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Bochums Wirtschaftsleben

im Zeichen der Gewerbe- und Handelspolitik der preußischen Könige des 18. Jahrhunderts

Karl Brinkmann

Im Jahre 1776 hatte Seiner königlichen Majestät Regierung zu Cleve den Städten befohlen, daß sie "die fehlenden Professionalisten durch das Duisburger Intelligentzblatt näher einladen" sollten. Alle Quartale mußte über den Fortgang der Förderung des städtischen Gewerbes berichtet werden. "Denen Ausländern", die sich in preußischen Landen niederlassen wollten, mußte "alle Assistenz und faisable Hilfe" werden. Beruhigt konnte die Bochumer Stadtverwaltung öfters melden: "Es haben sich keine gemeldet, um sich niederzulassen". Aber die Regierung ließ nicht locker. Sie legte zur Vereinfachung der Verwaltungsarbeit sehr umfangreiche, gedruckte Fragebogen vor, in die von den geplagten Beamten nur die Zahl der vorhandenen Vertreter der verschiedenen Gewerbezweige eingetragen werden mußte. Die Bochumer Fragebogen weisen viele Striche auf, viele Gewerbe fehlen. Es sind allerdings auch viele darunter, die im Westen völlig unbekannt waren. Immerhin mußte im Duis-burger "Intelligentzzettel" inseriert werden, ohne daß danach gefragt wurde, ob für die betreffende "Profession" eine vernünftige Ansiedlungsmöglichkeit bestand.

So meldete sich 1787 auf eine solche "Invitation" hin tatsächlich ein "Ausländer" mit einem Gesuch um Niederlassung in Bochum. Offenbar hatte er sich durch die großzügigen Versprechen der preußischen Regierung verlocken lassen. Es ist der Weißgerber Wilhelm Fabian aus Dortmund, der eine "Weißgärber-Fabrique" aufmachen will. Seine Forderungen sind nichts weniger als bescheiden. Er verlangt "a) für sich, seine Söhne und evtl. ausländische Gesellen Werbefreyheit, b) zur besseren Poussierung der Fabrique 200 Thaler Vorschuß, nicht weniger, c) Abgabenfreyheit auf 10 Jahre außer Akzise, d) Genehmigung, die Wolle, die er innerhalb des Königs Landen nicht debitiren könne, außerhalb Landes zu holen, e) noch sich ausbitten wollte, daß ihm zur Erhaltung einer Walkmühle von Seiten des Magistrats einige Hülffe und Recommendation zufließen möchte". Er weist dabei auf den Bach bin, dessen sieh die Lohgerber bereits bedienen.

Die Stadt muß sich also mit dem Gesuch befassen und darüber sogar nach Cleve berichten. Sie erklärt zu Punkt a, daß sofort zugesagt werden könne. Zu Punkt b muß sie mitteilen, daß kein Geld vorhanden ist zu c, daß man weitgehend entgegenkommen wolle, daß die Abgabenfreiheit sich aber nach den Umständen richten müsse und notfalls auch für 10 Jahre bewilligt werden könne. Zu Punkt d kann sie nicht selbst entscheiden, da einem solchen Gesuch ein königliches Verbot entgegensteht. Sie berichtet darüber nach Cleve, meint aber, daß es unnötig sei, da es an Gelegenheit dergleichen Wolle im Lande zu kaufen, nicht fehlen dürfte. Zum letzten Punkt schließlich wird gesagt, daß man die Bitte wohlwollend prüfen werde, daß aber den Lohgerbern etc. kein Nachteil daraus entstehen dürfe. Dabei blieb es. Dem Fabian muß die Lust vergangen sein, als er erfuhr, daß mit baren Zuschüssen oder Vorschüssen nicht zu rechnen sei.

Bei diesem Beispiel wurde absichtlich verweilt, da es charakteristisch die Auswirkungen der merkantilistischen Politik der preußischen Könige auf eine kleine Kreisstadt wie Bochum zeigt. Ihre erste sichtbare Folge ist ein umfassender Papierkrieg. Der Staat kümmert sich um das Wirtschaftsleben in allen Einzelheiten, er kontrolliert Produktion und Absatz, selbstverständlich Im- und Export und wirkt auch auf die Preise ein. Sein Ziel ist den Import zu drosseln und die Ausfuhr zu steigern. Der eigene Wirtschaftsraum wird soweit wie möglich gegen jeden nicht unbedingt notwendigen Import abgeschnürt durch Einfuhrverbote oder überhöhte Zölle. Wo die Rohstofflage einzelner Gewerbezweige den Kauf im Auslande unumgänglich macht, versucht man, entweder eine eigene Rohstoffbasis zu schaffen oder auf andere Rohstoffe auszuweichen, die im Inlande zu haben sind. Alles, was geeignet ist die Unternehmerinitiative zu stärken, wird in die Wege geleitet Zur Belebung des Wirtschaftsverkehrs nimmt man sich schließlich auch der Verkehrswege an, baut Chausseen und verbessert Wasserstraßen. Ein spezieller Zug des preußischen Merkantilismus ist schließlich noch die Bemühung, den königlichen Domänialbesitz mit allen Mitteln zu vergrößern.

