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Bochum als Gauhauptstadt.

Ralph Niewiarra

Städtebauliche Ideen im III. Reich.

Deutschlands jüngste Vergangenheit ist gerade in der letzten Zeit stark in unser Bewußtsein gerückt. Dabei stand das Politische stark im Vordergrund, hingegen wurde der Bereich Architektur/Städtebau gar nicht oder nur wenig beachtet, obwohl die Architektur ein wichtiges Element nationalsozialistischer Selbstdarstellung gewesen ist.

Mit dem Ausbau der Führerstädte (Berlin, Hamburg, München, Nürnberg) sollte eine Demonstration der Stärke und Macht gezeigt werden, die alles bisher Dagewesene in den Schatten stellen sollte. Hitler, der sich selbst als "verkannter Architekt" fühlte, griff immer wieder in Speers Planungen ein. Ab 1938 verfügte Hitler auch den Ausbau von vorläufig 19 Gauhauptstädten; Bochum befand sich nicht darunter. In einem Schreiben vom 19. Februar 1941 erklärt Speer dem Reichsschatzmeister Schwarz, wie sich der Führer den Ausbau vorstellt:

- Die Planungen für die nächsten 20 Jahre (also bis 1961!) sollten zusammengefaßt werden, damit eine einheitliche städtebauliche Wirkung erzielt wird.

- Der Führer wünschte in allen Gauhauptstädten eine einheitliche Konzeption mit einem Gauforum, um das sich Parteigebäude, Gauhalle, Glockenturm und Kundgebungsplatz gruppieren sollten. Zur Inszenierung der Parteiveranstaltungen sollte eine Aufmarschstraße angelegt werden.

In diesem Schreiben meldete Speer noch keine Bochumer Ausbautätigkeit. Doch Bochums Gauleiter Wagner intervenierte bei Hitler und am 16. 5. 1941 verabschiedete der Führer einen Erlaß über städtebauliche Maßnahmen in der Stadt Bochum. Die Bochumer Stadtverwaltung hatte bereits im Dezember 1940 eine "Betrachtung zur Sanierung der Bochumer Innenstadt" erstellt. Grund für diese Betrachtung war der in den 30er Jahren stark angestiegene Autoverkehr. In weitsichtiger Planung wurde der Bau einer Ringstraße vorgeschla-gen, die den Verkehr um die Innenstadt herumleiten sollte; des weiteren sollte die Bochumer Altstadt saniert werden. Der Erlaß des Führers war den Stadtplanern willkommen, da ein Gesetz von 1938 in diesem Fall ein erleichtertes Enteignungsverfahren vorsah. Doch kaum war der Erlaß den Bochumern bekannt, wurde die Stadtverwaltung mit einer Flut von Anfragen Bochumer Bürger bombardiert, ob ihre Wohnung, ihr Geschäft oder ihre Praxis von den Sanierungsmaßnahmen betroffen wäre.

Die Stadtplaner dachten nur an die Beseitigung der baulichen Mißstände, doch Gauleiter Wagner, ganz den nationalsozialistischen Größenwahnvorstellungen verfallen, hatte ganz andere Pläne. Er dachte, ganz nach Hitlers Vorstellungen, an ein Gauforum in gigantischen Formen (125 m lang, 37 m hoch, 80 m breit). Die Entwürfe zeigen die typischen Merkmale nationalsozialistischer Architektur: eine Säulenhalle nach antikem Vorbild, jedoch gepaart mit germanischer Kantigkeit und gewaltiger Kraft, "urwüchsigen Natursteinen und Dimensionen, die den Menschen winzig erscheinen lassen".

Der Standort für diesen Bau sollte an der Königsallee liegen, die als Aufmarschstraße gedacht war. Auch diese Straße sollte den gigantischen Formen angeglichen werden - die Eisenbahnbrücke am Hauptbahnhof (die Brücke am Konrad-Adenauer-Platz), die sogenannte "Mausefalle", sollte auf 44 m erweitert werden. (Voll kleinbürgerlichem Stolz wies man darauf hin, daß eine vergleichbare Brücke in Essen nur 42 m Breite habe.) Ausgangspunkt für die große Aufmarschstraße war das ebenfalls noch zu errichtende HJ-Heim am Stadtpark (auf dem Gelände der heutigen Hildegardisschule). Der Gedanke einer Stadtsanierung wurde völlig dem Wahn einer gigantischen Repräsentationskulisse geopfert.

Dieser Wahn dauerte ein Jahr. Am 2. April 1942 ordnete Hitler die Einstellung aller Tätigkeiten bis nach dem "Endsieg" an - die Kriegslage zwang ihn dazu. Wir sind heute froh, daß unserer Stadt solch ein "Erbe" unseres ehemaligen "Ehrenbürgers" erspart geblieben ist. Nach dem totalen Zusammenbruch waren die Stadtplaner gezwungen, ihre Pläne in größerem Maße zu verwirklichen, als sie es je für möglich gehalten hätten.