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Lebens- und Wohnqualität in Bochum. Die Öffentlichkeitsarbeit der Stadt seit 1945.

Martina Wittkopp, Jürgen Beine

In einem zu Beginn der 1980er Jahre von dem Amt für Verkehrs- und Wirtschaftsförderung der stadt Bochum herausgegebenen Bildband, der von A. Wolf in Zusammenarbeit mit einer Werbeagentur erstellt wurde und unter dem Titel "Bochum - Beiträge zur Zeitgeschichte" erschienen ist, wird im Vorwort von Oberbürgermeister Eikelbeck und Oberstadtdirektor Jahofer Bochum als eine "bedeutende Stadt" gewürdigt und insbesondere in diesem Zusammenhang auf die in der Stadt vorhandenen "Voraussetzungen für hohe Lebensqualität" hingewiesen. Demgegenüber betonen die Verfasser einer im Jahre 1984 publizierten Studie über die Folgen der tiefgreifenden ökonomischen Krise auf die soziale Lage breiter Bochumer Bevölkerungsschichten, daß "schwerwiegende Arbeitsplatzverluste, steigende Massenarbeitslosigkeit, zunehmende Verarmung breiterer Bevölkerungsschichten einerseits, erhöhte Belastung der Beschäftigten durch den Einsatz neuer Technologien, Arbeitsintensivierung und Angst um den Arbeitsplatz andererseits... die Wirklichkeit der Lebensverhältnisse in Bochum" prägen. Ist es nicht gerade zynisch, wenn angesichts der sich seit dem Ende der 1970er Jahre verschärfenden gesellschaftlichen Probleme in Bochum, die vor allem für breite Arbeitnehmerschichten mit starken Einbußen an Lebensqualität verbunden sind, behauptet wird, die Stadt biete "Voraussetzungen für eine hohe Lebensqualität"?

Die Ziele, die die Stadt Bochum mit der Darstellung ihrer Lebens- und Wohnqualität in den von ihr herausgegebenen Büchern und Broschüren verfolgt, sind abhängig von sozialökonomischen und politischen Entwicklungen, gleichzeitig aber auch ein struktureller Bestandteil der Bochumer Kommunalpolitik und somit selber ein Indikator für gesellschaftliche Veränderungen. Da wir die von der Stadt herausgegebenen Bücher und Broschüren als ein Element ihrer durch politische und ökonomische Motive gekennzeichneten Öffentlichkeitsarbeit verstehen, sollen zunächst strukturelle Gesichtspunkte der Entwicklung der Bochumer Öffentlichkeitsarbeit analysiert werden. Dabei gehen wir von der Voraussetzung aus, daß Öffentlichkeitsarbeit unter bestimmten kommunikativen Bedingungen durchaus "einen produktiven Beitrag zum sozialen Wandel und zur Entwicklung der pluralistischen Demokratie leisten" kann und nicht in der Legitimation eigener Leistungen aufzugehen braucht. Unter Berücksichtigung von sozioökonomischen Veränderungen in der Bochumer Nachkriegszeit wird in einem zweiten Abschnitt anschließend die Lebens- und Wohnqualität unter drei Gesichtspunkten analysiert. Neben der Darstellung der Qualität der Bochumer Wirtschaft und der Wohn- und Freizeitqualität Bochums wird anhand der Bücher und Broschüren die Frage untersucht, wie in ihnen der Einfluß kommunalpolitischer Maßnahmen auf die Entwicklung der sozialökonomischen und kulturellen Verfassung der Stadt und damit auf die Lebensqualität dargestellt wird. In einem zusammenfassenden letzten Abschnitt soll die Frage untersucht werden, inwieweit die in der Öffentlichkeitsarbeit der Stadt Bochum vermittelten Identitätsmuster "glaubwürdig" sind. Dabei wurde insbesondere auch auf ideologiekritische Argumente, die im Rahmen der Soziologie vor allem von J. Habermans vorgebracht wurden, einzugehen sein.

Obgleich es nicht gerade an Versuchen mangelt, den Begriff "Öffentlichkeitsarbeit" in seinen vielfältigen Dimensionen zu beschreiben und inhaltlich zu präzisieren, so ist dennoch bislang keine historisch-soziologische Theorie der Öffentlichkeitsarbeit entwickelt worden, auf die im Rahmen einer empirischen Analyse der Entwicklung der Bochumer Öffentlichkeitsarbeit zurückgegriffen werden könnte. So wird z.B. "noch in einer neueren, interdisziplinär angelegten Studie betont, daß sich ihrer Identität befinde" und die "wissenschaftliche Erforschung der Öffentlichkeitsarbeit empirisch und theoretisch noch in den Anfängen stecke".

Angesichts der Frage, welche Handlungszusammenhänge die Bochumer Öffentlichkeitsarbeit ausmachen und charakterisieren, wäre es zweifelsohne reizvoll gewesen, sich mit der frappierenden Mannigfaltigkeit an Definitionsversuchen auseinanderzusetzen. Obwohl diese Arbeit hier nicht geleistet werden kann, entbindet es uns nicht von der Notwendigkeit, strukturelle Bestandteile der Öffentlichkeitsarbeit einer Kommune zu benennen und für eine empirische Untersuchung zu präzisieren.

Unter kommunaler Öffentlichkeitsarbeit wird im folgenden das gezielte Bemühen einer Stadtverwaltung verstanden, Teilöffentlichkeiten der Gesellschaft durch den Einsatz bestimmter Techniken über Ausschnitte der städtischen Lebenswirklichkeit zu "unterrichten". Dabei stehen die Ziele kommunaler Öffentlichkeitsarbeit in einem mehrdimensionalen Interessengeflecht. Die politisch motivierte Öffentlichkeitsarbeit beruht auf der Idee einer "bürgernahen Verwaltung". Sie richtet sich deshalb vor allem an bestimmte Interessengruppen des Stadtbürgerpublikums. Demgegenüber begründet sich die ökonomisch motivierte Öffentlichkeitsarbeit vor allem auf der Vorstellung, die wirtschaftlichen Potentiale einer Stadt und damit indirekt auch die finanzielle Stiruation des städtischen Haushaltes zu verbessern. Diese Form der Öffentlichkeitsarbeit, die von Public-Relationsfach als Imagearbeit bezeichnet wird, richtet sich insbesondere an Wirtschaftsunternehmen, Zuzügler und an mögliche potenielle Besucher der Stadt. Die von ökonomischen Interessen geleitete Öffentlichkeitsarbeit ist so ein integraler Bestandteil der Andiedlungspolitik und der Fremdenverkehrsförderung der Kommunen.

Weil die Städte eine breite, schier ausufernde Oszillationsskala an technischen Möglichkeiten anwenden, um gesellschaftliche Teilöffentlichkeiten adäquat anzusprechen, ist es allein schon aus arbeitsökonomischen Gründen notwendig, sich auf eine in der Bochumer Öffentlichkeitsarbeit praktizierte Technik zu beschränken: die Herstellung und Verbreitung von Büchern und Broschüren. Auf andere Techniken der Bochumer Öffetnlichkeitsarbeit wird nur dann rekurriert, wenn sie in einem unmittelbaren Zusammenhang mit der Herstellung und Verbreitung von Büchern und Broschüren stehen.

Obwohl es detaillierte Untersuchungen zu den gesellschaftspolitische Grundlagen und Funktionen von Öffentlichkeitsarbeit gibt, existieren bislang keine umfassenden historisch-empirischen Studien über die Entwicklungsstadien moderner kommunaler Öffentlichkeitsarbeit. Abgesehen von theoriegeleiteten Überlegungen zum Problem der kommunalen Öffentlichkeitsarbeit, ist - soweit erkennbar - die Studie von F. Landwehrmann die einzige umfassende empirische Untersuchung über Grundprobleme der kommunalen Öffentlichkeitsarbeit. Dieser vom Siedlungsverband Ruhrkohlenbezirk in Auftrag gegebenen Untersuchung liegen als Untersuchungsmaterial insbesondere die von den Ruhrgebietsstädten herausgegebenen Broschüren zugrunde. Dabei ist die vorwiegend quantifizierende Auswertung des Quellenmaterials von dem erkenntnisleitenden Interesse geprägt, die Struktur und Funktion kommunaler Öffentlichkeitsarbeit differenziert nach Zielgruppen zu analysieren und darzustellen. Da jedoch die Landwehrmann-Studie auf der Analyse der zu einem bestimmten Zeitpunkt verfügbaren Broschüren basiert, werden historische Dimensionen der kommunalen Öffentlichkeitsarbeit von Ruhrgebietsstädten kaum berücksichtigt, was abgesehen von der Materialfülle wahrscheinlich im Zusammenhang mit dem Interesse steht, Grundprobleme der kommunalen Öffentlichkeitsarbeit von Ruhrgebietsstädten vergleichend darzustellen.