Zweifellos sind die Erfolge dieser Wirtschaftspolitik unter Friedrich Wilhelm I. und Friedrich II. groß. Sie erst befähigen sie, einen geordneten Staatshaushalt aufzustellen, der im übrigen eine Erfindung des Soldatenkönigs ist. Sie ermöglichen dem Staat, das starke stehende Heer zu halten und sich in einer ausreichend besoldeten und deshalb unabhängigen Beamtenschaft die stärkste Stütze des Thrones zu schaffen. Von all den segensreichen Auswirkungen dieser Politik hat Bochum freilich nicht allzuviel verspürt Dafür haben sich hier manche Nachteile, vor allem das Bestreben, die gewerbliche Tätigkeit unter allen Umständen auszubreiten, oft recht unangenehm ausgewirkt Die Lage Bochums im äußersten Westen einer preußischen Enklave in geistlichem Be-sitz, der langsam gewachsene, aber stark ausgeprägte Eigencharakter der Stadt und nicht zuletzt die Unsicherheit der politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse in den vielen Kriegen des 18. Jahrhunderts, in denen Bochum dem feindlichen Zugriff ziemlich wehrlos preisgegeben war, standen der systematischen Wirtschaftspolitik entgegen. Wenn auch nur im Siebenjährigen Kriege die Gewalt der Feinde Preußens verheerend über unsere Stadt hinwegbrauste, die exponierte Stadt in der kleinen Enklave war immer ein neuralgischer Punkt der preußischen militärischen Planung, und man konnte nicht wissen, ob wirtschaftliche Erfolge, die man hier errang, nicht der Kriegsführung des Feindes zugute kommen würden. So lag es ziemlich lange nur im Interesse der preußischen Regierung, wenn im Westen keine rüstungswichtigen Gewerbe oder "Fabriquen" entwickelt wurden. Auch die Förderung der Verkehrswege lag nicht im Interesse der preußischen Politik, denn sie konnten allzugut einem Feinde, dem man auf dem kleinen Raum der Grafschaft Mark inmitten von zum mindesten neutralen Staaten keinen ernsthaften Widerstand entgegensetzen konnte, als Aufmarschwege und Etappe dienen.

Besonderes Gewicht wurde von der preußischen Regierung der Förderung der textilen Gewerbe im Inland beigemessen. Das Luxusbedürfnis war beträchtlich und gerade für die Einfuhr von Stoffen und Kleidern wurden beträchtliche Summen erfordert denen keineswegs immer ein ausgleichender Export gegenüberstand, so daß eine laufende Verarmung an münzfähigen Edelmetallen zu besorgen war. Am schwierigsten aber war die Versorgung des stehenden Heeres, seitdem die Uniformierung eingeführt war. Es war trotz aller Schwierigkeiten offenbar leichter, die nötigen Männer mit mehr oder weniger Gewalt zu finden, als die Massen gleichmäßiger Stoffe für die vollkommen gleichen Uniformen der Regimenter. Jedes Stück Tuch mußte von Hand gesponnen, gewebt und genäht werden. Man mußte Hunderte, gelegentlich Tausende von Webern und Schneidern, aber auch Schustern und Sattlern auf eine einzige Arbeit zusammenfassen, um größere Truppeneinheiten in annehmbarer Zeit zu uniformieren. Rasch und billig sollte das geschehen. Deshalb bemühte sich die Regierung, genaue Statistiken darüber anzulegen, wo und wieviele Vertreter solcher Gewerbe es gab. Wo sie fehlten, sollten sie schleunigst angesiedelt werden. Es war wahrhaft kein Vergnügen, in dieser Zeit Stadtvater zu sein. Die königliche Regierung kannte kein Fackeln, und die gewohnte Praxis, Anfragen auf die lange Bank zu schieben, bis sie sich durch Altersschwäche selbst erledigten, wurde durch drakonische Geldbußen bestraft.

