für das Bauwesen sind nur wenige Fakten sicher festzuhalten.

Am 15. 5. 1944 wurde dem Oberbürgermeister der Stadt Bochum die Planung der Stadt direktverantwortlich übertragen. Der damit zuständige Oberbürgermeister Friedrich Hesseldieck übertrug aber wiederum „in den Morgenstunden des 10. April 1945" - dem Tag des Einmarsches der Amerikaner - „seinem Stellvertreter, Bürgermeister Dr. Franz Geyer, die Verantwortung der Stadt, ,um sich auf Befehl des Gauleiters zum Freikorps Sauerland zu begeben'". Geyer, der damit also auch die Stadtplanung verantwortete, gelang es innerhalb der ersten elf Monate nach Kriegsende, d. h. bis zu seiner Entlassung am 8. März 1946, eine arbeitsfähige Bauverwaltung zu installieren. Zugute kam ihm dabei, daß er sich schon vorher mit der Stadtplanung befaßt hatte. So konnte er auch, obwohl er zwischenzeitlich am 15. April inhaftiert und erst am 1. Juli auf Weisung der englischen Besatzungsmacht als Oberbürgermeister eingesetzt wurde, den Kontakt mit Prof. Karl Elkart, Hannover, aufrechterhalten, der seit 1944 mit der Wiederaufbauplanung Bochums befaßt war und dann bis 1948 beratend tätig blieb.

Am 5. November 1945 veranlaßte Geyer die vorläufige Neubesetzung der Neubauabteilung, der Bauberatung und der Bauunterhaltungsabteilung mit Stadtbaumeister Spannmacher, Oberbaurat Hees, Stadtbaumeister Kreuzer und Stadtbaumeister Schregel - Beamten, die zum Teil schon seit den zwanziger Jahren bei der Stadt arbeiteten. Bereits am 11. August 1945 war die Stelle des Leiters der Bauverwaltung ausgeschrieben worden:

„Die Stelle des Technischen Beigeordneten (Stadtrates) der Stadt Bochum soll besetzt werden. Die Berufung erfolgt nach den Bestimmungen der DGO auf 12 Jahre. Der Geschäftskreis des Beigeordneten umfaßt das gesamte Baudezernat der Stadtverwaltung. Angesichts der schweren Zerstörungen in der Stadt durch die Kriegsereignisse sind in den kommenden Jahren große und schwierige Aufgaben zu lösen. Für die Stelle kommt daher nur eine starke, verantwortungsbewußte Persönlichkeit in Frage mit abgeschlossenem Hochschulstudium, möglichst Regierungsbaumeisterprüfung, mit besonderer Befähigung im Städtebau und nachweisbar erfolgreicher Tätigkeit in der Kommunal- oder Staatsverwaltung. Besoldung nach Einzelgehalt B 9 der RBO Ortskasse A. Persönliche Vorstellung nur nach besonderer Aufforderung. Bewerbungen mit den erforderlichen Unterlagen sind unter Angabe von Referenzen, der bisherigen Parteizugehörigkeit und der politischen Betätigung zu richten an den Oberbürgermeister der Stadt Bochum."

Am 9. Januar erfolgte dann die Amtseinsetzung Clemens Massenbergs als Leiter der Bauverwaltung: „Herr Bauassessor Massenberg ist heute bei der Stadtverwaltung als Stadtrat (technischer Beigeordneter) eingetreten.

Als Dezernat habe ich ihm übertragen:
  • das Baupolizeiamt

  • das Bauverwaltungsamt . . .

  • das Hochbauamt . . .

  • das Tiefbauamt . . .

  • das Vermessungsamt . . .

  • das Wohnungsamt

  • das Siedlungsamt

  • das Garten- und Friedhofsamt.
Ich erteile Herrn Stadtrat Massenberg Anweisungsbefugnis in unbeschränkter Höhe . . . . Der Oberbürger-meister Dr. Geyer."

Nachdem damit ein neuer Leiter der Bauverwaltung gefunden worden war, wurde der personelle Ausbau der Bauämter betrieben. Mit einer Anzeige in der „Ruhr-Zeitung", der „Neuen Westfälischen Zeitung", im „Hannoverschen Kurier" und der Berliner Zeitung „Das Volk" wurden am 6. 2. 1946 „für große Bauaufgaben sofort . . . künstlerische befähigte Architekten für Hochbau und Städtebau" sowie zahlreiche andere Fachleute im Bauwesen gesucht. Die Anzeige schließt: „Bewerber mit guter Praxis erhalten den Vorzug. Mitglieder der NSDAP können nicht berücksichtigt werden. Bewerbungen mit erforderlichen Unterlagen und bei Stellen des höheren Dienstes unter Angaben von Referenzen sind umgehend einzureichen an das Personalamt der Stadtverwaltung Bochum, Rathaus."

Der neue Stellenplan der Bauverwaltung umfaßte 227 Stellen, davon sollten 106 durch die o. g. Anzeige neu besetzt werden, nachdem vorher „sehr weitgehend vor allem leitende, mittlere und untere Beamte und Angestellte . . . darunter sämtliche Bauräte und Oberbauräte aus politischen Gründen" entlassen worden waren. Es gingen 315 Bewerbungen ein, 76 Bewerber wurden bestellt, die anderen abgelehnt, „da sie teilweise vorbelastet waren . . .‚ nicht die entsprechende Vorbildung oder Praxis aufweisen konnten oder zu alt waren (über 55 Jahre)". 10 Personen erhielten bis Ende März eine Stelle, die verbleibenden 96 freien Stellen wurden anscheinend nach und nach aufgrund anderer Bewerbungen vergeben.

Mit den Notwendigkeiten des Wiederaufbaus wurde auch im Laufe der Zeit die Zuständigkeit der Bauverwaltung erweitert. Zu den o. a. Ämtern und Abteilungen kamen hinzu: Am 1. 5. 1947 das Grundstücksamt, am 15. 11. 1948 das Katasteramt und am 28. 12. 1948 die Umlegungsabteilung. Wichtigste Gründung blieb das im April 1946 geschaffene „Stadtplanungsamt", bzw. „Planungsamt", in dem sämtliche städtebauliche Planung abgewickelt wurde, und von dem aus in der Folge alle anderen Ämter dirigiert wurden.

Zusätzlich erteilte die Bauverwaltung auch freien Architekten Einzelaufgaben. Der flexible Personaleinsatz und die Möglichkeit, hier Zuschüsse des Landes für „freiberufliche Planung" in Anspruch nehmen zu können, führte zu Kosteneinsparungen.

Alle Arbeiten, die die Bauverwaltung durchführte, wurden durch die äußeren Umstände der Nachkriegszeit drastisch erschwert. Die Notsituation der ersten Jahre betraf die Beamten und Angestellten im privaten Bereich nicht weniger als andere Bürger. Die Dienstzimmer im Rathaus waren teilweise stark beschädigt, eine Beheizung war nur möglich, wenn eigenes Brennmaterial mitgebracht wurde. Türblätter dienten als Zeichenbrett, Zeichenmaterial wurde, da es in Bochum und Umgebung nicht erhältlich war, von dem aus Aachen stammenden Ingenieur Heinrich Krings in Belgien „organisiert". Die technische Ausrüstung fehlte ganz. So konnte z. B. erst wieder Ende 1948 eine Lichtpausmaschine und eine fotografische Reproduktionsanlage in Betrieb genommen werden.

