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Heimatkunde Bochum Stadt und Land 1900. Eine illustrierte Quelle.

Hans H. Hanke

Das Bild, das Bürgermeister Karl Lange 1886 von Bochum zeichnete, als er die "Wohnverhältnisse der ärmeren Klassen" beschrieb, ist weder das Bild, das im zeitgenössischen Bewußtsein verankert war, noch das Bild, das sich bis heute überliefert hat. Hier liegt eine Quelle vor, die auf andere Art an die Entwicklung Bochums herangeht.

Eine Vielzahl pädagogischer und heimatkundlicher Schriften überflutete um die Jahrhundertwende das Deutsche Reich, und dieser Zeitpunkt war kein Zufall. Die innerdeutsche Völkerwanderung zu den Stätten der Industrialisierung war abgeebbt, man blickte um sich und fragte, wo man denn nun gelandet sei. Und sofern man es sich leisten konnte, begann man, diese Frage schriftlich zu beantworten. Es waren die neuansässigen Bil-dungsbürger, die die integrative Kraft der Geschichte beschwören wollten, um sich heimisch zu machen. Nicht oft wurde dabei so gründliche Arbeit geleistet, wie Darpe es auf 800 Seiten tat. Der Wunsch nach traditionsgebundener Gemeinschaft konnte auch soweit gehen, daß Geschichte schlicht erfunden wurde. Seippels Gründung der Maischützen-Legende ist solch ein Beispiel, und seine dankbare Aufnahme sprach für den vorhan-denen Bedarf.

Jedenfalls wurde das so gewonnene Geschichtsbild an die Schulen weitergereicht, um "bei Lehrern und Schülern Liebe zur Heimat zu wecken und zu fördern und so in ihren Herzen den kräftigen Samen echter Vaterlandsliebe ausstreuen" zu innen. Für das Gesellschaftsbewußtsein leistete Heimatkunde durch Wissensvermittlung, was prachtvolle Neubauten und Parkanlagen durch Anschauung taten: Sie repräsentierte und einte das gewandelte Deutsche Reich.

Die vorliegende Quelle ist einem Handbuch für Lehrer entnommen. Schulinspektor Stein und Rektor Kamp haben es 1900 unter dem Titel "Heimatkunde der Kreise Bochum Stadt und Land, Gelsenkirchen Stadt und Land, Hattingen und Witten" herausgegeben. Ich bringe hier nur wenige auf Bochum Stadt bezogene Auszüge, in denen nach allgemeinen Ausführungen und bauhistorischen Daten "Spaziergänge im Interesse des heimatkundlichen... Unterrichts" von besonderem Interesse sind. Die Abbildungen sind einem undatierten, aber wohl ebenfalls um 1900 erschienenen "Album von Bochum" entnommen.

Beide Quellen ergeben ein wirkungsvolles Bild städtischen Selbstbewußtseins um 1900, das auch auf der Verdrängung unliebsamer Tatsachen aufbaut. So werden den Schulkindern nicht die "Reste der mittelalterlichen Landstadt" vorgeführt, denn sie gelten als Ort "großer Vergnügungssucht und Ausschreitungen aller Art". Ansonsten wird Bochum mit großem Fortschrittsglauben auf der einen und romantischer Naturverklärung auf der anderen Seite betrachtet. Der Text ist die Widerspiegelung des Zwiespaltes zwischen der Trauer um die vom "Moloch Stadt verschlungenen" "schönen, alten Buchenwälder, Bauernhöfe und Adelssitze" und dem Stolz auf die "schwarzen Diamanten", die es ermöglichten, daß der rheinisch-westfälische Industriebezirk - und mit ihm Bochum - in der ganzen Welt bekannt wurde.

Doch hauptsächlich reizt der Text, sich den "vergnügten Kleinen" und ihrem Lehrer anzuschließen und Bochum 1900 in seiner erstaunlichen Mischung aus Industrie und Natur kennenzulernen. Darum werden die im Text angegebenen Orte in den Anmerkungen mit ihrer heutigen genauen oder ungefähren Lage angegeben.

Stein, Kamp: Heimatkunde Bochum Stadt und Land. Der westfälische Industriebezirk.

Die Kreise Gelsenkirchen Stadt und Land, Bochum Stadt und Land, Hattingen, Dortmund Stadt und Land, Hörde, Hagen Stadt und Land, Schwelm sowie die an dieses Gebiet grenzenden Teile der Kreise Hamm, Iserlohn und Altena und der südliche Teil des Kreises Recklinghausen bilden den westfälischen Industriebezirk. An denselben schließt sich im Westen der rheinische Industriebezirk. Beide werden hinsichtlich der Gewerb-thätigkeit nicht voneinander getrennt und sind unter der Bezeichnung rheinisch-westfälischer Industriebezirk in der ganzen Welt bekannt.

Der westfälische Industriebezirk wird in seinem Kernteile kurzweg "die Mark" genannt. Derselbe deckt sich auch im wesentlichen mit der alten Grafschaft Mark.

Die Bevölkerung ist eine sehr dichte und bunt zusammengesetzt. Wohl nirgends ist das Durcheinander der Nationalitäten größer als im Industriebezirk. In den Bergwerken arbeiten Tausende von Polen, in den Steinbrüchen viele Italiener, in den Ziegeleien meistens Wallonen, Lipper und Waldecker, auf den Fabriken zahlreiche Hessen; ferner suchen und finden eine nicht geringe Zahl Ostpreußen, Schlesier, Österreicher u. a. hier Beschäftigung. Infolge dieser gemischten Bevölkerung ist die Verwaltung in den industriellen Kreisen eine sehr schwierige; auch die kirchlichen und Schulverhältnisse werden durch dieselbe sehr erschwert. Die Bevölkerung ist vielfach leichtlebig. Die Vergnügungssucht ist eine große. Ausschreitungen aller Art sind leider an der Tagesordnung. Der Grundsatz: "Wie gewonnen, so zerronnen" hat sich weite Kreise erobert.

