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Konsumverein Wohlfahrt, Königsallee 178

Der Konsumverein Wohlfahrt in Bochum war 1902 mit folgendem Programm gegründet worden: "1) Zusammenschluß der wirtschaftlich Schwachen zum gemeinsamen Einkauf von Lebensmitteln und Bedarfsgegenständen im Großen und Abgabe an die Mitglieder im Kleinen nur gegen Barzahlung. 2) Zur Errichtung von Produktivbetrieben", so meldete der Bochumer Anzeiger 1925. 1912 schloß sich der Bochumer Konsumverein mit dem zweiten großen Konsumverein des Ruhrgebietes zusammen, etwa 15.000 Mitglieder konnten bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges registriert werden. In 51 Verkaufsstellen wurden 4 Mio. Mark umgesetzt. Die Expansion hielt während des Ersten Weltkrieges an, zumal sich kleinere Vereine von Witten, Recklinghausen, Wanne-Eickel und Herne anschlossen. Der höchste Mitgliederstand wurde zunächst 1925 mit knapp 38.000 erreicht, nach dem Krieg stieg die Mitgliederzahl bis 1956 auf 47505. Vor 1933 betrug die höchste Zahl an Vertriebsstellen 113, nach 1945 151.

Nach der nationalsozialistischen Machtergreifung bildete sich im Bochumer Betrieb des Konsumsvereins eine Widerstandsgruppe, die 1936 enttarnt wurde. Zwei ihrer führenden Mitglieder wurden hingerichtet, der Betrieb wurde "gleichgeschaltet".

Die Gebäude des Konsumvereins sind ein besonders geschichtsträchtiger Ort und stehen heute als anspruchsvolle Architektur und bedeutende Zeugnisse der Bochumer Geschichte unter Denkmalschutz. 1962 wurde der Konsumverein Wohlfahrt nach wirtschaftlichen Problemen von der Konsumgenossenschaft Dortmund-Hamm übernommen und 1969 in die COOP-Dortmund integriert. Die alte Zentrale an der Königsallee und zahlreiche Verkaufsstelle wurden aufgegeben.
Nachdem die G DATA Software AG bereits viele Jahre Teilmieter des Areals war, hat das Unternehmen 2014 (100 Jahre nach der Grundsteinlegung) das insgesamt 2,3 Hektar große Gelände an der Königsallee gekauft und gestaltet es zum G DATA Campus um. Fast 400 Mitarbeiter sind von hier aus für den Sicherheitssoftwarehersteller tätig. Mit der Standortexpansion beabsichtigt G DATA die Mitarbeiterzahl in den kommenden Jahren zu verdoppeln.

Noch vor dem Ersten Weltkrieg hatte der Konsumverein im Hunscheidtfeld ein Gelände von 28.243 m² erworben, wo am 25. Juni 1914 der Grundstein für Verwaltungs-, Betriebs- und Lagergebäude gelegt wurde. Nach Verzögerungen durch den Krieg konnten die Bauten 1916 vollendet werden. 1919 wurde dann noch ein Wohnblock mit 17 Dienstwohnungen und 1927 ein modernes Ladengebäude angelegt. Der Bochumer Anzeiger von 1925 fährt fort: "Alle Baulichkeiten sind nach den Plänen des Architekten Schmiedeknecht errichtet worden, der unumstritten Mustergültiges in der inneren und äußeren Ausstattung geleistet hat ... Die Bäckerei ist die größte in Westfalen ... Etwa 100 Personen werden hier in zwei Schichten in hellen, luftigen, mit modernsten Maschinen ausgestattenen Räumen beschäftigt. ... Angegliedert ist eine Großmühle für eine Tagesleistung von 1100 Doppelzenter Getreide. Die Versorgung der Mitglieder mit Bohnen-, Korn-, Malz- und Mischkaffee geschieht in eigener Mälzerei und Rösterei, die Bearbeitung von Speck und Frischfleisch zu Dauerwaren in eigener Räucherei, Weinkellerei, Gewürzmühle und Abpackerei seien nur nebenher erwähnt ... Die sozialen und hygienischen Einrichtungen für die Angestellten und Arbeiter sind modernen Verhältnissen angepaßt und beachtenswert ... In dem durch die Verlängerung der Königsallee zum Aufschluß kommenden Hunscheidtfeld repräsentieren sich die Anlagen des Konsumverein Wohlfahrt als wuchtiges Zeugnis für den Erfolg gemeinsamer Arbeit ... Seit Jahren ist die Genossenschaft das größte Handelsunternehmen in der Lebensmittelbranche in Bochum und Umgebung."

