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Informationen zum Wappen der Stadt Bochum

" ... eine Perle von kostbarem Werthe ... "

Eberhard Brand

Die Gründungsphase des Bochumer Stadtparks

Kann die Stadt Bochum in ihrer nächsten Umgebung „auch keine besonders hervorragenden Naturschönheiten bieten, denn die Industrie hat dieselben meistentheils für sich in Anspruch genommen, resp. vernichtet, so besitzt dieselbe doch eine Perle von kostbarem Werthe [...] in ihrem herrlichen, wohlgepflegten und ausgedehnten Stadtpark." Zu diesem bemerkenswerten Urteil über den noch jungen Stadtpark gelangen die Berichterstatter über die XXXVI. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands zu Bochum im Jahr 1889.

Mit der Anlage des so gerühmten Parks wurde im Frühjahr 1876, also genau vor 125 Jahren begonnen, und das sollte Anlass genug sein, Entstehung und Frühphase des illustren Jubilars etwas näher zu betrachten.

Er ist nicht der älteste kommunale Park in der Region; dieses Privileg kann der schon 1864 angelegte „Städtische Garten" in Essen beanspruchen. Doch während diese eher bescheidene Oase im heutigen Essener Häusermeer nach einer Erweiterung ganze acht Hektar aufwies, die aber durch mehrfache Eingriffe im Laufe der Jahrzehnte wieder spürbar verringert wurden, vergrößerte man den Bochumer Stadtpark von zuerst geplanten 7½ bis 10 Hektar (1869) auf gut 13 Hektar (Gründungsphase 1876-78), über 23 ½ Hektar (1. Erweiterung 1889-94) auf die heutige Größe von annähernd 32 Hektar (2. Erweiterung 1903-08).

Wie kam es überhaupt zu einer Stadtparkgründung in Bochum? Auf Grund einer von Bürgermeister Maximilian Greve bereits 1863, dem Jahr des Essener Parkerrichtungsbeschlusses (!) gegebenen ersten Anregung zu einem Bochumer Park auf der Vöde, der Gemeindeweide im Bochumer Nordosten, kam es 1869 zu einem Beschluss der Stadtverordnetenversammlung, die „Herstellung eines Stadtgartens in Aussicht zu nehmen". 1870 wurde eine Stadtparkkommission unter Vorsitz des Stadtrates Würzburger gebildet, die sich von zwei alternativen Standorten für den Vödebereich als zukünftigen Stadtpark entschied. Es traf sich gut, dass der dortige Hudebetrieb kurz vor der Einstellung stand: Im Jahr 1870 trieb angeblich zum letzten Mal ein Bochumer Kuhhirt - es war dem Vernehmen nach Fritz Kortebusch - Bochumer Rindvieh auf die Bochumer Viehweide. Beachtlich ist, dass der neue Park ein gutes Stück Wegs vor den Toren der Stadt inmitten von Gärten, Feldern, Äckern, Weiden und Brachland, „ganz im Grünen" also, entstehen sollte.

Für die neue Anlage wollten die Verantwortlichen in Bochum einen Gartenbaumeister ersten Ranges gewinnen. Die größte Koryphäe auf diesem Gebiet, der Gartendirektor der königlich-preußischen Gärten in Berlin, Peter Joseph Lenné, war bereits 1866 gestorben und leider nicht mehr verfügbar. Also wurden die Bochumer bei dem königlich-preußischen Hofgartendirektor Clemens Joseph Weyhe in Düsseldorf, einem nahen Verwandten Lennés, vorstellig, doch dieser verstarb kurz nach Beginn der Verhandlungen mit den Bochumern Anfang 1871. Darauf wandte sich die Stadtparkkommission an den überregional renommierten Kölner Stadtgärtner Anton Strauß (1823-1888). Strauß übernahm den Auftrag und legte noch im selben Jahr einen gründlich erläuterten Entwurf vor, der seitens der Parkkommission begrüßt und zur Ausführung empfohlen wurde.

