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"... ein Prachtbau in so zierlichen gotischen Formen"

Die wechselvolle Geschichte der St. Marien Kirche in Bochum-Mitte

Rüdiger Jordan

Vorwort

Die einst mitgliederstarke katholische Kirchengemeinde St. Marien Mitte in Bochum schrumpft so sehr, daß sie sich mit der benachbarten Propsteigemeinde St. Peter und Paul vereinigen will. Damit stellt sich auch die Schicksalsfrage für die Kirche St. Marien. Die Überlegungen reichen von einer Weiternutzung als - nicht mehr pfarrlichen Zwecken dienendes - Gotteshaus über Umnutzung bis zum Abriß.

Der bekannte protestantische Architekt Gerhard August Fischer hat die katholische Marienkirche 1867 geplant und bis 1872 errichtet. Dieser Sakralbau ist somit ein frühes Symbol für Ökumene in Bochum und Ausdruck der seit Mitte des 19. Jahrhunderts stark anwachsenden Kirchengemeinde. Im preußischen Kulturkampf spielte sie eine nicht unbedeutende Rolle. Ab dem Ende des 19. Jahrhunderts übernimmt diese Kirche eine wichtige Integrationsfunktion für die in die junge Industriestadt Bochum strömenden polnischen Arbeiter.

Der stattliche neugotische Bau vermittelt auch heute noch bedeutsame Sichtbeziehungen im Stadtgefüge und ist ein wichtiger historischer und städtebaulicher Akzent in der vom Krieg arg mitgenommenen Bochumer Innenstadt. Nur solche individuellen Bauformen und Monumente kann der Bürger emotional besetzen und sich mit ihnen als Ausdruck von Heimat identifizieren.

So ist es sehr zu begrüßen, daß der Autor Rüdiger Jordan auf Anregung der für das kulturelle Erbe in Bochum engagierten Kunsthistorikerin Dr. Christel Darmstadt die vorliegende Dokumentation als wichtigen Diskussionsbeitrag erstellt hat. Denn eine verantwortungsvolle Entschei-dung über die Marienkirche kann nur getroffen werden in voller Kenntnis und Würdigung der Geschichte und der Bedeutung dieses Sakralbaus für die Stadt Bochum und ihre Bürger.

Es gibt keine gute Zukunft ohne Achtung vor der Vergangenheit!

Berlin, im November 2000

Prof. Dr. Bernhard Kerber

Eine bewegte Geschichte...

"Sicher hat keine Kirche der Diözese solche Streitigkeiten bei ihrem Baue gesehen."(1)

Mit diesen Worten schloß ein Chronist im Jahre 1927, genau ein halbes Jahrhundert, nachdem endlich nach langwierigen und heftigen Auseinandersetzungen der Beschluß zum Bau der Marienkirche an ihrem heutigen Platz gefallen war, seine Ausführungen zur Vorgeschichte der Kirche. Geradezu exemplarisch spiegeln sich in der Planungsgeschichte dieses Gotteshauses die Konflikte der seit der Mitte des 19. Jahrhunderts auch in Bochum gewaltig voranschreitenden Industrialisierung. Im Jahr 1844 sind für Bochum mit der Inbetriebnahme der Zeche "Präsident", der ersten Tiefbauzeche im westfälischen Teil des Ruhrgebietes, und der Errichtung der Gußstahlfabrik von Jacob Mayer und Eduard Kühne (des späteren Bochumer Vereins für Bergbau und Gußstahlfabrikation) gleich zwei wesentliche Motoren der von nun an rasanten Entwicklung zur Großstadt zu verzeichnen. Von dem nicht unwesentlichen Einfluß des Bochumer Vereins und seines Mitbegründers Jacob Mayer auf den Bau der Marienkirche wird hier noch zu berichten sein.

Mit dem nun einsetzenden Bevölkerungswachstum - die Einwohnerzahl Bochums wuchs allein zwischen 1842 und 1867 auf mehr als das Dreifache, bis 1900 sogar um den Faktor Zehn - setzte eine rege Bautätigkeit ein.(2) Die verwinkelte Altstadt wurde bald zu eng, mit dem Zuschütten des Stadtgrabens begann im Jahr 1855 die Entwicklung der Neustadt. Überwiegend orientierten sich die neuen Baugebiete nach Westen, so zunächst im Bereich des Wilhelmsplatzes, des heutigen Husemannplatzes, und entlang der Alleestraße bis zur Gußstahlfabrik. Von einer geordneten Stadtplanung nach heutigen Maßstäben konnte damals noch nicht die Rede sein: Die Stadtentwicklung folgte überwiegend den wirtschaftlichen Interessen der spekulativ handelnden privaten Bauunternehmer.

Mit dem Heer der Arbeiter und Bergleute, die infolge der wachsenden Industriezweige in die Stadt kamen, war die einzige katholische Gemeinde Bochums bald überfordert. Mit etwa 38.000 Seelen zum Zeitpunkt der Teilung im Jahr 1888 galt die spätere Propsteigemeinde St. Peter und Paul seinerzeit als größte katholische Gemeinde im Königreich Preußen(3). Bereits 1862 trugen sich die Katholiken mit Erweiterungsplänen, nachdem sich in der viel zu kleinen altehrwürdigen Kirche in der Altstadt regelmäßig bis zu 1.200 Menschen versammelten, die der Messe zum Teil bei Wind und Wetter im Freien folgen mußten.(4) Gleichzeitig kam auch die Idee auf, eine zweite Kirche zu bauen, doch sollten bis zur Realisierung noch sechs konfliktreiche Jahre vergehen.

Enttäuscht von der Untätigkeit der Pfarrgemeinde nahm noch im gleichen Jahr ein "Comité", bestehend aus wohlhabenden Bürgern um Jacob Mayer, den Direktor der Gußstahlfabrik, die Initiative in die eigene Hand. Sie gründeten 1863 den "Marienverein" und betrieben den privat finanzierten und durch das Generalvikariat in Paderborn unterstützten Bau einer stattlichen Kapelle an der Kaiserstraße (heute Viktoriastraße) nahe dem damaligen Wilhelmsplatz. Die Motivation der Vereinsmitglieder, unter ihnen Bürgermeister Max Greve, verrät die Lage der geplanten Kapelle gegenüber der Einmündung der Schillerstraße (heute Diekampstraße) in unmittelbarer Nähe zur im Vorjahr eröffneten Bürgerschule. So verspottete das Volk das Projekt dann auch als "Krinolinenkapelle", die lediglich der Bequemlichkeit der Reichen und den Schulgottesdiensten ihrer Söhne dienen solle. Der 1863 begonnene Bau kam über den Rohbau(5) nie hinaus, das Grundstück wurde bald wieder verkauft.

Erst 1866 wurden die Pläne für eine zweite katholische Kirche wieder konkret. Über die Notwendigkeit einer solchen war man sich einig; der Streit, der die Gemeinde im folgenden Jahr polarisieren sollte, entzündete sich an der Frage nach dem günstigsten Standort.

"Wie kann man in eine Wildnis hinein (...), wo viel Wasser fließt und steht, wo viele Steine gebrochen werden, wo aber kaum eine Menschenseele sich befindet, eine Kirche bauen."(6)

Diese Polemik bringt den Konflikt auf den Punkt: Die Mehrzahl der Gemeindeglieder und der Klerus befürworteten eine Lage der neuen Kirche im Nordwesten der Stadt, nahe den großen Arbeiterquartieren und Zechensiedlungen in den nördlichen Landgemeinden. Doch eine kleine - wenngleich einflußreiche - Minderheit um den Bürgermeister Max Greve und wiederum Fabrikdirektor Mayer machten sich für die heutige Lage in der "Wildnis" des Griesenbruchs am südwestlichen Rand der Bochumer Innenstadt stark. Karl Arnold Kortum hatte sie wenige Jahrzehnte zuvor mit folgenden Worten beschrieben: "Das Griesenbruck ist ein felsiges, mit Gesträuchern sehr bewachsenes Tal, eine halbe Viertelstunde südwestlich der Stadt. Es befindet sich daselbst ein herrlicher Steinbruch, mit dessen Steinen die Stadt gepflastert wird und welche man auch zum Bauen gebraucht."(7) Das bislang unbebaute Gelände lag mittlerweile in unmittelbarer Nähe zu einigen Industriebetrieben, deren größter die expandierende Gußstahlfabrik war. Es vermag also nicht zu verwundern, daß sich gerade der Direktor des Bochumer Vereins hier engagierte - und das nicht allein aus christlicher Nächstenliebe. Die Erschließung des Griesenbruchs war bereits in Angriff genommen, die Humboldtstraße beispielsweise konnte bereits 1869 fertiggestellt werden. Den Ausbau der Straßen überließ die Stadt aus Geldmangel einigen wenigen Privatunter-nehmern.(8) Den Einsatz des Bürgermeisters Greve für diesen Kirchenbauplatz kann man also aus heutiger Sicht als eine Art Wirtschaftsförderung bezeichnen und die geplante Kirche als eine - man verzeihe die Profanität des Begriffs - wichtige infrastrukturelle Einrichtung. Das Kalkül ging auf; bis 1885 entwickelte sich der Griesenbruch unter der Obhut des Marien-kirchturms, sukzessive von Bauspekulanten eng mit dreigeschossigen Mietshauszeilen bebaut, zum dichtbesiedelten Quartier mit einem hohen - und weit überwiegend katholischen - Arbeiteranteil.

Doch zurück zum Streit. Beide Parteien beharrten stur auf ihren unversöhnlichen Standpunkten. Auf Drängen des Generalvikariats in Paderborn, das seit Jahren den Bau einer zweiten Kirche für unabdingbar hielt und die Untätigkeit des Bochumer Gemeindevorstandes und ihres Dechanten Ekel kritisierte, sollte mit der Wahl eines Repräsentantenkollegiums unter Leitung eines neutralen "bischöflichen Commissarius", des Wattenscheider Pfarrers Th. Menke, eine Mehrheitsentscheidung in der Bauplatzfrage herbeigeführt werden. Mit Hilfe einer "legalen" Manipulation der Wahl gelang es der einflußreichen Minderheit um Jacob Mayer jedoch, im Kollegium die Majorität zu stellen. So schaffte die Gußstahlfabrik ihre Arbeiter, von denen man annahm, sie würden für den nördlichen Standort stimmen, am Wahltag in einem Sonderzug nach Witten. Damit waren nach der damals gültigen Gesetzeslage die Werkmeister berechtigt, in Vertretung für die Ortsabwesenden zu stimmen. Auf die Loyalität der Meister war Verlaß, sie votierten mit der Stimmenzahl der Arbeiter(9) für die der Direktion genehmen Kandidaten und damit für den Bauplatz bei der Fabrik.