Die Aufgabe, gesellschaftliche Teilöffentlichkeiten über Ausschnitte der Bochumer Lebenswirklichkeit zu "unterrichten", wird im Rahmen der Bochumer Stadtverwaltung vor allem von dem Presse- und Informationsamt und dem Amt für Verkehrs- und Wirtschaftsförderung wahrgenommen. Damit soll jedoch keineswegs verkannt werden, daß auch andere Ämter bzw. andere städtische Einrichtungen in das Geflecht der Bochumer Öffentlichkeitsarbeit integriert sind.

In der Nachkriegszeit ist die Verwaltungsinterne Struktur der Bochumer Öffentlichkeitsarbeit neu organisiert worden. So wurde die 1925 begründete, dem Hauptamt angegliederte "Verkehrs- und Nachrichtenstelle", die insbesondere für die "zentrale Bearbeitung des gesamten Pressewesens" zuständig war und im Jahre 1938 in "Verkehrs- und Werbestelle" umbenannt werden mußte, im Jahre 1947 unter der Bezeichnung "Presseamt" eine selbständige Dienststelle. Diese wurde "dem Oberstadtdirektor... direkt unterstellt" und von dem Stadtinspektor A. Lassek geleitet. Zu den Dienstobliegenheiten des neubegründeten Amtes gehörte neben der "Nachrichtengebung" und dem "inneren Berichtdienst" die Übernahme von "Sonderaufgaben", zu denen insbesondere der "literarische Dienst" und die "Stadtwerbung" zählten. Damit fiel nicht nur die "Bearbeitung der publizistischen Veröffentlichungen über Bochum und über städtischen Einrichtungen" in den Zuständigkeitsbereich des Presseamtes, sondern auch die für die Stadtwerbung relevante Gestaltung "stadteigener Drucksachen". So wurde z.B. schon 1947 anläßlich der "Kunstausstellung ,Der Bergmann und sein Werk' ein bebildertes Erinnerungswerk herausgegeben".

Neben der Neubegründung des Presseamtes 1947 wurde im selben Jahr eine dem Hauptamt angegliederte "Abteilung für Wirtschaftsförderung" gebildet. Diese hatte ökonomische Interessen der Stadt Bochum zu verfolgen, war doch ihre Aufgabe, "für die Ansiedlung neuer Betriebe in den durch Kriegszerstörung und Demontagen leerstehenden Werkhallen der ehemaligen Bochumer Firmen zu sorgen" um somit das Ziel der "Förderung der Bochumer Wirtschaft auf allen Gebieten" zu erreichen. Aus der Erkenntnis heraus, daß eine gezielte Wirtschaftsförderung nur im Zusammenhang mit einer stärkeren Verkehrsförderung möglich ist, wurde dann am 1. 7. 1950 das "Amt für Verkehrs- und Wirtschaftsförderung" als selbständige Dienststelle geschaffen. Gemäß der Dienstanweisung vom 19. Juni 1950 hatte das Amt deshalb neben wirtschaftsfördernden Aufgaben vor allem auch die Verkehrsförderung zu übernehmen. Die Stadtwerbung, zu der z. B. die "Heranziehung, Durchführung und Unterstützung von Tagungen und Kongressen" gehörte, wurde damit als Teil der Verkehrsförderung diesem Amt übertragen, wobei die "eigentliche Stadtwerbung in Wort, Schrift und Bild jedoch weiterhin beim Presseamt verblieb. Im Jahre 1953 ist dann durch eine Verfügung des Oberstadtdirektors auch die "literarische Stadtwerbung" dem Amt für Verkehrs- und Wirtschaftsförderung übertragen worden Obwohl die Aufgabe, die Bochumer Wirtschafts- und Finanzlage zu verbessern, primär von dem Amt für Verkehrs- und Wirtschaftsförderung seit Beginn der 1950er Jahre wahrgenommen wurde, versuchte jedoch auch das Presseamt in der Phase zu Ende der 1940er und zu Beginn der 1950er Jahre im Rahmen seines "Sonderaufgabengebietes" der literarischen Stadtwerbung, z. B. durch einen bebilderten Sonderprospekt (Auflage 250 000 Exemplare), der 1949 in den Nachbarstädten verteilt wurde oder durch "stadtwerbende Aufsätze und Bilder" u. a. in Reisezeitschriften, potentielle Kunden zum Einkauf bzw. Auswärtige zu einem Besuch in Bochum zu bewegen. In diesem Zusammenhang ist auch die von A. Lassek mitgestaltete Monographie "Bochumer Skizzen" zu nennen, die im Jahre 1949 publiziert und vor allem auch als "besondere Geschenkgabe der Stadt" verteilt wurde. Daß die finanzielle Grundlage dieser Öffentlichkeitsarbeit äußerst dürftig war, ist schon allein daraus ersichtlich, daß im Haushalt der Stadt Bochum kein besonderer Posten für die "kommunalpolitische Publizistik" vorhanden war.

Während mit der Neubegründung des Presseamtes im Jahre 1947 in neuer Form an eine Tradition aus den 1920er Jahren angeknüpft wird, zeigt sich in der Begründung des Amtes für Verkehrs- und Wirtschaftsförderung eine neue Dimension Bochumer Kommunalpolitik. Auf dem Hintergrund der durch Kriegszerstörung und Demontage bedingten Zerrüttung der Bochumer Wirtschaft, der Abwanderung des Bergbaus nach Norden und der strukturellen Krisenanfälligkeit der Bochumer Wirtschaft verfolgte dieses Amt das ökonomische und finanzpolitische Interesse der Stadt, durch gezielte Maßnahmen die Wirtschaftsstruktur Bochums zu verbessern, um damit gleichzeitig "die Steuer- und Finanzkraft der Stadt" ~‚ zu heben. Dennoch blieb in der Übergangsphase zwischen dem Kriegsende und dem verstärkt einsetzenden Wirtschaftswachstum in den 1950er Jahren die "literarische Stadtwerbung" primär beim Presseamt, wobei jedoch dieser Aufgabenbereich, laut Verwaltungsbericht 1948--1952 und der Dienstanweisung von 1950, auch schon vom Amt für Verkehrs- und Wirtschaftsförderung in Angriff genommen worden war.

Zwischen 1953 und dem Ende der 1960er Jahre war die "Stadtwerbung" und damit gleichzeitig auch die "literarische Stadtwerbung" voll in dem Arbeitsbereich des Amtes für Verkehrs- und Wirtschaftsförderung verankert. Nachdem somit die Aufgabe, für die Stadt zu werben, an dieses Amt übergegangen war, konzentrierte sich die Arbeit des Presseamtes bis zum Jahre 1969 auf die "Unterrichtung der Verwaltung und Öffentlichkeit", die Zusammenarbeit mit Presse, Rundfunk und Fernsehen, den Ausbau des "Bildarchives" und die "kommunalpolitische Publizistik".

Zum Zweck der "Aufklärung der Bürgerschaft"(!) produzierte das Presseamt erstmals im Jahre 1953 die "Bochumer Jahresschau". Das Presseamt beschritt mit der Herstellung dieses Filmes, in dem die "Verwaltung gegenüber der Stadtverordnetenversammlung und ... gegenüber der Bürgerschaft in Bild und Ton Rechenschaft über ihre Tätigkeit im abgelaufenen Kalenderjahr ablegte", "neue Wege auf dem Gebiet der kommunalpolitischen Publizistik" Die "Bochumer Jahresschau", die seit 1981 unter dem Titel "Bochumer Themen" gezeigt wird, ist bis in die Gegenwart ein fester Bestandteil der Öffentlichkeitsarbeit des Presseamtes geblieben.

Neben den obligatorischen Aufgaben des Presseamtes war zwischen 1953 und 1967 die Arbeit im Rahmen der kommunalpolitischen Publizistik" - Den Verwaltungsberichten dieser Zeit zufolge - zum einen durch die Herstellung weiterer Filme bzw. Farbdia-Serien gekennzeichnet und zum anderen durch die Herausgabe einer Stadtillustrierte (1956) mit dem Titel "Vier Jahre Bochumer Kommunalpolitik 1952/56" und durch die Herausgabe der Rechenschaftsberichte der Stadtverordnetenversammlung 1956 bis 1960 bzw. 1960 bis 1964.