Nach einigen Verzögerungen in der Folge des deutsch-französischen Krieges von 1870/71 und der Klärung von Rechtsstreitigkeiten wurde die Vöde in den Jahren 1875 und 1876 aufgeteilt. An die Stadt Bochum fiel ein gutes Drittel des gesamten Vödebereichs: 200 Morgen oder etwa 50 Hektar. Dieses Gelände sollte „namentlich im Interesse der Arbeiterbevölkerung" zum deutlich kleineren Teil in einen Stadtpark umgewandelt werden, der deutlich größere Teil sei dann - da in unmittelbarer Stadtparknähe gelegen - um so günstiger zu verpachten oder zu verkaufen, meinte 1874 Bürgermeister Adalbert Prüfer, der Amtsnachfolger Maximilian Greves, der 1873 gestorben war.

Gartenbaumeister Anton Strauß hatte 1871 ein relativ verwinkeltes Areal von 13,22 Hektar zu beplanen, aber das „wellenförmige Terrain gestattet dem genialen Gartenbauer die Anbringung schöner Gruppen und Contouren für Pflanzungen und Beete; die Grundstücke senken sich hier südlich ein, während der höher gelegene nördliche Theil das Ganze beherrscht und den südlichen Abhang beschützt. Endlich sind in dem Fiegen-Kämpchen [heute steht dort die große Stahlplastik von A. Veselý] verschiedene nie versiegende Quellen vorhanden, welche ausreichend erscheinen, einen größeren Wasserspiegel zu speisen und dadurch die Schönheit des Stadtgartens wesentlich zu erhöhen". Die Strauß'sche Planung wurde auch insgesamt realisiert.

Das Herzstück des neuen Bochumer Stadtparks wurde - neben dem Restaurationsgebäude, dem späteren „Parkhaus", heute „Gastronomie im Stadtpark" - in der Tat die neue Wasserlandschaft, die ursprünglich aus einem kleinen Teich mit verschiedenen Wasserfällen, einer „cascadenartigen Verbindung", einer Bachlauf-Strecke mit „wildromantischem Charakter" und dem großen Teich bestanden hat. Eine Brücke über den großen Teich, die die Restauration nach der Planung von Anton Strauß mit dem Schützenhof (dort steht heute etwa das Planetarium) verbinden sollte, wurde nicht gebaut.

Der „große Teich" - heute der kleine - wies noch eine Reihe von Extras auf: Ungefähr in der Mitte des etwa 300 Meter langen und bis zu 40 Meter breiten, tropfenförmig gestalteten großen Teichs gab es die „Futterbrücke", einen von einem halbrunden Ruheplatz in den Teich führenden begehbaren Holzsteg, von dem aus man das Wassergeflügel, in erster Linie Schwäne und Enten, füttern konnte. Eine eigene Schwaneninsel im schmaleren Ostteil trug ein prächtiges großes Schwanenhaus aus Holz, mehrere deutlich kleinere Entenhäuser standen am Nordufer des westlichen Teichendes. Und sogar ein Kahn war vorhanden, der offensichtlich unter bestimmten Umständen auch durch Besucher und Gäste genutzt werden konnte. Eine im breiteren Westteil installierte Fontäne wurde von Zeit zu Zeit aus optischen, aber auch aus wasserbiologischen Gründen betrieben. Es war ein eher bescheidener Strahl, der sich aus der Wasserfläche erhob, so hoch, wie es manche retuschierte Ansichtskarte glauben machen will, war der Fontänenstrahl gewiss nicht. - Und im Winter, bei zugefrorenen Teichen, gab es auf dem abgesperrten und sauber gefegten großen Teich - gegen ein geringes Eintrittsentgelt - Eislauf zu den musikalischen Klängen einer kleinen Kapelle.

Einen zweiten Schwerpunkt des Parks bildete das Restaurationsgebäude, welches das vom großen Teich terrassenförmig ansteigende Gelände gleichsam krönte. Entworfen wurde es - wie alle anderen Bauten im damaligen ersten Parkteil - von Hermann Bluth. Es war ein einfacher, holzverschalter eineinhalbgeschossiger Fachwerkbau, der „einen 20 Meter langen, 12 Meter breiten und 8 Meter hohen Saal mit angebautem Orchester" bot, eine Reihe von Neben- und Wirtschaftsräumen und eine acht Räume umfassende Wohnung für den Betreiber der Restauration.