Wie der Name sagt, steht der Bezirk im Zeichen der Industrie. Die erste Stelle nimmt der Bergbau ein. Die Eisen- und Stahlfabrikation steht gleichfalls in hoher Blüte. Die "Union" in Dortmund, der "Bochumer Verein" in Bochum, die "Hermannshütte" in Hörde sind Werke, die viele Tausende von Fabrikarbeitern beschäftigen und an Ausdehnung und Produktionsfähigkeit wohl nur von dem Kruppschen Werke in Essen übertroffen werden (letztere beschäftigen insgesamt 41 500 Arbeiter). In den Kreisen Hagen, Schwelm, Iserlohn, Altena steht besonders auch die Kleinindustrie in lebhaftem Schwunge (Fabrikation von Schlittschuhen, Sensen, Feilen, Gabeln, Messern, Näh-, Strick-, Steck-, Haarnadeln, von Stiften, Stahlfedern, Knöpfen, Tintenfässern ec.).

Um die Entwickelung des Verkehrs und die Einführung und Hebung der Industrie in der Mark haben sich in Vergangenheit und Gegenwart u. a. Freiherr vom Stein, Oberpräsident von Vincke, Fritz Harkort, Alfred Krupp, Friedrich Grillo, Louis Baare hochverdient gemacht.

Das veränderte Bild von Stadt und Umgebung.

Die Einwohnerzahl Bochums nahm bei der Ausdehnung der Industrie rasch zu.

Nach Beseitigung der alten fünf Stadtthore wurden neue Straßenfluchten angelegt. Infolge des Wütens der Cholera wurde der Bach, welcher am Beckthor in die Stadt trat, durch einen Kanal in der Richtung der jetzigen Kanalstraße an der Stadt vorbei geleitet. Der Stadtgraben verschwand fast gänzlich, ebenso der Pferdeteich am Beckthor.

Die Krümmede vor dem Beckthore, durch deren Gärten und Kuhweiden der Harpener Weg nach der Vöde zu sich hinzog, machte dem Rheinischen Bahnhofe Platz. Die alten schönen Buchenwälder unweit der Stadt schwanden mehr und mehr. In Trümmer gesunken waren die meisten der alten Adelssitze, welche in reichem Kranze einst die Stadt umgaben. Die Bauernhöfe traten zurück, um ebenfalls der Industrie das Feld zu räumen.

Mächtig wurde Bochum und die ganze Mark von dem wilden Emporschnellen der Industrie in den siebenziger Jahren ergriffen. Unsere Gegend stand ganz im Zeichen der Industrie, völlig neue Verhältnisse traten ein. Das schnelle, ja riesige Anwachsen der Bevölkerung schlug seine Wellen auf alle Gebiete in Stadt und Land. Infolge der Freizügigkeit entstand in den Brennpunkten der Industrie ein buntes Bild der Bevölkerung. Die Bochumer Gegend wurde nicht nur wegen ihrer Industrie und, der Dichtigkeit der Bevölkerung weltbekannt, sondern leider auch verrufen, insbesondere auch wegen mehrerer grausiger Verbrechen. Nach dem "großen Krach" in der Mitte der siebenziger Jahre eine Zeit weiteren Niederganges, dessen schädliche Folgen Gemeinden, Industrielle, Gewerbetreibende und Arbeiter lange kosten mußten, der lähmend auf allen Verhältnissen lag. Seit etwa einem Jahrzehnt aber befindet sich die Stadt Bochum wie die meisten Orte des Industriebezirkes in einer gesunden Entwickelung. Möge unsere Gegend, jene, wo der Märker Eisen reckt, wo die "schwarzen Diamanten" aus dem dunklen Schoß der Erde geholt werden, lange in diesem glücklichen Zeichen stehen!

Der Stadtbezirk Bochum.

Das Stadtgebiet umfaßt eine Fläche von 626 ha und ist zum weitaus größten Teile bebaut. Wenig dicht bebaut und stellenweise ganz unbebaut ist nur der nordöstliche Teil. Die Zahl der Häuser beträgt fast 3 000.

Die Einwohnerzahl Bochums beträgt gegenwärtig 60515 und wird von den westfälischen Städten (insgesamt sind in Westfalen 103 Stadt-, 1498 Landgemeinden und 20 Gutsbezirke) nur noch von Dortmund übertroffen.

Die Mehrzahl der Bewohner sind Industriearbeiter (zumeist Fabrikarbeiter und Bergleute) und Gewer-betreibende. (Im Handelskammerbezirke Bochum leben 70 200 Bergleute und 14600 Fabrikarbeiter). In Bochum selbst wohnen 2000 Bergleute. In den Bergrevieren Bochum-Nord und Bochum-Süd liegen 18 Zechen mit 25 Schächten und einer Belegschaft von 21000 Mann. Die Zahl der Fabrikarbeiter ist sehr groß. Der "Bochumer Verein" beschäftigt allein über 6 000. Geschäfts-(Gewerbe-)treibende zählt das Adreßbuch der Stadt Bochum rund 2600 auf. Die Zahl der Staats-, Gemeinde-, Werks- und sonstigen Beamten ist eine sehr große. [...]