Bis zum Jahre 1968 waren die in den Verwaltungshaushalten der Stadt Bochum ausgewiesenen Kosten für die "kommunalpolitische Publizistik" des Presseamtes -- seit 1964 unter dem Begriff "Öffentlichkeitsarbeit" subsumiert - sehr gering. Lediglich in den Jahren, in denen das Presseamt einen Rechenschaftsbericht der Stadtverordnetenversammlung herausgegeben hatte, stiegen die Ausgaben deutlich an. Während so z. B. im Jahre 1963 die Aufwendungen für "kommunalpolitische Publizistik" 8000 DM betrugen, beliefen sich die dementsprechenden Kosten für "Öffentlichkeitsarbeit" im folgenden Jahr auf 83000 DM. Angesichts der Tatsache, daß im Jahre 1969 die Kosten für die "Öffentlichkeitsarbeit" des Presseamtes auf 130 000 DM anstiegen, sind jedoch die Ausgaben des Jahres 1964 noch vergleichsweise bescheiden.

Innerhalb des Amtes für Verkehrs- und Wirtschaftsförderung ist zwischen 1953 und 1969 die "Stadtwerbung" und insbesondere die "literarische Stadtwerbung" u. a. ein Bestandteil der Verkehrsförderung. Da ein Haupttätigkeitsfeld der Verkehrsförderung die Organisation und Betreuung von örtlichen und überörtlichen Veranstaltungen war, um vor allem auch auswärtige Besucher in die Stadt zu bringen, ist zu vermuten, daß die vom Amt für Verkehrs- und Wirtschaftsförderung hergestellten und herausgegebenen Bücher und Broschüren sich maßgeblich auch an die Veranstaltungsteilnehmer richteten. Darauf verweisen allein schon einige Titel der Broschüren, so z. B. der Prospekt "Nanu, Sie kennen Bochum nicht?" oder "Was erwartet uns in Bochum?". In diesem Zusammenhang entfaltete das Amt für Verkehrs- und Wirtschaftsförderung eine verstärkte Aktivität bei der Erstellung und Herausgabe von Broschüren.

Zwischen dem Ende der 1950er Jahre und der Mitte der 1960er Jahre vollzog sich ein tiefgreifender Strukturwandel der Bochumer Wirtschaft. Auf dem Hintergrund der Bergbaukrise entfaltete dabei die Wirtschaftsförderung der Stadt Bochum ein verstärktes Bemühen, neue Betriebe in Bochum anzusiedeln. Stellvertretend für die vielfältigen, erfolgreichen Aktivitäten im Bereich der Wirtschaftsförderungspolitik sei hier nur auf die Ansiedlung der Adam Opel AG in Bochum-Laer und Bochum-Langendreer verwiesen.

Dieser Strukturwandel wurde begleitet von einer Neuakzentuierung der "Stadtwerbung". War in dem Zeitraum von 1953 bis 1962 mit der "Stadtwerbung" insbesondere das Interesse verknüpft, das "Bochumer Wirtschaftsleben zu intensivieren" so stand ab Mitte der 1960er Jahre u. a. auch "die Sympathiewerbung im Vordergrund"~. Das Bestreben, durch "gezielte Informationen das Ansehen der Stadt und des Ruhrgebietes.. . im In- und Ausland zu verbessern" , zeigt sich z. B. darin, daß allein im Jahr 1967 "über 100 in- und ausländische Spitzenkräfte aus der Wirtschaft und aus großen Zeitungsverlagen im Rahmen von Stadtbesichtigungen mit den Problemen der Stadt Bochum vertraut gemacht" wurden. Es ist anzunehmen, daß diesen Besuchergruppen vom Amt für Verkehrs- und Wirtschaftsförderung spezielles Prospektmaterial über Bochum zur Verfügung gestellt worden ist, so z. B. die im Jahre 1968 von dem Amt für Verkehrs- und Wirtschaftsförderung herausgegebene und in Englisch, Französisch und Italienisch übersetzte Broschüre "Entscheidung für die Zukunft: Bochum".

Während sich die Aktivitäten des Presseamtes im Bereich der "kommunalpolitischen Publizistik" bzw. der "Öffentlichkeitsarbeit" seit Mitte der 1950er Jahre nicht grundsätzlich veränderten, weiteten sich die Aufgaben des Amtes für Verkehrs- und Wirtschaftsförderung im Rahmen der von ihm betriebenen "Stadtwerbung" aus. War die "literarische Stadtwerbung" bis zu Beginn der 1960er Jahre vor allem ein Bestandteil der Verkehrsförderung, so war sie danach auch in verstärktem Maße ein Element der Wirtschaftsförderung. Unter Berücksichtigung der Tatsache, daß die Ausgaben für die "literarische Stadtwerbung" zwischen 1956 und 1966 fast doppelt so hoch waren wie die Aufwendungen für die "kommunalpolitische Publizistik" bzw. für die "Öffentlichkeitsarbeit" wird deutlich, daß die Verwaltung der Stadt Bochum der "literarischen Stadtwerbung" einen höheren Stellenwert beimaß als der "kommunalpolitischen Publizistik" bzw. "Öffentlichkeitsarbeit". Insbesondere dokumentiert die "Sympathiewerbung" eine verstärkte Ökonomisierung des Bemühens der Bochumer Stadtverwaltung, gesellschaftliche Teilöffentlichkeiten über Ausschnitte der Bochumer Lebenswirklichkeit zu "unterrichten" Dieser Prozeß entspricht weitgehend der sich in dieser Zeit verbreiternden Vorstellung, daß der Ruf und das Ansehen der eigenen Stadt ein Kapital ist, mit dem man arbeiten sollte.

In der Zeit zwischen 1969 und 1976 war dann die "Stadtwerbung" ein Aufgabenbereich des Presseamtes. Neben den traditionellen Aufgabengebieten war das Presseamt, das 1971 aufgrund einer neuen Dienstanweisung in "Presse- und Informationsamt" umbenannt wurde, damit auch für die Erarbeitung von "Werbeschriften" und die "allgemeine Stadtwerbung" d. h. insbesondere auch für die Herausgabe von Prospekten und Bildbänden zum Zweck der Imageverbesserung der Stadt, zuständig. Trotzdem blieb laut den Verwaltungsberichten der Zeit die "literarische Stadtwerbung" zunächst noch ein Aufgabengebiet des Amtes für Verkehrs- und Wirtschaftsförderung. Da seit dem Jahr 1973 jedoch in den Verwaltungsberichten beim Amt für Verkehrs- und Wirtschaftsförderung keine eigene Rubrik zur "literarischen Stadtwerbung" mehr enthalten ist, dürften sich die Aktivitäten des Amtes in diesem Bereich auf ein ganz und gar unbedeutendes Maß beschränkt haben.

Daß im Jahre 1969 die "allgemeine Stadtwerbung und die Koordination im Bereich der speziellen Stadtwerbung" dem Presseamt übertragen wurden, begründete sich vor allem aus dem Interesse, ein einheitliches "visuelles Erscheinungsbild" für die Stadt Bochum zu schaffen. Dabei war das Ziel, ein neues "Bochum-Layout" zu kreieren, an die Vorstellung geknüpft, den "Begriff ‚Bochum'... wie ein Symbol, eine Gütemarke in das Bewußtsein des Betrachters" zu heben. Das "grafische Erscheinungsbild" der Stadt Bochum, das von einer Werbeagentur entworfen worden war, wurde seit dem Beginn der 1970er Jahre dann die Grundlage für die Gestaltung sämtlicher städtischer Druckereierzeugnisse.

Im Bereich der "Öffentlichkeitsarbeit" hat "das Jahr 1972 die Stadt Bochum einen wesentlichen Schritt nach vorn gebracht". Durch die Begründung eines Informationszentrums wurde in besonderer Weise der Vorstellung einer "bürgernahen Verwaltung" Rechnung getragen. Daß dieser "vorbildliche Kommunikationsmittelpunkt"der erste seiner Art in der Bundesrepublik Deutschland - gewissermaßen eine "Marktlücke geschlossen" hat, wird insbesondere an den - wenn auch vielleicht etwas übertriebenen - Besucherzahlen deutlich.