Es folgte eine Welle öffentlicher Empörung, und trotz der eindeutigen Mehrheitsverhältnisse rückte vorübergehend eine Entscheidung für den Standort im Nordwesten(10) in greifbare Nähe. Das im Griesenbruch vorgesehene Baugrundstück in der Rottstraße erwies sich als zu feucht für das Vorhaben, was der von Paderborn zur Schlichtung nach Bochum entsandte bischöfliche Kommissar, der geistliche Rat Nacke, bestätigte. Den endgültigen Ausschlag in der Standortfrage gaben der Staatsanwalt zur Nedden und der Kaufmann Hermann Schulte-Oestrich, die der Gemeinde die Schenkung von 600 Ruthen Land(11) an der Humboldtstraße als Baugrundstück anboten. Am 5.1.1867 wurde für die Annahme der Offerte entschieden.(12) Unter Androhung disziplinarischer Maßnahmen durch das bischöfliche Ordinariat mußte auch die Bochumer Geistlichkeit ihre offene Opposition aufgeben. Die Bauplatzgegner im Kollegium widersetzten sich hingegen noch ein letztes Mal. Vier Repräsentanten und drei Stellvertreter legten ihre Mandate nieder und machten so das Kollegium bis zur Neuwahl, bei der sich die Befürworter endgültig durchsetzen konnten, beschlußunfähig. Ein nicht näher bekannter Zeitungsredakteur machte seinem Unverständnis über diese Verzögerungstaktik in einem Kommentar mit deutlichen Worten Luft:

"Wir haben nie für den jetzigen Platz plaidiert; allein nur, wo er mal angenommen und vom hochwürdigsten Bischofe genehmigt ist, rufen wir auch: 'Vorwärts'. Und warum, fragen wir, ist man mit dem Platze nicht zufrieden? Jeder Unbefangene, der sich mal den Platz und seine Umgebung besehen und die Lage der Stadt dabei betrachtet hat, muß sich gestehen, daß der Platz noch lange nicht der ungelegenste ist! Oder ist er vielleicht deshalb zu verwerfen, weil er gerade 'ein Geschenk' ist. Jawohl! Es gibt unter den Krakehlern einige so vernagelte Gehirne, die scheint's, gerade aus diesem Grunde Gegner des Platzes sind. Man bleibe uns mit dem Sonderinteresse der Geschenkgeber vom Halse. Überall ist Interesse! Nichts geschieht ohne Interesse! (...) und es wäre zu wünschen, daß der hochwürdigste Herr Bischof durch eine Deputation von der Sachlage in Kenntnis gesetzt würde, damit Hochderselbe entweder den Neubau zu beschleunigen befehle oder die Erbauung einer Nothkirche anordne, inzwischen aber die Pfarreingesessenen von der Erfüllung der Kirchengebote dispensiere."(13)

Das angesprochene "Sonderinteresse der Geschenkgeber", das die Gegner als Argument heranzogen, um die Schenker zu diskreditieren, lag indes auf der Hand. Gemeinsam mit dem Baumeister und Bauunternehmer Sonntag sollte Staatsanwalt zur Nedden in den folgenden Jahren um die Marienkirche herum ganze Straßenzüge bebauen und auch der Kaufmann Schulte-Oestrich dürfte vom Aufschwung des Viertels im Schatten des Kirchturmes profitiert haben.(14)

Die Dinge waren jedoch endgültig in Bewegung geraten - bereits im März 1867 sandten die Repräsentanten erste Kirchenentwürfe des Architekten G. A. Fischer zur Prüfung und Genehmigung nach Paderborn und am 9. April 1868 wurde die geschenkte Parzelle offiziell auf die Kirchengemeinde St. Peter und Paul überschrieben. Die Grundsteinlegung, die Bischof Dr. Konrad Martin 1868 persönlich vornahm, wurde zu einem großen Fest, an dem auch zahlreiche Nichtkatholiken teilnahmen. Übertroffen wurde der Jubel nur noch bei den viertägigen Feierlichkeiten, in deren Rahmen der Bischof am 3. Mai 1872 die Marienkirche weihte.

Doch war die Freude der Gemeinde an dem neuen Gotteshaus nicht von langer Dauer. Im Jahr 1876 geriet die Marienkirche in den Strudel des seit 1871 geführten Kulturkampfes, mit dem der protestantisch geprägte preußische Staat Einfluß und Selbständigkeit der katholischen Kirche erheblich zu beschränken versuchte.

Die 1871 durch von der römisch-katholischen Amtskirche abgefallene Geistliche und Laien begründete Bewegung des "Altkatholizismus" wurde durch die Regierung offiziell anerkannt und gefördert. Die Altkatholiken wandten sich vor allem gegen das päpstliche Unfehlbarkeitsdogma, das auf dem Vatikanischen Konzil am 18. Juli 1870 verkündet worden war. Weitere Kritikpunkte richteten sich unter anderem gegen "abergläubische Lehren" wie den Ablaß, die Heiligen-, Reliquien- und Bilderverehrung, die Lehre von Himmel und Hölle, Teufel und Fegefeuer, gegen Wallfahrten und Prozessionen, den Fasten-, Beicht- und Zölibatzwang sowie die sogenannten Ehehindernisse.(16) Die mit nur etwa 50 Mitgliedern kleine Bochumer Gemeinde der Altkatholiken hielt ihre Gottesdienste zunächst als Untermieter in der evangelischen Johanneskirche im Weilenbrink ab. Ihrem Antrag auf die Zuweisung einer größeren Kirche wurde staatlicherseits im Jahr 1876 stattgegeben und die katholische Gemeinde am 13. Juni 1876 per Regierungserlaß aufgefordert, die Marienkirche, zu deren Bezirk allein über 5.000 Mitglieder zählten, den Altkatholiken zur Mitbenutzung zu überlassen. Am 1. November des Jahres zogen diese unter Polizeischutz in die Kirche ein.(17) Die Romtreuen reagierten mit Boykott und blieben der Kirche fern. Schon wieder gab es also Streit um die Marienkirche, denn ganz kampflos ergaben sich die Hausherren nicht, wenn es auch nie zu den vom Regierungspräsidenten in Arnsberg befürchteten tätlichen Auseinandersetzungen kam. Eine Verfügung der Polizeiverwaltung, die verbot, die Straßen um die Marienkirche "an den Sonn- und Feiertagen von 8 Uhr morgens bis 4 Uhr nachmittags (...) mit Stöcken bewaffnet (zu) betreten", stehenzubleiben oder sich "ohne Not aufzuhalten" sowie in den Wirtschaften während dieser Stunden Alkohol auszuschenken, wurde erst im Dezember 1876 wieder aufgehoben.(18)

Der Kirchenvorstand verweigerte am 28. Oktober die angeordnete Schlüsselübergabe und erschien auch zwei Tage später nicht zum vereinbarten Termin. Der Bürgermeister requirierte den Schlüssel persönlich in der Wohnung des Kirchenvorstandsvorsitzenden Caspar Kampmann und mußte diesen am folgenden Tag noch auffordern "bei Vermeidung einer Polizeiexecutivstrafe von zwanzig Mark" die aus der Kirche entfernte Orgelbank bis 4 Uhr zurückzugeben.(19) Die gegenseitigen Schikanen nahmen zum Teil groteske Formen an, vor allem der katholische Küster der Marienkirche Disselmeier hatte unter ihnen zu leiden. Er sperrte zu jedem Gottesdienst auf die Minute pünktlich auf und ab, den Altkatholiken gar zu pünktlich, und wurde auf Betreiben der ungeliebten Gäste wegen mutwilliger Störung des Gottesdienstes zu einer einmonatigen Gefängnisstrafe verurteilt. Einmal hatte er zwei Katholiken darauf aufmerksam gemacht, sie befänden sich im falschen Gottesdienst, ein anderes Mal wurde ihm vorgeworfen, er sei "absichtlich" während der Predigt "unter großem Gepolter" gestürzt.(20) Mit regelmäßigen Bittschriften, die allerdings jahrelang kein Gehör fanden, versuchte die katholische Gemeinde, ihr Gotteshaus zurückzuerlangen. Auch eine Petition, die 1879 von 5.000 Menschen - darunter auch protestantische Geschäftsleute aus dem Griesenbruch, die einen Rückgang ihrer Umsätze beklagten - unterzeichnet worden war, wurde im Landtag zunächst verschleppt und 1880 schließlich abgelehnt.(21) Im folgenden Jahr wurde der Zentrumspolitiker Windthorst bei einer Versammlung in Bochum auf die Misere der katholischen Gemeinde aufmerksam. Seinem Einfluß in Berlin war es wohl zu verdanken, daß der Oberpräsident der Provinz Westfalen von Kühlewetter, der bisher alle Eingaben der Katholiken negativ beschieden hatte, die auf 38 Personen geschrumpfte altkatholische Gemeinde schließlich dazu bewegte, die verwahrloste Marienkirche zum 1. April 1882 "freiwillig" zu verlassen.(22) Am Palmsonntag des Jahres 1882 blühte das katholische Gemeindeleben in der Marienkirche wieder auf. Sechs Jahre später wurde das Rektorat St. Marien zur selbständigen Pfarrei erhoben, die, bereits zu diesem Zeitpunkt auf die stattliche Zahl von 12.000 Seelen angewachsen, 1901-02 mit der St. Antonius Kirche im Grie-senbruch und 1908-09 mit der St. Meinolphus-Mauritius Kirche auf dem Ehrenfeld eigene Filialen gründete.

Weithin sichtbar ist der reichverzierte Turm der Marienkirche, für die die Bochumer Katholiken über viele Jahre mit großem Einsatz stritten und kämpften. Er steht für eine bewegte Geschichte, eng verbunden mit der Industrialisierung und den Konflikten seiner Entstehungszeit. Einstmals wie ein Fanal über dem Bauerwartungsland des zukünftigen Arbeiterquartiers aufragend, ist die Marienkirche noch heute von verschiedenen Standpunkten aus als städtebauliche Dominante von hoher Bedeutung erlebbar(23). Am augenfälligsten beherrscht der Marienkirchturm die Blickachse der Königsallee, die 1904 als Prachtstraße zur Erschließung der südlichen Stadterweiterung auf dem Ehrenfeld durch Clemens Erlemann angelegt worden war. So kann man sich noch heute dem Urteil eines Chronisten von 1927 über den Marienkirchturm nur anschließen:

"... und wohl selten fährt ein Fremder mit der nahen Bahn vorbei, dessen Auge nicht mit Wohlgefallen auf den schlanken Formen ruht."(24)

  1. Festschrift 1927 S. 13

  2. 1842: 4.282 Einwohner, 442 Wohnhäuser, 1867: 15.000 Einwohner, 1.034 Wohnhäuser, 1900: 65.551 Einwohner, 3.495 Wohnhäuser (Otting 1976 S. 13)

  3. Offensichtlich war es vor allem der Unwille der Muttergemeinde, der die Teilung in sieben eigenständige Pfarren gegen den erklärten Willen des Bistums in Paderborn bis 1888 hinauszögerte. Mit Abpfarrung der Töchter in der Stadt und in den umliegenden Landgemeinden wurde St. Peter & Paul zur Propstei erhoben.

  4. 1862 hatte die kath. Gemeinde bereits mehr als 6.000 Mitglieder. Zu den Erweiterungs- und Neubau-plänen siehe div. Korrespondenz in BAE P20

  5. Es ist anzunehmen, daß der nicht näher bekannte Entwurf, der von Diözesanbaumeister Güldenpfennig mit einigen Änderungen versehen worden war (BAE P20 Bl. 357ff.), von dem Bochumer Baumeister Sonntag stammte, der bereits zu den Gründungsmitgliedern des Comités gehörte (BAE P20 Bl. 335 Gründungsanzeige vom 30.11.1862).

  6. Festschrift 1927 S. 11f.

  7. Zitiert nach Festschrift 1927 S. 10

  8. Die gesamte Erschließung des Quartiers war bis 1873 abgeschlossen. Siehe Otting 1976 S. 6ff.

  9. Im Jahr 1867 zählte der Bochumer Verein bereits 1.760 Beschäftigte (Otting 1976 S. 13).

  10. "... dem Platze der jetzigen Christuskirche" (Festschrift 1927 S. 12).