Trotz des großen Personal- und Materialmangels war die Bauverwaltung eines der best versorgten und einflußreichsten Dezernate der Stadt Bochum, das aber auch mit großer Effektivität arbeitete. Nur durch die zweckdienliche Organisation und den persönlichen Höchsteinsatz jedes einzelnen konnten bereits kurzfristig entscheidende Leistungen erbracht werden.

2.3 Karl Elkart

Das Planungsamt Bochum gab 1949 im öffentlichen Verwaltungsbericht einen Rückblick auf die Planungen für Bochum in der Zeit von 1938 bis 1948. Darin heißt es: „Die früheren Planungen sind zum größten Teil im Kriege der Vernichtung anheimgefallen, und die, welche in die Nachkriegszeit hinübergerettet werden konnten, müssen als überholt angesehen werden. Eine Ausnahme bilden vielleicht die für das Gebiet der Innenstadt von der Bauverwaltung in Gemeinschaft mit Professor Elkart aufgestellten Entwürfe, die für die weitere Arbeit an der Planung wertvolle Anregungen zu geben vermögen."

Prof. Karl Elkart ist zu zwei Zeitpunkten wesentlich an der städtebaulichen Entwicklung Bochums beteiligt gewesen. Er war 1912 - 1918 Stadtbaumeister Bochums und 1944 - 1948 Berater der Bochumer Bauverwaltung.

Karl Elkart wurde 1880 in Althausen geboren, studierte bei Theodor Fischer an der TH Stuttgart und wurde 1907 Regierungsbaumeister. Die erste Berufserfahrung erwarb er in Wolfenbüttel, Altona und Hamburg. So arbeitete er z. B. am Innenausbau des Völkerkundemuseums und des Stadtparks in Hamburg. 1912 wurde er als Preisträger im Wettbewerb um das „Parkhaus" als Stadtbaumeister nach Bochum berufen. Hier schuf er das mittlerweile stark veränderte Verwaltungsgebäude der VEW, die im Zweiten Weltkrieg zerstörte Bismarck-Schule, zahlreiche Klein- und Umbauten, Platzanlagen, zwei großzügige Restaurants im Stadtpark und die Drusenberg-Schule. Mit Elkart unterlag die Stadtplanung in Bochum erstmals einer qualifizierten Führung.

1918 ging Elkart als Stadtbaurat nach Spandau, 1922 als Baudirektor nach Berlin und wurde 1925 Stadtbaurat der Stadt Hannover. 1929 übernahm er eine Professur an der TH Hannover. Unter Elkarts Leitung wurde in Hannover das Grünflächen- und das Verkehrssystem ausgebaut, es entstanden mehrere Gartenstadtsiedlungen und einige größere Schul- und Verwaltungsbauten. Alle Ergebnisse zeigen Elkart als Vertreter des „Landschaftsschutzstils".

Am 12. 5. 1940 wurde Hannover aufgrund einer von Elkart entwickelten monumental-axialen Planung in den Kreis der nach dem Gesetz von 1937 neuzugestaltenden Städte einbezogen, und noch vor Kriegsende entwickelte Elkart für Hannover eine Wiederaufbauplanung, die aber nicht verwirklicht wurde, weil er 1945 aus seinen Ämtern entlassen worden war und sein Nachfolger im Amt, Rudolf Hillebrecht, andere vorsah. Elkart starb in Hannover am 12. 6. 1959.

Elkarts Qualifikationen, aber wohl auch „seine guten, fast freundschaftlich zu nennenden Beziehungen zu (. . .) Albert Speer" führten 1943 zu Elkarts Aufnahme in Speers „Arbeitsstab für den Wiederaufbau bombenzerstörter Städte". Elkarts Aufgabe wurde es hier, ein erstes Wiederaufbaukonzept für Bochum zu entwerfen, das Ende 1945 fertiggestellt war. Es wird in Kap. 4.2 näher besprochen. Auf der Basis dieses Konzeptes blieb Elkart für Bochum freiberuflich tätig und entwarf auch einen Flächennutzungsplan für das gesamte Stadtgebiet, der aber nicht realisiert wurde. Stärkeren Einfluß nahm Elkart durch seine gutachtlichen Äußerungen zu Platzgrößen, Straßenführungen und Bauformen in der Innenstadt. Aufgrund der durch die Währungsreform ausgelösten Sparmaßnahmen wurde sein Vertrag 1948 gelöst.

2.4 Clemens Massenberg

Leiter der Bochumer Bauverwaltung wurde, wie bereits erwähnt, am 8. 1. 1946 Dipl.-Ing. Clemens Massenberg. Seinem ganz persönlichen Einfluß auf wesentliche Inhalte und Organisationsformen des Wiederaufbaus sind jenseits der sozial und wirtschaftsgeschichtlichen Abläufe oder politischen Strukturen in hohem Maße die Erfolge der Wiederaufbauplanung zu verdanken. Er starb am 6. 8. 1954 im Alter von 44 Jahren. Die Stadt Bochum benannte ihm zu Ehren den ersten im Rahmen des Neuordnungsplans verwirklichten Abschnitt der Ost-West-Durchfahrt „Massenbergstraße".

Schon bei ersten Recherchen zu Massenberg steht man sehr schnell einer Art „Mythos Massenberg" gegenüber, der, aus Gesprächen mit Zeitzeugen und zahlreichen kleineren Schriften zusammengefaßt, in etwa folgendes besagt:

Sofort nach dem Krieg habe der erst 36jährige Massenberg einen kühn und großzügig angelegten, völlig neuen Stadtgrundriß für Bochum entworfen, den er aufgrund seiner im Krieg auf „Europas größter Baustelle" gewonnenen Erfahrung, seines persönlichen Charmes und seines unbeugsamen Willens auch durchzusetzen verstanden habe. Ihm sei die ungeteilte Anerkennung der Öffentlichkeit zuteil geworden, als ihm ein risikoreiches Projekt nach dem anderen gelang und Bochum von Tag zu Tag schöner geworden sei. Das damalige Urteil seiner Mitarbeiter: „Wenn Massenberg brüllt, zittert das Rathaus" oder sein Motto: „Das Leben ist kurz, da muß man sich beeilen", werden zum Beweis seines Einflusses und eines unermüdlichen Vorantreibens der Arbeiten angeführt.

Das Entstehen dieses „Mythos" scheint darauf zurückzuführen zu sein, daß der bis dahin völlig unbekannte Massenberg 1946 plötzlich auftrat, acht Jahre lang überall in der Öffentlichkeit einflußreich präsent war, dann aber früh und unerwartet starb. Der unverständlich frühe Tod mischte sich mit dem bis heute spürbaren Erstaunen, daß es tatsächlich gelang, das Trümmerfeld Bochum wieder aufzubauen. Diese für den einzelnen unübersichtlichen Abläufe im Wiederaufbau ließen und lassen sich durch den „Mythos Massenberg" personifizieren und erklären. Für den wissenschaftlichen Zugriff auf die Biographie Massenbergs erwies sich diese Mystifizierung des Wiederaufbaus meist als hinderlich.