Das heutige Bochum besteht aus zwei leicht zu unterscheidenden Teilen: den Resten der mittelalterlichen Landstadt und einem neuen, ungleich größeren und schöneren Teile, den die Industrie in wenigen Jahrzehnten geschaffen hat. Der ältere Stadtteil, dessen Häuser von Jahr zu Jahr mehr neuzeitlichen Bauten weichen müssen, umschließt von drei Seiten die Probsteikirche und findet im wesentlichen seinen Abschluß in der alten Gra-benstraße und deren Fortsetzungen. Bochum gilt als eine Industrie- und Arbeiterstadt, und die zahlreichen Schornsteinriesen verkünden dem Fremden, der sich Bochum nähert, daß hier Kohle und Eisen heimisch sind. Wer indes die Stadt betritt und in ihrem neuen Teile durchwandert, den werden die geraden, breiten Straßen, die mächtigen Häuserreihen in sauberem Verputz, mit architektonischem Schmuck reich verziert, die großen, glän-zenden Kaufläden, die zahlreichen Hotels und öffentlichen Gebäude gewiß anmuten. Die Stadt zerfällt in zwölf Stadtbezirke. Der den Wilhelmsplatz umgebende Teil bildet die Stadtmitte; außerdem unterscheidet man einen nördlichen, bzw. nordwestlichen, östlichen und südlichen Stadtteil. Den südwestlichen Teil nehmen die großartigen Werke des Bochumer Vereins zum größten Teile ein. Einige Teile des Stadtgebietes führen von alters her besondere Benennungen, die im Volksmunde noch ganz gebräuchlich sind. Auf dem neuen Plan der Stadt Bochum sind verzeichnet:

Große Vöde; Kleine Vöde; An der Grandkuhle; Krümmede; Heidnockent; Lohberg; Griesenbruch; Stahlhausen.

Die Stadt wird von zwei Bächen durchflossen, dem bei der "Wieschenmühle" entspringenden Hofstederbach, der in Bochum in der Richtung der Kanalstraße unterirdisch weiter geleitet wird und bei den Klärteichen am städtischen Schlachthaus vorbei weiter nach Nordwesten fließt, und dem Marbach, der in der Nähe vom Bahnhof Weitmar entsteht, den von Rechen kommenden Dybergsbach aufnimmt und nur den äußersten Südwesten der Stadt berührt. Beide Bäche vereinigen sich, nachdem der Hofstederbach noch den Grummer Bach - die "Grume" - aufgenommen hat, zwischen Marmelshagen und Hordel und fließen als Mühlenbach, dann als kleine Emscher in die Emscher. Der Hofstederbach und der Marbach nehmen das Wasser der Bochumer Straßenkanäle auf und führen es, nachdem es vorher in den Klärteichen geklärt ist, in die Emscher.

Bochum wird von 150 Straßen durchzogen. Dieselben sind bis auf wenige gepflastert und mit Bürgersteigen versehen, ebenso durchweg kanalisiert und beleuchtet. Zu den Gebäuden führen Anschlußröhren (Wasser-, Gasleitung, elektrische Kabel).

Öffentliche freie Plätze sind: der Wilhelmsplatz, der Alte Markt, Moltkemarkt, der Kaiser Friedrich-Platz, der Schwanenmarkt und der Neumarkt. Auf den vier erstgenannten werden abwechselnd Wochenmärkte abgehalten, auf dem Moltkeplatze außerdem die monatlichen Viehmärkte, auf dem Alten Markt einige Krammärkte. Auf dem Wilhelmsplatz steht das Kriegerdenkmal, vor dem Gymnasium das Bismarckdenkmal. Im Stadtpark befinden sich eine Büste Kaiser Wilhelms I. und das Jahndenkmal, errichtet vom Bochumer Turnverein. Das Kriegerdenkmal wurde 1875 zum Andenken an die im französischen Kriege Gefallenen aus Bochum errichtet. Zu dem Bismarckdenkmal wurde am 31. März 1895 zur 80. Geburtstagsfeier des Fürsten Bismarck der Grund-stein gelegt. Der Guß ist aus Kanonenbronce von eroberten französischen Geschützen hergestellt. Die Büste Kaiser Wilhelms I. wurde zum Andenken an die goldene Hochzeit des ersten Kaiserpaares (11. Juni 1879) errichtet. Ein Denkmal Kaiser Wilhelms I. wird vor der Oberrealschule errichtet werden. Auf dem Platze vor dem Kosthause des "Bochumer Vereins" erhebt sich das Baaredenkmal, das am 30. Juni 1899 enthüllt wurde. [...]

Die Stadt Bochum ist reich an öffentlichen Gebäuden.

Staatliche Verwaltungsgebäude.

1. Das Königliche Landgericht. Es wurde 1889 - 1892 im Renaissancestil erbaut und seiner Bestimmung am 1. Oktober 1892 übergeben.

2. Das Königliche Amtsgericht. Auf dem Hofe desselben befindet sich das für 100 Insassen eingerichtete Gerichtsgefängnis.

3. Das Zentralgefängnis in der Vöde. Das Männergefängnis ist für 540, das Weibergefängnis für 41, das Gefängnis für jugendliche Verbrecher für 141 Insassen berechnet. Außerdem sind ein Arbeitshaus, ein Krankenhaus und ein Wirtschaftsgebäude vorhanden.

4. Das Königliche Bezirks-Kommando. Es befindet sich an der Alleestraße.

5. Das Königliche Bezirks-Kommando . Dieses ist in dem früheren Oberrealschulgebäude an der Wittenerstraße untergebracht.

6. Das Reichspostgebäude. Dasselbe, an der Ecke der Allee- und Viktoriastraße belegen, wurde 1880 vollendet. Es enthält das Post- und Telegraphenamt und das Fernsprechvermittlungsamt mit über 600 Anschlüssen. Durch Ankauf der alten Bergschule wird das Gebäude wesentlich vergrößert. Es gehen jährlich ungefähr vier Millionen Briefe ein und ebensoviele ab.

