Metanavigation

Die Stadt Bochum auf facebook
Folge der Stadt Bochum auf Twitter
Die Stadt Bochum auf YouTube
Folge der Stadt Bochum auf Instagram
Die Stadt Bochum auf flickr

Von einem verflossenen Jubiläum, das erst später stattfindet

Peter Kracht

Über die erste Dampfmaschine im Ruhrkohlenbergbau, die Kleinzeche Vollmond und einen streitbaren Bauern

Vor 200 Jahren ereignete sich in Bochum-Werne eine Begebenheit, die für die weitere Entwicklung des Steinkohlenbergbaus im Ruhrgebiet nicht ohne Folgen blieb und dadurch für den Aufschwung der Region von Bedeutung war: Franz Dinnendahl war maßgeblich an der Montage der ersten Dampfmaschine zur Förderung von Grubenwasser auf der Zeche Vollmond in Werne beteiligt.
Das Ziel dieses Aufsatzes liegt nicht nur darin, an das Jubiläum zu erinnern, sondern auch einige bisher unveröffentlichten Informationen zur Kleinzeche Vollmond und deren Umfeld bekannt zu machen. Dabei scheint es sinnvoll, auf einige widersprüchliche bzw. falsche Aussagen in älteren Abhandlungen hinzuweisen. Hierzu zählen unter anderem folgende Angaben bzw. Sachverhalte: Die falsche Lokalisierung der Zeche Vollmond nach Langendreer, die widersprüchlichen Datierungen der Inbetriebnahme der Dampfmaschine über eine Zeitspanne von fünf Jahren, die Attribute erste respektive älteste Dampfmaschine im Ruhrkohlenbergbau und die Frage nach der Existenz des Dorothea- und des Viktoria-Stollens.
Über Franz Dinnendahl liegen zahlreiche Veröffentlichungen vor, die mehr oder minder umfangreich auch den Bau der ersten Dampfmaschine auf der Zeche Vollmond erwähnen. Um Wiederholungen zu vermeiden, wird nachfolgend nur sehr begrenzt auf seine Person eingegangen.

Der hiesige frühe Bergbau

Bis in die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts hinein waren Produktion und Verwendung von Steinkohle im Ruhrgebiet noch sehr gering. Im Kreis Bochum war noch keine kohleverbrauchende Industrie ansässig und „es kamen in demselben nur vereinzelte und unbedeutende gewerbliche Anlagen vor“. Kohle war verhältnismäßig teuer und Holz zum Brennen im ausreichenden Maße vorhanden. So wurde der Abbau von Kohle zumeist als bäuerliche Nebenbeschäftigung und auf Kleinzechen aus oberflächennahen Lagerstätten betrieben. Im Jahre 1755 waren im gesamten märkischen Steinkohlenbergbau 110 solcher Kleingruben mit 688 Beschäftigten und davon im Amt Bochum 20 Bergwerke mit insgesamt 129 Mann in Betrieb. Über die unterschiedlichen bergbaulichen Tätigkeiten in Bochum in der Zeit des ausgehenden 18. Jahrhunderts schrieb Carl Arnold Kortum: „Auch das Kohlenbergwerk ernährt manchen Bürger. Einige haben an den Bergwerken selbst Antheil; andre arbeiten darin; andre führen auf Karren, Schiebekarren, Schleppen und in Tragekörben zum Verkauf die Kohlen in die Stadt; oder holen selbige für andere.“ Er selbst war auch als Bergarzt in Bochum tätig.
Der Abbau der Kohle geschah entweder aus trichter- oder schüsselförmigen Vertiefungen (Pingen), mittels horizontaler oder geneigter Stollen (Tonnlage) sowie durch brunnenähnliche Schächte.
Ein immer wieder auftretendes Problem bereitete das sich ansammelnden Grubenwasser, welches aus den Abbauhohlräumen abgeleitet werden musste. Neben anderen Verfahren bestand eine Lösung im Bau von Erbstollen , die gleichzeitig frische Wetter zuführten. Solche Stollen lagen tiefer als der Abbauort und führten das Wasser über ein leichtes Gefälle ins Freie, in einen Bach oder einen Teich.