Clemens Massenberg wurde am 25. 8. 1909 in Dortmund geboren, wuchs aber in Berlin auf. Sein Vater war Ingenieur für Brückenbau und besaß eine Baufirma. Im Elternhaus scheint Massenberg die ihn zeitlebens prägende Ausrichtung auf eine über Generationen währende Familientradition im Ingenieurwesen und eine feste Bindung an den katholischen Glauben erhalten zu haben.

Er studierte an der TH Berlin und war Schüler in der Meisterklasse Hans Poelzigs und bei Herman Jansen. 1934 legte er sein Examen als Diplom-Ingenieur ab. Die für Studenten verpflichtend vorgeschriebene Mitgliedschaft in einer NS-Organisation erfüllte er, indem er sich der SA-Marine Berlin anschloß und damit naturgemäß wenig beansprucht wurde. Sonstige nationalsozialistische Mitgliedschaften Massenbergs sind nicht bekannt.

Zu Massenbergs Vorbildern gehörten Le Corbusier, Peter Behrens und Paul Bonatz, besonders aber Hans Poelzig. So berief er sich auch 1947, in einer programmatischen Rede, auf „meinen Lehrer Hans Poelzig" und dessen Fabrikbauten, die er als Beispiele „beglückender, beseeligender Paarung von moderner Technik und künstlerischem Gefühl" bezeichnete. Massenbergs in Abwandlungen immer wieder vorgetragene Erwägungen über die Beziehung des „technischen Verstandes" zur „ewigen Melodie" in der Architektur, erinnern stark an Poelzigs Darstellung des „rechnenden Verstandes", dessen Vorbedingung für Poelzig das „Musikalische" war. Der große Einfluß Poelzigs auf Massenberg ist unverkennbar und wird auch in seinen Auffassungen zur Neuordnung Bochums spürbar. So kann es dann eigentlich auch nur Massenberg gewesen sein, der die 1948 erschienene Biographie Poelzigs sofort für die Stadtverwaltung anschaffen ließ und damit wohl die Möglichkeit ergriff, seine Auffassung am Beispiel Poelzigs zu erläutern - und wohl durchzusetzen.

Am 8. 3. 1934 trat Massenberg als Regierungsbaureferendar am Preußischen Staatshochbauamt Cottbus ein, vom 1. 9. 1936 an war er als Entwurfsarchitekt in Berlin tätig. Die ihm für diese Zeit zugeschriebenen Entwürfe und Bauleitungen für die Reichsmünze und das Preußen-Museum in Berlin sind nicht von ihm ausgeführt worden.

Nach einer Tätigkeit in der Bauleitung der Junkerswerke in Dessau wurde er am 1. 2. 1937 vom Staatsdienst beurlaubt und Leiter der Bauabteilung der Krupp-Treibstoffwerke in Wanne-Eickel.

In der Zeit vom 1. 4. 1939 bis Kriegsende war Massenberg Leiter der Bauabteilung der Sudetenländischen Treibstoffwerke AG in Brüx, dem heutigen Most/ CSFR. In der Nähe einiger Bergbaubetriebe entstanden mit einem vorgesehenen Kostenaufwand von 607 Mio. RM auf einer Grundfläche von 2,5 x 1,5 km ein Hydrierwerk und eine Braunkohlenschwelerei, Verwaltungsgebäude, eine Siedlung und „Barackenstädte". 20 000 Arbeitskräfte waren auf der Baustelle eingesetzt. Ziel war es, jährlich circa 1,2 Mio. t Flugzeugbenzin, Autobenzin, Dieselkraftstoff und Treibgas zu gewinnen. Der Betrieb war im höchsten Maße „kriegswichtig" und wurde darum auch permanentes Ziel alliierter Bombenangriffe, so daß die Bauarbeiten bis 1945 nicht eingestellt werden konnten.

Massenberg hat in Brüx bautechnische und organisatorische Erfahrungen gewonnen, die ihm im Wiederaufbau Bochums zugute kamen. So nimmt er z. B. 1949 im Zusammenhang mit der Fertigteil-Montage von Sied-lungshäusern Bezug auf Brüx: „Nach meiner siebenjährigen Erfahrung auf diesem Gebiet heben die Transport- und Montagekosten der meist schweren und sperrigen Teile die Ersparnisse in der Fertigung wieder auf."

Massenberg hatte Brüx 1944/45 verlassen und war 1945 nach Bochum gekommen. Am 13. 12. 1945 wurde Massenberg durch den Regierungspräsidenten in Arnsberg als hauptamtlicher Baubeigeordneter der Stadt Bochum eingesetzt, am 8. 1. 1946 erfolgte seine offizielle Berufung als Stadtbaurat. Aufgrund der erst danach ergangenen Gemeindeordnung wurde seine Ernennung als Beigeordneter am 22. 3. 1946 durch die Stadtverordnetenversammlung bestätigt.

Die Energie, mit der Massenberg sofort seine Aufgaben anging, zeigt sich in einem Schreiben, das er am 2. 2. 1946 an den Ruhrsiedlungsverband richtete. Optimistisch rechnete er darin mit nicht mehr als 10 Monaten Dauer für die Planung des Wiederaufbaus: „Die Wiederaufbauplanung für das Stadtgebiet von Bochum ist in Arbeit. Die umfangreichen Zerstörungen ermöglichen es, bisher unbefriedigende Verkehrsfragen glücklicher zu lösen und zu dicht bebaute Wohngebiete aufzulockern. Die Arbeit an der Wiederaufbauplanung wird noch einige Monate in Anspruch nehmen. Nach Fertigstellung des Wiederaufbauplans werde ich den Wirtschaftsplan mit Ihrer Dienststelle ausarbeiten lassen. Ich hoffe, daß bei Ihnen (. . .) noch ein Exemplar des festgestellten Wirtschaftsplans von 1937 vorhanden ist. Für diesen Fall beantrage ich die Verlängerung der Geltungsdauer dieses Wirtschaftsplans bis zum 31. 12. 1946."

Massenberg engagierte sich weitaus umfangreicher in der städtischen Politik, als in der weiteren Darstellung des Wiederaufbaus der Bochumer Innenstadt aufgezeigt werden kann. Er reorganisierte die Bochumer Gesellschaft für sozialen Wohnungsbau, die „Bochumer Heimstätten GmbH", deren Geschäftsführer er wurde. Er war auch Geschäftsführer der „Fernheizgesellschaft Bochum-Ehrenfeld". Weiter war er in der „Vestischen Wohnungsgesellschaft mbH Wanne-Eickel", im „Technischen Beirat" und dem „Ausschuß für Landesplanung" beim Ruhrkohlenbezirk Essen, der „Deutschen Akademie für Städtebau" und der „Emscher-Genossenschaftsversammlung" in Essen, vertreten. Nicht zuletzt den mit seinem ausgedehnten Engagement verbundenen ungezählten persönlichen Vorträgen vor Gremien, Ausschüssen, Organisationen und Parteien ist die Durch-setzbarkeit der Planungen der Bauverwaltung zuzuschreiben. So wurden bis zu seinem Tod die wichtigsten Planungsziele festgeschrieben und behielten mit Ausnahme einiger Modifizierungen bis circa 1960 Richtlinien-Charakter.

