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Heimatkundliche Streifzüge durch Langendreer

Alfred Kreuzer

Langendreer, der östlichste Stadtteil, ist zugleich der größte Bochums. Von hier aus kommt man schnell in die Stadtkreise Dortmund oder Witten. Nach Witten fühlte sich Langendreer immer stark hingezogen. Man brauchte nur Langendreerholz oder den Westerberg zu überwinden, um im Ruhrtal die schönste "Kirmeß" zu feiern. Auch gab es in Witten gute Märkte, die von Langendreer gern besucht wurden. Die Linienführung der "Westfälischen" und späteren "Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahn" förderte den traditionellen Verkehr zwischen Langendreer und Witten. Der geschichtliche Zug der Langendreerer Bevölkerung nach Witten hat noch nichts von seiner Frische eingebüßt. Nach wie vor fliegt Langendreer in Richtung des Ardey, nach Witten und Umgebung aus.

So darf man sich nicht wundern, wenn bei den Ein- und Umgemeindungskämpfen der dreißiger Jahre viele sich für einen Anschluß an Witten einsetzten. Es wurde dann anders entschieden, und Langendreer wurde nach Bo-chum eingemeindet. In der Großstadt Bochum nimmt Langendreer einen wichtigen Platz ein. Freilich läßt sich die natürliche Neigung zum Ruhrtal hin nicht beseitigen. Sie hat auch einen geschichtlichen Grund. Langendreer liegt an der wichtigen Straße, die von der Ruhr an die Lippe und darüber hinaus nach Münster führt. Der uralte, ja vorgeschichtliche Weg führte zunächst auf die Höhe des Westerberges, der mit der Kaltehardt zu den Ausläufern des Ardey gehört. Vom Westerberg hat man eine gute Aussicht auf das lang hingestreckte Lan-gendreer. Dieser Ort verdankt seinen Namen der eigenartigen Lage. Drei Bäche gaben dem langen Ort seinen Namen. Aulbach, Eschbach und Salbach trafen sich bei Langendreer. Von den drei Wassern ist der Aulbach übrig geblieben, den man heute Ölbach nennt.

Das Alter von Langendreer ist nicht bekannt doch deuten Verkehrslage und Flurnamen auf uralte, vielleicht vorgeschichtliche Besiedlung. Der geschichtliche Kern des Ortes ist der heutige Ortsteil "Dorf". Der Aulbach war viel breiter als der Ölbach und reichte wahrscheinlich von der Unterstraße bis zur Hassel-brinkstraße. An seinem Ufer lagen die Höfe von Oberschulte-Beckmann, Ober- und Niederwestermann. In der Mitte des Dorfes lag "Middeldorf". Im Oberdorf lag der Schultenhof. Andere Höfe waren der Overbeckshof an der Dördelstraße, der Kalthof an der Kaltenhardt. Grundherr der Mehrzahl der Höfe und Kotten war im 17. Jahrhundert der Besitzer des adeligen Rittersitzes Haus Langendreer, einer ehemaligen Wasserburg. Wann diese erbaut worden ist, ist unbekannt Wahrscheinlich reichen die Anfänge bis ins 12. Jahrhundert zurück. Zuerst wird sie um 1200 erwähnt. Als Besitzer wird 1250 ein Ritter Heinrich von Ovelacker genannt. Er war Lehnsträger des Grafen Dietrich von Isenburg-Hohenlimburg. Seine Nachfolger nannten sich Herren von Drire oder Drere (1268). Dieser Name wurde später auch Dreire geschrieben, und dann nach 1500 in Langendreer abgewandelt. In der märkischen Geschichte tauchen die Herren von Dreyre wiederholt auf. In Fehden gegen die Freie Stadt Dortmund, an den Kreuzzügen gegen die Türken haben sich Mitglieder dieses Hauses beteiligt. Das Geschlecht der Herren von Dreer ist dann ausgestorben. 1488 sind die Herren von der Borch die Besitzer von Langendreer. Bate, die Erbtochter des Henrich von Drere, brachte nach dem Tode ihrer Brüder Wessel und Dietrich Haus Langendreer ihrem Manne Amt von der Borch, Herr zu Holzhausen und Erbgesessener zu Detmold, zu. Die unruhigen Zeiten, besonders aber der Dreißigjährige Krieg mit seinen fremden Söldnerheeren haben der Burg und ihren Bewohnern viel Schaden zugefügt. Besonders die Spanier haben Langendreer hart mitgenommen (1599). Sie plünderten und raubten und zerstörten später die Burg. Erst 1545 wurde mit dem Wiederaufbau begonnen durch tatkräftige Unterstützung der nächsten Adelssitze und Güter. Es wurde jedoch nur ein Teil der alten Herrlichkeit aufgebaut. 1905 verkaufte Wulff von der Borch, kgl. preuß. Kammerherr, Rittmeister a. D. in Friedeburg a. d. Saale Haus Langendreer (138 Hektar groß) an die Zeche Bruchstraße (pro Hektar für 10000 Mark). Heute erinnern nur noch ein alter Turm, einige Überreste der alten Umfassungsmauern und ein Gebäude an die frühere Wasserburg. Die Wassergräben hat man lange schon zugeschüttet. In dem Straßennamen "Borchallee" wird die Erinnerung an das Geschlecht, das Haus Langendreer lange besaß, wachgehalten.