7. Das Landratsamt des Landkreises Bochum steht an der Ecke der Bismarck- und Scharnhorststraße. Das Gebäude ist strenge in dem an niederländische Bauweise anlehnenden Renaissancestil ausgeführt.

8. Die Reichsbank. Der stattliche Neubau steht an der Friedrichstraße.

Kirchliche Gebäude.

1. Die katholische Pfarrkirche ad St. Apostolos Petrum et Paulum, erbaut auf dem Reichshofe Karls des Großen, 1888 vom Papste zur Probsteikirche erhoben, ist die älteste Kirche der Stadt. Mehreremal durch Feuer zerstört, wurde sie zuerst notdürftig wieder aufgerichtet, bis in den Jahren 1873-1876 und 1899 Kirche und Turm die jetzige Gestalt und Schönheit bekamen. [...]

2. Die Marienkirche. Diese, ein stattlicher gotischer Bau, wurde von 1867-1871 erbaut. Die Einweihung erfolgte durch den Bischof Konrad Martin. Die Ausmalung der Kirche hat Maler Goldkuhle ausgeführt; von demselben Meister sind auch die 14 Stationen auf Kupfer und die großen prachtvollen Wandgemälde auf dem Chor der Kirche gemalt worden.

3. Die St. Josephskirche. Sie wurde von 1890-1892 von dem Architekten Wielers in Bochum erbaut. Der Bau ist ein Ziegelbau (Verblendsteine) von nordischem Charakter romanischen Stiles. Die Fassade zeigt zwei Glockentürme, während das Chor von zwei kleinen Türmen flankiert wird. Auf der Vierung der dreischiffigen Basilika erhebt sich eine mächtige Kuppel. Besonders sehenswert sind im Innern die fein durchführte Gliederung der Kuppel und der Ciborien-(Baldachin-)Altar.

4. Die Kloster-(Redemptoristen)kirche. Sie wurde 1869 in den einfachsten Formen des Rundbogenstils erbaut. Die Redemptoristen mußten das Kloster 1873 verlassen und kehrten 1899 in dasselbe zurück.

5. Die Kapelle des St. Elisabeth-Hospitals ist 1847 erbaut worden. [...]

Die Pauluskirche, in der Altstadt gelegen, früher lutherische Kirche genannt, ist 1655 erbaut worden.

7. Die Johanniskirche, gleichfalls in der Altstadt - dem Marktplatz südwestlich gegenüber - gelegen, früher reformierte Kirche genannt, stammt aus dem Jahre 1698.

8. Die Christuskirche wurde 1879 vollendet. Sie ist im frühgotischen Stile ausgeführt. Als Hauptmaterial für alle äußern sichtbaren Teile mit Turmhelm kamen Teutoburgerwaldsandsteine zur Verwendung. Die Kirche hat ein Langschiff, zwei Querschiffe, sowie zwei Seiten- und eine Orgelempore. Die Turmhöhe beträgt 72 m. Als besonderer Schmuck sind zu nennen Kanzel und Altar aus französischem Kalkstein, die drei Chorfenster und die prachtvolle Orgel.

9. Die Synagoge wurde 1861 erbaut. In den letzten Jahren ist sie umgebaut und verschönert worden.

10. Die Baptistenkirche ist auf der Hermannshöhe gelegen.

Städtische Gebäude.

Das Rathaus. Die städtische VerwaSchulgebäude steht an der Wilhelmsstraße.Für den Turnunterricht sind außer der Gymnasial-, Qberrealschul- und der städtischen Turnhalle noch je eine Turnhalle an der Fahrendeller- und Friedensstraße vorhanden.Die Westfälische Bergschule. Diese wurde 1816 als "Märkische Schule" errichtet. Das neue Bergschulgebäude liegt an der Hernerstraße. Es wurde nach einem im öffentlichen Wettbewerb erzielten Projekt (Verfasser die Architekten Brantzky und Remges in Köln) errichtet und Ostern 1899 in Benutzung genomme - Die Amtswohnung des Oberbürgermeisters liegt an der Scharnhorststraße. (Von der elektrischen Uhr des Rathauses aus werden elf elektrische Uhren der Stadt in Bewegung gesetzt.) Das städtische Gymnasium ist 1890-4892 an der Bismarckstraße erbaut worden. Schülerzahl 360. Vor dem Gebäude steht das Bismarckdenkmal.

Die Oberrealschule, ein stattlicher Neubau an Kaiser-Wilhelmstraße, ist zu Beginn des Winterhalbjahres 1898/99 seiner Bestimmung übergeben worden. Schülerzahl 470. Auf dem Platze vor derselben wird das Denkmal Kaiser Wilhelms I. errichtet werden.

Die städtische höhere Mädchenschule liegt in der Humboldtstraße. Ein Neubau wird nordöstlich der städtischen Turnhalle errichtet. Schülerinnenzahl 300.

Die katholische höhere Mädchenschule. Sie liegt an der Augustastraße. Die Schülerinnenzahl beträgt 150.

Kath. Volksschulen. Die Zahl der Schulkinder beträgt 5500, die von 40 Lehrern und 40 Lehrerinnen unterrichtet werden. Die 8 Schulgebäude befinden sich: Auf dem Platze der Probsteikirche, im Weilenbrink, an der ABC-Straße, zwischen Roon- und Spichernstraße, auf der Hermannshöhe, an der Blücherstraße, an der Fahrendeller-straße, an der Josephskirche.

Ev. Volksschulen. Die Zahl der Schulkinder beträgt 4200, die der Lehrer 37, der Lehrerinnen 27. Die 6 Schulgebäude befinden sich: An der Wittenerstraße, an der Mühlenstraße, an der Adolfstraße; in der Trankgasse, an der Castroperstraße und an der Friedensstraße.