Die Kleinzeche Vollmond und Giesbert von Romberg

Nachweislich 1755 – vielleicht auch schon einige Jahre zuvor – wurde in Werne auf der Zeche Vollmond mit vier Mann Belegschaft im Stollenbau Kohle gefördert. Die Kleinzeche lag nördlich vom Werner Hellweg im Bereich der Autobahnauffahrt der A 43 in Richtung Münster und war zu jener Zeit der einzige Bergbaubetrieb in der Bauerschaft.
Im Jahre 1789 wurde die Gewerkschaft Vollmond gegründet. Im selben Jahr soll von der Suntumer Mühle aus – also aus Richtung Süden – der Dorothea-Erbstollen aufgefahren worden sein und im Folgejahr den Schacht Viktoria erreicht haben. Über diesen Stollen sollte das Grubenwasser in einen Teich beim Bauern Schulte Suntum im Bereich des heutigen Ümminger Sees abgeleitet werden.
Über diesen Dorothea-Erbstollen liegen keine kartografischen Informationen vor, was auf eine unausgeführte Planung schließen lässt. Vielmehr belegt ist der wesentlich kürzere Viktoria-Stollen, der vom gleichnamigen Schacht in nördlicher Richtung zum Harpener Bach verlief. Zum zuvor genannten Zeitpunkt lag der Kohleabbau auf Vollmond bei 36 Fuß (rund 11 m) Tiefe und die Fördermenge betrug ca. 30.000 Ringel, das entspricht etwa 2.250 Tonnen.
Seit 1799 war Freiherr Giesbert Christian Friedrich von Romberg (1773-1859) auf Haus Brünninghausen südlich von Dortmund Hauptgewerke, also Haupteigentümer, der Zeche und wurde am 26. März 1803 durch das Oberbergamt Wetter mit der Gewerkschaft der Zeche Vollmond belehnt. Er war ab 1793 preußischer Kammerherr, während der napoleonischen Besetzung ab 1809 Präfekt des Ruhrdepartements und zwischen 1813 und 1816 Landesdirektor in der Provinz Westfalen sowie Mitglied im westfälischen Provinziallandtag. Seine besondere Aufmerksamkeit galt der Förderung des Schulwesens und dem Ausbau der Verkehrswege. Gleichzeitig besaß er Kuxe (= Anteile) an mehr als zwanzig Bergwerken in der hiesigen Region und galt als der reichste adelige Grundbesitzer in der Umgebung.
Da die Wasserprobleme auf Vollmond nicht befriedigend beseitig werden konnten, ließ Romberg ab 1800 einen senkrechten (seigeren) Schacht zur Anlage einer Wasserhaltung durch das hier zwischen 10 und 20 Meter starke, mergelfreie Deckgebirge abteufen, was langläufig als Beginn des eigentlichen Tiefbaus im Ruhrkohlenbergbau und als Folge davon als ein Kriterium für den Anfang der Industrialisierung des Ruhrbergbaus angesehen wird. Im Jahr 1803 erreichte dieser Schacht eine Teufe von 42 Meter.