Eingeweiht wurde der Komplex bereits zusammen mit der Park-Eröffnung im Jahr 1878, in den Folgejahren mehrfach erweitert und ausgebaut und schließlich - unmittelbar vor dem 1.Weltkrieg - abgerissen und durch den repräsentativen und attraktiven steinernen Nachfolgebau von Karl Elkart ersetzt.

Terrassen auf mehreren Ebenen, im Souterrain des Parkhauses eine „überwölbte Halle", der sogenannte Biertunnel, großzügige Freitreppenanlagen und ein als achteckiger Holzbau ausgeführter „Musik-Tempel" rundeten die Parkhaus-Anlage ab. Das neue Parkhaus entwickelte sich schnell zur „guten Stube" Bochums, die zusätzlich - zwischen der untersten Terrasse und dem großen Teich - in Gestalt eines „größeren halbkreisförmigen Blumengartens" aufgewertet wurde. Oft stellten die aufwändigen und üppig gestalteten wechselnden Bepflanzungen „vaterländische" Motive wie Kaiserkrone oder Eisernes Kreuz dar, dazu „pflanzte" man Sprüche oder Jahreszahlen zu bestimmten patriotischen Anlässen.

Eine weitere ausgesprochene Hauptattraktion wie Wasserlandschaft oder Restauration wies der Park in seiner ersten Phase nicht auf, wohl aber eine Reihe von Punkten, Anlagen oder Bereichen von einiger Bedeutung. In der Nordostecke des Parks ist das Wohnhaus des Stadtgärtners zu erwähnen sowie die Anlage eines Gewächshauses, eines Stallgebäudes, eines Kompostierungsbereiches und einer Baumschule für die Stadtgärtnerei.

Im Gegensatz zum Parkhauspächter, der „reingehaltene Weine, feine Biere, sowie guten Kaffee zu mäßigen Preisen" anbot, durfte der Parkgärtner in einem 1884 errichteten eingeschossigen Holzanbau seines Wohnhauses, der sogenannten Milchkur-Anstalt (später „Milchschlösschen", „Milchhäuschen", heute „Tierparkrestaurant") „verschiedene Mineralbrunnen" sowie „reine und frische Kuhmilch" offerieren, was begreiflicherweise seitens des Parkhauspächters als Konkurrenz aufgefasst und beklagt wurde.

Im Südosten des Parks - vor der heutigen Lutherkirche - hatte Strauß „eine in stillem Waldkessel befindliche Lichtung als Gehege für Wild" vorgesehen. Unweit davon sollte es einen durch mehrere Baumreihen umstandenen Turn- und Spielplatz für Schauturnen geben, der zu gewissen Zeiten auch als „Tummelplatz für die Jugend" dienen konnte.

An drei Stellen des Parks sollten nach Strauß' Planung Ruheplätze eingerichtet werden: einer unterhalb der Restauration am großen Teich, ein weiterer zwischen Wildgehege und Turnplatz und ein dritter schließlich in der kaum durch Besonderheiten hervortretenden Nordwestecke des Parks.

Als letzte Besonderheit hatte Strauß auf der höchsten Erhebung des damaligen Parks einen runden Platz als „Stelle zu einem Denkmal" eingeplant, an einer Stelle, die heute am Südende des großen Platzes vor dem Bismarckturm (1909/10) zu finden wäre. Ob dort jemals ein Denkmal gestanden hat, ist nicht gewiss. Bekannt aber ist, dass im „Alten Park" 1879 eine Büste Kaiser Wilhelms I. zum Andenken an die Goldene Hochzeit des Kaiserpaares am 11. Juni 1879 aufgestellt wurde. Zwar ist der genaue Standort dieses Kaiser-Wilhelm-Denkmals nicht überliefert, es ist aber möglich, dass es auf besagter „Stelle zu einem Denkmal" postiert war.