Jüd. Volksschulen. Die Zahl der Schulkinder beläuft sich auf 80. Es wirken 2 Lehrer und 1 Lehrerin. Das Schulgebäude steht an der Wilhelmsstraße.

Für den Turnunterricht sind außer der Gymnasial-, Qberrealschul- und der städtischen Turnhalle noch je eine Turnhalle an der Fahrendeller- und Friedensstraße vorhanden.

Die Westfälische Bergschule. Diese wurde 1816 als "Märkische Schule" errichtet. Das neue Bergschulgebäude liegt an der Hernerstraße. Es wurde nach einem im öffentlichen Wettbewerb erzielten Projekt (Verfasser die Architekten Brantzky und Remges in Köln) errichtet und Ostern 1899 in Benutzung genommen.

[Ohne nähere Beschreibung werden aufgezählt: Die kaufmännische Schule, die Fachschule für Bauhandwerker, die gewerbliche Fortbildungsschule, die Fortbildungsschule für weibliche Personen, die Haushaltungsschule. Anm. d. Hgs]

Gemeinnützige Einrichtungen und Wohlthätigkeitsanstalten

1. Augusta-Krankenanstalt. Die Anstalt wurde 1863 gegründet und steht unter dem Protektorate Ihrer Majestät der Kaiserin und Königin. Das jetzige Gebäude - die Anstaltsräume lagen früher im Hause Brückstraße 35 - wurden von 1868-1870 erbaut und 1890 bedeutend erweitert. Die Gesamtzahl der Betten beträgt 200. Die Pflege der Kranken besorgen Kaiserswerther Schwestern. Im Jahre 1897 wurden 2508 Kranke aufgenommen.

2. Das Elisabeth-Hospital wurde 1846 von vier Menschenfreunden, darunter Pfarrer Ekel und Primissar Vierhaus, als Elisabeth-Anstalt gegründet und 1848 eröffnet. Das Protektorat übernahm die Königin Elisabeth von Preußen. Die Anstalt wurde 1867 erweitert, ebenso 1870/71 und erhielt ihre jetzige Ausdehnung 1890. Die Zahl der Betten beträgt 325. Die Pflege der Kranken, deren Zahl 1897 3900 betrug, ruht in den Händen von Barmherzigen Schwestern (Vincentinerinnen).

3. Das Krankenhaus Bergmannsheil wurde von der Knappschafts-Berufsgenossenschaft von 1888 bis 1889 erbaut, in allen Teilen 1895 vollendet. Es liegt unmittelbar an der Grenze des städtischen Weichbildes in der Gemeinde Wiemelhausen. Der Bau hat Raum für 180 Kranke.

4. Städtisches Reserve-Lazareth, in der Nähe der Wittenerstraße belegen. Es wurde 1873 erbaut, damit bei dem Ausbruch einer größeren Epidemie kein Mangel an Raum zur Unterbringung von Kranken entstehe.

5. Das Kaiser-Wilhelm-Augusta-Hospital. Die Errichtung desselben wurde anläßlich der goldenen Hochzeit Kaiser Wilhelms I. und seiner Gemahlin Kaiserin Augusta beschlossen. Im Jahre 1882 wurde der Bau vollendet. Die Anstalt nimmt mittellose, alte, nicht mehr erwerbsfähige Personen und Waisenkinder auf. Im Jahre 1895 waren 27 Männer, 34 Frauen und 49 Kinder in ihr untergebracht.

6. Das katholische St. Vincenz-Waisenhaus dient zur Aufnahme und Pflege von Waisenkindern. In der Anstalt werden gegen 180 Kinder von Barmherzigen Schwestern verpflegt und erzogen. Letztere unterhalten auch eine Kinderbewahr- und Handarbeitsschule.

7. Das Marienstift. Die Barmherzigen Schwestern, die in demselben wirken, widmen sich der ambulanten Krankenpflege, unterhalten eine Kinderbewahr- und Handarbeitsschule, sowie eine Stellenvermittelung für weibliche Personen.

8. Der Vaterländische Frauenverein unterhält eine Kleinkinderbewahrschule in Stahlhausen. Diese steht unter Leitung zweier Lehrerinnen. Mit der Schule ist eine Handarbeitsschule verbunden.

Außerdem bestehen noch eine Reihe katholischer und evangelischer Kleinkinderschulen.

9. Die Baracken für Obdachlose. Dieselben stehen in der Vöde und sind Unterkunftsräume für Familien, die keine Wohnung finden.

10. Der Allgemeine Knappschaftsverein. Das Dienstgebäude des Allgemeinen Knappschaftsvereins befindet sich an der Viktoriastraße. Das Gebäude fällt durch den ionischen Säulenbau am Haupteingange ins Auge. [...]

Die erste städtische Gasanstalt wurde 1856 in Betrieb gesetzt. Die jetzige Gasanstalt wurde 1870 eröffnet. In der Stadt sind 842 Gaslaternen aufgestellt. (1842 brannten 11 Laternen in den Straßen.) Das städtische Wasserwerk wurde 1871 hergestellt und 1882 bedeutend erweitert. Das Werk versorgt nicht nur die Stadt Bochum und den "Bochumer Verein", sondern auch 21 andere Gemeinden mit Wasser. Das Wasser wird 7 km von der Stadt in der Gemeinde Baak aus Brunnen, die durch Filterleitungen verbunden sind, im Ruhrthal erschlossen. Es wird auf der Pumpstation 107 m hoch in zwei Hochbehälter gehoben, die 10000 cbm fassen.

Das alte Elektrizitätswerk lag auf dem Hofe des Rathauses, die neue elektrische Centrale steht an der Spichernstraße.