Für den Konsumverein Wohlfahrt zu bauen, war für den erst wenige Jahre selbständigen Architekten Schmiedeknecht sicher ein höchst reizvoller Auftrag, zu dem es nach verschiedenen Berichten bis dahin kaum Vorbilder gab. Möglicherweise trugen Schmiedeknechts Erfolge beim Ausbau der technischen Einrichtungen der Schlegel-Brauerei dazu bei, daß man ihm die Arbeit übertrug. Der Einbau neuer technischer Anlagen im Bergmannsheil, das in bergbauberufsgenossenschaftlichem Eigentum stand, mag ebenfalls für ihn gesprochen haben. Von der Ausschreibung eines Architektur-Wettbewerbs ist nichts bekannt und es fehlen auch jegliche Unterlagen zu Übernahme und Abwicklung dieses Projektes und der weiteren Aufträge für das Unternehmen. Nur ein unleserlich überlieferter Lageplan erlaubt eine Übersicht über alle von Schmiedeknecht erstellten Gebäude auf dem weitläufigen Konsumgelände. Er entstand vermutlich 1927, denn der damals gebaute Laden ist besonders hervorgehoben. Zu den Gebäuden selbst fanden sich nur wenige, zudem sehr schlecht erhaltene originale Lichtpausen. Soweit hier Maße gennant werden, entstammen sie einer Bauaufnahme von 1980 durch das Architektenbüro Benn Neuwald + Partner, Essen für die Firma Häusser Bau, die das gesamte ehemalige Konsumanwesen übernahm, renovierte und es zum Industriepark Ehrenfeld umgestalten ließ. Die meisten Gebäude wurden zu Büroeinheiten ausgebaut. Inzwischen bezogen es Mieter aus den verschiedensten Bereichen von Handel und Gewerbe. Auf dem ausgedehnten ehemaligen Werksgelände wurde in Grünanlagen eingebetteter Parkraum für die Unternehmen und ihre Besucher geschaffen.

Die umfangreichen Fertigungsanlagen erstrecken sich parallel zu Nebengleisen der Bergisch-Märkischen Bahnlinie. Alle weiteren Häuser des Konsums sind zur Königsallee orientiert, die allerdings erst nach der Planung der Fertigungsanlagen in Angriff genommen wurde. Laut Bochumer Anzeiger hat der Konsumverein dazu von seinem 1912 erworbenem Gelände nachträglich der Stadt Bochum 2.435 m² unentgeltlich übelassen. Dem Unternehmen kam der Ausbau der Straße sichert zurecht! An der Königsallee reihen sich bis heute als Konsumbauten von Schmiedeknecht

1. eine Zeile von Wohnhäusern für Werksangehörige von 1919,

2. die repräsentative Verwaltung von 1914/16,

3. das etwas zurückliegende zierliche Pförtnerhäuschen mit altem Gitter und Werkstor von 1916,

4. der ehemalige Konsumladen von 1927.

Der mächtige rote Ziegelkomplex der ehemaligen Fertigungsbetriebe ist der dominierende Kern der gesamten Anlage. Er wird aber von der Königsallee aus kaum wahrgenommen. Die ursprüngliche Bauform und das Dekor aus der Zeit um 1914 ist im wesentlichen noch vorhanden. Beeinträchtigt wird der historische Eindruck ein wenig durch die neuen Fenster, bei der die alte Sprossenunterteilung fehlt.

Der vier- bis sechstöckige Backsteinbau der Fertigungsanlagen bedeckt etwa 4.000 m² Grundfläche. Von dem ursprünglichen 100 m langen und 18 m tiefen Haupttrakt gehen rechtwinklig ein zentraler und zwei seitliche Flügel Richtung Königsallee ab. Anders als die symmetrisch gestaltete Hauptfassade sind diese Flügelbauten in Grund- und Aufriß unterschiedlich angelegt, außerdem sind sie wohl nachträglich erweitert worden. Die ca. 500 m² und 600 m² großen Flächen zwischen den Flügelbauten waren früher in niedriger Höhe mit Dächern überspannt, unter denen gestapelt und geladen werden konnte. Das Baukonzept spricht dafür, daß bei der Planung die Schauseite nach SW gedacht war. Auf diese lange, intensiv gegliederte Stirnseite ist auch eine Zeichnung orientiert, die 1925 im Bochumer Anzeiger veröffentlicht wurde. Leider tritt diese attraktive Fassade heute optisch nur wenig in Erscheinung, da sie am Rande des Konsumareals liegt und nicht mit dem erforderlichen Abstand betrachtet werden kann.