Überhaupt können die Straßennamen viel Ortsgeschichte verkünden. "An der Malstatt" war eine alte Gerichtsstätte. "In der Helle" war der Begräbnisplatz, der sich einen flachen Abhang hinaufzog, wo jetzt die Brauerei liegt. Im "Externest" war der Bannwald, der sich von Müsers Villa bis an die Unterstraße und vom Eschbach bis an die Hauptstraße zog. Auf dem "Stein", wo jetzt die Villa Müser (Haus Heinz) liegt, befand sich wahrscheinlich der Femestuhl, denn Langendreer gehörte zu jenen westfälischen Orten, die einen Freistuhl, also ein Gericht hatten. Wo heute das Amtsgericht steht, war der Versammlungsplatz unserer Vorfahren. Der Hof Schulte-Ümmingen gehörte wohl in der älteren Zeit zu dieser schon 1257 als Villa Ummyne genannten Bauernschaft und ist erst später zur Bauernschaft Langendreer gezogen worden. Die kleine Bauernschaft Ümmingen oder Ummenkirchen reichte früher bis an die Stiftstraße. Als älteste Bauwerke von Langendreer sind der Turm der Christuskirche und der Gefängnisturm an Haus Langendreer anzusehen.

Das Ortsbild von Langendreer hat sich in den letzten vierzig Jahren stark verändert. Noch erinnere ich mich, wie die Witte-Wie, früher Teichstraße, ein schmaler Feldweg, wie der obere Teil der Ovelackerstraße häuserlos war, wie es noch kein bebautes Krebsfeld gab. Es gab noch viel unaufgeschlossenes Gelände in der Gemeinde. Noch fehlten die Häuser an der oberen Bonifatiusstraße, der früheren Südstraße, an der oberen Elsterstraße, an der Brundelstraße und am Eschweg, an der Westheide und in der Schornau, der früheren von-der-Recke-Straße. Durch die Gemeinde zog sich ein häßlicher Bahndamm, die alte Streckenführung von Langendreer nach Witten. Es hat lange gedauert bis man ihn abtrug, aber dann belebte sich zusehends das Ortsbild. Durch den Bau eines neuen Bahnhofs neben der Zeche Bruchstraße, geriet der um den alten Bahnhof entstandene 0rtsteil "Alter Bahnhof" in eine merkwürdige Lage. Dieser Ortsteil hatte sich mit seinen Geschäfts- und Wohnstraßen so stark nach dem Bahnhof ausgerichtet, daß noch heute ein großer Unterschied zwischen den Ortsteilen "Alter Bahnhof" und "Dorf" besteht. Der Ortsteil "Alter Bahnhof" ist immer noch mehr Ge-schäftsviertel und der Ortsteil "Dorf" immer noch mehr Wohnviertel. Aber gerade im "Dorf" haben sich in den letzten Jahren viele Geschäfte angesiedelt und auch der eigentliche Verkehrsknotenpunkt der Gemeinde, der Bahnhof liegt im "Dorf". Die übrigen Ortsteile wie Wilhelmshöhe (Dreerhöhe), Kaltehardt, Langendreerholz eignen sich für die Wohnsiedlung, die man dem Stadtteil Langendreer zugedacht hat. Noch findet man in Langendreer die charakteristischen Fachwerkhäuser, aber man kann sie an den Fingern zählen. Es gibt auch manche malerische Ecke, die man natürlich aufspüren muß. So war die "Klokerigge", das frühere Kötterviertel von Haus Langendreer, mit seinen Fachwerkhäuschen sehenswert. Auch die Mühle im Mühlenkamp entbehrte nicht des malerischen Reizes. In