Städtische Schwimm- und Badeanstalt. Diese wurde 1894 der Benutzung übergeben. Sie enthält ein Schwimmbassin mit 540 cbm Wasser, Wannenbäder, Dampfbäder und Heißluftbäder in der römisch-irischen Abteilung und Brausebäder. Jährlich werden über 150 000 Bäder genommen.

Entwässerungsanlagen. Die städtischen Abwässer werden in zwei Bäche geleitet, die sie zur Emscher leiten.

Städtischer Schlachthof. Dieser wurde 1876 erbaut. Neu angelegt ist ein großes Kühlhaus.

Das Nahrungsmittel-Untersuchungsamt besteht seit 1893 und steht gleichzeitig der Stadt Bochum und den Gemeinden des Landkreises Bochum zur Verfügung.

Feuerlöschwesen. Die freiwillige Feuerwehr trat 1862 ins Leben. Das Gerätehaus steht hinter dem Rathause. 1898 wurden elektrische Feuermelder in der Stadt angelegt.

Der Stadtpark wurde 1875-1877 nach einem Plan des Gartendirektors Strauß aus Köln auf städtischen Grundstücken an der Nordseite der Stadt angelegt. Das Terrain ist mannigfach gegliedert. Den Abschluß des von dem Teich terrassenförmig aufsteigenden Geländes bildet das Restaurationsgebäude. In den Jahren 1890-1894 ist der ursprüng1ich 12 ha große Park durch die im Norden angrenzenden Grundstücke um 6,5 ha erweitert worden. Dieser neue Teil, der sich zu einem waldartigen Naturpark auswachsen soll, ist mit Buchen, Eschen, Ahorn, Linden u. s. w. bepflanzt worden.

Die Friedhöfe. Der alte Friedhof hat eine Größe von 6 ha, der neue von 9 ha. [...]

Verkehrswesen.

Die wichtigsten Verkehrsanstalten sind das Postamt, die Reichsbank, die Eisenbahnen und elektrischen Straßenbahnen.

Bochum hat vier Bahnhöfe: Bochum-Süd, Bochum-Nord, Gußstahlfabrik und Präsident. Folgende Eisenbahnstrecken berühren Bochum als Station: Essen-Dortmund B.M. und rh., Bochum-Wattenscheid-Essen; Bochum-Wanne; Bochum-Weitmar.

Die Centrale für den elektrischen Straßenbahnbetrieb befindet sich in dem früheren städtischen Viehhofe.

Folgende Strecken der elektrischen Straßenbahn gehen von Bochum aus: Bochum-Herne (mit Anschluß an Herne-Recklinghausen), Bochum-Wanne (mit Anschluß an Wanne-Gelsenkirchen-Wattenscheid), Bochum-Wattenscheid (mit Anschluß an Wattenscheid-Gelsenkirchen), Bochum-Weitmar, Bochum-Laer. Weitere Strecken sind geplant.

Weiter dienen dem Verkehr folgende Provinzialstraßen: Bochum-Dorsten; Bochum-Steele-Essen; Bochum-Witten-Hörde; Bochum-Hattingen-Elberfeld; Bochum-Recklinghausen-Haltern.

Kariolposten fahren noch nach Grumme-Harpen, Altenbochum-Laer-Wiemelhausen, Weitmar-Linden, Bärendorf, Hamme-Marmelshagen-Eickel.

Gang von Bochum nach Grumme.

Wir gehen von der Vödestraße (elektrische Centrale) an den Klärteichen vorbei den in nördlicher Richtung fließenden Hofsteder Bach entlang. Wir kommen an die Bulxmühle. Hier mündet die Grume (Grummer Bach) in den Hofsteder Bach. Wir steigen am Ufer des Baches hinauf. Wir sehen aus ihm einen Graben zur Zeche Konstantin geleitet. Man benutzt sein Wasser zur Speisung der Dampfkessel, weil das Grubenwasser sehr salpeterhaltig ist und leicht Kesselstein absetzt. Die Grume umfließt die Halde der Zeche; diese bildet einen steilen Berg ohne Spitze, dessen Abhang kahl ist und dessen Fuß der Grummer Bach berührt. Der weitere Weg führt an zwei Bauernhöfen vorbei. (Bußmanns und Vierhaus Hof.) Man sieht, wie das Land nach Osten hin sich hügelig erhebt. Am Horizonte liegt das Wilhelm-Augusta-Hospital. Vor der Mühle liegt ein Teich. Zu beiden Seiten des Grummer Baches breitet sich ein Thal aus.