Für Bochum wie für die ganze Grafschaft Mark hatte diese neumodische Politik zunächst keine sonderliche Bedeutung, wenn sie auch einen erheblichen Papierkrieg entfesselte. Friedrich Wilhelm I. war fast ausschließlich an der wirtschaftlichen Hebung seiner "kriegswichtigen" Gebiete, die im Osten, im geschlossenen preußischen Staatsgebiet lagen, interessiert. So bietet ein Bochumer Bericht vom Jahre 1722 noch das

Bild einer gewerbefleißigen, aber ganz auf den Bedarf ihrer näheren Umgebung, praktisch des Amtes Bochum ausgerichteten Stadt Es gibt in Bochum damals 21 Tuchmacher, "die aber nicht alle arbeiten, die meisten spinnen auch nur die Wolle". Es gibt weiter 8 Leineweber und 14 Schneider. Das sind scheinbar bei 1663 Einwohnern beachtliche Zahlen. Als Mittelpunkt des größten ländlichen Kreises der Grafschaft Mark aber, bei dem eine um mindestens das Zehnfache höhere ländliche Bevölkerung anzunehmen ist erklärt sich diese Zahl ausschließlich aus dem Bedarf der nicht gewerblich tätigen Bauernbevölkerung, die naturgemäß in der Stadt Stoffe kaufte und schneidern ließ. Es geht zu weit wenn man mit Darpe schließen wollte, daß wegen der verhältnismäßig hohen Zahl von Tuchmachern Bochum ein alter Mittelpunkt des für den Export arbeitenden Tuchmachergewerbes gewesen wäre. Der Vorschrift entsprechend müssen auch die fehlenden Gewerbe aufgezählt werden. Die Bochumer nennen Zinngießer und Hutmacher, offenbar glauben sie, daß diese beiden Gewerbe noch am ehesten eine Ansiedlungsmöglichkeit hätten.

1736 werden noch 10 Wollspinner und zwei Wollenweber, dagegen 19 Schneider gezählt Das Wollgewerbe bat gewisse Schwierigkeiten durch radikale Einfuhrverbote für Rohwolle, die für den kleinen Gewerbetreibenden oft schwer zu beschaffen ist. Für Tuchmacher, Strumpfwirker usw. fordert de Generaltabelle für 1736 eine genaue Spezifikation. Es ergibt sich also folgende "Assignatio derer Tuch-, Zeug-, Hut- und Strumpfmacher, welche sich bey der Aufnahme der Stadt Bochum in Anno 1736 befunden:

I. Tuchmacher Meister Gesellen

1. Henrich Paßmann 1 1
2. Carl Boy 1 4
3. Henrich Homborg 1 2
4. Dieth. Schlett 1 --

II. Zeugmacher

1. Andreas Römer 1

III. Strumpfmacher
cessat ( = fehlt)

IV. Hutmacher
1. Abraham Horst 1 1

Es ist also schon eine ansehnliche Zahl von Vertretern dieser Lieblingsgewerbe des Merkantilismus angesiedelt Die Sache kommt aber nicht recht in Flor. Die "historischen Tabellen" für 1741/425 bieten noch ungefähr das gleiche Bild wie 1736. 1745/46 aber meldet die Stadt:

I. Tuchmacher cessat

II. Zeugmacher cessat

III. Strumpfwirker cessat

IV. Hutmacher 1) Abraham Horst 1 Meister und 1 Geselle.

Die geforderten Angaben über die Menge der erarbeiteten Wolle werden zum ersten Male für 1741/42 gemacht. Ein paarmal hatte die Stadt stereotyp geantwortet: "Hiervon hat Magistratur keine Wissenschaft und muß die Akzisekasse antworten". Man wußte in Cleve aber recht wohl, daß von der Magistratur zur Akzisekasse nur ein kurzer Weg war, und die Stadt mußte einen energischen Rüffel einstecken, dem die Androhung von Geldstrafen angehängt war. 1741/42 sind 95 5/11 Steine Wolle verarbeitet worden. Gemeint sind leichte Steine zu je 11 Pfund. Das sind in heutiges Maß umgerechnet rund 240 kg. Diese Menge wird mit geringen Schwankungen auch in den folgenden Jahren eingehalten. 1749/50 heißt es bei Tuch- und Zeugmacher immer noch cessat. Dagegen hat sich ein neuer Strumpfmacher angefunden, er heißt Godfried Deninghoff. Der Hutmacher Abraham op der Horst hält sich wacker und übersteht viele Schwierigkeiten. Der letzte Bericht vor dem Siebenjährigen Kriege, der 1756 herauskommt kann als besonderen Erfolg melden, daß sich jetzt drei Hutmacher in Bochum befinden, nämlich