der Brinkstraße sah man Brinkmannshof, in der Unterstraße Westermannshof, in der Hauptstraße Friemannshof, schöne Zeugen einer alten Zeit. Dem guten Beobachter fiel überhaupt auf, daß Langendreer auf zwei verschiedenen Böden wuchs. Hier das "Dorf" als Kern einer historischen Entwicklung, mit Haus Langendreer, der Christuskirche und den zahlreichen Höfen; dort ein Ortsteil, der sich ganz stark den Be-dürfnissen von Bahn und Zeche anpaßte. Sogar in der Zusammensetzung der Bevölkerung glaubte man bestimmte Merkmale zu entdecken. Jedenfalls war der "Alte Bahnhof" mehr von Zuwanderern aus dem deutschen Osten und zu einem geringen Prozentsatz auch Nationalpolen bewohnt als das "Dorf".

Aus der kleinen Landgemeinde ist durch den Bergbau ein großer Industrieort, der Stadtteil einer Großstadt geworden. Als der Bergbau vom Stollenbau zum Tiefbau überging, wurde auch in Langendreer das Deckgebirge durchstoßen, um die darunterliegende Kohle zu fördern. Es entstanden die Zechen Bruchstraße, Mansfeld, Urbanus, Neu-Iserlohn und Siebenplaneten. Die Zeche Urbanus auf der Kaltehardt ist inzwischen stillgelegt worden. An der Bömmerdelle wurde zeitweilig die Zeche Konstanze betrieben, dann aber stillgelegt. Sie erhielt den volkstümlichen Namen "Reibeplätzchen". Die Bergwerke haben der Gemeinde Langendreer in jeder Hinsicht zur Blüte verholfen. In steuerlicher Beziehung stand die Gemeinde gut da. Die Bevölkerung wurde naturgemäß umgeschichtet. Die Bergarbeiter stellten das Gros der Einwohnerschaft. So bietet Langendreer in der Zeit des Schichtwechsels ein bewegtes Bild. Bergleute kommen, Bergleute gehen. Auch die Umgangssprache wurde stark umgefärbt. Viele Ausdrücke, die sonst der Bergmannssprache eigen waren, wurden von den Mitbewohnern übernommen. Am stärksten zeigte sich die Verbundenheit zwischen Einwohnerschaft und Bergwerk, wenn der Tod wieder einmal brave Knappen geholt hatte. Dann gab es endlose Leichenzüge mit Musik und vielen Kränzen. Die Särge ruhten auf zecheneigenen Flachwagen, die von vier kräftigen Zechenpferden gezogen wurden. Bergleute in ihrer Berufstracht mit brennenden Grubenlampen und umflorten Bergmannsfahnen begleiteten die Wagen. Wer nicht mit dem Beerdigungszug ging, säumte die Straßen. Langendreer liegt ganz im Banne des Bergbaues. Die Landschaft ist gekennzeichnet durch die Schlackenhalden, die man neuerdings zu begrünen sucht. Mancher Heimatfreund hatte heimlich gehofft, daß man diese künstlichen Berge wieder verwenden würde. Das scheint nicht der Fall zu sein. Wir werden also weiter Bewohner einer Haldenlandschaft bleiben. Der Zeche Mansfeld ist auch eine Kokerei angeschlossen, auf der wertvolle Nebenerzeugnisse aus der Kohle gewonnen werden. Zuweilen wird der ganze Ortsteil "Alter Bahnhof" in die Dunstwolken der Kokerei eingehüllt. Viele Knappen besuchen die Bergvorschule am Ort, um sich auf die Laufbahn eines Zechenbeamten vorzubereiten. Derartige Vorschulen gibt es nicht überall.