Dieser zur Bahn schauenden, langen Front gibt ein Sockelgeschoß mit vorgelegter Laderampe optisch horizontalen Akzent. Diese Horizontale wird von der vorspringenden Verkröpfung der Dächer und dem flachen Abschluß eines Mittelrisaliten wiederholt. Im Gegenspiel dazu, hebt eine die gesamte Fassade einheitlich unterteilende Reihung kräftiger Lisenen nicht nur die vertikale Komponente hervor, sondern sie vermittelt auch den Eindruck ruhiger Großzügigkeit. Die lange Front ist in 5 sehr unterschiedliche Abschnitte zu 6-8-6-8-6 Achsen unterteilt. Der portalartig hervorgehobene sechsachsige Mittelrisalit wird ohne einen der bis dahin üblichen historisierenden Giebelaufsätze geradlinig abgeschlossen - ein richtungsweisendes Architekturdetail. Beiderseits dieser betonten Mitte liegen Trakte mit acht Achsen. Gerahmt wird die Fassade von sechachsigen Eckpavillons, die ein Stockwerk höher sind. Ihnen geben über einem rundum laufenden Mansardstock mächtige, abgewalmte Dachhauben weithin sichtbaren, turmförmigen Charakter. Auf der gesamten Front liegen, zwischen den Lisenen zurückgenommen und jeweils in einer Reihe übereinander angeordnet, gleichförmig große Fenster. Ihre fein profilierten hellen Kunststeinrahmungen heben sich deutlich vom roten Ziegelmauerwerk ab. Die gesamten Fenstereinfassungen des Baus, aber auch die Gestaltung der Werkstüren bei den Hofeingängen und der dezent plastische Schmuck sprechen für Sorgfalt im Detail. Besser als an der Fassade sind die stilistischen Einzelheiten am südlichen Seitentrakt und den Stirnseiten der Flügelbauten zu erkennen.

Bei den Fertigungsanlagen des Konsum konnte Schmiedeknecht, anders als bei der Schlegel-Brauerei, wo auf engsten Raum immer wieder neue Anlagen untergebracht werden mußten, die gesamten betrieblichen Aktivitäten in einen einzigen großen Bau zusammenfassen. Die Aufgabe lautete: "Sammlung und Lagerung von mit der Bahn angefahrenen Konsumgütern. Verarbeitung der Waren und später Verteilung, um sie mit Betriebswagen zu den Filialen zu bringen". Zur Anordnung der verschiedenen technischen Einrichtungen kann nur beispielhaft ein Bericht im Volksblatt vom 16.02.1924 zitiert werden, der anläßlich der Installierung einer neuen Werksmühle erschien: "Die Mühle befindet sich im östlichen Teil des Lagergebäudes, dessen sämtliche 5 Stockwerke davon in Anspruch genommen werden ... Vom Waggon aus wird das Getreide vermittels einer Rutsche zu den Elevatoren im Kellergeschoß geführt, die es über Vorreinigung zur automatischen Waage transportieren. Ein Überheber bringt es von der Waage in die Silos ... 6 kleine Silos, die 3.000 Doppelzentner fassen ... waren bisher vorhanden. Nun sind neue, gewaltige Silos eingebaut worden. Sie bestehen aus Beton. Ihre Tiefe beträgt 12 Meter und sie haben eine Bodenfläche von 10 x 10 Meter. In jedes dieser Silos gehen 180 Tonnen oder 12 Waggons. Alle 8 Silos zusammen fassen rund 14.000 Doppelzentner Getreide ... Die Einfüllung des Getreides erfolgt von oben. Elevatoren befördern es dort hinauf. Von den Silos gelangt das Getreide in die Walzstühle, das eigentliche Herz der Mühle ... Die Produktion der Mühle beträgt 900 Doppelzentner in 24 Stunden. Mit ihr kann der Konsumverein Wohlfahrt seinen gesamten Mehlbedarf produzieren. Sie ist eine der modernsten Mühlen in ganz Westdeutschland."