Am 4. 3. 1971 ist für das Presseamt eine neue Dienstanweisung erlassen worden. Ein Vergleich mit der damit außer Kraft gesetzten Dienstanweisung von 1947 zeigt, daß in der neueren, bis heute gültigen Dienstanweisung die "Öffentlichkeitsarbeit und Informationstätigkeit" (§4) und die "Stadtwerbung" (§5) als gesonderte Aufgabenbereiche hervorgehoben werden.

Besonders bemerkenswert ist an der Dienstanweisung von 1971, daß die Erarbeitung von "Werbeschriften" ein Teilgebiet der "Öffentlichkeitsarbeit und Informationstätigkeit" des Presse- und Informationsamtes ist und nicht in den Aufgabenbereich der "Stadtwerbung" integriert ist. Dahinter verbirgt sich beispielsweise das Bemühen, durch eine "Vormietewerbung für das Schauspielhaus und die Bochumer Symphoniker" bestimmte gesellschaftliche Teilöffentlichkeiten zu einem Theater- bzw. Konzertbesuch zu motivieren.

Obwohl in den Verwaltungsberichten und den Haushaltsplänen der Stadt Bochum eine klare Trennung zwischen "Öffentlichkeitsarbeit" und "Stadtwerbung" enthalten ist, so dürften doch in der Praxis die mit diesen Aufgabengebieten verbundenen Aktivitäten ineinander übergreifen. So würden z. B. die anläßlich der 650-Jahr-Feier der Stadt Bochum durchgeführten "Werbeaktionen" immer auch als ein Element der "Öffentlichkeitsar-beit" zu verstehen sein, denn die Absicht der Initiatoren war u. a. auch von dem Interesse geleitet, "einen möglichst großen Kreis der Bürgerschaft und Vereine... zu aktiver Beteiligung an der Festwoche anzusprechen".

Eine wichtige Technik ist in der Zeit zwischen 1969 und 1975 im Rahmen der Bochumer Öffentlichkeitsarbeit entwickelt worden. Seit dem Jahr 1971 werden im verstärkten Maße "Bürgerversammlungen" organisiert, um die Bürger über spezielle Problemschwerpunkte (z. B. "Straßenbau Westtangente" und "Sanierung der Bergarbeitersiedlung Dahlhausener Heide") zu informieren.

Neben einer verstärkten Bürgerinformation wird seit dem Beginn der 1970er Jahre die Herstellung und Verbreitung von Broschüren auch zu einem integralen Element der Stadtentwicklungsplanung. Dieses dokumentiert sich insbesondere in den Broschüren "Grünes Licht für den Stadtbahnbau" und "Stadtbahn Bochum - 1. Baustrecke". Die finanziellen Mittel für die "Öffentlichkeitsarbeit" und die "Stadtwerbung" der Stadt Bochum stiegen in den Jahren zwischen 1969 und 1975 auf eine bis dahin nicht erreichte Höhe an. Diese Ausgabenintensivierung bei dem "Presse- und Informationsamt" ging bis 1972 mit einer verstärkten Wirtschaftsförderung einher.

Das Bemühen, die Attraktivität Bochums zu steigern, ist mit dem Interesse verbunden, die Bochumer Bürgerschaft stärker in stadtbezogene "Aktivitäten" der Verwaltung zu integrieren. Dadurch, daß die "Stadtwerbung" in der Zeit zwischen 1969 und 1976 ein Bestandteil der Arbeit des Presse- und Informationsamtes war, korrespondiert also das Bestreben, die Bochumer Bürgerschaft "aufklären" zu wollen, mit der Absicht, daß die Bürger ein positives Verhältnis zur eigenen Stadt entwickeln sollen, um sich gegebenenfalls damit auch zu identifizieren.

Nachdem im Jahre 1976 die "Stadtwerbung" von dem Amt für Verkehrs- und Wirtschaftsförderung übernommen worden war, entwickelte sich im Rahmen der Bochumer Öffentlichkeitsarbeit eine klare Aufgabentrennung: Während die Arbeit des Presse- und Informationsamtes darin bestand, Gruppen der Bochumer Bürgerschaft über Ausschnitte der städtischen Lebenswirklichkeit zu informieren und zu "unterrichten", versuchte das Amt für Verkehrs- und Wirtschaftsförderung, durch eine gezielte "Imagepolitik" Teilöffentlichkeiten außerhalb Bochums zu "unterrichten".

Im Bereich der "Allgemeinen Stadtwerbung" war die Arbeit des Amtes für Verkehrs- und Wirtschaftsförderung in den Jahren 1976/77 durch zwei Faktoren gekennzeichnet: Neben der Erstellung einer neuen Werbekonzeption galt es, "neue stadtwerbende Schriften und Werbeanzeigen zu erstellen", was insbesondere auch aufgrund der kommunalen Neugliederung, d. h. der Eingemeindung Wattenscheids nach Bochum, notwendig wurde. So enthält z. B. schon der "Wirtschaftsreport" der Stadt Bochum detaillierte Angaben zu Wattenscheider Industrieunternehmen.

Neben der "konzeptionellen Planung stadtwerbender Maßnahmen" und der Weiterentwicklung des "werblichen Grundrasters" wurden seit 1978 in verstärktem Maße auch Public-Relations-Beiträge für überörtliche Publikationen verfaßt.

Da sich jedoch die städtische Finanzlage infolge der seit dem Ende der 1970er Jahre verschärft einsetzenden ökonomischen Krise rapide verschlechterte, konnten seit dem Beginn der 1980er Jahre "im Rahmen der allgemeinen Stadtwerbung neue Projekte nicht in Angriff genommen werden". Dies bedeutete gleichzeitig, daß die Aktivitäten des Amtes für Verkehrs- und Wirtschaftsförderung "auf das Vorhalten des z. Z. herausgegebenen Werbematerials beschränkt bleiben" mußten.

Auf dem Hintergrund der strukturell und konjunkturell bedingten Rezession der Bochumer Wirtschaft veränderten sich zu Beginn der 1980er Jahre auch die Ziele der Wirtschaftsförderungspolitik. Bis dahin galt es vor allem, die wirtschaftliche Struktur Bochums durch die Ansiedlung von neuen Betrieben in Wachstumsbranchen zu verbessern. Neben dieses Ziel tritt dann verstärkt das Bemühen, die in Bochum vorhandenen Arbeitsplätze, insbesondere durch die "Förderung neuer privatwirtschaftlicher Investitionen" und den "Abbau von Investitionshemmnissen", zu sichern, eventuell auch neue Arbeitsplätze damit zu schaffen. In diesem Zusammenhang ist auch eine vom Amt für Verkehrs- und Wirtschaftsförderung im Jahr 1985 herausgegebene Broschüre zu erwähnen, die vor allem als "Begleit- und Informationsmaterial" an Unternehmer ausgehändigt wird.

Mit seinen Aktivitäten im Bereich der "Öffentlichkeitsarbeit" knüpfte das Presse- und Informationsamt unmittelbar an die in der Phase zwischen 1969 und der Mitte der 1970er Jahre entwickelten Tätigkeitsfelder an. So ist insbesondere die Arbeit im Rahmen des Informationszentrums auch nach 1976 ein hervorstechendes Merkmal der Bochumer Öffentlichkeitsarbeit.

Die vom Presse- und Informationsamt herausgegebenen Broschüren waren seit der Mitte der l97Oer Jahre als Reihe unter dem Titel "Informationsschriften des Presse- und Informationsamtes der Stadt Bochum" erschienen. Allerdings ist diese Serie seit dem Beginn der 1980er Jahre nicht konsequent weitergeführt worden, denn in einer neueren Broschüre über "Bochums Westtangente" findet eine Einordnung in die Reihe der vom Presse- und Informationsamt herausgegebenen Broschüren nicht mehr statt.

Der Erstellung der Broschüren liegen unterschiedliche Motive zugrunde. So wurde z. B. im Jahre 1977 anläßlich des l00jährigen Bestehens des Bochumer Schlacht- und Viehhofes in "Zusammenarbeit mit der Bochumer Fleischerinnung, den Großschlachtereien und den zuständigen Fachämtern" eine Festwoche veranstaltet, zu der auch eine Broschüre erschien. Neben das Motiv, aus Anlaß von "Städtischen Jubiläen" eine Broschüre zu gestalten, werden auch auf Anfragen von Bürgern in speziellen Angelegenheiten entsprechende Informationshefte hergestellt. So ist z. B. eine Broschüre über die Arbeit des Jugendamtes aus diesem Grund erarbeitet worden. Ein drittes Motiv, Broschüren an Teilöffentlichkeiten der Bochumer Bürgerschaft zu vertreiben, begründet sich aus dem Interesse, über politisch relevante Problembereiche der Stadt Bochum zu informieren. Diesem Komplex können neben den Broschüren, die sich mit umweltpolitischen Fragen ausein-andersetzen, insbesondere auch die Hefte über die "Westtangente" zugeordnet werden.