Fast gleichzeitig mit der Ansiedlung neuer Bergleute entwickelte sich in Langendreer die Müserbrauerei. Der Kaufmann Job. Wilhelm Müser errichtete Anfang des vorigen Jahrhunderts an der Hauptstraße ein Wirt-schaftsgebäude mit Brauerei und Brennerei. Es wurden nicht nur die eigene, sondern auch andere Wirtschaften beliefert. Die Lieferungen wurden dann so umfangreich, daß im Jahre 1866 eine neue Brauerei mit Mälzerei unter dem Namen "Bayr. Bier-Brauerei Gebr. Müser" erbaut wurde. Die Erzeugnisse der Brauerei wurden bereits 1885 auf der Weltausstellung in Antwerpen mit der Silbermedaille ausgezeichnet. Das Unternehmen wurde 1891 in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Im Laufe der Jahre wurden umfangreiche Er-weiterungsarbeiten durchgeführt, Lager- und Gärkeller, Sudhaus und Kesselhaus erbaut. Die Brauerei ist gut durch den Bombenkrieg gekommen. Unwesentliche Schäden sind sofort beseitigt worden. Über die wachsende Häuserflut des Ortes ragt das Hochhaus der Müserbrauerei wie ein Wahrzeichen empor.

Auf der Grenze zwischen Langendreer und Werne liegen die Westfälischen Drahtwerke, die von den Vereinigten Stahlwerken übernommen, durch Bombentreffer stark zerstört wurden. In den verbliebenen Hallen haben sich zahlreiche Firmen angesiedelt. Die merkwürdigste Fabrik ist wohl die Hutschmuck- und Fantasiefedernfabrik. Sie kommt aus Sachsen und hat in Westdeutschland einen guten Absatzmarkt gefunden. Die Firma liefert Federn nicht nur für den Damenhut, sondern für alle Zwecke, besonders für Theater und Karneval. Ein reiches Federlager enthält Federn aus aller Welt und von vielen Vögeln in einer leuchtenden Buntheit. Ebenfalls an der Grenze von Langendreer liegen die chemischen Werke Mark und Raschig, die Rostschutzfarben und Teererzeugnisse herstellen. Wichtiger noch als Bochum ist Langendreer als Eisenbahnknotenpunkt und drittgrößter Güterbahnhof Deutschlands. Von Langendreer gehen fünf Richtungen für Personenbeförderung aus. Auf dem Güterbahnhof laufen zahlreiche Zechenzüge ein, die hier zusammengestellt werden. Es ist ein schönes Schauspiel, wenn man am Spätabend auf dem "Kaisersteg" steht, die blitzenden Schienenstränge und leuchtenden Lampen unter sich sieht, und ein dampfender Zug nach dem anderen schwer und sicher durch den Bahnhof gleitet.