Die erste Dampfmaschine

Die erste Form einer atmosphärischen Dampfmaschine („altes Prinzip“) wurde 1712 durch den Engländer Thomas Newcomen (1663-1729) erbaut. Hierbei wurde der Kolben durch ein Vakuum angetrieben, welches bei der Kondensation des Dampfes im Zylinder entstand.
Der Schotte James Watt (1736-1819) entwickelte diese Niederdruckmaschine weiter, indem nun von beiden Seiten alternierend Dampf auf den Kolben drückte und die Kondensation des Dampfes getrennt erfolgte („neues Prinzip“); das entsprechende Patent erhielt er 1769. Durch diesen Fortschritt wurde der Dampfverbrauch gesenkt und Brennmaterial gespart.
In Deutschland lief die erste Dampfmaschine 1784 in Hettstedt im Bezirk Halle und 1788 wurde die erste Maschine zur Wasserhaltung auf einem Bergwerk im Oberschlesischen Tarnowitz installiert.
Doch zurück zur Zeche Vollmond. Am zuvor erwähnten Schacht wurde ab Anfang 1801 mit den Aufstellungsarbeiten der ersten „Feuermaschine“ im Ruhrkohlenbergbau zur Hebung des Wassers begonnen. Zu dieser Zeit wird die Belegschaftsstärke dort mit durchschnittlich neun Mann angegeben.
Diese Maschine der Bauart Newcomen mit einem Zylinderdurchmesser von 20 Zoll (= 52,4 Zentimeter) und einem Hub von 7 Fuß (= 2,17 Meter) wurde bereits 1792 in Tarnowitz gebaut und war für die Zeche Charlotte in (Essen-)Überruhr bestimmt. Das Frachtschiff verunglückte auf der Oder, jedoch konnten alle Kisten unversehrt geborgen werden. Im Oktober des selben Jahres erreichte die Ladung (Duisburg-)Ruhrort, wo sie eingelagert wurde, da die Zeche Charlotte die Annahme der Lieferung nun wegen der durch den Zwischenfall verursachten erhöhten Kosten ablehnte. Ab 1794 bemühte sich das Westfälische Oberbergamt in Wetter vergeblich, die dampfbetriebene Pumpe an anderen Standorten zu installieren: auf der Zeche Clarenberg in (Dortmund-)Hörde, auf den Zechen Glückauf und Louise und auf der Saline (Unna-)Königsborn. Letztgenannte entschied sich für eine neu gebaute Maschine, die am 30. August 1799 ihren Betrieb aufnahm und, wenn auch jüngeren Baudatums, als erste Dampfmaschine im hiesigen Bergbau und in Westfalen anzusehen ist.
Seit diesem Jahr bemühte sich Romberg, die noch zerlegte Anlage zu erwerben, was ihm im Juli 1800 gelang. Im Oktober kam sie auf dem Wasserweg von (Duisburg-)Ruhrort nach (Essen-)Steele, doch dauerte es noch drei Monate, bis sie im Januar 1801 in Werne eintraf. Die Montage am Schacht wurde jedoch fehlerhaft vorgenommen, so dass sie nicht in Betrieb genommen werden konnte.
Zur gleichen Zeit war Franz Dinnendahl (1775-1826) als Schreiner mit der Errichtung des Gebäudes für die neue Dampfmaschine beschäftigt. Als Sohn eines Müllers wurde er in Horst nahe (Essen-) Steele geboren und war zuerst als Schweinehirt und mit 16 Jahren als Schlepper und Hauer im Bergbau tätig, bevor er seine Ausbildung als Bauernschreiner und Zimmermann begann. Ihm fielen die Montagefehler auf und er informierte das Oberbergamt hierüber. Trotz ablehnender Haltung der Bergbehörde erreichte es der „Mechanikus“, durch Romberg beauftragt zu werden, die Fehler zu beseitigen und die Pumpe in Funktion zu bringen. Nach eigenen Aufzeichnungen half Dinnendahl, „[...] die Maschine bis beinahe zum Gange derselben fertig zu bauen.“ Ein Datum hierzu wird nicht genannt. In der Literatur finden sich Zeitangaben für die Inbetriebnahme der Pumpe, die vom Jahre 1799 bis zum Jahre 1803 reichen.
In ihrem Aufsatz gibt Lange-Kothe an, dass der genaue Zeitpunkt der Inbetriebnahme nicht bekannt, jedoch „wohl im Herbst 1801 gewesen“ sei, was langläufig als korrekt akzeptiert wurde. Nach neuerer Durchsicht der Quellen und Auswertung der Aktenlage datiert Huske den planmäßigen Lauf der Pumpe nun auf Juni 1802.
Eine Skizze der Dampfmaschine nebst Erläuterungen befindet sich auf der Rückseite (S. 28) des Heftes.
Die älteste Dampfmaschine im Ruhrbergbau und die erste im Ruhrkohlenbergbau arbeitete zufriedenstellend. Jedoch hatte sich durch das Aufhauen neuer Flöze das anfallende Grubenwasser vermehrt und für die Folgezeit war bei weiter fortschreitendem Ausbau mit erhöhtem Wasseranfall zu rechnen. Die 1801/2 erbaute Pumpe war aufgrund ihrer Förderkapazität nicht mehr in der Lage, dieses Grubenwasser zufriedenstellend zu bewältigen. Sie hatte im Jahre 1806 aus 20 Lachter (= 41,8 Meter) Tiefe zu heben und schaffte eine mittlere Förderleistung von 17 6/10 Kubikfuß (= 0,54 Kubikmeter) pro Minute, was jedoch nicht ausreichte. Aus diesem Grund wurde der Betrieb im Oktober 1806 eingestellt und die Dampfmaschine an den Kaufmann Schmölder verkauft, der sie auf seiner Friedrich-Wilhelms-Eisenhütte in Gravenhorst als Antriebsmaschine für ein Gebläse einsetzte.