Als eine neue Technik im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit des Presse- und Informationsamtes ist die 1981 im Informationszentrum eröffnete "Infothek", die "Wissenswertes auf einen Blick" vermitteln will, zu nennen. In der "Infothek" werden "Faltblätter zum Mitnehmen" ausgelegt, die sich mit verschiedenen thematischen Schwerpunkten beschäftigen.

Eine neue Qualität gewann die Öffentlichkeitsarbeit des Presse- und Informationsamtes im Rahmen der seit 1975 verstärkt durchgeführten Bürgerversammlungen. Zu diesen Bürgerversammlungen, bei denen vornehmlich Infrastrukturmaßnahmen der Stadt diskutiert wurden, erstellte das Presse- und Informationsamt besonderes Informationsmaterial".

Bei der Entwicklung der Ausgaben für die Öffentlichkeitsarbeit des Presse- und Informationsamtes zeigt sich, daß die Aufwendungen für dieses Arbeitsgebiet seit 1980 rückläufig sind. Oszillierten die Kosten für die "Öffentlichkeitsarbeit" zwischen 1976 und 1980 jährlich um etwa 250000 DM, so sanken diese danach kontinuierlich auf 115000 DM ab. Diese Entwicklung, die bei der von dem Amt für Verkehrs- und Wirtschaftsförderung betriebenen "Allgemeinen Stadtwerbung" ähnlich verlief, verweist in spezifischer Form auf die zunehmend angespannte Finanzlage der Stadt Bochum.

Formal zeichnet sich die Bochumer Öffentlichkeitsarbeit in der Phase nach 1976 durch eine klare Trennung zwischen der ökonomisch motivierten "Stadtwerbung" die vom Amt für Verkehrs- und Wirtschaftsförderung wahrgenommen wird, und der politisch motivierten, vom Presse- und Informationsamt durchgeführten "Öffentlichkeitsarbeit" aus. Mit dieser Aufgabenspaltung ging bis etwa 1980 eine Intensivierung der Informationspolitik des Presse- und Informationsamtes einher, ehe dann mit der zunehmend sich verschlechternden Haushaltslage eine Beschränkung der Aktivitäten eintritt. Die "Allgemeine Stadtwerbung", die in der Phase bis 1976 ein integraler Bestandteil der Arbeit des Presse- und Informationsamtes war und insbe-sondere deshalb stärker in die "Öffentlichkeitsarbeit nach innen" eingebunden war, wird nach der Mitte der 1970er Jahre wieder stärker in ökonomische Interessen der Stadt Bochum eingeflochten. Auffällig ist in diesem Zusammenhang besonders, daß in den Jahren 1982/83 die Wirtschaftsförderungspolitik der Stadt Bochum verstärkt wurde, während die Ausgaben für die "Allgemeine Stadtwerbung" stark zurückgingen.

Eine grob vereinfachende Zusammenfassung der einzelnen Phasen der Bochumer Öffentlichkeitsarbeit ergibt folgendes Gesamtbild. Eine "Aufbauphase" einer wirkungsvollen Öffentlichkeitsarbeit, die in Bochum zwischen 1947 und 1953 verlief, endet mit der vollständigen Abspaltung der "Stadtwerbung" aus dem Aufgabenbereich des Presseamtes der Stadt. In einer "Konsolidierungsphase" zwischen 1953 und 1969 tritt die ökonomisch fun-dierte "Stadtwerbung" wesentlich stärker in den Vordergrund. Mit der Übernahme der "Stadtwerbung" in das Aufgabengebiet des Presse- und Informationsamtes geht dann in einer "Expansionsphase" der Bochumer Öffentlichkeitsarbeit zwischen 1969 und 1975 eine werbepsychologisch fundierte "Politisierung" der "bürgernahen Verwaltung" einher. Durch die abermalige Abspaltung der "Allgemeinen Stadtwerbung" aus dem Arbeitsbereich des Presse- und Informationsamtes tritt die Bochumer Öffentlichkeitsarbeit in eine "Differenzierungsphase" ein, d. h., die "Öffentlichkeitsarbeit" des Presse- und Informationsamtes versucht, durch eine gezielte Informationspolitik Bochumer Teilöffentlichkeiten im Sinne einer "bürgernahen Verwaltung" verstärkt zu integrieren, während das Amt für Verkehrs- und Wirtschaftsförderung bemüht ist, durch eine gezielte lnformationspolitik gesellschaftliche Teilöffentlichkeiten außerhalb Bochums in den schon seit 1950 verfolgten wirtschaftlichen Strukturwandel Bochums zu integrieren.

Die Herstellung und Verbreitung der Bücher und Broschüren, die von dem Presse- und Informationsamt und dem Amt für Verkehrs- und Wirtschaftsförderung herausgegeben wurden, erfolgte in den einzelnen Phasen der Bochumer Öffentlichkeitsarbeit mit unterschiedlicher Intensität. Während z. B. in der Phase zwischen 1953 und 1969 von dem Presseamt insgesamt höchstens drei Broschüren herausgegeben wurden, so sind in der Zeit nach 1975 von demselben Amt weit über 15 Bücher und Broschüren bearbeitet worden. Allein schon deshalb ist es notwendig, sich bei der Analyse der Darstellung der Lebens- und Wohnqualität auf einige ausgewählte Bücher und Broschüren zu beschränken. Damit wird auch gleichzeitig auf eine Analyse der "Faltblätter" wie sie beispielsweise über die "Infothek" verbreitet werden, und der Zeitungen (Bochumer Bezirkszeitungen etc.) verzichtet. Auch wird bei der Analyse das jeweilige "Layout" der Broschüren außer Betracht gelassen.

Bei der Analyse werden stärker systematische als historische Gesichtspunkte berücksichtigt, denn es erscheint zweckmäßiger, die Broschüren und Bücher strukturell nach den für die Öffentlichkeitsarbeit primär verantwortlichen Ämtern zu ordnen. Bei der Untersuchung der Lebens- und Wohnqualität in den von dem Presse- und Informationsamt und dem Amt für Verkehrs- und Wirtschaftsförderung herausgegebenen Schriften ist versucht worden, die Broschüren möglichst repräsentativ entsprechend der jeweiligen Phasen der Bochumer Öffentlichkeitsarbeit auszuwählen.

Eine Sonderform der Bochumer Öffentlichkeitsarbeit dokumentiert sich in den Büchern zur Bochumer Stadt- geschichte und in den seit dem Beginn der 1980er Jahre von dem Presse- und Informationsamt verfaßten "Wegweisern".

In den historischen Sachbüchern zeigt sich vorrangig das Bemühen, die geschichtlichen Dimensionen der Individualität Bochums herauszuarbeiten. So wird beispielsweise immer auf die Erfindung des Stahlformgusses durch Jacob Mayer und die Entwicklung des Schauspielhauses "zu den führenden deutschen Bühnen" hingewiesen. Deshalb werden auch in diesen Büchern sozialgeschichtliche Aspekte (z. B. Fragen der Entwicklung der Familienstruktur etc.) weitgehend außer Betracht gelassen.

Bei den Bochumer "Wegweisern" handelt es sich um Broschüren, die sich an neu hinzugezogene Einwohner Bochums wenden und über das Einwohnermeldeamt auch direkt an diese Personengruppe kostenlos ausgegeben werden. Zweck dieser Broschüre ist es, diesen Einwohnern das "Einleben" in Bochum zu "erleichtern". Deshalb enthalten die "Wegweiser" auch vor allem Hinweise zur Bochumer Infrastruktur.