  11. Je 400 "Ruthen" für die Kirche und 200 für das Pfarrhaus entsprechen etwa 2,5 Morgen Land.

  12. Div. Korrespondenz in BAE P 20, z.B. Bl. 595 vom 6.3.1867

  13. Unbezeichneter Zeitungsausschnitt (wohl Bochumer Kreisblatt im April 1867) in BAE P20 Bl. 613

  14. Das Bochumer Adressbuch von 1880 weist Baumeister Sonntag und Staatsanwalt a.D. zur Nedden, beide mittlerweile im Rentnerparadies Wiesbaden wohnhaft, als Eigentümer der folgenden Grundstücke aus: Marienstr. 1, 5, 7, 9, 18, 20, 22, Marienplatz 12, 28, Humboldtstr. 22, 24, 25, 26, 27, 28, 29, 30, 33, Kaiserstr. (heute Viktoriastr.) 24, 28. Die Ausgabe von 1890 verzeichnet folgende Besitzverhältnisse - Sonntag: Marienstr. 1, 3, 5, 7, 9, 22, Marienplatz 12, 20, 21, Humboldtstr. 24, 30, zur Nedden: Marienstr. 2, 4, 6, 8, Marienplatz 18, 27, Humboldtstr. 25, 27, 29, 33, Kaiserstr. (heute Viktoriastr.) 24, 26, 28, Schulte-Oestrich: Marienstr. 19, 21. Diese Aufstellung ist sicherlich unvollständig, untersucht wurde nur die direkte Umgebung der Kirche. Außerdem ist davon auszugehen, daß, wie bei spekulativer Terrainentwicklung durchaus üblich, ein Großteil der ursprünglich errichteten Häuser zwischenzeitlich verkauft worden war und deshalb nur noch unter den Namen der Nacheigentümer geführt wurde.

  15. Zum Beschluß der Auftragsvergabe an Fischer am 9. März: BAE P20 605ff. vom 10.3.1867 etc. Zur Korrektur des Besitztitels: BAE P20 657 vom 1.6.1868

  16. Zu den Ideen des Altkatholizismus und der Geschichte der Bochumer Gemeinde siehe: Falter 1900

  17. Telegramm der Regierung in Arnsberg an den Bürgermeister der Stadt Bochum vom 26.10.1876: "wg. Verstärkung der polizeilichen Exekutivkräfte bei Gelegenheit des ersten Gottesdienstes der Altkatholiken in der Marienkirche wollen sie sich mit dem Landrat (...) in Verbindung setzen, der angewiesen (...), ihnen die nöthigen Zahlen von Gendarmen (...) zur Verfügung zu stellen." (StA BO B 109)

  18. Hasler 1953/54 Folge XII

  19. Diese und weitere Dokumente in StA BO B 109

  20. Festschrift 1927 S. 21f.

  21. Hasler 1953/54 Folge VIII, die Petition mit allen Unterschriften in StA BO P 108

  22. Hasler 1953/54 Folge IX

  23. In der Nachkriegsplanung wurden manche der ursprünglichen Sichtverbindungen durch Änderungen in der Straßenführung oder hohe Neubauten verstellt.

  24. Festschrift 1927 S. 14

Der Stolz der Gemeinde

"... ein Prachtbau in so zierlichen gotischen Formen, wie man selten kirchliche Bauten aus den letzten Jahren sieht."(1)

Diese lobenden Worte schrieb einst ein Priester über die Bochumer Marienkirche. Nur zu verständlich ist, daß auch die Gemeinde, die so lange um den Bau gerungen hatte, voller Stolz auf ihre Kirche blickte. Die einstige architektonische Qualität ist noch heute, trotz teilweise schwerer Beschädigung im Zweiten Weltkrieg und Rekonstruktion, gut ablesbar.

Im Jahr 1868 legte Bischof Dr. Konrad Martin persönlich den Grundstein für die Marienkirche und unterstrich damit noch die Bedeutung, die er diesem Bauvorhaben zumaß. Der Inschrift "MarIa VIrgo prae CLara aD CoeLos eLata pro nobis qVoqVe ora"(2) ist das Jahr der Grundsteinlegung 1868 eingeschrieben. Das Wörtchen "quoque" gab später Anlaß zu Spekulationen. Man vermutete, es solle nicht nur die für die Jahreszahl fehlende "10" darstellen, sondern mit dem Wunsch, die Mutter Gottes möge "auch" für diese Gemeinde beten, Pfarrer Cramers Unmut darüber ausdrücken, daß die Redemptoristenpatres vorhatten, auch ihre 1869-70 erbaute Klosterkirche unter den Schutz Marien zu stellen, obwohl die Marienkirche bereits seit vielen Jahren geplant war.(3)

Die Pläne für die komplett aus Herdecker Backstein gemauerte Marienkirche hatte im Jahre 1867 der Architekt Gerhard August Fischer aus Barmen geliefert, der auch die vier Jahre andauernden Bauarbeiten leitete.(4) Komplizierte Bodenbedingungen machten eine besondere Fundamentierung notwendig, die in Bochum bei einem Kirchenbau in dieser Form wohl einmalig blieb. Fischer ließ Pfähle in den Grund bauen, die, von Bögen überfangen, die Last des Baus tragen. Diese stabile Gründung bewahrte die Marienkirche bis heute vor Bergschäden, denen zahlreiche Kirchen des 19. Jahrhunderts bald zum Opfer fielen.

Der Architekt konzipierte das stattliche 2.000 Personen fassende Gotteshaus als dreischiffige Hallenkirche mit polygonalem östlichem Chorabschluß, niedrigen Sakristeianbauten, Westturm und Dachreiter. Dieser in Formen der Neugotik gestaltete Typus war nicht nur in Fischers Werk dieser Jahre recht häufig vertreten.(5) Die ursprünglich bereits sparsame Gliederung der Fassaden des fünfjochigen, im Krieg beschädigten Langhauses ist noch heute ablesbar. Die schmalen, ehemals stab- und maßwerkgeteilten Fenster werden von spitz zulaufenden Blendbögen überfangen. Auch die drei Portale mit ihren gestuften Gewänden und Archivolten sowie die Wimperge mit Blendmaßwerk und Blattschmuck zeigen schlichte Motive, die der frühgotischen Formenwelt entlehnt sind. Filigrane, mit Kreuzblumen verzierte Fialen überhöhten seinerzeit die vertikale Fassadengliederung, die durch zweifach gestufte Strebepfeiler bestimmt ist. Den leicht zurückversetzten Fuß des verhältnismäßig flach geneigten Walmdachs über Langhaus und Chor umlief in Höhe des Hauptgesimses eine attikaartige niedrige Balustrade.(6) Ebenso wie das Fensterwerk und die Portale war diese in Sandstein aus dem Trierer Raum gearbeitet. Die nicht erhaltene Balustrade wirkte wie ein ruhender Ausgleich zu den - die Vertikale betonenden - gotischen Gliederungselementen: Fischer setzte dem insgesamt schlicht und geschlossen wirkenden Baukörper gleichsam eine "Krone" auf - ein Schmuckelement, das im Mittelalter allein den großen Kathedralen vorbehalten blieb.

Dem Mittelschiff zentral vorgelagert, erhebt sich über quadratischem Grundriß der 70 Meter hohe Westturm. Der dreigeschossige Turmschaft ist durch Strebepfeiler, profilierte Gesimse, Maßwerk und Blendbögen gegliedert. Die von Geschoß zu Geschoß bei zunehmender Anzahl abnehmende Breite der spitzbogigen Blenden betont ganz im Sinne der gotischen Baukunst den zum Himmel strebenden Charakter des Kirchturmes, der in Höhe des Hauptgesimses ebenfalls von einer niedrigen Balustrade bekrönt wird. An jeder Ecke vermitteln drei ehemals kreuzblumenverzierte Fialen mittels Strebewerk zu einem zurückspringenden oktogonalen Turmaufsatz mit Schalluken, den Vierfacharkaden nach oben hin abschließen. Bemerkenswert ist der über doppelt profilierten dreieckigen Blendgiebeln hoch aufsteigende, komplett backsteingemauerte Spitzhelm mit aufgesetzter doppelter Kreuzblume.

Zur Ehre Gottes und zur Freude der Menschen scheute die Gemeinde beim weithin sichtbaren Turm keinen Arbeits- und Kostenaufwand. Die Backsteinhaut des fein gegliederten Helms ist durch Vierpaßornamente und Lanzettöffnungen durchbrochen und so in der Region von außergewöhnlicher Seltenheit. Derart aufwendig gearbeitete Türme waren ursprünglich großen Kathedralen und Hauptkirchen vorbehalten; im 19. Jahrhundert entstanden jedoch, je nach Budget und Repräsentationsbedürfnis der Gemeinden auch in kleineren Orten oder sogar Vorstädten sehr prächtige neugotische Turmhelme. Diese waren zumeist, entsprechend ihren mittelalterlichen Vorbildern, aus paßgenau behauenem Sandstein gefügt und mehr oder weniger aufwendig durchbrochen. Häufiger noch als die Gliederung des Helmes durch in die steinerne Dachhaut eingeschnittene Öffnungen war die vollkommene Auflösung des Helmes in krabben- und kreuzblumenverziertes Maßwerk. Vorbilder für die Gestaltung des Marienkirchturmes finden sich vor allem bei neugotischen Kirchenbauten der 1840er Jahre in Frankreich und England.(7)

Die Verwendung des Materials Backstein auch beim Turmhelm weist G. A. Fischer als aufgeschlossenen Architekten aus. Backstein galt nicht nur als widerstandsfähiger und regional typischer Baustoff, er stand zudem in großen Mengen zur Verfügung und war so relativ kostengünstig. Fischer verband hier also die Forderung nach zeitgemäßen Konstruktionen und Materialien mit dem seinerzeitigen Idealstil sakralen Bauens - der Neugotik.(8)

Kurz nach Fertigstellung der Kirche, deren Baukosten mit 90.000 Talern gegenüber den 1867 durch Fischer veranschlagten 57.200 Talern wesentlich teurer ausgefallen waren, entstand auf einem gleichzeitig geschenkten Grundstücksteil an der Humboldtstraße 40 für weitere 30.000 Taler ein Pfarrhaus mit Kaplaneiwohnung, das - so die Chronisten - in Ermangelung des notwendigen Interesses nicht mit Überlegung gebaut sei und deshalb bald aufwendig umgebaut werden mußte.(9)

In den folgenden Jahren wurden auch an der Marienkirche einige Veränderungen vorgenommen.

Die den Kirchplatz einfassende Mauer ersetzte man im Jahr 1887 durch ein schmiedeeisernes Gitter, das bereits 1912 wieder erneuert werden mußte. 1890 wurden ca. 10.000 Mark zur Sicherung der sich zur Seite neigenden Kreuzblume auf der Turmspitze aufgebracht, 1896 die Sakristei erweitert. Im südwestlichen Zwickel zwischen Turm und Langhaus erbaute der Bochumer Baumeister Hermann Wielers(10) 1898-99 eine Vorhalle mit drei weiteren Portalen zur besseren "Entleerung" der damals bestbesuchten Kirche Bochums. Diese wurde ebenso wie der später errichtete nördliche Turmanbau mit einem separaten Aufgang zur Orgelbühne beim Wiederaufbau entfernt. Im Juni des Jahres 1924 mußte die morsche Sandsteinbalustrade bereits zum zweiten Mal erneuert werden. Auch diese Baumaßnahme war Anlaß zu Auseinandersetzungen, empfahl doch der Paderborner Dom- und Diözesanbaumeister Kurt Matern (1884-1968) ausdrücklich, die altmodische Galerie zugunsten einer besseren Dachentwässerung vollständig zu entfernen.(11) Die Gemeinde wollte jedoch nicht auf den prächtigen Bauschmuck verzichten.