Massenberg blieb nicht unkritisiert. Die Kosten, die die Projekte der Bauverwaltung verursachten, seine beherrschende Art, die eine Diskussion über mögliche Planungsalternativen gar nicht erst aufkommen ließ und die große Aufmerksamkeit, die er der Innenstadt widmete und darüber möglicherweise die Außenbezirke vernachlässigte, sind hier aber die einzigen aus Zeitzeugenaussagen heute noch rekonstruierbaren Punkte.

Zu diesen Vorwürfen kann gesagt werden, daß seine tatsächlich vorhandene Konzentration auf die Planung der Innenstadt und die mit dem Wiederaufbau automatisch verbundenen hohen Kosten wohl notwendig waren, da von hier die gesamte Stadt wieder in Funktion gebracht wurde und die Gefahr der „verpaßten Chancen" hier am größten war. Es zeugt von Massenbergs Weitsichtigkeit, wenn er seinen Kritikern 1948 entgegenhielt, daß „die augenblicklich traurigen Geldbeschaffungsverhältnisse" für den Wiederaufbau nicht maßgeblich sein konnten und so eine Neuordnung durchsetzte, die bis in die Gegenwart relativ kostengünstig den jeweiligen städtebaulichen Trends angepaßt werden kann.

Von einer Vernachlässigung der Bochumer Außengebiete kann allerdings auch keine Rede sein. Die zahlreichen Siedlungsprojekte waren aber unkomplizierter durchzuführen und fielen den Außenstehenden ebensowenig auf, wie die intensiven Vorbereitungen für die Baustufen-, Bauzonen- und Leitpläne, die noch 1954 verabschiedet werden konnten.

Zuletzt bleibt zu bemerken, daß es, trotz Massenbergs starken Engagements gerade in der Entwicklung einer neuen Architektursprache, kein Gebäude gibt, das er privat entworfen bzw. gebaut hat. Jedes einzelne Objekt der Stadt trägt aber durch eine aufmerksame persönliche Betreuung deutlich Massenbergs Handschrift.

2.5 Josef Hellrung

Am 8. 4. 1946 wurde der Bauassessor Dipl.-Architekt Josef Hellrung in der Bauverwaltung Bochum eingestellt. Er übernahm das Sachgebiet „Städtebauliche Planung".

Hellrung war am 19. 3. 1909 in Bochum-Ehrenfeld geboren und wuchs dort auch auf. 1930 bis 1935 absolvierte er ein Architekturstudium an der TH Hannover. Dort war er unter anderem Schüler Karl Elkarts, Otto Fiederlings und Friedrich Fischers. In seiner Diplomarbeit konzipierte er für die Stadt Bodenwerder an der Weser eine Gestaltung „als Mittelpunkt des Wander- und Erholungsverkehrs".

Von 1935 bis 1939 war Hellrung als Referendar im staatlichen Ausbildungsdienst Assistent von Prof. Friedrich Fischer beim Bau der Stadthalle in Goslar sowie beim Stadtbauamt in Goslar als Stadtplaner und in der Denkmalpflege tätig. Hier entwarf und begann er den 1. Abschnitt der Großsiedlung Sudmerberg. Beim dorti-gen Staatshochbauamt arbeitete er im Salzgittergebiet.

Zwischenzeitlich war Hellrung von April 1936 bis März 1937 Leiter der Planungsstelle im Stadtbauamt Bochum. Seine Hauptaufgabe war hier die Erarbeitung eines Baustufenplanes, die Grundlage einer Baupolizei-verordnung.

Nach einem Verwaltungsabschnitt bei der Regierung in Hannover legte Hellrung in Berlin die „Große Staatsprüfung im Hochbaufach" ab und wurde in der „Prüfstelle des Reichsarbeitsministers für Gemeinschaftssied-lungen und städtebauliche Planungen" als Bauassessor beschäftigt. Hier entstanden Korrekturentwürfe für Bebauungspläne im gesamten Reichsgebiet sowie Entwürfe für zwei neue Stadtzentren, dazu entwickelte er Entwürfe und Darstellungen für ein neues Stadtbaurecht.

Von 1942 bis 1945 war Hellrung als Soldat Festungspionierbauleiter in Bergen/Norwegen. 1945 wurde er in Finnland schwer verwundet und kam nach einem Lazarettaufenthalt in Dänemark sowie einer Tätigkeit bei der englischen Besatzungsverwaltung im Oktober 1945 wieder nach Bochum.

Hellrung bewarb sich auf die o. a. Stellenanzeige der Bauverwaltung vom 6. 2. 1946, erhielt aber zuerst eine Absage, da Massenberg aus Bochum stammende Planer und Architekten für voreingenommen hielt. In dem Maße, wie sich herausstellte, daß eine Planung auf den gegebenen Voraussetzungen aufbauen mußte, änderte sich Massenbergs Meinung und Hellrung erhielt aufgrund seiner Erfahrungen und Qualifikationen eine Anstellung. Nach kurzer Zusammenarbeit mit Elkart wurde ihm die städtebauliche Planung hauptverantwortlich zugeteilt. 1949 wurde er Leiter des Planungsamtes. 1973 trat er in den Ruhestand.

Hellrungs Anteil und Verantwortlichkeit an der Entwicklung des Neuordnungsplans und seiner Weiterführung nach Massenbergs Tod ist seiner Stellung entsprechend groß. Keine der später dargestellten Lösungen ist ohne seine Mitarbeit entstanden. In zahlreichen Veröffentlichungen hat er seine Theorien und Wertungen des Städtebaus und der Architektur dargelegt.

1938 plädierte Hellrung in einer Abhandlung über „Stadt und Landschaft" für eine Architektur und Stadtplanung in „landschaftsgebundener Bauweise": „der Stein des nahegelegenen Bruches, das Holz des Stadtforstes und der Ton der heimischen Ziegelei werden von einem in Orts- und landschaftsgebundener Tradition wurzelnden Handwerk zu jenen herrlichen Gebilden zusammengefügt, welche unsere Zeit so staunend bewundert." „Einseitige Bauprogramme" und die Typisierung im Bauwesen sah Hellrung als Störfaktoren einer „organischen Gestaltung des Ortsbildes" an. Aus dieser Grundhaltung leitete Hellrung auch eine neue Stadtplanung ab, deren Aufgabe es sei, aus einer „strukturlosen Masse" einen „wohlgeordneten Organismus" zu gestalten: „Um die Geschäftsstadt legt sich zukünftig ein Kranz von Wohnstädten, mit dem Charakter selbständiger städtebaulicher Organismen. Zwischen ihnen wird die Landschaft in breiten Grünkeilen bis zum Kern des Stadtgebietes eingetrieben."

Hellrungs Ansätze fußen auf den Thesen des Landschaftsschutzstils, der an der TH Hannover u. a. von Elkart vertreten wurde. Bis heute sieht sich Hellrung auch von Paul Schmitthenner und Fritz Schumacher beeinflußt. Nach 1945 erkannte Hellrung Parallelitäten seiner städtebaulichen Ziele zur „Charta von Athen" und baute seine Argumentation mehr hierauf auf."