Die zweite Dampfmaschine

Im Jahre 1810 bekam „Maschinen Bau Meister“ Dinnendahl den Auftrag, am selben Schacht eine leistungsfähigere Dampfmaschine aufzustellen. Die nun nach dem neuen, Watt´schen Prinzip konzipierte Maschine sollte einen Zylinderdurchmesser von 32 Zoll (= 83,8 Zentimeter) bekommen und 70 6/10 Kubikfuß (= 2,18 Kubikmeter) in der Minute heben. Die maximale Fördertiefe war mit ca. 28 bis 30 Lachter (rund 60 Meter) angegeben. Für die Arbeiten waren drei bis vier Monate veranschlagt. Als Gegenleistung wurden ihm vertraglich rund 7.300 Reichstaler und ein Achtel Anteil an der Zeche Vollmond zugesagt. Das alte Maschinengebäude konnte nach Verstärkung einiger Bauteile weiterhin genutzt werden. Da die Ausführung der neuen Wasserhaltungsmaschine leicht von den zuvor genannten Planungen abwich, lag die abschließende Rechnung bei rund 8.292 Reichstaler und Dinnendahls Anteil an Vollmond betrug nur ein Zehntel. Die gelieferten Eisenteile der Maschine stammten aus der Gutehoffnungshütte in (Oberhausen-)Sterkrade.
Die Zeche Vollmond konnte erst wieder am 13. Mai 1811 mit der stärkeren Wasserhaltungsmaschine in Betrieb genommen werden. Die Maschine lief mal recht, mal schlecht, wie überliefert ist. Daher wurde sie nebst Gebäude bereits sechs Jahre später für 6.500 Reichstaler an die Zeche Wasserschneppe in (Essen-)Heisingen verkauft, demontiert und nach dort geschafft.

Der benachbarte Bauer Hellbrügge

Das Gebiet, auf dem sich die Zeche Vollmond befand, gehörte zum Bereich des ehemaligen Hofes Hellbrügge , der erstmalig im Kamin- und Feuerstättenverzeichnis von 1644 erwähnt wird. Nur wenige Meter nordwestlich vom Haus lag das Feuermaschinengebäude der Zeche.
Für die vom Bergwerk benötigten Flächen scheint Hellbrügge eine finanzielle Entschädigung erhalten zu haben. Dies legt ein Schreiben vom 10. Mai 1808 über die „Abschätzung des dem Colone Hellbrügge durch das Feuermaschinen Gebäude p.p. der Zeche Vollmond entzogenen Grunds“ nahe.

Nach einer amtlichen Verordnung vom 7. Januar 1769 waren die Bauerschaften dazu verpflichtet, „Wege und Landstraßen in Stand zu setzen und zu unterhalten.“ Im Falle von Hellbrügge als Mitglied der Bauerschaft Werne scheint es zwischen ihm und den zuständigen Behörden wiederholt zu Unstimmigkeiten gekommen zu sein. Dabei wird öfter der „Communicationsweg“ vom Hellweg zur Wieschermühle erwähnt. Wahrscheinlich ist mit diesem Weg der ungefähre Verlauf der heutigen Straße Rüpingsweg gemeint, der vom Werner Hellweg in nördlicher Richtung verlief und sich aufgrund der räumlichen Nähe zum Hof Hellbrügge wahrscheinlich in dessen Besitz befand. Dieser Weg ist bereits auf der Urkarte von 1823 kartiert. Die Wieschermühle befand sich damals im bzw. beim heutigen Haus Rüpingsweg 23. Möglicherweise ist auch der Weg angesprochen, der vom Hellweg direkt an Hellbrügges Hof vorbei und dann weiter in nordöstlicher Richtung zur Wieschermühle führte.
Die erhaltenen Unterlagen bezüglich der Streitfragen beinhalten über den eigentlichen Sachverhalt hinaus auch weitere, kleine Details bezüglich der Zeche, die, ebenso wie Hellbrügges Hof, weiter westlich des Weges lag.
In einem „Mandatum“ vom 7. Juni 1811 vom „Mairie Verwaltungs Bureau“ in Witten sollten beim zuvor erwähnten Weg die „schadhaften und unpashablen Stellen mit den auf der Grube Vollemond liegenden Schlacken“ ausgefüllt werden. Die Fristsetzung zur Ausführung der Arbeiten innerhalb von drei Tagen lässt einen bereits längeren Disput vermuten. Diese Annahme scheint sich auch in der Tatsache zu bestätigen, dass der zuvor erwähnte Auftrag am 25. November des selben Jahres wiederholt wurde. Jedoch konnte diesmal der „Pollicey Sergeant“ Sendhaus am 3. Dezember den Beginn der Arbeiten bestätigen.
Wahrscheinlich benutzten der Bauer und die Zeche den gleichen Zubringerweg, der zur Hauptstraße von Werne nach Bochum – heute Werner Hellweg – führte. Darüber muss es wohl im selben Zeitraum zu einer Streitigkeit zwischen dem Bergwerk und dem Landwirt gekommen sein. Hellbrügge hatte die Anfahrt zur Zeche durch einen Graben versperrt. Am 4. Dezember 1811 wies ihn das Bergamt an, den Graben innerhalb von 24 Stunden wieder zuzuwerfen und den Weg passierbar zu machen. Andernfalls könne die Zechen diese Arbeiten durchführen und die dafür „soviel als nöthig Gelder einziehen. Im Falle etwaiger Wiedersetzlichkeiten des Hellbrügge wollen Sie mit Einstellung der Arbeit sofort Anzeige thun, damit die Gendamerie requiriert werden könne.“ Die Gendamerie musste gerufen werden.
Nur zwei Tage später wurde in einer „Resolution“, die erneut eine Wegebauangelegenheit auf dem Stück zur Wieschermühle betraf und vom „Policeydiener“ Grewe unterschriebenen wurde, über die Weigerung des Hellbrügge berichtet, den über sein Grundstück verlaufenden Feldweg zwecks Transport von Steinen „von dem Kohlberge an der Hilbrügge“ zur Reparatur des Weges durch andere befahren zu lassen. Hellbrügges Argument lautete: „[...] wen einen dag daher gefahren wird ist dieser so beschaffen daß Niemand mehr durchkommen kann [...].“
Noch am 22. August 1812, also mehr als dreiviertel Jahr später, wurde durch den Präfekten des Ruhrdepartements der schlechte Wegezustand zur Zeche Vollmond beklagt und eine sofortige Abhilfe innerhalb von 14 Tagen angemahnt.
Ob die zuvor erwähnten Vorgänge in einem Zusammenhang standen, ist nicht mehr nachzuweisen, jedoch wahrscheinlich. Ebensowenig ist rückschauend auszumachen, worin die anscheinende Eskalation gründete und ob Hellbrügges Argumente stichhaltig und berechtigt waren.