Die ursprüngliche Ausstattung der Marienkirche ist heute nur noch anhand einiger kurzer Beschreibungen und einer alten Fotografie in Ansätzen zu rekonstruieren.(12)

Den großzügigen Raumeindruck der lichtdurchfluteten Halle beherrschte einst der Chorraum mit einem Hochaltar in gotischen Formen, in Sandstein ausgeführt durch den Meister Hellweg aus Paderborn. Zu beiden Seiten des Tabernakels waren Standbilder der vier Evangelisten aufgestellt, deren Symbole sich auch in den Nebenaltären fanden und die zu-dem als Vollfiguren das ursprüngliche Chorgestühl zierten. Ein Chronist urteilte im Jahr 1927:

"Eigentlich paßt das alles wenig zu einer Marienkirche, offenbar hat der protestantische Architekt, dem man zu viel Spielraum ließ, nichts besseres zu finden gewußt."(13) Die Chorstuhlfiguren fanden bald einen als an-gemessener empfundenen Platz an der Kanzel von St. Peter und Paul. Die ursprüngliche Kommunionbank und die Kanzel waren "einfacher gotischer 'Konstruktion'" und auch den Nebenaltären wurde seinerzeit kein Kunstwert beigemessen.

Im Jahr 1882 wurden bei einer 5.000 Mark teuren Renovierung die Schäden der sechsjährigen Nutzung durch die Altkatholiken, die weder Kirchensteuern zahlten noch die überlassene Kirche in Schuß hielten, beseitigt und neue Paramente angeschafft.

Nach der Erhebung St. Mariens zur Pfarrei 1888 bemühte sich Pfarrer Anton Schäfer, die Ausstattung zu komplettieren und den Innenraum prächtiger zu gestalten. Bereits im folgenden Jahr wurden ein neuer Kreuzweg und Kanzelbilder aus bemalten Kupferplatten - ausgeführt von der Firma Georg Goldkuhle aus Wiedenbrück, die gleichzeitig auch den gesamten Kirchenraum ausmalte - geweiht und ein neuer Taufbrunnen angeschafft. Die prächtige Verglasung der Chorfenster fertigte die seinerzeit hochangesehene und vielbeschäftigte Glaskunstwerkstatt Hertel in Düsseldorf an.

Die als "unwürdig" empfundenen Nebenaltäre der Erbauungszeit wurden durch einen Marienaltar sowie einen vom St. Josephsverein geschenkten Josephsaltar, beide aus der Kunstwerkstätte Schweppenstedde in Wiedenbrück, ersetzt. Im Jahr 1905 tauschte man das alte Geläut ge-gen vier neue Glocken aus, darunter eine von Jacob Mayer geschenkte, die bereits 1867 vom Bochumer Verein gegossen worden war.(14) Die Schönheit ihrer Kirche, als Ausdruck der Ehre Gottes, ließen sich die Gemeindemitglieder, die großzügig für die Ausstattung spendeten, einiges kosten.

Als erste Kirche Bochums wurde die Marienkirche in den folgenden Jahren mit einer modernen Dampfheizung und elektrischem Licht ausgestattet, noch vor dem Ersten Weltkrieg erwarb der fortschrittliche Pfarrer Schäfer auch elektrische Antriebe für Glocken und Orgel sowie eine Turmuhr. Das Langhaus erhielt eine neue Verglasung (wiederum von der Firma Hertel aus Düsseldorf) und neue Bänke. Der Gutsbesitzer Schulte-Crawinkel schenkte zudem neue Kommunionbänke und ein geschnitztes Chorgestühl; beiderseits des Chores konnten Postamente mit Statuen Herz-Jesu und Herz-Mariae angebracht werden. Die 1915 an der äußeren Chorseite errichtete Lourdesgrotte zur Verehrung der Gottesmutter war in den opferreichen Kriegsjahren ein vielfach besuchter Ort der Andacht.

Die am 14. Oktober 1926 unter Pfarrer Karl Heimhardt beschlossene Generalrenovierung war die mit Abstand aufwendigste Umgestaltung, die die Marienkirche vor dem Zweiten Weltkrieg erfuhr. Am 31.1.1927 begannen die durch Spenden finanzierten Arbeiten, für die insgesamt etwa 85.000 Reichsmark aufgebracht wurden. Zunächst wurde der Boden des Chorraumes um 49,5 cm angehoben. Der ebenfalls erhöhte Altar erhielt so eine dominierende und zentralere Stellung im Raum. Dieser Plan ging noch auf eine Idee des 1918 verstorbenen Pfarrers Schäfer zurück und stand im Geiste der seinerzeit aufkommenden Christozentrischen Kirchenkunst, die - einhergehend mit einer Liturgiereform - durch eine auf den Altar ausgerichtete Gestaltung des Kirchenraumes die Gemeinde stärker in die Feier der Messe einbeziehen wollte.(15) Eine neue fünfstufige Freitreppe zum Chor wurde ebenso wie der Sockel des Altares mit edlem Marmor verkleidet. Unter dem Chorraum entstand so ein Abstellkeller für Gerät. Als weitere Arbeiten verzeichneten die Chronisten eine Erweiterung der Orgelbühne bis an die Pfeiler des ersten Joches, ferner einen Umbau der alten Orgel durch den traditionsreichen Orgelbauer Anton Veith sen. aus Paderborn(16), neue Windfangtüren an den Seitenportalen, umfangreiche Putzarbeiten innen und außen sowie eine neue, zentral geschaltete elektrische Lichtanlage. In der Taufkapelle wurden Taufstein und Ausmalung erneuert. Erwähnt wird außerdem die Neuanschaffung von Chorfenstern und Figuren seitlich der Chorabschlüsse. Eine neue Ausmalung des gesamten Inneren dürfte den feierlich gotischen Charakter des Andachtsraumes eindrucksvoll hervorgehoben haben. Eine alte Fotografie läßt erahnen, daß diese noch dem Historismus verhaftet und vor allem im Bereich der Deckengewölbe von dunkel-kräftiger Farbgebung gewesen sein muß. Mit der Neueinsegnung des Hochaltares am 28. November 1927 durch Bischof Kaspar waren alle Renovierungsarbeiten abgeschlossen. Sie beruhten auf einem ausführlichen Gutachten, das Dr. Fuchs, Professor für Kunstgeschichte an der Akademie in Paderborn, 1926 angefertigt und mit "praktischen Vorschlägen" versehen hatte.

Im März 1928 konnte auch die Gedenkstätte für die im Weltkrieg Gefallenen der Mariengemeinde in der Turmhalle eingeweiht werden. Im Mittelpunkt des architektonisch gefaßten Ehrenmales stand ein Bildnis der Schmerzhaften Muttergottes, flankiert von vier Bronzetafeln mit den Namen der gefallenen Söhne der Gemeinde.

Leider haben nur geringe Reste der ehemals so schmuckvollen Kirchenausstattung die Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges überlebt. Neben wenigen Kirchenbänken zeigen vor allem die zwei Kommunionbänke noch Schmuckformen der Neugotik. Eine hölzerne Figurengruppe der Heiligen Familie, vor 1914 in der Werkstatt Hellermann und Scharwitz geschaffen, wurde vor wenigen Jahren farblich neu gefaßt.

Die Marienkirche wurde im Zweiten Weltkrieg als erste katholische Kirche Bochums von Bomben getroffen. Beim Großangriff am 13./14. Mai 1943, der Nacht von Pfingstsonntag auf -montag, brannten die Kirche und das benachbarte 1895 eröffnete Marienstift aus. Dagegen halfen weder die Deckungsgräben, die man auf dem Marienplatz angelegt hatte, noch der erst seit April bestehende Löschteich neben der Kirche. Ein weiterer Angriff am 13. Juni 1943 hinterließ 343 Häuser im Gemeindebezirk als Totalschäden, weitere 377 waren gerade noch notdürftig bewohnbar. Am 4.11.1944 wurde das Gotteshaus ein letztes Mal von Bomben getroffen. In der Marienpfarrei zählte man allein nach diesem Angriff 36 Tote, lediglich zwei Wohnhäuser waren jetzt noch bewohnbar. Die Zahl der Katholiken, die noch im Gemeindebezirk lebten, war auf 22 Personen zurückgegangen.(17) Während der Turm der Marienkirche nur relativ leichte Schäden davongetragen hatte, waren Langhaus und Chor bis auf die Außenmauern ausgebrannt.

Erst nach der Währungsreform wurde der Wiederaufbau der Marienkirche ernsthaft ins Auge gefaßt. Das Engagement einzelner Gemeindeglieder rettete die Marienkirche mit Unterstützung des Paderborner Generalvikariats in langwierigen Verhandlungen vor dem drohenden Abriß; die Neuordnungsplanungen für eine verkehrsgerechte Stadt hatten den Wiederaufbau am alten Ort zeitweise in Frage gestellt.

Im Mai des Jahres 1951 konnte der Kirchenvorstand schließlich von drei Architekten Vorentwürfe erarbeiten lassen.(18) Man entschied sich gegen einen ebenfalls diskutierten Neubau an anderem Standort für eine Wiederherstellung der geschätzten alten Marienkirche nach Plänen des Bochumer Architekten Dr. Ing. Kurt Hubert Vieth (1916-1993). Der leitete bereits seit einem Jahr den Wiederaufbau des der Kirche direkt gegenüberliegenden Marienstiftes (1950-52) an der Humboldtstraße und bezog, wie schon beim Stiftsgebäude, die erhaltenen Außenmauern der Kirche in seine Planungen ein.(19) Die Reste der filigranen Fialen und der umlaufenden Sandsteinbalustrade wurden jedoch während der Bauausführung ab 1952 - bei der ein Arbeiter tödlich verunglückte - beseitigt. Im Inneren knüpfte Vieths Entwurf durch eine von spitzbogigen Gurt- und Scheidbögen getragene flache Holzkassettendecke formal an das zerstörte Kreuzrippengewölbe an. Durch den Verlust des Fenstermaßwerks und das Zusetzen der ehemals vierpaßgeteilten Rosenfenster an den Seitenschiffstirnseiten fehlen jedoch für den Raumeindruck der Neugotik wesentliche Elemente. Mit der feierlichen Altarweihe am 3. Oktober 1953 kehrte die Mariengemeinde in ihr Gotteshaus zurück.(20) Zwei Jahre später ertönten erstmals die 28 Register der neuen, von der Firma Gebr. Stockmann aus Werl gebauten Orgel.

Noch heute ist der Eindruck des beinahe schmucklosen Raumes geprägt von der kargen Bescheidenheit der frühen fünfziger Jahre, lediglich die ursprünglichen Gliederpfeiler mit ihren eichenblattverzierten Kapitellen lassen die einstige Pracht erahnen. Auch die Umgestaltung des Chorraumes durch den Bochumer Architekten Dipl. Ing. Roman Reiser ordnete sich der vorherrschenden Nüchternheit unter. Anlaß für diesen - unter dem kunstsinnigen Pfarrer Christoph Allroggen 1962-63 ausgeführten - Umbau bot wiederum der Einbau einer neuen Heizungsanlage. Den Ideen der Liturgiereform des II. Vatikanischen Konzils entsprechend, wurde der Altarbereich bis weit in das Langhaus vorgezogen, der Altartisch aus rötlichem Mainsandstein - ebenfalls nach einem Entwurf Reisers - steht seitdem leicht erhöht inmitten der Gemeinde.