Wir gehen nach Norden einen steilen Weg hinauf.. (Verlängerung des Weges, der von Bochum kommt.) Wir kommen auf einen Fußweg, der uns nach Westen (am Mühlenbach vorbei) auf die Herner Chaussee führen würde. (Bei dem Feuerwehrturm in Hofstede.) Gehen wir noch höher in nördlicher Richtung, so kommen wir zum Tippelsberge. Der Weg, der von hier zur Herner Chaussee geht und beim Wirt Schipper mündet, heißt Bergstraße. Vom Tippelsberg aus haben wir eine prächtige Aussicht. Steigen wir den Tippelsberg hinab, so kommen wir an seinem Fuße in ein Seitenthal (den Prattwinkel). Hier sind mehrere Quellen nahe am Wege. Die Quelle an der Ostseite des Thales in Dördelmanns Wiese ist in einem Bassin aufgefangen. Von diesem aus wird das Wasser in Röhren in die Häuser am Eingange zum Prattwinkel, in die Mühle und die Halsstricksche Schmiedes geleitet. (Wasserleitung ohne Maschinen.) Dem Prattwinkel gegenüber liegen die Bauernhöfe Blomberg und Höhne. Letzterer liegt am Eingange zur "Aalebecke", einem flachen WiesenthaL Auch hier befindet sich eine ähnliche, nur von Höhne benutzte Wasserleitung. Der Prattwinkel wird nach Osten hin vom "Kirchenbusch" begrenzt. (Die Kötter auf dieser Anhöhe mußten in früherer Zeit an die evangelische Kirche in Eickel Erbpacht zahlen.) Östlich vom Kirchenbusch liegt ein zweites Seitenthal - ebenfalls am rechten Ufer des Baches - "Kötterberg" genannt. In diesem zweiten Thale sind mehrere und stärkere, auch leicht zugängliche Quellen zu sehen. Die stärkste Quelle am "Kötterberg" ist ebenfalls aufgefangen und sendet ihr Wasser u. a. in die Grummer Kirche. Zu letzterer begeben wir uns, und nun sind wir auf der linken Seite des Grummer Baches. (Steg, Brücke.) Auf dieser Seite liegen drei Seitenthäler. Das erste (Deinsloch) führt zur Parallelstraße und dem Schacht III der Zeche Konstantin. Die Liboristraße durchzieht das Thal; auf ihrer Höhe, der Aalebecke zu, liegt der Grummer Kirchhof. Das zweite Thal ist sehr flach; es ist das Thal der Schmalebecke und führt nach der Rottmannschen Ziegelei und der Castroperstraße. Das dritte Thal führt nach dem Rottmannschen Hofe. Wenden wir ins hier dem östlichen Ende des Grummer Thales - Längsthal - zu, so finden wir einen kleinen Teich. Ungefähr 50 Schritt oberhalb desselben nach Nordosten zu ist die Quelle der Grume. (In der Nähe des Hofes Benking, genannt Grümer.)

Gang durch die Stadt Bochum in ihre Umgebung.

Unsere Schule liegt im nördlichen Stadtteil; wir wandern nun durch die Fahrendeller-, Blücher-, Maltheser-, Humboldtstraße  in den südlichen Stadtteil. Alle diese Straßen haben die südliche der südöstliche Richtung. Auf diesem Wege sehen wir an öffentlichen Gebäuden die Josephskirche, Josephsschule, Christuskirche, das Rathaus, die Post, das Landgericht, die A-B-C-Schule, Marienkirche östlich von uns; das Waisenhaus, die Klo-sterkirche, den Bahnhof Gußstahlfabrik, die Städtische höhere Mädchenschule, das Marienstift westlich von uns. Bei der Marienkirche schlagen wir eine andere Richtung ein; wir gehen jetzt nach Südwesten durch das Griesenbruch. Auf dem Moltkeplatz stellen wir Vergleiche mit den anderen schon bekannten freien Plätzen der Stadt, mit dem Friedrichs- und dem Wilhelmsplatze, an. Die meisten Kinder erinnern sich, daß sie schon mit ihren Eltern zur Zeit der Kirmeß hier gewesen sind (Frühjahrskirmeß). Auch wissen mehrere, daß die Eltern hier junge Schweine oder Kühe gekauft haben (Viehmarkt alle zwei Monate). Auf dem Moltkeplatz steht der Übungsturm der Feuerwehr. Seine Bedeutung wird erklärt. Den Kindern ist der Unterschied zwischen dem Übungs- und dem Feuersignal schon aufgefallen. Nach einigen Schritten stehen wir vor dem Kosthaus des Bochumer Vereins. Es ist den meisten unter dem Namen Kaserne bekannt. Der Zweck desselben ist den Kindern schon vorher klar gemacht worden, auch wissen sie, daß auf dem freien Platze dem Gründer des Bochumer Vereins, Geheimen Kommerzienrat Louis Baare, ein Denkmal gesetzt ist.

Von den frischen Rasenflächen und den herrlichen Blumenbeeten sind die Kinder ganz entzückt, die Einfriedigung belehrt sie aber gleich, daß sie dem Drange des Herzens, Blumen zu pflücken und auf dem Rasen zu spielen, nicht nachgeben dürfen. (Schutz öffentlicher Anlagen.) Das Denkmal wird betrachtet. Der Fuß (Sockel) ist aus einem glänzend polierten Steine (Granit aus Schweden), die Figur aus Bronze hergestellt. (Vergleich mit dem Bismarckdenkmal.) Größere Kinder können auf die Zahnradbahn hinter dem Kosthause aufmerksam gemacht werden.

Das Gebiet, welches jetzt durchwandert wird, gehört ganz zur Gußstahlfabrik. Wir kommen vorbei an den schönen Wohnungen der Beamten, an den freundlichen Häusern der Arbeiter. Die Baarestraße führt uns mitten durch Stahlhausen. Die Kinder bewundern die schattigen Alleen, die hübschen Gärten. Man sagt ihnen, daß nur fleißige und ordentliche Fabrikarbeiter hier wohnen dürfen, daß namentlich die Frauen alles sauber haben müs-sen. Von der Kohlenstraße an gehen wir in südlicher Richtung und sind bald in der Feldflur. (Größeren Kindern wird die frühere Bedeutung der Kohlenstraße erklärt.) Getreide- und Kartoffelfelder wechseln miteinander ab. Die Kinder beobachten die beschäftigten Landleute. Wird der Spaziergang Ende Juli ausgeführt, so können wir über Stoppelfelder gehen; die Roggenernte hat begonnen; die Kartoffeln sind behäufelt; an Spätkartoffeln sieht man noch die Blüte; an Frühkartoffeln schon die kleinen Früchte; einzelne Frauen graben Kartoffeln und zeigen den Kindern gerne den unterirdischen Stengel mit Knollen von verschiedener Dicke.