Der weitere Gang der Zeche Vollmond

Möglicherweise lieferten die nicht zu beherrschenden Wassereinbrüche den Grund dafür, dass die Förderung auf Vollmond zurück ging. Die Fördermenge für 1821 wird bei zwei Mann Belegschaft mit nur 149 Tonnen angegeben, da die Zeche nur kurz in Betrieb war. Sie musste am 12. Mai 1821 wegen der Wasserzuflüsse erneut stillgelegt werden.
Für einen längeren Zeitraum liegen keine Informationen über eine Förderung vor.
Nachdem der Zeche Vollmond im September 1849 fünf neue Grubenfelder verliehen worden waren, begann 1856 die Teufe des Schachtes Giesbert im Südfeld , dem späteren Bereich der Schachtanlage Vollmond östlich der Vollmondstraße, nördlich der Frenkingstraße und südlich der Eisenbahntrasse. Hier wurde 1860 die Förderung aufgenommen. Parallel dazu begannen die Arbeiten am Schacht Caroline im Nordfeld, der 1870 in den Besitz der Harpener Bergbau AG überging und zur gleichnamigen, selbständigen Zeche in Kornharpen wurde.
1856 verkaufte Romberg seine Anteile für 300.000 Taler an die „Steinkohlen-Bergbau-A.-G. Vollmond“ und am 24. Oktober 1879 wurde diese Aktiengesellschaft in eine Gewerkschaft umgewandelt, die sich am 28. September 1891 wieder auflöste, da die Harpener Bergbau AG alle Anteile erworben hatte. Noch bis zum 1. Juli 1926 war Vollmond eine selbständige Zeche und wurde zu diesem Zeitpunkt – also vor nunmehr 75 Jahren – mit der Zeche Heinrich Gustav vereinigt, die am 1. Juli 1929 in der Großschachtanlage Robert Müser aufging.
Im Jahre 1828 waren im Oberbergamtsbezirk Dortmund 26 Dampfmaschinen in Betrieb, davon zehn zur Wasserhaltung, acht zur Kohlenförderung, zwei zur Förderung und Wasserhaltung, zwei zur Solehebung und vier für Gebläse auf Eisenhütten; 1843 waren es 95 Maschinen im Ruhrbergbau.
Bezüglich Bochum schrieb der Königliche Regierungsrat Jacobi in seiner 1856 verfassten Gewerbe-Statistik: „Rings um die Stadt ragen die Essen der auf den Kohlenzechen arbeitenden Dampfmaschinen als Wahrzeichen empor [...].“
Die Zahl der eingesetzten Dampfmaschinen im Ruhrbergbau nahm rapide zu und wird für das Jahr 1900 mit 5.297 angegeben.
Zur Erinnerung an die Zeche Vollmond, an die erste Dampfmaschine im Ruhrkohlenbergbau und an Franz Dinnendahl stellte der Förderverein Bergbauhistorischer Stätten Ruhrrevier e.V. – Arbeitskreis Bochum – im Jahre 1997 eine Gedenktafel am Haus Vollmondstraße 47, dem damaligen Eingangsbereich mit Markenkontrolle der Zeche Vollmond auf.