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Augusta Krankenanstalten, Bergstraße 26

Die Augusta Krankenanstalten, ein evangelisches Krankenhaus gleich nördlich der Bahnlinie und in der Nähe des Bochumer Stadtparks, waren für Heinrich Schmiedeknecht und sein Büro während vieler Jahre wichtiger Auftraggeber. Dem "Augusta" fühlten sich zudem Schmiedeknechts stets persönlich verbunden. Das eigene Haus lag direkt benachbart und der Architekt konnte durch ein privates Törchen zu seinen Baustellen gehen. "Im Augusta" haben Familienmitglieder nicht nur mehrfach als Patienten gelegen, sondern auch zeitweise Kranke betreut. 1943 bot das Krankenhaus dem ausgebombten Büro Arbeitsräume. In Haus A schließlich ist Schmiedeknecht 1962 gestorben. Eine Woche zuvor hatte man den Patienten gebeten, sein Haus und das 1.200 m² große Grundstück Zeppelinstraße 18 dem Krankenhaus zu verkaufen. Die Erben führten die Verhandlungen zum Abschluß. Sein Mitarbeiter Kurt Seidler baute dann 1963 an Stelle der Schmiedeknecht'schen "Wohnhausruine" ein großes Ärztehaus.

Nur Abbildungen und Besprechungen dokumentieren noch die historische Bauentwicklung der Augusta-Krankenanstalten, an der Schmiedeknecht so entscheidend beteiligt gewesen ist. Allein das "Marthahaus", das 1914 als Heim für berufstätige Frauen errichtet wurde, blieb im Wesentlichen erhalten und hält als Eingangsbau die Erinnerung an seine umfangreiche Tätigkeit für das Augusta-Krankenhaus wach . Es wird im Kapitel "Soziale Einrichtungen" besprochen (S.   ).

Festschriften zum 75., 100. und 125jährigen Bestehen der Augusta-Krankenanstalten sind die unten aufgelisteten Daten entnommen, die gleichzeitig eine Einführung in die historische Entwicklung der Krankenversorgung in Bochum und die Baugeschichte sind. Ein Lageplan von 1939 läßt den Umfang von Schmiedeknechts Bauten erkennen. Eine Darstellung von 1964 zeigt, daß beim Nachkriegsaufbau die alten Anlagen im Mauerwerk im wesentlichen übernommen wurden. Auch im Lageplan von 1989 ist noch die alte Substanz weitgehend integriert, allerdings nun von außen kaum noch zu erkennen. Erst eine noch unverwirklichte "Zielplanung" sieht Veränderungen vor, bei denen die alten Komplexe ganz verschwinden sollen.

1863 15 evgl. Bürger gründen ein Krankenhaus mit 12 Betten in einem Wohnhaus an der Brückstraße

1867 Ein Grundstück zwischen Castroperstraße und Bergstraße wird erworben

1870 Haus A bezogen, 100 Betten (Arch. Haarmann) , historistische Architektur

1891 Haus A Ausbau in gleichem Stil, weitere 100 Betten (Arch. Schwenger)

1895 Haus A wird der evgl. Kirchengemeinde übertragen.

1899 Haus A Ausbau auf 350 Betten (Arch. Schwenger)

1911 Haus B für 120 Betten (Arch. Nordmann)

1914 Marthahaus, seit 1945 Verwaltung (Arch. Schmiedeknecht)

1922 Wohnhaus für 35 Schwesterrn (Arch. Schmiedeknecht)

1926/27 Haus C für 120 Betten und Sondereinrichtungen, u. a. Röntgenstation (Arch. Schmiedeknecht)

1928/29 Haus D Isolierhaus (Arch. Schmiedeknecht)

1934 Haus B wesentlich erweitert (Arch. Schmiedeknecht)

1938/39 Betriebsgebäude (Arch. Schmiedeknecht)

1942/45 Wiederaufbau von Kriegsschäden (Arch. Schmiedeknecht)

1945/53 Wiederaufbau (Arch. Forth, ehem. Mitarbeiter von Schmiedeknecht)

1953/61 Ausbau (Arch. Lowin)

1963/64 Ärztehaus Zeppelinstraße 18 (Arch. Seidler, Mitarbeiter von Schmiedeknecht)

Gründungsbau A, Haus B

Den Gründungsbau der Augusta Krankenanstalten (Haus A) errichtete Harrmann 1868 vorwiegend als Bettenhaus in Ziegelstein mit historisierenden Schmuckelementen. 1891 und 1899 paßte Schwenger ergänzende Flügel dem Vorhandenen an. Die nächste Erweiterung erfolgte 1911 als Haus B durch den Dortmunder Nordmann als Ziegelbau, ohne historisierende Formen.

Nach längerer, wohl durch den Krieg bedingten Pause, hat Schmiedeknecht dann die Krankenanstalten durch mehrere Neubauten großzügig ausgeweitet. In der Jubiläumsschrift von 1939 wird auf den Gesamteindruck der in der Funktion unterschiedlichen Häuser eingegangen. Dort heißt es zu Schmiedeknecht: " ... der alle weiteren Neubauten in engster Verbindung mit der Krankenhausverwaltung und dem Vorstand plante und durchführte, wodurch eine glückliche Gesamtgestaltung auf lange Sicht erreicht wurde." Sämtliche Bauten Schmiedeknechts für das Augusta Krankenhaus waren intensiv gegliedert, von außen blieben die Funktionen der verschiedenen Bereiche erkennbar. Hell verputzt, vermittelten die meist in Grün eingebettenen Häuser eine angenehme, menschliche Atomsphäre für Patienten und Personal.