Im Bereich der "kommunalpolitischen Publizistik" und der "Öffentlichkeitsarbeit" des Presse- und Informationsamtes sind in bezug auf die Herstellung und Herausgabe von Broschüren zusammenfassend drei thematische und damit in Zusammenhang stehende zeitliche Abschnitte zu unterscheiden: Zwischen dem Ende der 1940er Jahre und 1969 geht es in den Broschüren vornehmlich um die Darstellung der "Zusammensetzung und Arbeitsweise der Stadtverordnetenversammlung", wobei jedoch auch schon städtische Entwicklungen in den Blick kommen. In der Zeit zwischen 1969 und 1976 verlagert sich der thematische Schwerpunkt der Broschüren dann verstärkt auf konkrete "Stadtentwicklungsprozesse". In diesem Zusammenhang ist besonders die von dem Presseamt herausgegebene Broschüre "Grünes Licht für Stadtbahnbau" (1970) zu nennen. In der Phase nach 1976 findet dann im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit des Presse- und Informationsamtes eine starke Ausweitung der Themengebiete statt. Aus den vielfältigen Themengebieten, die in den Broschüren behandelt werden, werden hier lediglich die Hefte zu dem kommunalpolitisch virulenten Thema des Baues der "Westtangente" berücksichtigt.

Mit der "Stadtfibel" wurde in Bochum in der Nachkriegszeit ein "erster Schritt" auf dem Gebiet der "öffentlichen Meinungspflege" gemacht. Ziel dieser Broschüre war es, "um das Vertrauen der Gesamtbürgerschaft" zu werben. Diese Art der "Öffentlichkeitsarbeit" steht dabei mit dem Bemühen, so die "Fibel", in Einklang, die "Bevölkerung über die kommunalen Lebensbereiche aufzuklären".

Die Darstellung der Lebens- und Wohnqualität Bochums ist in dieser Broschüre von den Notständen der Nachkriegszeit geprägt. So werden im Rahmen einer zusammenfassenden Beschreibung der "kommunalen Aufbaujahre" insbesondere die "Wohnungsnot" und die "Schulraumnot" erwähnt. Wichtigster Punkt der Darstellung ist jedoch die Legitimation der Arbeit der Stadtvertretung: "Jeder objektive Betrachter muß anerken-nen, daß die jetzige Stadtvertretung in schwerster Zeit den ihr 1948 durch die Bürgerschaft gegebenen Auftrag zum Aufbau der Stadt in größter Aktivität, nach bestem Können und in demokratischer Selbstverwaltung zu ihrem Teil erfüllt hat".

Mit der im Jahre 1970 herausgegebenen Broschüre "Grünes Licht für den Stadtbahnbau" verfolgte die Stadtverwaltung das Ziel, "die Bochumer Bürgerschaft über das Großprojekt Stadtbahn... zu informieren". Dementsprechend werden in diesem Heft vor allem die geplanten Bau- und Streckenabschnitte in ihrer funktionalen Bedeutung für die Entwicklung des städtischen Verkehrsnetzes erläutert.

Der Bau der Stadtbahn wird als eine zwangsläufige Folge der Entwicklung der Verkehrssituation in Bochum verstanden und einleitend als drittes Bochumer Großprojekt der Nachkriegszeit - nach dem Wiederaufbau und der Bewältigung der Kohlenkrise - bezeichnet. In diesem Zusammenhang wird auch die maßgeblich vom Land Nordrhein-Westfalen im Rahmen des "Entwicklungsprogramms Ruhr" (1968) mitgetragene Finanzierung erwähnt.

Durch den Bau der Stadtbahn werden, so die Broschüre, zweifellos große Belastungen (Baustellenlärm in der Innenstadt z.B.) auf die Bochumer Bürgerschaft zukommen. Diese Einschränkungen der Lebensqualität werden jedoch durch die "Zukunftsvisionen" für die Innenstadt relativiert:

"Mit der Stadtbahn oder dem Auto unterirdisch direkt in das Ladenzentrum. Das jetzige Straßenniveau ist Fußgängerparadies". Gezeigt werden soll damit letztendlich, daß durch die "Entscheidungen, die jetzt bei der Planung und beim Bau der Stadtbahn von Rat und Verwaltung getroffen wurden", eine deutliche Verbesserung der Lebensqualität bewirkt wird.

Mit den beiden Broschüren zur "Westtangente" versucht die Stadtverwaltung insbesondere, den geplanten und zum Teil auch schon fertiggestellten Bau eines Teilstückes des äußeren Stadtringes als eine "richtige Entscheidung" zu rechtfertigen. Zwar wird eingeräumt, daß der "umweltschonende Ausbau der Westtangente" sehr kostenaufwendig war - wie hoch die Kosten für den fertiggestellten Tunnel waren, wird allerdings nicht gesagt - jedoch angesichts der mit dieser Baumaßnahme verbundenen "Aufbesserung der Lebensqualität" zu vertreten ist.

Neben den technischen Problemen werden in den Broschüren zur Westtangente vor allem auch "ökologische" Argumente, die den Bau der Westtangente plausibel machen sollen, dargestellt. Insbesondere wird in diesem Zusammenhang darauf verwiesen, daß für den Bau der Westtangente erstmals ein "Grünordnungsplan" aufgestellt wurde.

Ein zweiter wichtiger Punkt in den Broschüren zur "Westtangente" ist in dem abermaligen Hinweis zu sehen, daß der Bau der Westtangente eine wichtige Etappe auf dem Weg zum Ziel der "Verkehrsberuhigung" darstellt und sich deshalb auch Kritiker zu der Auffassung durchringen werden, daß die öffentlichen Gelder in diesem Bauprojekt sinnvoll angelegt sind.

Ziel der Broschüren ist es demnach, den Bau der Westtangente als eine richtige politische Entscheidung zu legitimieren, um gleichzeitig dabei das Ziel, "die weitere Verbesserung der Lebensqualität in unserer Stadt" voranzutreiben, zu betonen.

In den Broschüren, die zwischen dem Ende der 1940er Jahre und 1985 von dem Presse- und Informationsamt bearbeitet und herausgegeben worden sind, wird die Entwicklung der "Lebens- und Wohnqualität" Bochums immer im Zusammenhang mit kommunalpolitischen Entscheidungen gedeutet. Dabei wird die Verbesserung der "Lebensqualität" immer als Resultat gezielter Politik von Rat und Verwaltung der Stadt Bochum gedeutet.


Bei der Analyse der von dem Amt für Verkehrs- und Wirtschaftsförderung herausgegebenen Broschüren ist eine funktionale Differenzierung nach den jeweiligen Verwendungszwecken notwendig. So sind die Broschüren, die im Rahmen der "Allgemeinen Stadtwerbung" erstellt werden und insbesondere damit für die "Verkehrs-förderung" konzipiert sind, von den Schriften zu unterscheiden, die für die "Wirtschaftsförderung" erarbeitet wurden.


Die im Rahmen der "Allgemeinen Stadtwerbung" für die "Verkehrsförderung" konzipierten und her-ausgegebenen Broschüren sind augenscheinlich durch zwei Vertriebstechniken gekennzeichnet:

Zum einen sind sie von den Besuchern und Gästen der Stadt als Einzelbroschüren zu erhalten, zum anderen werden die Broschüren mit anderen Prospekten zusammen in besonderen Prospektmappen ausgegeben. In der Zeit zwischen 1953 und 1969 sind, soweit erkennbar, zumindest drei unterschiedliche Mappen erstellt worden: Etwa 1957 eine Mappe mit der sogenannten "Trilogie", zu Beginn der 1960er Jahre eine weitere mit dem Titel "Vieles spricht für Bochum" und zu Ende der 1960er Jahre eine dritte Mappe unter dem schlichten Titel "Bochum". In der Zeit zwischen 1969 und 1976 ist dann eine neue Mappe, die wiederum die Bezeichnung "Bochum" trug, an auswärtige Gäste verteilt worden. In der Phase nach 1976 wurde schließlich die Mappe "Bochum - Stadt mit Pfiff" entworfen und an die Besucher ausgegeben. Im Jahre 1985 ist dann im Rahmen der "Verkehrsförderung" die Broschüre "Bochum - Stadt mit Pfiff" herausgegeben worden. Diese Broschüre ist jedoch bislang noch in keiner Mappe enthalten und in der Hinsicht auch die einzige der im folgenden erwähnten Broschüren.


Die für die "Allgemeine Stadtwerbung" vom Amt für Verkehrs- und Wirtschaftsförderung konzipierten und herausgegebenen Broschüren sind auf einen ersten Blick von ihrer inhaltlichen Struktur nur schwer zu vergleichen. Zum einen umgreifen die Broschüren einen Zeitraum von nahezu 3OJahren, eine Zeit, die in der Stadt Bochum durch tiefgreifende soziale und ökonomische Veränderungen gekennzeichnet ist. Zum anderen sind sie abhängig von der jeweiligen Sichtweise ihrer Verfasser, darüber hinaus vor allem aber auch, als struktureller Bestandteil der Bochumer Kommunalpolitik, von dem spezifischen Selbstverständnis der Stadtverwaltung, von deren Repräsentanten einer das Amt für Verkehrs- und Wirtschaftsförderung ist.