1) Hobefl Ellert

2) Abraham op der Horst

3) Johann op der Horst

zusammen 3 Meister und 1 Geselle

Sie haben zusammen 72 3/11 Steine Wolle verbraucht, das entspricht etwa 220 kg. Einen nicht geringen Kummer machte die Regierung 1746 dem Bochumer Magistrat. "Auf allerhöchste Order" sollte die Anpflanzung von Maulbeerbäumen zur Beförderung der Seidenraupenzucht in die Wege geleitet werden. Der Ankauf der Kokons zu den höchsten Preisen wurde durch königliches Wort zugesichert. Es war ein Schlag gegen die französischen Seidenwebereien, und er hatte am Niederrhein ein sehr stattliches Ergebnis. Noch heute blüht in und um Krefeld die Seidenweberei, die auf jene befohlene Aktion zurückgeht. Sie hat der französischen Finanzwirtschaft, die erhebliche Zuwendungen über die Ausfuhr dieses begehrten Luxusartikels bezog, empfindlich geschadet In Bochum wurde aus der ganzen Sache nur ein Protokoll: "Bochum, den 8. Aug. 1746 - Bürgermeister Jacoby und Senator Westhoff - wurde die ergangene proclamatio wegen pflantzung der maulbeerbäume cum attestatis de fata publicatione - reproduciret und hatt sich magistratur auf dem rathhause in gewöhnlichen maßen versamlet und die Liebhaber wegen pflantzung der maulbeerbäume erwartet da dann niemand erschienen, welcher sich dazu bequemen wollte". Zwei Jahre vor Ausbruch des Siebenjährigen Krieges wird der Kriegsrat Johann Rembert Roden in die Grafschaft Mark geschickt um die wirtschaftlichen Erschließungsmöglichkeiten zu erkunden. Man darf getrost von Erschließung sprechen, denn die Mark war für den preußischen Merkantilismus eine Art Kolonialgebiet, weit entfernt vom geschlossenen Staatsgebiet Die heillose staatliche Aufsplitterung des westfälischen Raumes erschwerte gerade in einer Zeit merkantilistischer Bestrebungen und der gegenseitigen Abschließung Handel und Wandel sehr. Eine wirtschaftliche Entfaltung über den engeren Lebensraum, für Bochum also das Amtsgebiet hinaus war fast unmöglich, weil überall Staatsgrenzen anstießen. Sie war um so schwerer, als die bergischen Nachbarn, "welche mobil wie Merkur selbst" für die mögliche Eisen- oder Textilindustrie die schärfste Konkurrenz bedeuteten. Nur mit viel Geduld und Kapital oder mit besonders originellen Erzeugnissen konnte sich jemand dagegen durchsetzen. Das gelang in Bochum dem Senator Moritz Kampmann seit 1760 mit seiner oft beschriebenen "Caffeemühlenfabrique". Er be-saß Kapital genug, um großzügig vorgehen zu können, und so schuf er für 50 Jahre etwa Bochums größtes "industrielles Etablissement", in dem zur besten Zeit bis zu 25 Leute, vereinzelt sogar noch mehr, in einer Art Verlagssystem beschäftigt waren. Sie arbeiteten die einzelnen Teile in den eigenen Werkstätten in ihren Häusern und lieferten sie dann an die zentrale Werkstatt im Weilenbrink zum Zusammensetzen ab. Kampmann besuchte fleißig "ausländische Messen" in Frankfurt und Leipzig und sorgte für Export Er war der Regierung aus dem doppelten Grunde lieb und wert, daß er für viele Tausende von Talern alljährlich "exportierte, nämlich nicht nur ins "Essendische und Werdensche", sondern auch nach Holland, Hessen und Sachsen, und weil er Geld genug hatte, sein "Etablissement aus eigener Kraft zu poussieren". Es war ein Betrieb ganz nach dem Herzen eines überzeugten Merkantilisten. Nur einheimische Rohstoffe (Holz, Eisen und Eisenblech aus der Mark) wurden verbraucht ein ansehnlicher Teil der Erzeugung aber ging ins Ausland und brachte Geld ins Land. Den entscheidenden Schlag erhielt dieses Unternehmen erst durch die Kontinentalsperre Napoleons. Es gab keinen Kaffee mehr, also kaufte auch niemand mehr Kaffeemühlen. Die angepriesenen Surrogate waren sowieso ungemahlen zu verwenden, und der Kornkaffee ist erst erheblich später erfunden worden.

Roden muß feststellen, daß die märkischen Bürger in allzu großer Selbstgenügsamkeit dahinleben. Er sieht die Welt nur als Merkantilist die historischen Gegebenheiten interessieren ihn nicht. Er erklärt in seinem Bericht über die Stadt Bochum: "1) Die Hauptnahrung dieser Stadt ist der Ackerbau. Fabriquen und Manufacturen sind hier gar nicht. 13 Leineweber sind nur vorhanden und 1 Hutmacher. 2) Im Amte Bochum an der Mees liegt 1 Stahl- und Eisenhammer mit 3 Feurs, worauf aber nicht gearbeitet wird. 3) Im Amte Bochum sind 2 Papiermühlen als zu Herne und Witten." Was Roden von Wattenscheid sagt, will er sinngemäß auch auf Bochum angewandt wissen: "Wo der Ackerbau praedominiret, da cessiren die Fabriquen".