Schwesternheim

Als ersten Auftrag für das Augusta gestaltete Schmiedeknecht 1922 ein Schwesternwohnheim im Westen des Geländes. Das sehr wohnlich wirkende Haus hatte über zwei Stockwerken mit einheitlich gereihten Fenstern ein hohes Mansarddach. In der Formgebung und mit heller Verklinkerung war es - vielleicht auf Wunsch der Auftraggeber - sehr ähnlich dem benachbarten Marthahaus von 1914, das S.    ausführlich besprochen wird. Es wurde von dem gleichen Diakonieschwestern betreut wie das Krankenhaus. 1945 wurde es vom Krankenhaus als Verwaltung übernommen nach gewissen Veränderungen durch den Architekten Forth.

Haus C

1926 baute Schmiedeknecht auf neuerworbenem Gelände an der Zeppelinstraße ein großes Haus für 120 Betten und moderne Behandlungsräume. Dieses freistehende, langgestreckte Gebäude mit vielerlei Aufgaben weitete die Anlagen nach Norden hin aus.

Untergebracht waren in diesem Haus die "Abteilung für Innere Krankheiten", zwei Kinderabteilungen und ab 1931 in den beiden oberen Stockwerken die "geburtshilfliche und gynokologische Abteilung". Neuester Diagnostik und Behandlungstechnik entsprachen die erstmals eingerichteten Abteilungen für Röntgen und Orthopädie.

Bei dem hell verputzten, breit gelagerten, 5 1/2 stöckigen Bau waren ausgesprochen geradlinige Architekturelemente kombiniert mit einem leicht geschwungenen, ausgebauten Mansarddach. Die zu den vorhandenen Anlagen ausgerichtete Südfront war als Fassade in sich intensiv gegliedert. Ein etwas vorgezogener, neunachsiger Mittelteil erhielt durch eine betont waagerechten, geradlinigen Giebelaufsatz und durch eine große überdachte Auffahrt zusätzlichen modernen Akzent. Dieser Mittelrisalit wurde von jeweils fünfachsigen Bettentrakten flankiert. Tief herabgezogenen Fenster und Fenstertüren öffneten sich zu durchlaufenden Balkonen im dritten und Gitterbrüstungen im vierten Stockwerk. Sie entsprachen der damals propagierten Verwendung von Licht und Luft als Heilfaktor, den Schmiedeknecht auch bei allen anderen Krankenhausbauten berücksichtigt hat.

Isolierstation

Gleich im Anschluß an Haus C entstand 1928/29 auf Drängen der Stadt eine Isolierstation (Haus D). Dieser Bau für 50 Betten lag etwas abseits am höchsten Punkt des Krankenhausgeländes. Den besonderen Anforderungen einer Isolierstation entsprach die intensive Gliederung des Grundrisses und des gesamten Baukörpers in mehrere Bereiche mit gesonderten Eingängen.

Erweiterung Haus B

Umfangreiche Anbauten erhielt Haus B 1934. In vom Bauhaus beeinflußter, funktionaler Geradlinigkeit fügten sich hier flach gedeckte Einzelbereiche zu einer Baugruppe zusammen. Heller Zementputz setzte diesen modernen Bauteil von dem alten Backsteinbau ab. Auch hier waren Fenstertüren mit Balkonen die Regel. Bei den Plänen wurden bereits 1933 ausreichende Luftschutzräume zur Auflage gemacht.

Betriebsgebäude

Das 1939/40 errichtete Betriebsgebäude ist durch eine besonders klare, funktionsbedingte Unterteilung in mehrere Baukörper charakterisiert. Bei dieser letzten von Schmiedeknecht gestalteten Anlage für das Augusta-Krankenhaus mußten ein Kesselhaus mit 60 m hohem Kamin, vielerlei Werkstätten, eine Kraftwagenhalle sowie Aufenthalts- und Schlafräume für das Personal miteinander kombiniert werden. In der Festschrift von 1939 heißt es: "Jede Abteilung ist für sich getrennt und doch wieder so angelegt, daß sie von einer mittleren Halle aus zu erreichen ist. Die innere Ausstattung ist den heutigen Bestrebungen nach Schönheit der Arbeit angepaßt. Das Gebäude verspricht wegen der Geschlossenheit des Aufbaus und wegen der neuzeitlichen Einrichtung aller in ihm vereinigten Betriebe ein Musterbetrieb zu werden. Es wird sicher vielen Anstalten Anreiz geben, ähnliches zu schaffen." In der Festschrift von 1964 wird an diesen Text angeknüpft: "Der am 01.09.1939 ausgebrochene Krieg erstickte jede weitere Entwicklung. Er brachte ständig steigende Anforderungen mit der Belastung durch den Luftkrieg, vor allem seit Mai 1943 ... Was geschah, mußte unter fast ununterbrochenem Luftalarm geleistet werden ... Die vorhandenen Unterlagen sind durch Kriegseinwirkungen verloren gegangen ... " In diesen Jahren des Flickens von immer wieder neuen Bombenschäden setzte Schmiedeknecht all seine Erfahrungen im Improvisieren und im Beschaffen von Material ein.

Als Schmiedeknecht 1945 in Thüringen vom Kriegsende überrascht und zunächst festgehalten wurde, übernahm Herr Forth, sein bisheriger Mitarbeiter, den Wiederaufbau des Augusta in eigener Verantwortung. Schmiedeknecht war dann zwar an Wiederaufbauplanungen für das Elisabeth-Hospital und die Landesfrauenklinik beteiligt, einen Krankenhaus-Neubau hat Schmiedeknecht aber nach dem Krieg nicht mehr entworfen.