Dennoch finden sich übergreifend inhaltliche Schwerpunkte, die mehr oder minder in allen Broschüren aufgenommen worden sind. Folgende Schwerpunkte lassen sich grob verallgemeinernd nennen: Wirtschaft und Verkehr, Kultur, Bildung und Wissenschaft, Einkauf und Wohnen, Freizeit und Unterhaltung. Mit der Darstellung dieser Bereiche wurde zumindest explizit in den Broschüren seit den 1960er Jahren das Interesse verbunden, den Gästen und Besuchern Bochums die "Stadt nahebringen" zu wollen bzw. u. a. zu zeigen, "wo unsere Stadt am schönsten ist", "welche Sehenswürdigkeiten sie zu bieten hat" und "was diese Stadt interessant und sehenswert macht". Bezeichnend ist in diesem Zusammenhang, daß fast jede Broschüre ein sehr spezifisches, aber plakatives Urteil über die Stadt Bochum formuliert: Aus der Stadt, "die, voller Dynamik... einen Strukturwandel erlebt, der in der Bundesrepublik ohne Beispiel ist", wird Ende der 1960er Jahre "eine Großstadt voll Leben und Optimismus", dann eine "City voller Fluidum und Flair" (1974), 1980 "eine moderne, lebendige Stadt, in der zu leben Spaß macht", und schließlich 1985 "eine lebendige Großstadt", "Mittelpunkt und Metropole einer Region", "geistiges und kulturelles Zentrum", "Erholungsziel mit viel Grün und beliebten Freizeiteinrichtungen", "Stadt mit völkerverbindenden Ideen, weltoffen und europaweit", kurzum "eine Stadt mit Pfiff". Diese Klassifikationen der Stadt Bochum deuten schon daraufhin, daß die Broschüren von ihrer Grundstruktur her einen "stadtwerbenden Charakter" in dem Sinne haben, daß sie ein grundsätzlich mit positiven Merkmalen besetztes städtisches "Gesamterscheinungsbild" erzeugen und herstellen. Die Darstellungen dieses städtischen "Gesamterscheinungsbildes" sind einerseits zweifelsohne mit Sachinformationen und Fakten gefüllt, andererseits aber fast gar nicht in einer problemorientierten, kritischen Art und Weise aufgearbeitet. So wird z. B. das "Terminal" von Serra, dessen Ankauf durch die Stadtverwaltung innerhalb der Bochumer Bürgerschaft sehr heftig und kontrovers diskutiert wurde und als sehr umstritten galt, zwar mit dem Hinweis "das am heißesten umstrittene Stück" aufgeführt, gleichzeitig aber auch als "Jahrhundertwerk" apostrophiert und somit in seiner Umstrittenheit schon wieder relativiert.


Generell weisen alle Broschüren auf den besonderen Stellenwert Bochums hin. Dieses zeigt sich z. B. 1957 schon allein in der zentralen Verkehrslage "Treffpunkt und Kreuzung der großen Verkehrsadern durch das Ruhrgebiet: Bochum" und zeigt sich auch noch Ende der 1970er und der 1980er Jahre, denn "alle Wege kreuzen sich in der Mitte, in Bochum". Abgesehen von der verkehrsgünstigen Lage der Stadt, dokumentiert sich der hohe Stellenwert der Stadt u. a. aber auch im Bereich der Bildung und Wissenschaft. Im Zusammenhang mit den Beschreibungen dieses Bereiches wird schon ein Unterschied in der Darstellungsweise in den Broschüren deutlich. So werden zwar schon in den 1950er und 1960er Jahren die Bildungsinstitutionen durchaus in einem positiven Selbstverständnis aufgeführt und als wichtiger Ausweis für ein gutes städtisches Bildungsangebot und -niveau gewertet, so "gesellen sich in Bochum den Geschenken der Natur in bunter Mannigfaltigkeit auch die des Geistes, von Wissen und Bildung". Auch wird der Versuch unternommen, die eigenen Bildungsinstitutionen wie z. B. die Universität "als bedeutsamer Punkt... für die Geschichte der deutschen Wissenschaftspflege überhaupt" in umfassendere wichtige Zusammenhänge zu stellen. Gleichwohl wird aber erst nach Mitte der 1970er Jahre die Absicht deutlich, die eigenen Bildungsinstitutionen, die Bildungsbereiche in ihrer Besonderheit, wenn 7ücht sogar Einmaligkeit darzustellen. So gilt Bochum 1980 als "Stadt der Schulen" und bietet ‚ein Bildungsangebot, das den Bedarf zwischen Kindergarten und Universität deckt", und "die größte Universität, die in der Nachkriegszeit gegründet wurde, steht in Bochum". Der hier angedeutete Wandel von der "Imagepflege" zur ‚Imagebildung" läßt sich noch an anderen Beispielen aufzeigen. So wird in den 1950er und 1960er Jahren der Bereich der Einkaufsmöglichkeiten nur in der Hinsicht erwähnt, daß mit dem Ruhrpark ein neues Einkaufszentrum existiert, zu dem "von überall aus dem mittleren Ruhrgebiet ... die Käufer kommen". Ende der 1970er Jahre ist Bochum "Modeboutique", der Ruhrpark in Bochum gilt nach Umsatz als "die Nummer eins in Europa", und "in Bochum zählt die wahrgenommene Chance nicht nur nach Heller und Pfennig, sondern nach Millionen". Darüber hinaus ist es "das Flair der Großzügigkeit, das bummeln durch Bochum so beliebt macht", wie auch die "individuellen Läden", die "nirgendwo in der Region dominieren...so wie gerade hier in Bochum". An diesem Beispiel zeigt sich deutlich, wie hier mittels spezifisch ausgewählten Substantiven und Adjektiven wie "Großzügigkeit", "individuell" oder der eindeutigen Abgrenzung durch "nirgendwo" versucht wird, das "Gesamterscheinungsbild" der Stadt, das sich hier in einem Ausschnitt dokumentiert, auf eine Ebene zu stellen, die der Stadt in ihrer Erscheinungsform ein "einmaliges", zumindest individuelles Gepräge gibt. Als letztes Beispiel soll noch der Bereich des Wohnens angeführt werden. Während ich in den 1950er und 1960er Jahren die Wohnqualität generell in "licht bebauten Stadtteilen" sowie in "schmucken Hochhäusern, licht gebauten Siedlungen und zahlreichen Wohnvierteln im grünen Vorland der Stadt" dokumentiert, wird die Wohnqualität Ende der 1970er und 1980er Jahre durch andere Merkmale gekennzeichnet. So gehört Wohnen mit Weitblick.... zu den Annehmlichkeiten", wie auch das Wohnen neben Arbeit und Freizeit zum "Dreiklang der Lebens-qualität" gehört.


Mit den Broschüren, die im Rahmen der "Verkehrsförderung" von der Stadt Bochum herausgegeben wurden und werden, wird die Absicht verfolgt, ein spezifisches "Gesamterscheinungsbild" der Stadt zu erstellen. Dabei zeigt sich, daß die vielfältigsten Bereiche der städtischen "Lebenswirklichkeit" dargestellt werden. In diesem Zusammenhang wird allerdings deutlich, daß diese "Lebenswirklichkeiten" mit einseitig positiven Merkmalen belegt sind und jegliche problemorientierte Darstellung vermissen lassen. Dies begründet sich insbesondere aus dem Interesse, der Stadt nicht nur ein positives, sondern vor allem auch noch ein individuelles Gepräge zu geben. Dem liegt das Vorhaben zugrunde, der eigenen Stadt ein "Image" zu verleihen, das sie insbesondere auch von anderen Städten unterscheidet.


Im Bereich der Wirtschaftsförderung wurde erstmals zu Ende der 1960er Jahre eine Broschüre herausgegeben. Dieser auf dem Hintergrund der damaligen Wirtschaftskrise erstellten Broschüre, die den Titel "Entscheidung für die Zukunft: Bochum" trägt, folgen dann der im Jahre 1976 herausgegebene "Wirtschaftsreport" und das im Jahre 1985 erschienene "Magazin für Wirtschaftsförderung":

Grundidee der Wirtschaftsförderungspolitik ist es, den Strukturwandel der äußerst krisenanfälligen Bochumer Wirtschaft durch eine Umverteilung der Arbeitsplätze in Wachstumsbranchen voranzutreiben. Deshalb richten sich die Broschüren vorrangig auch an Unternehmer und Manager aus diesen Branchen.