Dieser Bericht hat erheblich dazu beigetragen, ein falsches Bild von der Geschichte unserer Stadt zu verbreiten und zu festigen. Es besagt, daß Alt-Bochum ein Ackerstädtchen gewesen sei, dessen Bewohner sich überwiegend recht und schlecht von der Landwirtschaft ernährt hätten. Das ist falsch. Gewiß hat die landwirtschaftliche Betätigung eine gewisse Rolle gespielt im 18. Jahrhundert ist das in allen Städten der damaligen Welt so. Aber der Grundbesitz in einzelnen war so gering, daß er wohl eine erwünschte Erweiterung der "Nahrung" bringen konnte, für den Lebensunterhalt aber bei weitem nicht ausreichte. Die "historischen Tabellen" lassen erkennen, daß fast die Hälfte aller Haushaltungen auf Handwerker entfallen, 1736 sind es 154 bei 35 ver-schiedenen Handwerkszweigen. Dazu kommen weitere 26, in denen Detailhandel betrieben wird, 23 Wirtschaften und 4 Beherbergungsbetriebe. Die Zahl der Tagelöhner beträgt nur 30. Über 30 Haushaltungen aber entfallen auf Gericht Staatsbehörden und Stadtverwaltung, mindestens 20 auf Kirchen- und Schulbedien-stete. 27 Hausbesitzer sind Soldat Wenn man bedenkt, daß kaum mehr als 350 Haushaltungen anzusetzen sind - für 1722 ist diese Zahl angegeben, allerdings sind etliche unbewohnte, weil baufällige Häuser dabei mitgezählt -,so ergibt sich ein recht lebhaftes, gewerbefleißiges Kreisstädtchen, das in Handel und Gewerbe auf den Bedarf des landwirtschaftlichen Amtes ausgerichtet ist und hier seinen Lebensunterhalt im allgemeinen finden kann. Die Landwirtschaft der Bürger dient nur dazu, sie krisenfester zu machen, weil die landwirtschaftlichen Erlöse oder die Eigenerzeugung in Notzeiten eine wirksame Reserve sein können. Es kann aber gar nicht die Rede davon sein, daß die eigene Landwirtschaft den Lebensbedarf deckte oder gar noch Überschüsse zum Verkauf ergab.

Die landwirtschaftliche Erzeugung wird erst gegen Ende des 18. Jahrhunderts von der eifrigen preußischen Statistik erfaßt. Es ist aber sehr unwahrscheinlich, daß die Zustände in früheren Jahrzehnten wesentlich anders gewesen wären. Für 1794 sind folgende Angaben charakteristisch. Der Verbrauch an Weizen und Roggen zum Backen und Brennen in der Stadt wird mit 9700 Scheffel angegeben. Von den Bürgern wurden erzeugt insgesamt 2132 Scheffel, wovon 268,75 Scheffel als Saatgut wieder verbraucht wurden, so daß 1863,25 Scheffel verbleiben. Vier Fünftel des benötigten Weizens und Roggens mußten also zugekauft werden. Etwas günstiger liegen die Verhältnisse bei der Gerste. Erzeugt wurden in diesem Jahre 1171 Scheffel, wovon 151 als Saatgut zurückbehalten wurden, so daß 1020 Scheffel verbleiben. Verbraucht aber wurden allein zur Biererzeugung 1800 Scheffel Malz.

An Kühen wurden damals in Bochum etwa 450 gehalten. Zum Schlachten mußten aufgetrieben werden: 150 - 170 Kühe, 500 - 550 Kälber, 450 bis 500 Schafe und 350 - 400 Schweine. Schafe aber wurden in Bochum überhaupt nicht gehalten, weil die Weidefläche fehlte. Die landwirtschaftliche Nutzfläche war immer recht be-schränkt die Verhältnisse lagen hier für die Landwirtschaft erheblich ungünstiger als in den meisten Hellwegstädtenl, Rodens etwas ärgerliche Bemerkung ist also geeignet, ein falsches Bild von der wirtschaftlichen Betätigung der Bochumer im 18. Jahrhundert zu geben. Er verkennt vor allem, daß die mangelnde gewerbliche Initiative im Sinne des Merkantilismus andere Gründe hat als Böswilligkeit oder Selbstgenügsamkeit wegen der doch alle Schwierigkeiten überbrückenden Ackernahrung. Es fehlt an günstigen Verkehrswegen, an Kapital und vor allem an Absatzgebieten in dem von Staatsgrenzen eingeengten Lebensraum Alt-Bochums.