Prinzipiell sieht er sein städtebauliches Wirken als konsequente Weiterentwicklung ein und derselben Grundhaltung an, die sich den zeitbedingten Notwendigkeiten angepaßt hat. So erklärt sich, daß das auch von ihm für Bochum propagierte Strukturmodell der „Sternstadt mit Trabanten" starke Ähnlichkeit mit seiner schon 1938 vorgestellten „organischen" Stadtgliederung hat:

„Losgelöst von der (sternförmigen; Anm. d. Verf.) Kernstadt stellen die früher selbständigen Gemeinden und kleinen Ortslagen die sogenannten Trabanten dar. Zwischen den Sternspitzen sowie in der Umgebung der anschließenden Stadtteile war die Landschaft erhalten geblieben. (Diese) Freizonen wurden zu einem System ergänzt."

Der stärkste Änderungsbedarf dieses Grundmodells ergab sich für Hellrung in der Anpassung der Stadt an die Bedürfnisse des Verkehrs. Aber auch hier sieht er, daß z. B. der Straßenraum des Neuordnungsplans immer „konstant" blieb, aber „die Ausstattung (. . .) dem Zeitgeschmack und den Bedürfnissen entsprechend variabel" verändert worden sei.

2.6 Kurt Hubert Vieth

Der Architekt Dr.-Ing. Kurt Hubert Vieth war 1947 bis 1949 als „Fachkraft für die städtebauliche Planung" in der Bauverwaltung Bochum tätig. Mit einem Eintrittsalter von 31 Jahren war Vieth der jüngste leitende Angestellte in der Bochumer Bauverwaltung.

Stärker als andere Mitarbeiter der Bauverwaltung war Vieth auch freiberuflich tätig. Außer mehreren Privatbauten wurden unter seiner Leitung zwischen 1947 und 1959 auch vier Bochumer Kirchen erbaut bzw. wiederaufgebaut.

Vieth wurde am 4. 1. 1916 in Hindenburg, Oberschlesien, geboren. 1937 hatte er dort seine Schulausbildung abgeschlossen und begann im selben Jahr ein Studium an der TH Breslau in der Fakultät für Bauwesen, Fachrichtung Architektur und Städtebau. 1941 legte er sein Diplom ab. 1943 promovierte er.

Vom 1. 10. 1939 bis zum 30. 4. 1944 war er wissenschaftlicher Assistent an der TH Breslau. Gleichzeitig leitete er außerdem von 1941 bis 1944 das Breslauer Planungsbüro des auch in Essen vertretenen Prof. Ernst Bode und das Bauamt der Stadt Oppeln/OS. Im Januar 1945 flüchtete er aus Schlesien. Nach kurzer Zwischen-beschäftigung bei der Kreisverwaltung Falkenau-Elbogen-Eger und bei einer Baugesellschaft trat er 1946 bei der „Landesplanungsgemeinschaft Westfalen" in Münster ein.

Vom 17. 3. 1947 bis zum 30. 9. 1949 arbeitete Vieth in Bochum. Da er hier relativ spät eingestellt wurde und auch nur insgesamt 30 Monate in Bochum blieb, ist seine Einflußnahme auf die Inhalte der Neuordnung geringer als auf die Ausarbeitung und Ausführung bestimmter Bereiche. Seine Beschäftigungszeit fällt aber in die entscheidende Planungsphase, da am 1. 10. 1948 der Neuordnungsplan für Bochum verabschiedet wurde. Unter seiner Mitarbeit wurde das Konzept einer Fußgängerzone für Bochum ausgearbeitet sowie zahlreiche Platz- und Straßengestaltungen in Variationen dargestellt, untersucht und endgültig festgelegt.

Am 1. 10. 1949 wechselte Vieth in die Bauverwaltung Herne, wo er ab 1950 die Leitung des Planungsamtes innehatte. 1962 wurde er Stadtbaurat in Mönchengladbach-Rheydt. 1970 trat er in den Ruhestand.

Vieth promovierte 1943 bei Prof. Ernst Bode mit dem Thema „Das Stadtbild Oppeln als Beispiel der Formung aus den städtebaulichen Faktoren Raum und Volk". An seiner Arbeit ist der letzte Stand der universitär betriebenen Forschung zur Stadtplanung im Dritten Reich abzulesen.

Vieth zeigt in seiner Arbeit die städtebaulichen Probleme auf, die sich für Oppeln seit dem 19. Jahrhundert ergeben hatten und untersucht die Möglichkeiten einer künftigen Stadtplanung. Dabei geht er davon aus, daß das Stadtbild Oppelns einerseits aus landschaftlichen Gegebenheiten zu erklären ist und andererseits aus der „gemeinsamen Gestaltungsarbeit" der germanischen, slawischen, polnischen und deutschen Besiedlungen resultiert. Er spricht sich für eine Erhaltung der in Stadtgrundriß und Bausubstanz noch erkennbaren Charakteristika der Stadtgeschichte aus, ist aber dafür, im Sinne einer „organischen Weiterentwicklung" die Ergebnisse der „planlosen Ortserweiterung" „unter preußischer Herrschaft" rückgängig zu machen und zudem die gesamte Stadt an die wachsenden Verkehrsbedürfnisse anzupassen.

Das Stadtzentrum Oppelns will er durch eine Ringstraße vom Durchfahrtsverkehr freihalten, zwei sich kreuzende Hauptverkehrsstraßen sollen die Innenstadt erschließen. Die Geschäftsstraßen sollen hauptsächlich den Fußgängern vorbehalten bleiben, die Geschäfte sollen über rückwärtig gelegene Einbahnstraßen beliefen werden."

Vieth spricht sich für eine Auflockerung und Durchgrünung des gesamten Stadtgebietes aus. Er fordert „in sich geschlossene, selbständige Siedlungen", die sich um den Stadtkern legen und durch Grünzüge von ihm getrennt sind. Für die bebauten Gebiete lehnt er „eine allzu repräsentative, achsengebundene Anordnung der Wohnstraßen und Wohnplätze" ebenso ab, wie „jede zu sehr betonte oder pathetisch gehaltene Repräsentation" bei der Bebauung der vorgesehenen Kultur- und Verwaltungszentren.

Vieth zitiert zwar die offiziellen nationalsozialistischen Forderungen an die Stadtplanung, wie etwa „Stärkung der biologischen Volkskraft", „Förderung des Handwerks", „Steigerung der Abwehrbereitschaft des deutschen Raumes", oder aber „Baulichen Luftschutz", geht aber in seinen Ergebnissen inhaltlich nicht darauf ein. Seine Planung hat mit den bekannten kriegs- und rassenideologisch begründeten nationalsozialistischen Planungen für den „Deutschen Osten" kaum Gemeinsamkeiten. Im Gegenteil unterscheidet sie sich nur unwesentlich von den städtebaulichen Ideen des nichtfaschistischen Auslandes und zahlreichen Planungskonzeptionen der deutschen Nachkriegszeit.

2.7 Sonstige Personen in der Bauverwaltung

Es ist bereits gesagt worden, daß noch vor Massenbergs Tod die wesentlichen Planungen für die Innenstadt abgeschlossen waren und Hellrung die inhaltliche Weiterführung gewährleistete. Nachfolger im Amt des Stadtbaurates wurde aber übergangsweise 1954 bis 1955 der Leiter des Tiefbauamtes Dipl-Ing. Heinrich Habekost, der nach seiner Tätigkeit an der TH Hannover 1946 nach Bochum gekommen war und die Enttrümmerung organisiert hatte. 1964 übernahm er eine Professur an der TH Braunschweig.