Einige Ausstattungsstücke der Marienkirche sollen hier nicht unerwähnt bleiben, stehen sie doch für eine qualitätvolle moderne Kirchenkunst der Nachkriegszeit.(21)

Den Taufbrunnen aus grünlichem, bei Rüthen gebrochenem Sandstein schuf der Warburger Künstler Josef Sauerland in den fünfziger Jahren; den umgebenden Wänden sind die Namen der seit 1953 getauften Kinder eingeschrieben. Das Mosaikbild eines Engels mit Ölzweig ist als Mittelpunkt des Totengedenkraums an der westlichen Langhauswand von den Namen der Verstorbenen der Gemeinde(22) umgeben. Es entstand - ebenso wie die bronzenen Griffe der Glastüren zwischen Turmhalle und Kirchenraum - nach Entwürfen Josef Sauerlands. Beim Betreten und Verlassen der Kirche werden dem Besucher mit den Griffen die vier Elemente "in die Hände gelegt".

Zeittypisch ist auch das Triumphkreuz über dem Altartisch. Nach einem Entwurf von Dr. Dameris schuf der Mendener Goldschmied Theodor Menke aus Gold, Elfenbein, Bergkristall und Halbedelsteinen ein Zeichen der Erlösung in dekorativ-abstrahierenden Formen.(23) Den Blick des Betrachters ziehen die drei Chorfenster auf sich, die der Bochumer Heinrich Wilthelm 1969 modern gestaltete. Der plötzliche Tod des Künstlers verhinderte die damals geplante Verglasung der Seitenschiffenster mit Motiven aus der Marienlitanei nach seinen Entwürfen. Bemerkenswert ist die in knappen Strichen gefaßte, sehr graphische und nur durch wenige Farbflächen in Blau- und warmen Rottönen kontrastierte Zeichnung der matt strahlenden Chorfenster mit Motiven des Heilsversprechens. Hier mahnen unter anderem Raumfahrerköpfe zu Füßen des Erzengels Michael als Symbole des rasanten Fortschritts zu verantwortungsvollem Umgang mit der Technik und zur Bewahrung der Schöpfung.

Als jüngste der bemerkenswerten Ausstattungsteile seien noch die Illustrationen in den Wandnischen hinter den Seitenaltären aus dunklem Anröchter Dolomit erwähnt. Sie wurden erst in den siebziger Jahren nach Zeichnungen Wilthelms von seinem Schüler Heinz Sauerland ausgeführt. Feuchtigkeit aufgrund verstopfter Regenfallrohre gefährdet diese direkt auf den Putz aufgetragenen Werke akut. Trotz der wenigen erhaltenen originalen Ausstattungs-stücke und den Veränderungen im Wiederaufbau vermittelt die Marienkirche heute noch eine gute Vorstellung ihrer einstigen Bedeutung. Als frühester Kirchenneubau des 19. Jahrhunderts in Bochum war sie einst Stolz und Zierde der Gemeinde; der Birkenbewuchs am Turm macht allerdings die heutige Vernachlässigung des historisch bedeutenden Gotteshauses deutlich sichtbar.

  1. Festschrift 1927 S. 14

  2. Übersetzt: "Maria, überaus strahlende Jungfrau, in den Himmel erhoben, bitte auch für uns".

  3. Chronogramm und mögliche Deutungen nach Festschrift 1927 S. 15f.

  4. Am 3. Mai 1872 konnte die Marienkirche durch Bischof Konrad Martin geweiht werden. Die ersten Skizzen hatte der Kirchenvorstand am 11.3.1867 nach Paderborn übersandt, nach einer durch Güldenpfennig angemahnten Überarbeitung legte die Gemeinde die Werkpläne mit Kostenaufstellung am 5.12.1867 beim Generalvikariat vor. (BAE P 20 Bl. 608, 653)

  5. Neugotische Kirchenbauten ähnlicher Konzeption finden sich zwischen 1850 und 1880 bei beinahe allen im Rheinland und Westfalen tätigen Kirchenbaumeistern. Als prominente Vertreter ihrer Zunft seien hier nur Emil von Manger aus Oelde (1824-1902), der Paderborner Dom- und Diözesanbaumeister Arnold Güldenpfennig (1830-1908) und dessen Kölner bzw. Münsteraner Kollegen Vincenz Statz (1819-1898) und Hilger Hertel der Ältere (1831-1890) genannt.

  6. Bereits im Genehmigungsverfahren kritisierte das Generalvikariat in Paderborn die Galerie als unzweckmäßig.

  7. G. A. Fischer war offensichtlich über europäische Vorbilder gut informiert. Das verwundert kaum, ging doch die Bewegung der Neugotik zunächst vor allem von Frankreich und England aus. Auch im Werk von Vincenz Statz finden sich zwei Entwürfe für gemauerte Turmhelme aus den 1850ern, die eine gewisse Ähnlichkeit zum Turm der Marienkirche aufweisen (Vgl. Vogts 1960).

  8. Gotische Backsteinbauten haben in Norddeutschland und auch in Westfalen durchaus historische Vorbilder. Zur Forderung nach zeitgemäßen Konstruktionen und Materialien in der Neugotik sei auf den französischen Architekten Viollet Le Duc verwiesen, der u.a. in den 1870er Jahren Turmhelme aus dem damals modernsten Baustoff Eisen konstruierte und dieses Material auch für die Schmuckformen verwandte.

  9. Festschrift 1927 S. 15. Anzunehmen, daß G. A. Fischer auch den Entwurf für das Pastorat zeichnete. Es wur-de im Krieg zerstört; bislang sind weder Bauunterlagen noch Fotografien des ursprünglichen Zustandes be-kannt, die Fischers Urheberschaft bestätigen könnten. Angabe der veranschlagten Bausumme für die Marien-kirche in BAE P 20 Bl. 605ff. vom 10.3.1867

  10. Der vielbeschäftigte Bochumer Baumeister Hermann Wielers (1845-1917) errichtete 1882 auch die Marien-schule und 1891 das kath. Gesellenhaus im Griesenbruch. Für die Muttergemeinde St. Peter restaurierte er nicht nur ab 1887 den Turm der alten Pfarrkirche, er entwarf auch alle Kirchenneubauten, die mit der Teilung der Gemeinde 1888 notwendig wurden: St. Johannes Baptist in Wiemelhausen (1886-87), Liebfrauen in Altenbochum und Herz Jesu in Hamme (1888-90), St. Liborius in Grumme (1890-91), St. Franziskus in Riemke sowie St. Joseph an der Stühmeyerstraße (1891-92). Außerdem plante er große Erweiterungsbauten für das gemeindeeigene St. Elisabeth Hospital (1890-91 und 1897). Die 1901-02 als Rektorat der Mariengemeinde erbaute St. Antonius Kirche im Griesenbruch stammt ebenso von seiner Hand wie die Rektoratskirche St. Meinolphus-Mauritius auf dem Ehrenfeld (1908-09). Der Vikarieneubau am Marienplatz 4 (heute steht hier das Landesbehördenhaus), errichtet ab 1897, ist ihm wohl ebenfalls zuzuschreiben. Zu einigen der o.g. Kirchenbauten Wielers siehe Kerber 1982, einem verdienstvollen ersten Überblick über die Baugeschichte Bochums.

  11. Korrespondenz im BAE P 30 Bl. 373ff.

  12. Die zugehörige Abbildung zeigt die wohl älteste im Pfarrarchiv erhaltene Aufnahme des Innenraumes der Marienkirche. Das Foto entstand vor der Renovierung 1926-27, jedoch offensichtlich erst nach den Umgestaltungen der Jahre vor dem Ersten Weltkrieg. Die Beschreibungen der nicht erhaltenen Ausstattungsstücke folgen weitgehend den Darstellungen in der Festschrift 1927 sowie Allroggen 1964 und 1972, denen auch die Zitate entnommen sind.

  13. Festschrift 1927 S. 14, dort auch das folgende Zitat.

  14. Das Geläut wurde im Zweiten Weltkrieg demontiert, erst 1957 konnten vier neue Glocken des Bochumer Vereins geweiht werden.

  15. Zu Christozentrischer Kirchenkunst siehe: Küpper, Claudia: "Bauherr ist die Liturgie". In: Franke 1999 S. 76ff.

  16. Die ursprüngliche Orgel stammte von der Firma Randebrock aus Paderborn. Für den Hinweis auf den Orgelumbau durch Veith sei Herrn Lange (Wattenscheid) gedankt.

  17. Allroggen 1972 S. 10ff.

  18. Im Pfarrarchiv St. Marien werden neben Vieths Plänen folgende Vorschläge für den Wiederaufbau der Marienkirche, alle im Mai 1951 datiert, aufbewahrt: Ein Grundrißplan des Architekten Günter Settnik Bochum, Entwurf zu einem verkürzten Chor mit geradem Abschluß vom Paderborner Diözesanbaumeister Kurt Matern sowie Perspektiven eines umgestalteten Innenraums, signiert von Erich Heynen und mit Stempelaufdruck "Dr. phil. Adolf Schmidt Bochum" versehen.

  19. Zur Biographie Vieths und seiner Rolle in der Bochumer Stadtplanung siehe: Hanke 1992 S. 14f., zum Wiederaufbau des Marienstiftes: ebendort S. 82

  20. Noch 1968-72 wurden bei einer Instandsetzung letzte Kriegsschäden an Turm und Langhaus beseitigt. Vor allem durch die stark strukturierte, undurchsichtige Verglasung wirkt der in den Grundformen durchaus angepaßte, dem Westturm 1984 vorgesetzte Windfang (ausgeführt durch Architekt Wenzel Bochum) lieblos.

  21. Detailliertere Beschreibungen der neuen Ausstattung finden sich in Allroggen 1964 und 1972.

  22. Die auf den Wandputz aufgetragenen Inschriften stammen von Heinz Sauerland und Heinrich Holtgreve. Sie sind zum Teil bereits beschädigt.

  23. Von Menkes stammen auch der Tabernakel aus Elfenbein und Bernstein sowie die Altar- und Osterleuchter.

G. A. Fischer - Zur Person

... stets "nur sachgemäße behandelte Arbeiten geliefert..."

Wie der in Barmen ansässige Baumeister Gerhard August Fischer zu dem Auftrag für den Entwurf der zweiten katholischen Kirche Bochums kam, läßt sich heute nicht mehr eindeutig klären. Es liegt allerdings nahe zu vermuten, daß Arnold Güldenpfennig (1830-1908), seit 1856 als Diözesan- und Dombaumeister für die Prüfung aller Bauprojekte der katholischen Gemeinden im Bistum Paderborn verantwortlich, eine wesentliche Rolle bei der Vermittlung gespielt hat. In den 1860er Jahren läßt sich bei drei Kirchenbauten die Zusammenarbeit der beiden konkret belegen. Auf Empfehlung Güldenpfennigs stellte Fischer 1861-62 den nach einem Turmeinsturz noch im Rohbau ins Stocken geratenen Bau der Marienkirche in Schwerte fertig(1) und gemeinsam bauten sie 1865-66 an der Liebfrauenkirche in der heute zu Bochum gehörenden Gemeinde Linden (Ruhr)(2). Ab 1867 soll Fischer außerdem für die 1864 von Güldenpfennig entworfene Wattenscheider Kirche St. Gertrudis von Brabant (1868-72 ausgeführt) Kostenvoranschläge erstellt und später die Bauarbeiten geleitet haben(3). Neben der Bekanntschaft zu Güldenpfennig, mit dem die katholische Gemeinde Bochums 1867 selbstverständlich wegen der Planungen der Marienkirche in Kontakt stand, würde Fischers Tätigkeit in Wattenscheid eine weitere Verbindung eröffnen. Fischers Wattenscheider Bauherr, der Pfarrer Th. Menke, war 1867 als "neutraler" bischöflicher Commissarius und Vorsitzender des Repräsentantenkollegiums(4) im Streit um den Standort der Marienkirche schlichtend tätig. Er kommt also ebenfalls als Vermittler oder Fürsprecher für den Baumeister in Frage.