Der Siebenjährige Krieg bedeutet für Bochum wie für die ganze Grafschaft Mark ein großes Unglück. Es war im Grunde gleichgültig, ob Freund oder Feind, die mit Preußen verbündeten Hannoveraner, Engländer, Hessen oder Braunschweiger, oder die feindlichen Franzosen über die Stadt hinwegzogen. Immer gab es Kontributionen bei völliger Lähmung des Wirtschaftslebens. Freilich erwiesen sich die Franzosen als die Findigsten, wenn es galt aus dem verarmten und verschuldeten Städtchen noch neue Summen herauszupressen. Die Bevölkerungszahl sank. 36 Bürger wurden nach dem Kriege als arm (pauper) bezeichnet sie konnten also keine städtischen Abgaben mehr zahlen. Der einzige übriggebliebene Hutmacher ist dabei nicht mitgezählt weil er sowieso noch Abgabenfreiheit genoß. Übrig blieben weitere 5 Wollspinner, 12 Leineweber und 13 Schneider, die alle in bedrängten Umständen waren. Sonderlich verändert ist sonst das Bild des gewerblichen Lebens nach dem Kriege nicht. Die einzelnen Gewerbe waren auf den Bedarf des Kreises eingerichtet und wohl nie sonderlich übersetzt sie fanden auch jetzt noch ihr wenn auch kärgliches Auskommen. Merkwürdigerweise hat sich gerade in der Zeit der größten Verarmung ein Goldsticker niedergelassen. Aber wahrscheinlich hat er bei den vielen Durchzügen uniformierter Truppen am ehesten noch sein Auskommen gefunden.

Mit dem Ende des Siebenjährigen Krieges erscheint der Besitz der westlichen Gebiete Preußens gesichert, wenn auch die vielen Grenzschwierigkeiten zunächst noch blieben. Immerhin wird es jetzt ernster mit den Plänen zur wirtschaftlichen Förderung der Grafschaft Mark. Es war die höchste Zeit denn die Mark stand am äußersten Ende ihrer wirtschaftlichen Kraft. Aber alles braucht seine Zeit. Zunächst überwog noch das Interesse der Rüstung, Handwerker, die zu ihr beitragen konnten, waren gefragt. Als im Dezember 1762 die letzten Franzosen abzogen, weil preußische Truppen heranrückten, brachten diese Preußen gleich wieder einen Fragebogen mit. Hier seien Fragen und Antworten wiedergegeben.

Damit war diese Anfrage erledigt. Kaum hatten sich die Stadtgewaltigen von der Mühe erholt da befiel sie ein neuer Schrecken. Im Januar 1763, also noch vor Kriegsende, traf ein Befehl der Regierung ein, eine Nessel-Fabrik und eine "Canefas"-Fabrik in Bochum einzurichten. Man muß nun nicht gerade ein Prophet sein, um wissen zu können, daß daraus natürlich nichts wurde. Erfreulicherweise wurde im Februar der Frieden von Hubertusburg abgeschlossen, so daß die Regierung in ihren Forderungen milder wurde.

Immerhin bringt das folgende Jahrzehnt in mancher Hinsicht Erfolge. Manche "Professionalisten" werden angesiedelt auf die bereits erwähnten Inserate im "Duisburger Intelligentzblatt" hin. Die herrschende Mode führt als bisher unbekanntes Gewerbe die Siamosenmacherei ein, die es auf zwei Betriebe bringt. 1784 setzen sie ein Verbot, "bergische Waren" einzuführen, durch. Die gegenüber solchen Verboten skeptischen Stadtgewaltigen beschließen, es "denen Kaufleuten und Krämern weiterzugeben". Sie wußten genau wie schwer es war, ein solches Verbot durchzusetzen, da es praktisch keinen Grenzschutz gab und der Verkehr über die Essendische Grenze sich völlig frei bewegen konnte.

Eine mit recht gemischten Gefühlen betrachtete Regierungsmaßnahme zur Auffüllung der zurückgegangenen Bevölkerung nach dem Kriege war die Ansiedlung von Soldatenfamilien. Sie gehörten offenbar weder zu den betriebsamen noch friedlichen Elementen. Im Bericht für 1764/65 meldet die Stadt mit einer gewissen Befriedigung den Abgang von 20 Familien: "verschiedene Soldaten von der Weselschen Garnison haben sich nach dem Frieden hierselbst niedergelassen mit ihren Familien, wegen ihres üblen Verhaltens aber in ausgeübten Diebstählen sind selbige theils in diesem Jahr förmlich wiederum davon gegangen und theils von ihren Regimentern solcherhalb eingezogen worden, und also dadurch dieser Abgang entstanden, weilen selbige in der vorjährigen Auffnahme mit auffgeführet worden".

Im Jahre 1787, als die preußischen Finanzen wieder geordnet sind, ist die königliche Regierung grundsätzlich bereit aus Staatsmitteln "Vorschüsse zur Poussirung" erwünschter Gewerbe zu geben und auch den kritischen Finanzverhältnissen der Städte im Westen aufzuhelfen. Auch Bochum wird zur eingehenden Berichterstattung aufgefordert. Der erste Bericht führt aus: "1) Kampmann hat Geld genug. Die hiesigen Strumpfweber brauchen á 100 Thaler. 2) Nahrungsstand und bürgerliches Gewerbe bestehet hier im Detailhandel, wie in einer kleinen Landstadt gewöhnlich, Bierbrauen und Fuselbrennen, und alle diejenigen, welche ihren Handel und Nahrung mit unermüdetem Fleiße betreiben, finden dabey ihr nothdürftiges Auskommen ohne weitere Unterstützung, denn an Müßiggänger würden Wohlthaten doch nichts helfen. 3) Der Handel ist beschränkt weilen Bochum an keinem Flusse liegt auch der Detailhandel wird dadurch geschwächet, daß zu nahe an auswärtige Örter gränzet."