Die 1883 in unmittelbarer Nähe des Parkhauses von der Bochumer Turnerschaft errichtete marmorne Jahn-Büste von Wilhelm Gardy gehört ebenfalls der ersten Parkphase an, sie steht glücklicherweise noch unverändert und ohne nennenswerte Schäden an ihrem angestammten Platz. Die der Jahn-Büste gegenüber stehende „Körner-Eiche" - sie erinnert an den in den Freiheitskriegen gegen Napoleon gefallenen Dichter Theodor Körner (1791-1813) - stammt aus dem Bismarck'schen Sachsenwald und wurde am 22. Okt. 1892 gepflanzt, gehört also zeitlich schon in die Phase der ersten Parkerweiterung (1889-1894).

Im „Alten Park" hat es auch - höchst wahrscheinlich in der mit Attraktionen wenig ausgestatteten Nordwestecke - eine Schillerbüste gegeben. Wann und wo sie durch wen aufgestellt, wann und warum sie wieder entfernt wurde und wer ihr Schöpfer war, ist nicht bekannt, weshalb sie auch zur Zeit noch nicht einer der drei Entwicklungsphasen des Stadtparks zugeordnet werden kann.

Von Planung und Realisierung des Parks in der Gründerphase sind noch - in aller Kürze - zu erwähnen das verschlungene, häufig in gefälligen Rundungen gestaltete Wegenetz und der bewusste Wechsel von dichten, dunklen Waldpartien und offenen, hellen Parkbereichen: Ziel war und realisiert wurde eine „kontrastreiche Abfolge" unterschiedlicher „landschaftlicher Szenen" in der Grundkonzeption des „englischen Stils".

Nachtrag

Vor 125 Jahren wurde mit der Anlage des ältesten Teils des Bochumer Stadtparks begonnen, woran in diesem Frühjahr in unserer Stadt durch eine Reihe unterschiedlicher Aktivitäten erinnert werden soll. Kürzlich machte der Stadtpark - nicht wegen seines bevorstehenden Jubiläums - wieder Schlagzeilen: Am Südende des Tierparks, der 1933 auf dem Gelände der ehemaligen Parkgärtnerei entstand, soll in Kürze ein schon seit vielen Jahren geplantes „Parkhotel" mit immerhin 101 Gästezimmern und 5 Suiten entstehen.

So begrüßenswert eine durch dieses „Parkhotel" optimierte Nutzung der „guten Stube Bochums" („Gastronomie im Stadtpark") letztlich ist, so unverzichtbar müssen alle Verantwortlichen garantieren, dass die verbindliche Zusage von Politik, Verwaltung und Investorenseite eingehalten wird, außer dem Areal des ehemaligen Betriebshofs des Grünflächenamtes, auf dem das zukünftige „Parkhotel" entstehen soll, gehe definitiv kein einziger Quadratmeter des Bochumer Stadtparks an Parkfläche verloren.

Eine Erkenntnis muss für alle Beteiligten die oberste Maxime sein: Der Bochumer Stadtpark - diese „Perle von kostbarem Werthe" - lässt sich unter keinen Umständen mehr vergrößern -, verkleinern, „respektive vernichten" lässt er sich leicht, leichter als uns allen lieb sein dürfte ...

In der Hauptsache benutzte Literatur

Erika Schmidt, „Zierde, Vergnügen, gesunde Luft und gute Lehren ..." - Zur Geschichte des Stadtparks in Bochum und anderswo, in: Das Gartenamt, Zeitschrift für Umweltgestaltung, Freiplanung, Grünflächen- und Sportstättenbau, Platzer Verlag Hannover und Berlin, Heft 6, Juni 1982, S. 343-357.

Erika Schmidt, Der Bochumer Stadtpark und sein städtebauliches Umfeld im 19. Jahrhundert - Ein Beitrag zur Revisionvon Werturteilen über den typischen deutschen Stadtpark des 19. Jahrhunderts, 2 Bände, 622 Seiten, Dissertation, Hannover 1988.

Stadt Bochum, Planungsamt/Untere Denkmalbehörde, Denkmalbereichsplanung für das Stadtparkviertel Bochum, Band I und II, ausgeführt durch Planungsbüro Prof. Krause und Partner, 180 Seiten, Dortmund, August 1990.

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