G. A. Fischer unterhielt zur späteren Bochumer Propsteigemeinde St. Peter und Paul ab 1867 enge Verbindungen, wurde er doch gleichzeitig noch für weitere Bauprojekte der Gemeinde herangezogen. Im gleichen Jahr errichtete er den sogenannten Südflügel sowie die Kapelle des St. Elisabeth Hospitals an der Bleichstraße und realisierte 1873-74 auch das neue Hauptgebäude dieses gemeindeeigenen Krankenhauses nördlich der Kirche in der Bochumer Altstadt nach seinem Entwurf.(5) Die Vermutung, daß Fischer auch für die ab dem Jahr 1867 geplante "Reparatur" der St. Peter und Paul Kirche und damit für die 1872-74 ausgeführte Osterweiterung und Taufkapelle verantwortlich zeichnete, ist - auch stilistisch - naheliegend, läßt sich aber bisher nicht beweisen.(6)

Erstaunlich erscheint heute, daß Gerhard August Fischer den größten Teil seiner zahlreichen Kirchenbauten, Kranken- und Pfarrhäuser im Auftrag katholischer Gemeinden plante, war er doch Protestant. Seine Angewohnheit, Briefe und Pläne ab 1866 stets mit "G. A. Fischer" zu unterzeichnen, verleitete im 20. Jahrhundert einige Chronisten zu der gleichermaßen voreiligen wie falschen Annahme, das Kürzel stehe für den bei Protestanten so typischen und beliebten Vornamen "Gustav Adolf".

Heute sind etwa 60 Entwürfe Fischers für Neu- und Um-bauten von Kirchen und Kapellen in zumeist neugotischen Stilformen bekannt, die überwiegend in Westfalen und nur zu etwa einem Drittel in der Rheinprovinz gelegen sind, in der der Baumeister seit seiner Niederlas-sung als freischaffender Architekt etwa ab 1866 wohnte. Die Wurzeln dieser engen und dauerhaften Verbindungen zur katholischen Auftraggeberschaft in Westfalen liegen in der Biographie Fischers begründet.(7)

Am 29. November des Jahres 1833 in Schüren bei Aplerbeck (heute zu Dortmund) als Sohn eines schlesischen Bergmanns geboren, verbrachte Fischer seine Jugend und den größten Teil seiner Ausbildung in Westfalen. Nach dem Abschluß der Volksschule besuchte der Junge, dessen Zeichentalent bereits früh entdeckt und gefördert worden war, die Handwerker- und Zeichenschule im nahegelegenen Dortmund. Im Alter von sechzehn Jahren begann er eine dreijährige Maurerlehre. Begleitend besuchte er in den Wintermonaten die Königlich Preußische Provinzial-Gewerbeschule in Hagen und setzte diese Ausbildung auch 1852/53 nach dem Abschluß seiner Lehre fort. Erste praktische Erfahrungen im Architektenberuf konnte er während seiner einjährigen Tätigkeit im Büro des Barmer Stadtbaumeisters Eduard Bürkner (*1824) bis zu dessen Weggang aus Barmen 1855 sammeln und diese bis 1857 im Büro dessen kommissarischen Nachfolgers, dem Privatbaumeister Christian Heyden (1803-1869), fortsetzen. Eine siebenmonatige Wanderschaft durch Norddeutschland bis nach Königsberg führte ihn auf dem Rückweg über Polen, Schlesien und Sachsen nach Kassel, wo er nach Vorlage seiner Reiseskizzen für ein halbes Jahr in das Büro Georg Gottlieb Ungewitters (1820-1864) aufgnommen wurde. Ungewitter war seit 1851 Lehrer an der Höheren Gewerbeschule in Kassel und gilt als einer der Wegbereiter der Neugotik in Deutschland. Im Jahr 1858 war Fischer wohl zunächst als Maurerpolier und später auch als Bauführer an einem Kirchenbau in Gütersloh beteiligt(8), später soll er in Bielefeld seine Meisterprüfung als Maurer ablegt und im Paderborner Raum gearbeitet haben. Hier muß es wohl auch zu ersten Begegnungen mit Arnold Güldenpfennig gekommen sein, in dessen Büro er Mitte der sechziger Jahre offensichtlich beschäftigt war. Güldenpfennig war als Dom- und Diözesanbaumeister des Bistums Paderborn einer der einflußreichsten Männer im katholischen Sakralbau Westfalens und zudem überzeugter Vertreter der Neugotik. Er schätzte Fischer als fähigen Architekten und soliden Baumeister und empfahl ihn mehrfach an baulustige Kirchengemeinden - Fischer habe stets "nur sachgemäß behandelte Arbeiten geliefert".(9) Güldenpfennig kann wohl als der einflußreichste Lehrer Fischers gelten, berufliche Kontakte verbanden die beiden Männer zeitlebens.

1865 ließ Fischer sich zunächst in Hörde (Westf.) nieder und heiratete die in seinem Heimatort Schüren geborene Julia Moll, bevor das Ehepaar um 1866 ins Bergische Land und damit in die Rheinprovinz übersiedelte. Ab 1867 war Fischer mit der Bauleitung des vom Kölner Dombaumeister Vincenz Statz (1819-1898) entworfenen Querhaus- und Chorbaus für die St. Antonius Kirche erstmals wieder in Barmen tätig(10), wo er sich in dieser Zeit auch ein Haus auf den vornehmen Südhöhen baute(11). Bis zu seinem Tod in der Nacht zum 12. November 1906 - erst wenige Tage zuvor war er von der Reise zu einer Baustelle im Kreis Waldeck zurückgekehrt - war G. A. Fischer als selbständiger Baumeister und Architekt in Barmen ansässig. Das seinerzeit von der Öffentlichkeit meistbeachtete Werk ist zweifellos die romantische Rekonstruktion des Schloß der Grafen von Berg in Burg an der Wupper, die Fischer im Jahr 1886 mit initiierte und zwischen 1889 und 1902 ausführte.(12)

Bis in die Gegenwart prägen die schlanken neugotischen Türme von G. A. Fischers Kirchenbauten das Bild weiter Teile des heutigen Bochumer Stadtgebiets. Neben den oben bereits angesprochenen Projekten errichtete der Baumeister in Werne 1895-96 die evangelische Kirche an der Kreyenfeldstraße und ihr gegenüber drei Jahre später auch das Alte Amtshaus. 1904-05 entstanden außerdem im Auftrag der evangelischen Gemeinde in Langendreer die Lutherkirche an der Alten Bahnhofstraße und die Pauluskirche an der Langendreer Straße im Ortsteil Langendreerholz nach seinen Entwürfen.(13) Die Bauleitung hatte bei diesen beiden Bauten Fischers jüngster Sohn Jacob Richard inne.(14) Die 1905-06 ausgeführte Süderweiterung der mittelalterlichen St. Vinzentius Kirche in Harpen ist eines der letzten Werke G. A. Fischers, der sich während seiner gesamten Laufbahn auch als ein Spezialist für den bewahrenden Umbau historischer Kirchen auszeichnete.(15) Heute muß man diese "Rekonstruktionen" jedoch häufig eher als phantasievoll freie Neuschöpfungen gemäß den damaligen Vorstellungen mittelalterlicher Baukunst sehen.

Mit dem heutigen Wissen kann man sagen, daß das Schaffen des begabten Neugotikers und hochgeschätzten Kirchenbaumeisters Gerhard August Fischer in der Stadt Bochum und den umliegenden Gemeinden einen Schwerpunkt hatte. Seine Werke waren offensichtlich, nicht zuletzt dank der seinerzeit als sehr gelungen empfundenen Bochumer Kirche St. Marien, in der näheren Umgebung bekannt. Ein respektabler Ruf eilte ihm voraus und sicherte ihm bis in sein letztes Lebensjahr volle Auftragsbücher.(16)

  1. Aleweld 1993 S. 183ff.

  2. Parent 1994 S. 122

  3. Jutta Schuchard erwähnt in ihrer Monografie über den ebenfalls am Bau beteiligten Carl Schäfer, Fischer als Bauführer, leider ohne dies zu belegen. Siehe: Schuchard 1979 S. 177

  4. unbezeichneter und undatierter Zeitungsausschnitt (BAE P 20)

  5. Gölz 1987 S. 31ff. & 42. Dank für Hinweise auf Fischers Bauten für das St. Elisabeth Hospital an Herrn Ulrich Bücholdt (Bochum).

  6. Nach Auskunft von Herrn Propst Bittern geben die Unterlagen im Pfarrarchiv St. Peter & Paul keinen Aufschluß über diese Baumaßnahme. Auch die Akten im BAE nennen den Entwurfsverfasser nicht. Fischers Beteiligung ist dennoch sehr wahrscheinlich, so werden die ersten Reparaturpläne für die alte Kirche gleichzeitig mit den Skizzen für die Marienkirche vom Repräsentantenkollegium beim Generalvikariat in Paderborn eingereicht (BAE P20 Bl. 608 vom 11.3.1867). Der Plan einer Erweiterung an Stelle des alten Ostchores wurde allerdings zunächst bis zur Vollendung der Marienkirche zurückgestellt (BAE P20 Bl. 605ff. vom 10.3.1867). Wenngleich unwahrscheinlicher, könnten als Planverfasser für den Erweiterungsbau zwei weitere Baumeister in Frage kommen: Bereits 1862 hatte der Essener Stadtbaumeister Carl Wilhelm Theodor Freyse (1815-1881), der ab 1858 die Turmerneuerung der alten Kirche leitete, einen Erweiterungsplan vorgelegt (BAE P20 313 vom 28.8. 1862). Der Bochumer Baumeister Sonntag, der 1860 den Neubau des St. Elisabeth Hospitals und 1868-70 das Redemptoristenkloster mit Kirche am heutigen Imbuschplatz errichtet hatte, plante 1870 außerdem ein Pfarrhaus der Gemeinde (BAE P21).

  7. Weitgehend folgt dieser biographische Abriß dem grundlegenden Aufsatz Norbert Alewelds zu Leben und Werk August Eduard Gerhard Heinrich Fischers (Aleweld 1993 S. 183-210).

  8. Hier könnte es sich um die heutige Martin Luther Kirche handeln, die 1857-61 nach einem Entwurf Christian Heydens an der Berliner Straße erbaut wurde. Sie gilt im übrigen als der erste neugotische Kirchenentwurf des ehemaligen Lehrmeisters Fischers (vgl. Kluge 1975 S. 251, Schreiner 1983 S. 475).

  9. Bei der Planung der kath. Pfarrkirche St. Laurentius in Enkhausen 1893 empfiehlt Güldenpfennig mit diesen Worten die Ausführung des Fischerschen Plans (Aleweld 1994 S. 92).

  10. Fischers Kenntnis gotischer Bauformen muß seinerzeit dank der Reisestudien bereits recht ausgeprägt gewesen sein, wurde Fischers Chorentwurf von Reichensperger, einem der Protagonisten der Neugotik in Köln, dem Plan seines Freundes Vincenz Statz als stilreiner vorgezogen (Vogts 1960 S. 49).

  11. Aleweld 1994 S. 92f.

  12. Vgl. Aleweld 1993 S. 196ff., dort auch weitere Literatur.

  13. Siehe zu diesen Bauten in Werne und Langendreer bei Kreuzer 1999. Wei-tere Bauten Fischers finden sich auch im heutigen Stadtgebiet von Herne, in Hattingen und in Witten.