Die Regierung aber fordert eine genaue Spezifikation. Darauf erfolgt folgende Stellungnahme:

"1) Caffeemühlenfabrique Senator Kampmann sehr gut

2) 6 Strumpfwirker

1. Peter Hoch (aus Wetzlar seit 1764) 2 Stühle

2. Henr. Ruppel (aus Schwelm seit 1779) 2 "

3. Carl Thran (aus Butzbach seit 1783) 1 Stuhl

4. Adam Laudsbach (aus Gießen seit 1784) 1 "

5. Henr. Velten (aus Bochum seit 1785) 1 "

6. Henr. Schauenburg (aus Hessen seit 1786) 1 "

Alle Strumpfweber sind in schlechten Vermögensumständen, jeder benötigt mindestens 100 Thaler zur Beschaffung von Stühlen und Material.

1. Hutmacher Oppenhorst ist gleichfalls in schlechten Umständen und benötigt mindestens 50 Thaler.

Fabriquation Stück Wert

Kaffeemühlen 18 000 9000 Thaler

Strümpfe und Mützen 5 000 3000 "

Hüthe 400 400 "

Vorschläge zur besseren Aufhülffe der Stadt und Bürgerschaft:

1) Die weitere Ausführung des Steinpflasters an den Stadtthoren und zwar

a) vorm Butenbergsthor circa 50 ruthen

b) vorm Beckthor " 30 "

c) vorm Brückthor " 30 "

d) vorm Bungardsthor " 40 "

e) vorm Hellwegsthor " 60 "

Summa 210 "

wozu pro Ruthe 5 Reichsthaler, das sind für 1050 Rthlr, erforderlich seyn dürfften.

2) da die großen Bruchsteine, besonders in engen Straßen der Stadt nur wenige Jahre halten, so müßte wenigstens die Hauptstraße mit Kieselsteinen belegt werden.

3) die gäntzliche Aufhebung des Tobackgeldes mit dem 1. Juny 1787, weil sodann die Erhöhung des

Stempelpapiers eingeführt werden soll.

4) Am mehesten aber würde die Stadt und Bürgerschafft durch die Werbefreyheit aufgeholffen werden, und würde sich ein jeder sonst obligater Bürger ein leydliches Wertegeld gern gefallen lassen.

5) Noch könnten die Capitalien und Grundstücke, welche das ehemalige Jesuitenkollegium zu Essen im Amte Bochum und umliegender Gegend gehabt, zur Verbesserung der hiesigen protestantischen Lateinischen Schule sehr nützlich verwendet werden.

Bemerkungen; Außer dem vorbemerkten Vorschuß für die Strumpffabricanten (100 Thaler für jeden) würde es denenselben noch besonders zuträglich sein, wenn eine Walckmühle in der Nähe der Stadt angeleget würde, wozu sich wohl ein bequemer Platz ausfindigen ließe; dieses würde noch den Vortheil haben, daß solche nicht nur den Lohgärbern ebenfalls gut zu statten kommen, sondern auch dadurch noch mehrere Fabricanten als Weißgärber, Tuch- und Miscellanmacher angezogen werden könnten".