Von den weiteren Bauten Schmiedeknechts für die Konsumgenossenschaft ist die ehemalige Verwaltung, Königsallee 178, die kulturhistorisch wichtigste, weil ästhetisch reizvollste Arbeit. Der nur zwei Stockwerke hohe Bau auf ca. 400 m² Grundfläche ist wesentlich kleiner als die mächtigen Fertigungsanlagen. Seine freie Lage an der Straße und sein relativ geringeres Volumen erleichtern es, die Ausgewogenheit der Architektur und ihre stilistischen Einzelheiten zu erfassen. Schon Mitte der Achtziger Jahre beantragte der BDA Denkmalschutz für diesen in Gliederung und Schmuck gelungenen beispielhaften Bau aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg. Inzwischen brachten Umbauten einige Veränderungen. Vieles der historischen Ausstattung blieb jedoch erfreulich gut erhalten.

Der von Grün gerahmte, rote Backsteinbau an der Königsallee besitzt ein säulengestütztes, repräsentatives Eingangsportal, zu dem direkt aus der Straßenflucht breit gelagerte Stufen aufsteigen. Die Form der doppelt gestellten Portikus-Säulen erinnert an klassizistische Grundformen. Bei näherer Betrachtung entdeckt man allerdings auch Einflüsse des Jugendstils. Vor allem die Kapitelle mit sehr schmalen Ringen und Blätterkranz verweisen auf florale, ägyptisierende Formen. Thema des Säulenportikus scheint die gebündelte Papyrussäule zu sein, deren tiefere Symbolik auf die fruchtbaren Nilebenen verweist. Ein Motiv, das für einem großen Nahrungsmittelproduzenten passend war.

Die großzügige Eingangsgestaltung mit Stufen und Säulenstellung ähnelt dem von Schmiedeknecht gleichzeitig erbauten Marthahaus, der Graf- Engelbert-Schule von Karl Elkart (1913/17) sowie dem Theaterumbau von Moritz und Elkart (1914/15). Der Zeitgeschmack bevorzugte solche nobilitierenden Eingangssituationen für Bauten des landschaftgebundenen Types.

Der Architrav - der obere, von Säulenpaaren getragene Querbalken- ist beim Konsum-Verwaltungsbau zu einem Balkon verbreitert, zu dem sich drei verglaste Türen öffnen. Hinter ihnen liegt das Sitzungszimmer. Über dem Portikus ist das Giebeldreieck als Schmuckform gestaltet. Weit vorkragende Gesimsbänder umlaufen die Giebelfläche, innerhalb der Fläche des Giebels sind die Ziegel ornamental angeordnet nach dem Vorbild damaliger norddeutscher und niederländischer Ziegelbauten. Die Giebelmitte schmückt ein Rundfenster, das dekorativ umschlossen wird von einem hellen Steinkranz aus großformigem Blattwerk. Über den Säulenpaaren beiderseits des Einganges liegen plastische Rosetten aus Kunststein, ein damals beliebtes Schmuckelement. Die linke Rosette trägt die Jahreszahl 1914, die rechte 1916. Im linken Sockelstein ist unter den Säulen eingemeißelt "Heinrich Schmiedeknecht, Architekt". Die reich gegliederte Eingangstür in Eiche hat große Glasflächen, die den Blick ins Innere freigeben. Das ornamental verschlungene, schmiedeeisene Gitterwerk davor hat zeittypische Jugendstilformen.

Ähnliche Rosetten wie am Portal reihen sich an den Gebäudeflanken als Band zwischen den Stockwerken. Sie tragen Symbole wie Füllhorn, Bienenstock und Schiff. Hier wird "reicher Handel" thematisiert. Ein überlieferter früherer Entwurf zeigt statt der Rosetten plastischen Pflanzenschmuck. Die Reduzierung des Ornaments auf Rosetten kann als beginnender Stilwandel gedeutet werden, die Moderne wandte sich ab von den überreichen Schmuckformen und versachlichte die Architektur. Auf den hier angesprochenen Längsseiten fassen rustizierte Lisenen die Fenster achsial zusammen. Schmiedeknecht hat bei seinen frühen Bauten mehrfach solche Gliederung längerer Fronten verwendet. In den Zwanziger Jahren wird jedoch bei ihm die rein optische Unterteilung langer Fassaden abgelöst von einer mehr räumlichen Gliederung im Sinne der Moderne, bei der verschiedene Bauabschnitte als Gruppe zusammengefaßt werden.