Am 26. 5. 1955 wurde der Architekt Hans Linz, vormaliger Leiter des Bielefelder Hochbauamtes und des Planungsbüros Hanns Dustmanns, zum neuen Stadtbaurat gewählt. Er blieb bis 1967 im Amt und bearbeitete maßgeblich die Planungen für den Gesamtraum Bochum.

Innerhalb des gesamten Personals der Bauverwaltung während der Zeit des Wiederaufbaus lassen sich Gruppen ausmachen, auf deren typische Merkmale an den Biographien Elkarts, Massenbergs, Hellrungs und Vieths hingewiesen werden kann.

Zu erkennen ist die Gruppe derjenigen, die schon vor 1933 mit Planungen in Bochum befaßt waren, die Zeit des Nationalsozialismus mitvollzogen hatten, aber relativ unbelastet blieben und nach dem Krieg aufgrund ihrer Erfahrungen gebraucht wurden. Neben Elkart ist hier der 1889 geborene Architekt Walter Kreuzer zu nennen, der seit Anfang der zwanziger Jahre freischaffend und als Stadtbaumeister in Bochum arbeitete und 1946 bis 1950 die Bauberatung leitete.

Eine zweite Gruppe bildeten diejenigen, die erst nach 1933 ihre Berufsausbildung abgeschlossen hatten, an einer der zahlreichen Bauaufgaben des Dritten Reiches in leitender Stellung tätig wurden und die dort gewonnenen Erfahrungen in die Organisation des Wiederaufbaus einbrachten. Mit Hellrung gehört der Architekt Paul Müßen zu diesem Personenkreis. 1908 geboren, war er von 1936 bis 1942 und nach seinem Wehrdienst erneut von 1945 bis 1973 in der Bauverwaltung tätig, dort ab 1955 als Gruppenleiter in der Hochbauabteilung des Planungsamtes. In diesem Personenkreis wurden die detaillierten Kenntnisse um die allgemeinen und speziellen Grundlagen einer Planung in Bochum sehr wichtig, ihr Wissen um die Planungen nationalsozialistischer Aufmarschstraßen und Gauforen aber bedeutungslos. Aus der Zeit der monumentalen Projekte scheint ihnen allein der Mut zur Veränderung ihrer Heimatstadt geblieben zu sein, denn Hellrung führt noch 1961 an, in den „gelegentlich schlicht abenteuerlich" erscheinenden Wiederaufbauplanungen habe „zweifellos die Hybris der vergangenen Zeiten nachgewirkt und ausnahmsweise Gutes erzeugt".

Eine dritte Gruppe von Angestellten unterscheidet sich von der vorher beschriebenen Gruppe wesentlich dadurch, daß sie bei ihrem jeweiligen Dienstantritt ohne spezielle Vorkenntnisse früherer Planungen erstmals in Bochum arbeiteten und dadurch wohl am stärksten auf eine Neuorientierung der Bauverwaltung hinwirkten. Zu dieser Gruppe sind Massenberg, Vieth und Habekost zu rechnen, außerdem Dipl.-Ing. Heinrich Krings, der in Brüx mit Massenberg zusammengearbeitet hatte und 1946 bis 1967 für die verkehrstechnischen Planungen im Straßen- und Eisenbahnwesen verantwortlich war. Im Planungsamt - Hochbauplanung - wirkte ab ca. 1948 bis 1975 Dipl.-Ing. Hans Knirsch. Der Schüler Egon Eiermanns nahm wesentlichen Einfluß auf die städtische Architektur. Seine Schulbauten wurden überregional beachtet.

Eine vierte Gruppe bildeten die nur gelegentlich verpflichteten Sachverständigen, die mit Gutachten oder Planungen zu speziellen Bau- oder Planungsproblemen beauftragt wurden. Elkart ist auch dieser Gruppe zuzu-rechnen. Weiter wurden Prof. Dr.-Ing. Otto Fiederling, TH Hannover, 1948 mit der Altstadtplanung, Prof. Gerhard Graubner, TH Hannover, 1949 mit dem Bau des Schauspielhauses beauftragt. Prof. Hans Mehrtens, TH Aachen, erstellte 1952 ein Gutachten zum Bau des Stadtbades sowie des Stadtwerkegebäudes und übernahm 1958 - gemeinsam mit Walter Köngeter, Kunstakademie Düsseldorf - den Vorsitz des Preisgerichts im Bochumer Architektur-Wettbewerb „Schöne Bauten 1945-1957". Mehrtens hatte bereits 1947 vor Bochumer Architekten über Städtebau und -planung gesprochen. Seine Verbindungen zu Bochum beruhten auf einer früheren Beschäftigung als Bauleiter beim „Bochumer Verein" und einer 1944 erfolgten Beauftragung, die Wiederaufbauplanung für Bochum vorzunehmen. Alle genannten Personen dieser vierten Gruppe sind einer konservativen Architekturrichtung zuzurechnen.

Auffällig sind in allen Gruppen die zahlreichen Verbindungen der Bauverwaltung zur TH Hannover. Ansatzweise scheint sich hier zu zeigen, daß die Reorganisation und Organisation der Stadtplanung in weitaus stärkerem Maße über persönliche Beziehungen als über andere Wege stattfand. Während Massenbergs mehr oder weniger in ganz Deutschland erfolgter Versuch, über eine Stellenausschreibung „künstlerisch befähigte Architekten für große Bauaufgaben" zu finden, scheiterte, erwies es sich demnach als bedeutungsvoll, daß Elkart in Hannover saß und Hellrung dort studiert hatte. Es kann davon ausgegangen werden, daß die von beiden in den dreißiger Jahren an der TH Hannover geknüpften Bekanntschaften auch zu einer gegenseitigen Vermittlung von Aufträgen innerhalb dieser Gruppe führten. Ihre Verbindungen konnten, im Gegensatz zum Schicksal der Vertreter der Moderne, in der Zeit des Nationalsozialismus ungestört aufrechterhalten bleiben, weil sie auf einer traditionalistischen Bauauffassung beruhten, die in der NS-Baukunst aufging.

So konnte der seit 1944 in Bochum beschäftigte Elkart andere traditionell ausgerichtete Architekten und Planer nach dem „Zusammenbruch" 1945 schneller für neue Aufgaben reaktivieren, als möglicherweise am Wiederaufbau Bochums interessierte Architekten der Moderne überhaupt erst einmal wieder eigene Verbindungen aufbauen konnten. Da im Wiederaufbau zeitliche Verzögerungen und personelle Engpässe nicht stärker als unvermeidlich in Kauf genommen werden durften, fiel darum schon aus rein pragmatischen Gründen eine Entscheidung für die Beibehaltung traditioneller Planungstheorien, aus denen, wie Mehrtens 1947 in Bochum verlangte, „unter schöpferischer Fortentwicklung des bewährten Überkommenen eine neue Baugesinnung entstehen müsse, die wieder vom Menschen ausgehe".