Plötzlich stehen wir an einer Wegescheid. Am lohnendsten ist es, die Richtung nach rechts einzuschlagen; denn nach wenigen Schritten sehen wir schon den Marbach vor uns fließen.

An der linken Seite des Baches führt uns der Weg weiter über einen kleinen Bauernhof, auf dem die Ackergeräte, Egge, Walze, Pflug von den Kindern in Augenschein genommen werden können.

Bald gelangen wir zu einem hohen Eisenbahndamme. Das Durchschreiten des Viaduktes macht den Kleinen ein besonderes Vergnügen, und das schwere Fremdwort prägt sich ihnen spielend ein. Jetzt nimmt uns Krawinkels "Busch" in seinen kühlen Schatten. Im Juni kann von hier aus die Heuernte beobachtet werden. Interessanter aber ist der Weg gleich nach derselben, denn hinter der ersten Wiese liegt ein ziemlich ausgedehnter Sumpf, der nur durch die Wiese erreicht werden kann. Die Sumpfpflanzen: Schwertlilie, Froschlöffel, Weiderich, Sumpfziest, Wasserminze, Binse sind den Kindern ganz neue Erscheinungen, ebenso die Farren, die man in großer Menge, und die reifen Himbeeren, die man zwar nur vereinzelt im Busche findet; auch Waldbeersträucher und Moos bedecken den Boden. Von dem Waldwege aus zieht sich nach links eine kleine Schlucht. Die Seitenwände derselben sind durchaus nicht hoch und steil, erregen aber dennoch das Erstaunen und die Bewunderung der Kinder. Der Hügel ist bewaldet und veranschaulicht den Kindern den Begriff - Hochwald, Laubwald. Zwar Unterholz, wie Haselstaude, Holunder, Geißblatt, Himbeere, Brombeere findet sich nicht auf dem Hügel, jedoch an anderen Stellen des Busches. Eichen und Buchen dagegen können hier betrachtet, Blätter und Krone und Rinde derselben verglichen werden.

Der Waldweg mündet auf die Hattinger Chaussee. Vor uns liegt Bergmannsheil. (Bedeutung desselben, seine gesunde Lage.) In südlicher Richtung von uns sehen wir die Türme von Weitmar, in nordöstlicher Rechen, zur Gemeinde Wiemelhausen gehörend, das verfallene Schloß und die Waldungen von Rechen; wir aber schlagen die nördliche Richtung ein und gelangen durch Ehrenfeld, die Friedrich-, Hoch-, Bongard- und Mühlenstraße wieder bei unserer Schule an.

Wir haben bei diesem Rückweg durch die Stadt noch Gelegenheit, den Bahnhof Bochum-Süd, die Reichsbank, die Synagoge, den Wilhelmsplatz, das Amtsgericht, die Post, das Rathaus, die katholische höhere Mädchenschule, das evangelische Vereinshaus und die Schule in der Mühlenstraße anzusehen.

Ein Ausflug nach Blankenstein.

"Blankenstein ist mit Arnsberg und Hohensyburg der Ruhrufer schönster Punkt" heißt es im "Malerischen und romantischen Westfalen", was jeder Fremde gewiß zugeben wird. Wir suchen zuerst Gethmanns Garten auf. Der Eingang liegt am westlichen Ende der Stadt. Mehrere mit Blumenbeeten geschmückte Terrassen bilden den Zugang zu dem Höhenrücken der Anlage, der sich im Norden der Stadt ihrer ganzen Länge nach von Westen nach Osten hinzieht. Der Mittelweg ist umgeben von mannigfaltigen Baum- und Blumenpartien. Er hat an seinem westlichen Ende einen erhöhten Umschauplatz, der das Thal abwärts bis über Hattingen hinaus und zum Isenberge beherrscht. In der Mitte des Weges und am östlichen Abhange sind andere Ruheplätze, von denen man die Stadt und die Burg überschaut. Folgt man den im Osten sich bergab windenden Wegen weiter, so gelangt man zuerst auf einen Punkt, wo die Burg, ungefähr in gleicher Höhe mit unserem Auge, eine sehr imposante Ansicht darbietet; links durch das Gebüsch geht der Pfad zu einem von hohen Bäumen beschatteten Platze mit der Büste des Königs Friedrich Wilhelm IV., dann wieder westwärts zu einer Ruhestelle, wo man den rauschenden Fluß tief unter sich hat. Weithin folgt das Auge dem schlängelnden Laufe der Ruhr. Die Berge umher sind reich bewaldet oder bebaut, dazwischen saftige Wiesengründe, im Flusse selbst die schäumenden Wehren der tosenden Stahlhämmer. Durch das Gebüsch weiter gehend, gelangt man wieder auf den Hauptweg. Es wird wohl nicht leicht einen Besucher geben, der nicht irgend einen der schönen Punkte zum zweiten Male aufsuchte und, auf der Ruhebank sitzend, sich der Betrachtung der zerfallenen Denkmale vergangener Menschenherrlichkeit und in die Schönheit der ewig jungen Natur versenkte.

Wir gehen nun durch das ganze Städtchen von Westen nach Osten zur Burg. Nur die Umfassungsmauern und der große Turm sind von dem Baue der alten Grafen noch übrig. Der jetzige Besitzer hat hier oben eine Eisengarnfabrik errichtet; in dem alten Turme steht die Dampfmaschine. Der neue Herr hat aber die Gebäude nicht in dem nüchternen Fabrikstil, sondern so ziemlich burgmäßig hergestellt. In dem Haupthause ist ein prächtiger Saal; da steht in einer Nische eine eiserne Ritterrüstung, und durch die hohen Fenster lacht die wun-dervolle Landschaft des Ruhrthales herein.