Das Innere des Verwaltungsbaus ist in seiner ursprünglichen Aufteilungen erhalten bzw. ablesbar geblieben. Im Erdgeschoß gruppierten sich die Diensträume um eine zentral gelegene Diele. Seitlich von ihr liegt das Treppenhaus, das durch eine verglaste Türe abgeschlossenen wird. Im Obergeschoß liegt zur Straße der 10 x 7 m große Sitzungssaal mit Nebenräumen und nach hinten eine großzügige Wohnung für den Leiter des Konsum. Die Integration von Dienstwohnungen bei Verwaltungsbauten war damals noch allgemein üblich. Sie entsprach dem betriebsnahen Wohnen von Handwerkern und Geschäftsleuten sowie der Direktorenvilla neben der Fabrik. Der Verantwortliche sollte seinen Betrieb übersehen können.

Der weitläufige Eingangsbereich wirkt mit feiner Holzvertäfelung, profilierten Türen sowie Rahmungen mit ähnlich plastischen Dekor wie am Außenbau überraschend wohnlich für ein Verwaltungsgebäude. Auffallend aufwendig gestaltet ist der geschnitzte Handlauf im Treppenhaus.

Die eleganteste Ausstattung weist der Sitzungsaal auf, der hinter dem Hauptbalkon zur Königsallee den gesamten Vorderbau des Hauses einnimmt. Der von drei Seiten belichtete Raum ist ganz in Eiche getäfelt. Gliedernde Lisenen enden in zierlichen Kapitellen mit Palmetten. Der Stuck der Decke ist dagegen beschränkt auf großformige Kehlungen an den Rändern und einem Mittelmedaillon.

Ein Pförtnerhäuschen von 1915 am Tor des Betriebsgeländes, das durch eine Pergola mit der Verwaltung verbunden ist, läßt durch seine ausgewogene Proportionen und reichen plastischen Schmuck bewußt werden, wie sorgfältig der Architekt auch kleine Objekte gestaltete. Die Verbindung einzelner Bauteilen durch eine Pergola hat Schmiedeknecht 10 Jahre später bei der Bogestra nochmals verwendet.

1927 baute Schmiedeknecht neben dem Werkszugang an der zum Platz ausgeweiteten Königsallee für den Konsum ein Haus mit Ladenlokalen. Nach erhaltenen Zeichnungen war zunächst ein eingeschossiger Kolonialwaren- und Metzgerladen als Pavillon mit Flachdach geplant. Der heutige Bau hat jedoch ein Obergeschoß und hohes Dach. Hier handelt es sich offensichtlich um eine Planänderung, nicht um eine spätere Aufstockung. In jüngerer Zeit ist der Bau nach hinten erweitert worden.

Das in der überlieferten Zeichnung vorgegebene Konzept wurde stilistisch beibehalten. Der Laden ist zwar durch seine Klinkerverkleidung den Hauptbauten von 1914 angepaßt, die Einzelformen sind nun aber wesentlich anders als bei den älteren Projekten. An Stelle von plastischem, figuralem Dekor in Zement sind hier horizontale und vertikale Klinkerlinien hervorgehoben. Das gilt vor allem für die Schmalseiten, bei denen eine Gruppe von Schmuckleisten die Senkrechte betonen. Der Stil staatlicher und offizieller Bauten war nun der Expressionismus geworden, der aber ebenso landschaftsgebunden blieb, wie die traditionelle Moderne der Zeit vor 1918. Weiterhin wurden heimische Materialien zur Gestaltung bevorzugt. Das Untergeschoß war durch zwei Eingänge und vier Schaufenster funktional gegliedert, ist aber inzwischen umgestaltet worden. Das Obergeschoß mit seinen tief herabgezogenen, großen Fenstern dürfte dagegen dem alten Zustand entsprechen. Schmuck geben hier die dezenten Ornamente der Brüstungsgitter. Diese Gitter vor den hohen Fenstern haben die gleichen Ornamente wie das 1927 gebaute Wohnhaus Klinikstraße 87. Insgesamt ist dieser harmonisch durchkomponierte Bau eine reizvolle Ergänzung zur Seitenfront des Verwaltungsbaus.

Optisch völlig abweichend von allen übrigen Konsumbauten gestaltete Schmiedeknecht 1919 eine Gruppe von sechs Wohnhäusern für Angestellte des Betriebes Königsallee 166 - 176. Der dreistöckige, langhinziehende Komplex ist nicht nur verputzt, sondern auch in stilistisch anderer Weise gegliedert. Diese Wohnhäuser werden auf S. ausführlicher besprochen.