Der pragmatische Hintergrund der personellen Kontinuität im Wiederaufbau führte auch dazu, daß sich die Baufachleute, aufgrund einer gleich unkritischen Einschätzung ihrer gemeinsamen Vergangenheit, einer gegenseitigen Absicherung gewiß sein konnten. Fragen nach den vorherigen Stellungen durften darum mit Angaben als hinreichend beantwortet gelten, die sich auf den rein bautechnischen Charakter der „großen Bauaufgaben" beschränkten. Auch in dieser Arbeit müssen deswegen die sich darüber hinaus zu den Biographien aufdrängenden Fragen, im besonderen nach der Stellung der Planer zur Zwangsarbeit auf ihren Baustellen, ausgeklammert werden, da die vorliegenden Informationen hier weder eine ausreichende Basis für eine Darstellung bieten, noch eine Beurteilung rechtfertigen könnten.

2.8 Die Bauverwaltung und ihre Beziehung zur Öffentlichkeit

Eine Bauverwaltung ist bis in die Gegenwart hinein stark daran interessiert, ihre Planungen nicht vorzeitig an die Öffentlichkeit dringen zu lassen, um z. B. Spekulationskäufen vorzubeugen oder aber um unpopuläre Projekte nicht über demokratische Instanzen zum Scheitern zu bringen. Planungspolitik wird dabei als „technische Aufgabe" der Experten verstanden, die eine „optimale Stadt" zu verwirklichen haben. Auch in der Nachkriegszeit handelte die Bauverwaltung bei der Ausarbeitung des Neuordnungsplans nicht anders, obwohl offiziell sogar gefordert wurde:

„Nicht etwa nur die Bauverwaltung oder die Stadtverwaltung soll diesen Plan haben, nein, die ganze Stadtgemeinde muß den Neuordnungsplan als ihren eigenen Plan bezeichnen und durchdrungen von der Notwendigkeit, Zweckmäßigkeit und Schönheit der Aufgabe gemeinschaftlich alle Kräfte daran zu setzen, ihn zu verwirklichen."

Ein solcher „gemeinschaftlicher Einsatz" für die Verwirklichung der Planungen setzt im demokratischen Grundverständnis eigentlich die Möglichkeit voraus, auch gemeinschaftlich Einfluß auf Planungsinhalte nehmen zu können. Es zeigt sich aber, daß keinem Versuch der Öffentlichkeit oder auch anderer Stellen, Einfluß auf die Planungen zu nehmen, von der Bauverwaltung nachgegeben wurde. Die erfaßbaren Personen, Gruppen, Organisationen und Parteien, die als außerhalb der Bauverwaltung stehend, mit ihr in Verbindung traten, sollen hier mit ihren Interessen und Reaktionen kurz aufgelistet werden.

Die Einflußnahme der englischen Militärbehörde (Alliierte) beschränkte sich auf anfängliche Organisation der Trümmerräumung, erste Instandsetzungsmaßnahmen und die Requirierung von Maschinen, Gebäuden und Baumaterialien für den eigenen Bedarf. Eine Einflußnahme auf die eigentliche Planung kann nicht festgestellt werden. Nur eine anekdotisch verkürzte Darstellung, der englische Stadtkommandant habe durch seinen nach unten ausgestreckten Daumen die Bahnhofsverlegung ursprünglich abgelehnt, ist überliefert. Der nicht konkret belegbare Verzicht auf Einflußnahme entspräche dem Prinzip der „Indirect Rule" der britischen Besatzungsmacht, die sich zum Teil der von ihnen in Deutschland vorgefundenen organisatorischen und administrativen Strukturen bediente, sie sogar stärkte.

Das Verhältnis der Bauverwaltung zur übrigen Stadtverwaltung war allgemein einvernehmlich. Hier war es wohl auch entscheidend, daß Gerhard Petschelt, der am 1. 2. 1947 als juristischer Dezernent in die Bauverwaltung eintrat, zwischen 1947 und 1952 nacheinander zum Kämmerer, Stadtdirektor und Oberstadtdirektor Bochums ernannt wurde und das zuletzt genannte Amt bis 1976 innehatte. In seiner kurzen Zeit in der Bauverwaltung scheint er nicht nur ein starkes Verständnis für das Planungsgeschehen gewonnen zu haben, sondern hier nahm wohl auch sein gutes Verhältnis zu Massenberg seinen Ausgang, so daß viele Finanzierungen und Vorhaben unbürokratisch angegangen werden konnten.

Die SPD - Mehrheitsfraktion in Bochum - schloß sich in allen Planungsstadien den Standpunkten der Bauverwaltung an, forderte aber 1947 im Gegensatz zu weit verbreiteten Bestrebungen, zugunsten des Städtebaus eine Bodenreform durchzuführen, „der Einzelinitiative eines jeden Baulustigen freien Raum zu lassen". Initiativ wurde sie Ende 1948 mit einem Antrag auf den Entwurf von Kleinstwohnungsbauten. Die CDU- und die KPD-Fraktion traten durch keinerlei faßbare Einflußnahme in Erscheinung. Als Alleingang ist das Veto des CDU-Stadtrates Diekamp zu werten, der eine veränderte Trassenführung des Ringes wünschte, weil er darin Möglichkeiten für erhebliche Kosteneinsparungen und strukturelle Verbesserungen des Stadtgrundrisses sah. Die Stadtvertretung der Stadt Bochum verabschiedete den Neuordnungsplan 1 am 1. 10. 1948 bei einer Stimm-enthaltung ohne Gegenstimme.

Die Meinungsbildung der demokratischen Vertretungen fand aber bereits im Vorfeld statt, d. h. im Bau- und Planungsausschuß, bzw. in den daraus gebildeten Unterausschüssen. Alle Ausschüsse wurden paritätisch von SPD, CDU und KPD besetzt und konnten beratende Mitglieder der Bauwirtschaft, der Verkehrsbetriebe oder sonstige Interessenvertreter hinzuziehen. Der Bauausschuß wurde im März 1946, der Stadtplanungsausschuß im August 1948 gegründet. Beide wurden in zahlreichen Sitzungen detailliert über die Vorgänge und Überlegungen in der Bauverwaltung informiert. Aber auch hier sind grundlegendere Auseinandersetzungen zumindest nicht verzeichnet worden.

Die wenigen auszumachenden Kritikpunkte der Stadtvertreter sind sehr unterschiedlicher, wenn nicht widersprüchlicher Natur. Die Verkehrsführung über einen Ring wurde abgelehnt, weil es für notwendig erachtet wurde, „daß der Verkehr in die Stadt hineingeführt wird, um den Verkehrsteilnehmern alles zu zeigen, was die Stadt zu bieten hat". Möglichst sollte eine breite Hauptstraße „schnurgerade" mitten in die Altstadt, auf die älteste Kirche Bochums zu und ebenso „schnurgerade„ wieder herausgeführt werden. Gleichzeitig wurde aber bedauert, daß durch die weitaus weniger eingreifende Planung der Bauverwaltung eine ehemals besonders malerische Straße der zerstörten Altstadt nicht wieder aufgebaut wurde. Oft waren aber den Stadtvertretern die von 12 auf 30 m verbreiterten Hauptstraßen immer noch zu eng und die neuangelegten Plätze zu klein. Das Meinungsbild spricht im Ganzen gesehen dafür, daß die Mitglieder der beratenden Gremien mit der Beurteilung einer Wiederaufbauplanung überfordert waren, zumal sie von den anderen Erfordernissen der Nachkriegszeit schon sehr vereinnahmt wurden. Um so lieber scheinen sie sich dann letztlich auf die Kompetenz der Bauverwaltung verlassen zu haben.