Viel wurde nicht aus diesen Vorschlägen. Alle Städte schienen den Staat als den "großen Onkel" zu betrachten, von dem man ansehnliche Mittel holen könne. In Wirklichkeit war die finanzielle Möglichkeit des Staates be-schränkt und gegen Ende des Jahrhunderts längst in andere Bahnen gelenkt. Der Bericht, den Carl Arnold Kortum in "Nachrichten vom ehemaligen und jetzigen Zustand der Stadt Bochum" 1790 gibt, läßt erkennen, daß die merkantilistischen Bestrebungen der preußischen Regierung zwar gewisse Spuren hinterließen, aber das wirtschaftliche Leben des Kreisstädtchens Bochum nicht wesentlich wandelten. Die Zahl der Vertreter der einzelnen Handwerke ist fast überall die gleiche wie 1722. Die Fabrikanten en gros, die er nennt müssen die Gebrüder Brinkmann und Comp. mit ihrer "Tuch- und Cashmir-Fabrique" sein, die erst in der ersten Hälfte des folgenden Jahrhunderts ihren Höhepunkt erreicht, und die vor allem "feine wollblaue und wollgrüne" Stoffe herstellt Gestiegen ist die Zahl der Tagelöhner um etwa die Hälfte. Manche von ihnen mögen auch bereits außerhalb der Stadt ihr Brot gesucht haben. Eine sonderliche Finanzhilfe haben die im Zuge der merkan-tilistischen Bestrebungen in Bochum angesiedelten Gewerbe offenbar niemals erhalten. Die politische Unruhe, die den deutschen Westen mit dem Ausbruch der französischen Revolution erfaßte, ließ sowieso Maßnahmen zur Förderung der westlichen preußischen Enklaven problematisch erscheinen. Überdies hatten die merkantilistischen Anschauungen an Überzeugungskraft verloren, neue Ideen traten auf, die zwar langsam, aber dann gewaltig das Wirtschaftsleben des Westens wandelten. Viel mehr als alle Regierungsmaßnahmen zur wirt-schaftlichen Förderung wirkte sich der Reichsdeputationshauptschluß vom Jahre 1803 aus, bei dem Preußen für ungefähr 50 Quadratmeilen auf dem linken Rheinufer etwa 150 Quadratmeilen auf dem rechten aus ehemals geistlichem Besitz erhielt Jetzt war die Grenzlage Bochums aufgehoben, bisher unerhörte Möglichkeiten der wirtschaftlichen Ausbreitung waren gegeben. Doch auch das brauchte seine Zeit. Bochum war ein Kreiststädtchen, in dem die Beamten den Ton angaben; es fiel ihm nicht leicht diesen Charakter mit dem einer Industriestadt mit besitzloser Arbeiterbevölkerung zu vertauschen.

Nach dem bisher Gesagten könnte der Eindruck entstehen, daß die merkantilistische Politik Preußens für unsere Stadt nur geringe, vielleicht gar negative Bedeutung gehabt hätte. Gewiß, die Versuche, textile Gewerbe oder In-dustrien anzusiedeln, hatten nur geringen Erfolg und selten einen befriedigenden für die Beteiligten. Aber andere Maßnahmen, die der wirtschaftlichen Belebung der Mark dienten, sollten später sehr entscheidend auf das Leben der Stadt zurückwirken und ihre künftige Entwicklung beeinflussen. Da ist einmal das für damalige Verhältnisse großartige Werk der Schiffbarmachung der Ruhr zwischen 1770 und 1780. Es hat die machtvolleBelebung des Steinkohlenbergbaues im Gefolge, der schon im 18. Jahrhundert die südlichen Gebiete des Amtes Bochum erfaßte, und dann nach den Hemmnissen der napoleonischen Kriege Schritt um Schritt auf das alte Stadtgebiet zuwuchs und damit eine neue Lebensgrundlage für die Stadt schuf. Von kaum geringerer Bedeutung sind die Chausseebauten, die im Zuge merkantilistischer Bestrebungen begonnen, freilich im Regelfalle erst später ausgeführt wurden, und die entscheidend dazu beitrugen, die Verkehrsnot zu beheben. Die 1789 bis 1795 gebaute Chaussee Bochum--Krengeldanz und der Bau der Essener Chaussee sind für die Entwicklung des heutigen Stadtkernes Bochums wahrscheinlich noch maßgeblicher gewesen als die Schiffbarmachung der noch ziemlich entfernt liegenden Ruhr.

Der einzige Industriezweig, der aus dem Gewerbe des 18. Jahrhunderts in die Gegenwart hinüberragt, ist die ebenfalls zeitweilig von der preußischen Regierung geförderte Tabakindustrie. 1816 gab es eine Tabakfabrik mit 8 Arbeitern, daneben 3 private Tabakspinner. Sie war abwechselnd Hätschelkind und Sorgenkind des Merkantilismus. Man konnte dem Tabakverbrauch, der auf Einfuhr beruhte, nicht Einhalt gebieten, man versuchte aber gelegentlich, ihn zu drosseln. Der von Friedrich dem Großen vorgelebte Übergang vom Rauch-zum Schnupftabak, bei dem die absolute Menge verringert, der Verkaufswert aber infolge der gesteigerten Arbeitskosten höher wird, war nicht nur Modesache, er lag im Zuge des Merkantilismus. Immerhin haben wir hier neben dem Braugewerbe, das erst im 19. Jahrhundert den Übergang zur Industrie vollzog, den einzigen Zweig alteinheimischer Erwerbstätigkeit, der bis in die Gegenwart fortlebt

Die wirtschaftliche Entwicklung unserer Stadt ist im Grunde ohne die von merkantilistischen Gedanken ausgehende Politik der preußischen Könige schwer vorstellbar. Aber sie wurde erst möglich, als der Merkantilismus und das auf ihm beruhende Direktionsprinzip für den Bergbau überwunden wurde. Ein glückliches Geschick ließ zum geeigneten Zeitpunkt immer die Männer die Verantwortung für die Wirt-schaftspolitik übernehmen, die im 18. ebenso wie im 19. Jahrhundert die Zeichen der Zelt verstanden.