  14. Jacob Richard Fischer, verheiratet Ludvigsen (*10.6.1870, †2.10.1928), studierte Architektur an der TH Hannover, arbeitete schon früh mit seinem Vater zusammen, leitete zahlreiche Bauten nach dessen Entwürfen und ließ sich um 1905 als Privatarchitekt in Barmen nieder (vgl. Aleweld 1993 S. 201 und Moll 1994 S. 18ff.).

  15. Siehe hierzu: Kreuzer 1975 169ff., Kirche & Heimat Jg. 1954 Nr. 5-9. Zu Fischers Umgang mit historischer Bausubstanz siehe: Aleweld 1993 S. 191ff.

  16. Daß Fischer es sich leisten konnte, Aufträge abzulehnen, zeigt die Tatsache, daß er, im Jahr 1900 von Pfarrer Althüser zu einem Entwurf für die ev. Petrikirche mit Pfarrhaus in Wiemelhausen aufgefordert, mit der Begründung ablehnte, das Budget sei zu niedrig angesetzt (Kerber 1982 S. 109).

Bauten von Gerhard August Fischer

Das Werk G. A. Fischers ist bisher nicht systematisch erforscht. Die hier zusammengestellte Liste überlieferter Bauten kann also keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit ergeben.(1) Ein Blick auf das Schaffen vergleichbarer zeitgenössischer Kirchenbaumeister legt die Vermutung nahe, daß auch Fischers Gesamtwerk um einiges umfangreicher sein dürfte.

1856-58
kath. Pfarrkirche in Velbert (Rhld.)
Mitarbeit im Büro Christian Heyden Barmen

1861-62
Fertigstellung der kath. Pfarrkirche St. Marien in Schwerte
Mitarbeit imBüro von Arnold Güldenpfennig Paderborn und Bauleitung nach dessen Entwurf

1864
kath. Pfarrkirche St. Bonifatius in Hohenlimburg (heute Hagen)
Bauleitung und Detailbearbeitung im Büro und nach Entwurf von Arnold Güldenpfennig Paderborn

1865-66
kath. Pfarrkirche Liebfrauen in Linden (Ruhr) (heute Bochum), Königstr. (heute Hattinger Str.)
im Büro Arnold Güldenpfennig Paderborn (erhalten)

ab 1866 Planung, 1868-71
Querhaus und Chor der kath. Pfarrkirche St. Vincenz in Menden (Sauerland)
(erhalten)

1867
Erweiterung des St. Elisabeth Hospitals um sog. Südflügel und Kapelle in Bochum, Bleichstr.
(nicht erhalten)

1867-69
Erweiterung der kath. Pfarrkirche St. Antonius in Barmen (heute Wuppertal), Steinweg
Entwurf des Chores und Bauleitung nach einem Entwurf von Vincenz Statz Köln (nicht erhalten)

ab 1867
Notkirche in Aplerbeck (heute Dortmund)

1867 Planung, 1868-72
kath. Propsteikirche St. Gertrudis von Brabant in Wattenscheid (heute Bochum)
Kostenanschläge und Bauleitung nach einem Entwurf von Arnold Güldenpfennig Paderborn (erhalten)

nach 1867
eigene Villa in Barmen (heute Wuppertal), Gewerbeschulstr. 26 (heute 36) in zwei Bauabschnitten (nicht erhalten)

1868 Entwurf
Erweiterung der kath. Pfarrkirche St. Kilian in Letmathe (heute Iserlohn)
(nicht ausgeführt)

1868
ev. Kirche in Barmen (heute Wuppertal)
Bauleitung nach einem Entwurf (1868) von Regierungsbaumeister Hermann Cuno

1868-70
kath. Pfarrkirche St. Peter & Paul mit Pfarrhaus und Kaplanei in Hattingen, Bahnhofstr. 13-15
(erhalten)

1868-71
kath. Pfarrkirche St. Engelbert in Gevelsberg, Rosendahler Str.
(verändert erhalten)

1868-72
kath. Rektoratskirche St. Marien in Bochum, Marienplatz, Humboldtstr.
(verändert erhalten)

1869-72
kath. Pfarrkirche St. Bonifatius in Haspe (heute Hagen), Berliner Str.
(erhalten)

1869-75
Fertigstellung der kath. Pfarrkirche Heilige Dreikönige in Garbeck (heute Balve)
Bauleitung nach einem Entwurf (1854) von Vincenz Statz Köln (nicht erhalten)

um 1870
Entwurf der kath. Pfarrkirche St. Marien in Überruhr (heute Essen), Hinseler Feld
Ausführung 1870-76 durch Bauführer Caspar Cl. Pickel Essen und Eustermann Wiedenbrück

1872
Kaplanei und Jugendheim der kath. Pfarrge-meinde St. Engelbert in Gevelsberg, Rosendahler Str. 6a
(Zuschreibung, erhalten)

1872-74
Osterweiterung und Renovierung der kath. Propsteikirche St. Peter & Paul in Bochum
(Zuschreibung)

1872-74
Langhaus der kath. Pfarrkirche St. Bonifatius in Herne (Westf.), Bahnhofstr. 38
(nicht erhalten)

1873-74
Hauptgebäude des St. Elisabeth Hospitals in Bochum, Bleichstr. 15
(nicht erhalten)

1874-75
kath. Pfarrkirche St. Marien in Freudenberg
(nicht erhalten)

1874-75
kath. Pfarrkirche St. Agnes in Bausenhagen (heute Fröndenberg), Platzstr.
(erhalten)

1877
Entwurf für eine Erweiterung der kath. Pfarrkirche St. Blasius in Balve
(nicht ausgeführt)


1877
St. Pius Kapelle in Balve
(Zuschreibung)

1877 Entwurf, 1878
kath. Kapelle St. Johann Baptist in Langenholthausen (heute Balve)
(nicht erhalten)

1877-79
kath. Pfarrkirche in Gruiten (Rhld.)

1877 Entwurf, 1878-79
Querhaus der kath. Pfarrkirche St. Kilian in Letmathe (heute Iserlohn)
(nicht erhalten)

1878
Hochaltar der kath. Pfarrkirche St. Maria Magdalena in Bösperde (Kreis Iserlohn)
(Zuschreibung)

1878 Entwurf, 1884
Renovierung der ev. Ebberg-Kirche in Hemer

1879-80
Umgestaltung und Aufstockung des Turms der kath. Pfarrkirche St. Josef in Ronsdorf (heute Wuppertal), Remscheider Str. (nicht erhalten)

1879-80
Umbau und Erweiterung der Marienkirche, sog. Oberste Stadtkirche in Iserlohn

1880-81
ev. Lutherkirche in Castrop, Biesenkamp
Ausführungsentwurf nach einem Entwurf von Paul Zindel und Julius Flügge Essen (erhalten)

1880 Entwurf, 1881-82
Umbau und Chorneubau der ev. ehem. Stiftskirche in Elsey (heute Hagen)
(erhalten)

1880-83
Turm der kath. Pfarrkirche St. Antonius in Barmen (heute Wuppertal), Steinweg
(nach 1945 vereinfachter Wiederaufbau)

1881
kath. Pfarrkirche St. Lambertus in Mettmann, Marktplatz
(erhalten)

1881-82
Marienkapelle in Lenhausen (heute Finnentrop), Lehmbergstr. 23

1881-82
ev. Pauluskirche in Barmen (heute Wuppertal), Pauluskirchstr. 8
Bauleitung (erhalten, heute nebenher Nutzung als Hörsaal der Universität)

1882
Entwurf für den Kreuzaltar in der kath. Pfarrkirche St. Gertrudis in Sümmern

1883
Umbau und Erweiterung des Rittersitzes Haus Casperbroich in Ohligs (heute Solingen)

1883 Entwurf, 1885
Erweiterung und Turm der kath. Pfarrkirche St. Bonifatius in Hohenlimburg (heute Hagen)

1884
Restaurierung der ev. reformierten Kirche in Hohenlimburg (heute Hagen)

1886
Wettbewerbsentwurf für eine ev. reformierte Kirche in Barmen-Gemarke (heute Wuppertal), Zwinglistr., Ecke Gemarker Str., ein 3. Preis (nicht ausgeführt)

1881 und 1885 Entwurf, 1886-87
ev. Kirche in Evingsen (heute Altena), Brunnenstr. 13
(erhalten, Inneres verändert)

1886-87
ev. Christuskirche mit Pfarrhaus in Wanne (heute Herne), Hauptstr. 243-245 und 245a
(erhalten)

ab 1886 Planung, 1889-1902
Wiederaufbau des Schloß Burg in Burg an der Wupper (heute Solingen), Schloßplatz 2
mit Jacob Richard Fischer (nach 1902 u.a. durch Arntz und Hoeffgen fortgesetzt)

1888-89
Turm der kath. Pfarrkirche St. Bonifatius in Herne (Westf.), Bahnhofstr. 38
(erhalten, als Ladenlokal genutzt)

1889-90
kath. Pfarrkirche St. Johann Baptist in Barmen (heute Wuppertal), Normannenstr., Krühbusch (erhalten)

1890
ev. Kirche in Altroggenrahmede (heute Altena)

1890
ev. Kirche in Silschede (heute Gevelsberg)

um 1890
Pfarrhaus der kath. Pfarrgemeinde St. Johann Baptist in Barmen (heute Wuppertal), Normannenstr. (Zuschreibung)

1890-93 Entwurf, 1893-95
Erweiterung der kath. Pfarrkirche St. Pankratius in Anröchte

1892
kath. St. Kaiser Heinrich Kirche in Höchsten (heute Dortmund)
(nicht erhalten)

1892-93
ev. Kirche in Bommern (heute Witten), Rigeikenstr. 10-12

1893
kath. Pfarrkirche St. Stephanus in Opherdicke (heute Holzwickede)
(erhalten)

1893-94
Betsaal der ev. unierten Kirchengemeinde in Barmen-Heckinghausen (heute Wuppertal), Ackerstr. 21, Ecke Krautstr. (erhalten)

1893-95
kath. Pfarrkirche St. Martin in Obernetphen
(erhalten)

1893 Planung, 1895-96
kath. Pfarrkirche St. Laurentius in Enkhausen
Auftrag auf Empfehlung von A.Güldenpfennig

1895
Chor, Sakristei und Ausstattung der kath. Pfarr-kirche St. Maria Magdalena in Effeln (heute Anröchte) (erhalten)

1895-96
ev. Kirche in Werne (heute Bochum), Kreyenfeldstr. 30
(erhalten)

1895-96
ev. Johanneskirche in Eickel (heute Herne), Richard Wagner Str. 12
(erhalten, Turm modern ersetzt)

1896-98
ev. Martin Luther Kirche in Detmold, Schülerstr.
(erhalten)

1896-99
kath. Pfarrkirche St. Suitbertus mit Pfarrhaus in Elberfeld (heute Wuppertal), Kölner Str.
(erhalten, Inneres später umgestaltet)

1898-99
Altes Amtshaus in Werne (heute Bochum), Kreyenfeldstr.
(erhalten)

1899
kath. Pfarrkirche in Oberbreisig (heute Bad Breisig)

1899
ev. Kreuzkirche in Brügge (heute Lüdenscheid), Eiringhauser Weg

1899-1901
ev. Kirche in Heven (heute Witten), Steinhügel

ab 1899 Planung, 1902-03
kath. Herz Jesu Kirche in Barmen (heute Wuppertal), Hünefeldstr. 52-54
Bauleitung durch Jacob Richard Fischer Barmen