Weitaus weniger harmonisch verlief häufig der direkte Kontakt zwischen Bauverwaltung und Bevölkerung. Trotz einer bis 1949 bestehenden Bausperre erhielt allein das Planungsamt ab 1946 monatlich sechs- bis achthundert mündliche und schriftliche Anfragen von Bauwilligen, die aber wegen der Neuordnungsabsichten nicht immer befriedigend beantwortet werden konnten. Vor allem, wenn für beabsichtigte Straßenverbreiterungen und Trassenverlegungen intakte oder nur teilzerstörte Häuser abgerissen werden sollten, ist es oft zu harten Auseinandersetzungen gekommen. In vielen Fällen war der Bestand eines Hauses oder einer Unterkunft von existenzieller Bedeutung, in anderen Fällen ging es darum, „höchstmögliche Entschädigungen zu erzwingen".

Aus drei Geschäftszonen der Innenstadt, die nach den Neuordnungsmaßnahmen nicht mehr vom Durchgangsverkehr berührt werden sollten, wurden kollektiv formulierte Proteste laut, da man offensichtlich für die Zukunft Einnahmeeinbußen befürchtete. In zwei Gebieten erwiesen sich diese Befürchtungen als richtig. In der als Fußgängerzone vorgesehenen Einkaufsstraße - der Kortumstraße - waren die Proteste aber unbegründet. Hier war man der Ansicht gewesen, „daß der fließende Verkehr die Kunden von den Bürgersteigen in die Geschäfte drücken solle".

Die Kritik an den Plänen der Bauverwaltung blieb, unabhängig davon, ob sie unbegründet oder begründet war, meist wirkungslos. Die Absicht der Bauverwaltung war es, „günstige Vorbedingungen für künftige Generationen" zu schaffen, nicht aber, den Planungsvorgang an sich sofort zu demokratisieren. Besonders deutlich zeigte sich das bei der öffentlichen Auslegung des Neuordnungsplanes. Er wurde nicht, wie vorgeschrieben, vor der Verabschiedung, sondern erst zwei Monate später ausgelegt. Über das Ergebnis berichtete die Bauverwaltung nur: „Nennenswerte Bedenken und Anregungen wurden nicht vorgebracht".

Auseinandersetzungen zwischen Planungsbetroffenen und Bauverwaltung wurden nur in einem Fall öffentlich ausgetragen, meist zeichnete auch die Presse das Bild eines „gemeinschaftlichen Planens", das das „neue Bochum" als „städtebaulichen Ausdruck sozialer Gemeinschaft" erstehen lassen würde. Die Aufzählung der „Zukunftsvisionen", „Zukunftsbilder" und „Zukunftsaufgaben" erschöpfte sich aber immer in der sehr unkonkreten Nennung breiterer Straßen, größerer Plätze, Grünflächen, Wohn- und Monumentalbauten. Auch zwei Ausstellungen: „Bochum wie es war und wird" im Jahre 1946 und die 1947 erfolgte Ausstellung der Wettbewerbsergebnisse zur Gestaltung des Rathausplatzes besaßen mehr werbenden als informativen Charakter.

Bessere Informationen vermittelte die Bochumer Bauverwaltung Expertengruppen. In fortwährendem Kontakt stand sie mit dem Ruhrsiedlungsverband, zwischen dessen Präsidenten Philipp Rappaport und Massenberg ein hohes Einvernehmen über die Bochumer Neugestaltung bestand. Bochum war bereits im Juli 1946 auf der Fachausstellung „Unser Wiederaufbau" in Arnsberg vertreten, auf der 188 deutsche Aussteller einen Überblick über die Probleme und Problemlösungen des Wiederaufbaus gaben. 1951 beteiligte sich Bochum mit seinem Bahnhofsprojekt an der „Constructa" in Hannover und 1952 mit seinem Gesamtkonzept an der Internationalen Städtebau-Ausstellung in Lissabon.

In Bochum selbst fand anläßlich der Freigabe des ersten Teilstücks der neuen Ost-West-Durchfahrt am 14. 11. 1950 eine durchdacht inszenierte Veranstaltung statt, auf der die Planungen ebenso ausgestellt wurden, wie auf der im Mai 1954 in Bochum stattfindenden Mitgliederversammlung der „Deutschen Akademie für Städtebau und Landesplanung, Landesgruppe NRW".

Erwähnenswert sind auch die Kontakte, die durch persönliche Führungen Für Fachleute und Interessierte entstanden. Es scheint eine Art touristischer „Wiederaufbauroute" durch Europa gegeben zu haben, die auch Bochum berührte. Hier war in die Besichtigungen der Stadt immer der Besuch des sehr aufwendig gestalteten Stadtbades eingeschlossen, das 1953 fertiggestellt worden war. Das Gästebuch des Stadtbades enthält allein für die Jahre 1953 bis 1955 Eintragungen von rund 200 Architekten, Ingenieuren, Bauausschüssen und anderen Personen und Gruppen aus England, Irland, Frankreich, Osterreich, Schweiz, Belgien, Niederlande, Dänemark, Schweden, Spanien, Portugal, Italien, Griechenland, Jugoslawien, Polen, USA, Argentinien, Brasilien, Japan, Thailand, Taiwan, Indien, Marokko, Südafrika und Irak.

Ein nicht ganz ungestörtes Verhältnis hatte die Bauverwaltung zur Architektenschaft in Bochum, die sich durch die engen Gestaltungsvorschriften in ihrer Baufreiheit nicht selten eingeschränkt fühlte. Das Beispiel eines Bauvorhabens des Architekten F. A. Bergmann zeigt, wie stark sich ein Entwurf unter Einfluß der Bauberatung verändern konnte. Unerwünschter Bauschmuck wurde hier ebenso gestrichen wie das unvorschriftsmäßige Steildach. Die Ergebnisse des gestalterischen Zusammenwirkens Bauverwaltung/Architektenschaft wurden 1958 in einem städtischen Wettbewerb „Schöne Bauten 1947-1957" veröffentlicht.

Überblickt man die Beziehungen der Bauverwaltung zu allen außerhalb Stehenden, kann, das Planungsverfahren betreffend, von einem „demokratischen Neubeginn" nicht die Rede sein. Die Bauverwaltung hat es zwar verstanden, zahlreiche Unterstützung für den Neuordnungsplan zu gewinnen, hat dabei aber eine offene Informationspolitik oder eine Beteiligung der Bürger am Planungsgeschehen vermieden. Sie hat sich durch ihre Öffentlichkeitsarbeit einen Freiraum geschaffen, der es ihr ermöglichte, nur den selbst entwickelten Kriterien folgen zu müssen. Darum brauchte die Bauverwaltung bei der notwendigen Entscheidung zwischen „Wünschenswertem, Notwendigem und Möglichem" nicht erst zahlreiche Grundsatzmodelle gegeneinander abzuwägen, um dann schließlich keines mehr vollständig umsetzen zu können, sondern war in der Lage, ihre eigenen Projekte konsequent zu Ende zu denken und zu verwirklichen.