Die Darstellung der Lebens- und Wohnqualität Bochums in diesen drei Broschüren korrespondiert mit zwei Zielen: Zum einen geht es darum, Argumente zu liefern, warum "ein Unternehmer, der einen neuen Betrieb errichten will, hier im Zentrum des Ruhrgebietes günstige Voraussetzungen findet", und zum anderen wird das damit in Zusammenhang stehende Ziel verfolgt, Bochum als hervorragenden Wohnort, der auch für kapital-kräftige Unternehmer reizvoll sein dürfte, zu "verkaufen". Entsprechend dieser beiden Zwecksetzungen sind auch die Broschüren in einen Teil zur wirtschaftlichen Lage und einen Abschnitt zur infrastrukturellen Lage Bochums gegliedert.

Im Mittelpunkt der Darstellung der "Bochumer Wirtschaftskraft" stehen Aspekte des "Bochumer Arbeitsmarktes", des "Absatzmarktes Bochum", des "Bochumer Verkehrsnetzes", der Innovations-möglichkeiten in Bochum, der Finanzierungsmöglichkeiten für "neue" Bochumer Betriebe und der in Bochum für Betriebsansiedlungen zur Verfügung stehenden "Gewerbe- und Industrieflächen". Der "Bochumer Arbeitsmarkt" zeichne sich, so die Quintessenz der Broschüren, durch seine "qualifizierten Arbeitskräfte" aus, insbesondere, so das Magazin für Wirtschaftsförderung, bilden "auch Bochums Erwerbslose ein qualifiziertes Arbeitskräftepotential". An der Bochumer Konsumstruktur wird vor allem hervorgehoben, daß "der Absatzmarkt Bochum eine Sog-Wirkung für vagabundierende Kaufkraft hat". Daß Bochum ein "Verkehrsknotenpunkt" ist, braucht für diese moderne Großstadt eigentlich gar nicht besonders hervorgehoben zu werden, denn es führt halt "kein Weg an Bochum vorbei". Auf die in Bochum vorhandenen Möglichkeiten der Zusammenarbeit zwischen Betrieben und der Ruhr-Universität und anderen wissenschaftlichen Einrichtungen (Technologieberatungsstelle Ruhr etc.) wird besonders im Magazin für Wirtschaftsförderung hingewiesen. Insbesondere soll damit ein effizienter "Technologietransfer" sichergestellt sein. Auf die Finanzierungsmöglichkeiten für Betriebe, die sich in Bochum ansiedeln wollen, wird vor allem im Wirtschaftsreport eingegangen. Dabei wird insbesondere auf die "regionale Wirtschaftsförderung des Landes Nordrhein-Westfalen" und andere Programme ("Mittelstands-kreditprogramm des Landes Nordrhein-Westfalen" und "ERP-Programm" ) hingewiesen. Nicht zuletzt wird im Rahmen der Darstellung der Bochumer Wirtschaftskraft auf die für Betriebsansiedlungen zur Verfügung stehenden "Gewerbe- und Industrieflächen" hingewiesen. Dabei wird insbesondere auf die "Möglichkeit der Grundstücknutzung im Wege des Kauf- und Erbbaurechtsvertrages" verwiesen.


Die Quintessenz der Darstellung der Bochumer Wirtschaftskraft in den Broschüren ist also, daß Bochum geradezu "einmalige" Voraussetzungen für Betriebsansiedlungen bietet und daß insbesondere das Amt für Verkehrs- und Wirtschaftsförderung "bei einer für die Stadt entsprechenden Bedeutung im Fall ihrer Betriebsansiedlung fast noch Wunder vollbringen" wird.


Im Rahmen der Darstellung des Bochumer Infrastrukturwertes wird neben den Bereichen der "Bildung", der "Gesundheit", des "Sozialwesens" und des .Sportes" besonders auch auf die Wohnkultur Bochums und die Erholungsmöglichkeiten in Bochum hingewiesen. Dabei wird vor allem auf die in Bochum vorhandenen Möglichkeiten "der Ruhe und Erholung" eingegangen. So wird z. B. hervorgehoben, daß für die "Erholung im Grünen von der Stadt Bochum allein 1.300 ha Grünflächen gepflegt werden", daß das "Freizeitzentrum Kemnader Stausee ein Dorado für Wassersportler ist" und der "Volkspark in Hiltrop ein richtiges Kleinod" darstellt.


Mit den im Bereich der Wirtschaftsförderungspolitik hergestellten Broschüren, die vor allem auch an Unternehmer und Manager von Wachstumsbranchen gewissermaßen als "Gedächtnisstützen" ausgegeben werden, verfolgt das Amt für Verkehrs- und Wirtschaftsförderung das Ziel, für Bochum als "einmaligem" Standort für die Ansiedlung oder Erweiterung von Betrieben zu werben. Ökonomischer Hintergrund dieser Form der Imagepolitik ist dabei der verschärfte interregionale Konkurrenzkampf um Betriebe und Unternehmen.

Dementsprechend werden bei der Darstellung der Bochumer "Lebenswirklichkeiten" vor allem die für Betriebsansiedlungen "positiven" Merkmale des Bochumer "Wirtschaftslebens" hervorgehoben, insbesondere geht es dabei natürlich um den Nachweis der "Einzigartigkeit" der Standortvoraussetzungen Bochums.


Die inhaltlichen Darstellungsprinzipien, nach denen die im Bereich der Bochumer Öffentlichkeitsarbeit erstellten Broschüren aufgebaut sind, können grob zusammenfassend als ein Versuch gewertet werden, ein möglichst wenig problemorientiertes Bild der städtischen Lebenswirklichkeit und Individualität zu entwerfen. Deshalb werden die realen Lebens- und Wohnverhältnisse der in Bochum lebenden Menschen auch in keiner Broschüre thematisiert, und dies, obwohl doch gerade eine Verbesserung der Lebens- und Wohnqualität dieser Menschen Hauptgesichtspunkt aller stadtbezogener Prozesse sein sollte. Woran liegt diese in den Broschüren deutlich erkennbare antiaufklärerische Tendenz?


Die Substanz und damit auch die Glaubwürdigkeit kommunaler Öffentlichkeitsarbeit tritt vor dem Hintergrund der soziologischen Diskussion über den "Strukturwandel der Öffentlichkeit" in den "Scheinkegel der Ideologie-Kritik".

Die bürgerliche Öffentlichkeit, so die Quintessenz der von J. Habermas an dialektischen Denkmodellen entwickelten universalhistorischen Deutung von gesellschaftlichen Systemen, beruht ihrer Idee nach auf der "kühnen Fiktion einer Bindung aller politisch folgenreichen Entscheidungsprozesse an die rechtlich verbürgerte diskursive Willensbildung des Staatsbürgerpublikums". In einer modernen, von Sozialtechniken beherrschten Gesellschaft zeigt sich nun in der von Institutionen, insbesondere also auch von Städten, betriebenen Öffentlichkeitsarbeit ein Verfallsprozeß der bürgerlichen Öffentlichkeit, denn das Bemühen um die Herstellung von Öffentlichkeit - der "Akt der Kommunifikation" - korrespondiert mit einem in spätkapitalistischen Gesellschaften vorhandenen "Legitimationsprozeß, der Massenloyalität verschafft, aber Partizipation vermeidet". In bezug auf die kommunale Öffentlichkeitsarbeit bedeutet dies, daß Öffentlichkeit durch eine gezielte Öffentlichkeitsarbeit "nur dann hergestellt wird, wenn Publizität zur Durchsetzung ihrer eigenen Ziele dienlich ist, um ihr Handeln akklamationsfähig zu machen".


Damit entsteht die Frage, unter welchen Bedingungen die kommunale Öffentlichkeitsarbeit überhaupt einen produktiven Beitrag zur Stadtentwicklung leisten kann. Soweit erkennbar, wird es zunächst notwendig sein, den Bereich der "systematisch verzerrten Kommunikation", der vor allem auch mittels Öffentlichkeitsarbeit verstärkt produziert wird, durch die Entwicklung einer wirksamen "Gegenöffentlichkeit" seiner inneren Unwahrhaftigkeit zu entkleiden.