1900
Anfrage um einen Entwurf für die ev. Petrikirche mit Pfarrhaus in Wiemelhausen (heute Bochum), Wiemelhauser Str., (Anfrage der Kirchengemeinde am 11.7.1900 von Fischer abgelehnt)

1900-01
Schulgebäude in Hamm (Westf.), Lange Str. 74
Bauleitung durch Jacob Richard Fischer Barmen

1900-02
ev. Christuskirche in Lüdenscheid, Bahnhofstr., Knapper Str. 1
Bauleitung durch Jacob Richard Fischer Barmen

1900 Entwurf, 1902-03
ev. Kirche in Hagen-Vorhalle, Kirchbergstr. 1-3
Bauleitung durch Jacob Richard Fischer Barmen

1901
Umbau und Innenumgestaltung der ev. reformierten Kirche in Iserlohn

1901-03
ev. Christuskirche in Hamm (Westf.), Lange Str.
Bauleitung durch Jacob Richard Fischer Barmen

1902-03
Pfarrhaus der kath. Herz Jesu Pfarrgemeinde in Barmen (heute Wuppertal), Hünefeldstr. 52
Bauleitung durch Jacob Richard Fischer Barmen

1903
unbekannte Baumaßnahmen an der Burg Buchenau in Eiterfeld
mit Jacob Richard Fischer Barmen (Zuschreibung)

1903 Entwurf, 1904-05
ev. Lutherkirche in Langendreer (Westf.) (heute Bochum), Alte Bahnhofstr. 163
Bauleitung durch Jacob Richard Fischer-Ludvigsen Barmen (erhalten)

1903 und 1905-06
Entwürfe für eine ev. reform. Kirche in Oestrich (Kreis Iserlohn)
(Fischer stirbt während der Planung, Ausführung 1906-07 durch Johannes Menz Barmen)

1904-05
ev. Pauluskirche in Langendreer-Holz (heute Bochum), Langendreer Str. 72
Bauleitung durch Jacob Richard Fischer-Ludvigsen Barmen (erhalten mit Turmnotdach)

1904-05
ev. Emmauskirche in Sodingen (heute Herne), Mont Cenis Str.
Bauleitung durch Jacob Richard Fischer-Ludvigsen Barmen (erhalten)

1905-06
Süderweiterung der St. Vinzentius Kirche in Harpen (heute Bochum), Vinzentiusweg
(erhalten, 1974-79 restauriert)

vor 1906
Entwurf für einen Wiederaufbau des Zisterzienserklosters Georgenthal bei Gotha
(nicht ausgeführt)

1906
Entwurf für den Wiederaufbau des Schloß Lichtenfels in Waldeck
Ausführung 1906-14 durch Jacob Richard Fischer-Ludvigsen Barmen (erhalten)

undatiert
Kapelle im Haus Martfeld in Schwelm

undatiert
Planung für die Restaurierung der Burg Altena in Altena (Westf.) (nicht ausgeführt)

  1. Ausgewertet wurden neben den Aufsätzen Alewelds von 1989, 1993 und 1994 und Moll 1994 vor allem Überblickswerke über den Sakralbau des 19. Jahrhunderts im Rheinland und in Westfalen wie das Handbuch Essen, Dehio Westfalen, Kluge 1975 und 1978, Weyres 1968, Schreiner 1983, Parent 1994 und die Datenbank des Westfälischen Amtes für Denkmalpflege in Münster. Für die Möglichkeit zur Einsichtnahme sei Herrn Dr. Hans H. Hanke (Münster) herzlich gedankt, für Auszüge aus seiner Datenbank "archthek" Herrn Ulrich Bücholdt (Bochum) sowie last not least Herrn Christoph Heuter M.A. (Wuppertal) für Informationen zu einigen Bauten in Barmen.

Quellen

  • Stadtarchiv Bochum - (kurz StA BO): Bestände B 108 (1879), B 109 (1872-1897), B 130, Adressbücher der Stadt Bochum, Kartensammlung
  • Bistumsarchiv Essen - (kurz BAE): Bestände P 20 Propsteikirche (1835-1911), P 21, P 30

  • Pfarrarchiv St. Marien Bochum - Pfarrchroniken und Plansammlung der Nachkriegszeit

Literatur

  • Aleweld, Norbert: Der Sakralbau im Kreis Iserlohn vom Klassizismus bis zum Ende des Historismus.Altena 1989 (= Altenaer Beiträge Bd. 18) zugl. Diss. phil. 1986

  • Aleweld, Norbert: Arnold Güldenpfennig. In: Westfälische Lebensbilder Bd. XV. Münster 1990 S. 221ff.

  • Aleweld, Norbert: Gerhard August Fischer. In: Rheinische Lebensbilder Bd. 13. Köln 1993 S. 183-210

  • Aleweld, Norbert: Gerhard August Fischer. In: de Bruyn-Ouboter, Hans Joachim (Hg): Die Barmer Südstadt. Bergbahn, Toelleturm und Heidt. Wuppertal 1994 S. 92-94

  • Allroggen, Christoph: Die St. Marien-Gemeinde in Bochum. Geschichte einer Pfarrei im Ruhrgebiet. o.O. o.J. (Bochum 1964)

  • Allroggen, Christoph: St. Marien-Kirche 1872-1972. o.O. o.J. (Bochum 1972)

  • Eine Ehrenfeier für Architekt Fischer. In: Barmer Zeitung vom 30.10.1906

  • (Nachruf auf G. A. Fischer) In: Barmer Zeitung vom 12.11.1906

  • Däbritz, Walther: Bochumer Verein für Bergbau und Gußstahlfabrikation in Bochum. Düsseldorf 1934

  • Darpe, Franz: Geschichte der Stadt Bochum. Bochum 1894

  • Kluge, Dorothee; Hansmann, Wilfried (Bearb.): Dehio Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler Westfalen. München/ Berlin 1986

  • Fahrenkrog, Ludwig: Gerhard August Fischer. In: General-Anzeiger für Elberfeld-Barmen vom 13.11.1906

  • Falter, Julius: Der preußische Kulturkampf von 1873-1880. Mit besonderer Berücksichtigung der Diözese Paderborn. Paderborn 1900

  • St. Elisabeth-Hospital Bochum 1848-1898. Festschrift zum Goldenen Jubiläum. Bochum 1898

  • (Heinhardt, Karl; Kottsiepe; Schausten): Die Marienkirche und Marienpfarrei in Bochum. Bochum 1927

  • Architektur-Kolloquium Bochum (Hg.): Josef Franke. 163 Entwürfe für das 20. Jahrhundert. Katalog, Essen 1999

  • Gölz, Gerald: Die Geschichte der Krankenhäuser der St. Elisabeth Stiftung Bochum (...). Diss. Bochum 1987

  • Bischöfliches Generalvikariat Essen (Hg.): Handbuch des Bistum Essen.2 Bde. Essen 1974 2. Ausgabe

  • Hanke, Hans H.: Architektur und Stadtplanung im Wiederaufbau. Bochum 1944-1960. Bonn 1992 (= Denkmalpflege und Forschung in Westfalen Bd. 22)

  • Hasler, Joseph M.: St. Marien ist wieder erstanden (Fortsetzungsserie). In: Kirche und Heimat 1953 Nr. 40-41, 43-52, 1954 Nr. 2-4

  • Kerber, Bernhard: Bochums Bauten 1860-1940. Ausgewählte Quellen. Bochum 1982

  • Kluge, Dorothee: Kurzinventarisation der Kirchen und Kapellen des 19. und frühen 20. Jahrhunderts in Westfalen-Lippe 1970-1973. In: Westfalen, Sonderdruck. Bd. 53 Münster 1975 S. 223-252

  • Kluge, Dorothee: Kurzinventarisation der Kirchen und Kapellen des 19. und frühen 20. Jahrhunderts in Westfalen-Lippe 1974-1976. In: Westfalen, Sonderdruck Bd. 56. Münster 1978 S. 260-274

  • Koch, Edeltraud: Die räumliche Entwicklung der Stadt Bochum unter dem Einfluß der Industrie. unveröffentl. Examensarbeit Aachen 1959

  • Katholikenausschuß der Stadt Bochum (Hg.); Kreuzer, Clemens (Red.): Katholische Kirche Bochum. Informationen-Initiativen-Ideen. o.O. o.J. (Bochum 1975)

  • Kreuzer, Clemens: Langendreer-Werne zwischen Steinzeit und Gegenwart. Bochum 1999

  • Moll, Jörg: Fischer, Fischer und Fischer. Der Barmer Stadtbaumeister August Fischer (1824-ca. 1885), seine Vorgänger, Nachfolger und Namensvettern. In: Polis. Wuppertal 1994 Heft 4 S. 18-20

  • Otting, Birgit: Die Entwicklung des Bochumer Vereins und sein Einfluß auf die Siedlungsstruktur der Stadt Bochum. unveröffentl. Seminararbeit Bochum 1976

  • Parent, Thomas (Texte); Stachelhaus, Thomas (Fotos): Kirchen im Ruhrrevier 1850-1935. Münster 1994

  • Parent, Thomas: Das Ruhrgebiet. Kultur und Geschichte im 'Revier' zwischen Ruhr und Lippe. Köln 2000 5. überarb. Aufl.

  • Ribbrock, Gerhard: August und Wilhelm Rincklake. Historismusarchitekten des späten 19. Jahrhunderts. Bonn 1985 (= Denkmalpflege und Forschung in Westfalen Bd. 7) (zugl. Diss. Bochum 1981)

  • Schmitges, Horst: Caspar Clemens Pickel. Ein Beitrag zur katholischen Kirchenbaugeschichte des 19. Jahrhunderts. München 1971 (= Materialien zur Kunst des 19. Jahrhunderts Bd. 3) (zugl. Diss. RWTH Aachen 1969)

  • Schreiner, Ludwig: Architektur des 19. und 20. Jahrhunderts. In: Kohl, Wilhelm (Hg.): Westfälische Geschichte. Bd. 2. Düsseldorf 1983 (= Veröffentlichungen der Historischen Kommission Westfalens 43)

  • Schuchard, Jutta: Carl Schäfer 1844-1908. Leben und Werk des Architekten der Neugotik. München 1979 (= Materialien zur Kunst des 19. Jahrhunderts Bd. 21)

  • Trier, Eduard; Weyres, Willy (Hg.): Kunst des 19. Jahrhunderts im Rheinland. Bd. 1. Architektur I. Kultusbauten. Düsseldorf 1980

  • Vogts, Hans: Vincenz Statz (1819-1898). Lebensbild und Lebenswerk eines Kölner Baumeisters. Mönchengladbach 1960 (= Kunstgabe des Vereins für Christliche Kunst im Erzbistum Köln und Bistum Aachen 1959/60)

  • von Assel, Marina: Kunst auf Schritt und Tritt in Bochum. Ein Führer zu moderner Kunst auf öffentlichen Straßen und Plätzen. Bochum 1992

  • Wagner, Johannes Volker: Bochumer Ansichten auf alten Postkarten. Bochum 1979 (= Sonderveröffentlichung des Stadtarchivs)

  • Weyres, Willy; Mann, Albrecht: Handbuch zur rheinischen Baukunst des 19. Jahrhunderts 1800-1880. Köln 1968 S. 47 u.a.

  • Wolcke-Renk, Irmtraud Dietlinde: Die Entwicklung der Bochumer Innenstadt. Kiel 1965 (= Schriften des Instituts für Geographie der Universität Kiel)

  • Zimmermann, Peter: 75 Jahre St. Meinolphus-Mauritius Bochum-Ehrenfeld. B

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