Die neue Zeit hat auch Langendreer an das moderne Verkehrsnetz angeschlossen. Doch erinnert sich der Schreiber gern bestimmter Ereignisse und Züge, die das Ortsbild belebten. So fand in jedem Jahr die "Kirmeß" statt, im Frühjahr und Herbst Und wie schon früher Karussell, Schiffschaukel, Schießbuden und allerlei Buden mit merkwürdigen Tieren und Menschen die Langendreerer anzogen, so auch heute noch.. Der Jubel und Trubel einer Kirmeß hat seinen Reiz noch nicht verloren. Der alte Kirmeßplatz befand sich früher an der Hauptstraße, auf der Köllerwiese. Auf diesem Platz fanden auch die ersten Fußballspiele statt. Später verlegte man den Kirmeßplatz an die Kaiserstraße, der nachherigen Straße Zum alten Bahnhof und der heutigen Alte Bahnhofstraße auf die Wiese von Mönninghof. Ehe Langendreer nach Bochum kam, wurde im Ort noch viel geschlachtet. An allen Ecken und Enden sah man am frühen Morgen die aufgeschnittenen Schweine hängen. Am andern rage roch es dann nach Wurstsuppen, Schwartemagen und frischem Fleisch. Im Sommer sah man noch die Spritzenwagen fahren, von zwei kräftigen Pferden gezogen. Überhaupt sah man damals noch sehr viel Pferde auf den Straßen. Am meisten beeindruckten die Pferde der Müserbrauerei, die prall und gut gepflegt die Wagen auf dem holprigen Pflaster zogen. Lange Jahre hindurch war der Asphalt um den Amtsplatz die einzige moderne Straßendecke. Die übrigen Straßen hatten Kopfpflaster oder eine Staubdecke. Jeden Morgen zogen Pferde mit zweirädrigen Karren zur Zeche, um dort Kohlen zu laden. Hin und wieder sah man auch den Leichenwagen von Pferden gezogen, denn man beerdigte von Haus aus. Lag ein Toter im Haus, so hing man einen schwarzen Flor an die Haustür, wie such heute noch. In guter Erinnerung ist dem Chronisten auch ein Festzug des Fuhrmannvereins mit zahlreichen originell geschmückten Wagen. Bekannte Straßenfiguren waren der Scherenschleifer und der Leierkastenmann.

Mit dem Langendreerer Heimatraum sind auch einige Persönlichkeiten verbunden, deren in dieser Abhandlung kurz gedacht werden soll. So schreibt Uhlmann-Bixterheide, der 1936 verstorbene Heimatforscher und Hei-matdichter über den Begründer des Harpener Bergbaues, den Kohlendoktor: "Herr Dr. Müser, der vielbeschäftigte Arzt, der konservative Langendreerer Landsohn und Widersacher des roten Becker, steckte voller Ideen, wie man in Westfalen nach Kohlen bohren müsse. Ihn packte das Kohlenfieber. Er meinte, man müsse den Bergbau bei uns ebenso wie in England und Belgien anpacken und gab sich ans Kohlesuchen. Rings um Langendreer trieb er mit einigen Freunden Bohrlöcher in die Erde und wurde immer wieder fündig. Die Leute sagten: der Doktor ist rein wahn, wenn er Sonntagsnachmittags mit seinen Kindern nach Langendreer hinausfuhr und seine Kohlen betrachtete. 1856 gründete er mit von Hövel, von Sydow und Vaerst die Harpener Bergbau A.G., so genannt nach den Bohrlöchern rund um das Dorf Harpen. Im Jahre 1870 kaufte Müser den Schacht Caroline der Zeche Vollmond. 1874 starb er". Max Seippel, der 1850 in Langendreer geboren wurde, schrieb die heimatkundlichen Werke:

"Das Bochumer Maiabendfest" (1884), "Bochum einst und jetzt" (1901) und einen historischen Roman "Gudula von Hardenberg". Eine gewisse Berühmtheit erlangte der 1874 in Langendreer gestorbene Lehrer Johann Heinrich Bergmann, der aus Marten stammte und in niederdeutschen Gedichten eine konservativ-preußische Richtung vertrat. Sein Gedicht "De ächte prüßische Bur" war stark verbreitet. Bliebe noch der zeitgenössische Dichter Walter Vollmer zu erwähnen. Er hat 1922 in Langendreer sein Abitur gemacht, war eine Zeitlang auf der Zeche Bruchstraße tätig, auch stammen die Voreltern seiner Mutter aus der Langendreerer Gegend. Das Dortmund-Langendreer-Bochumer Gebiet betrachtet er als seine engere Heimat. Walter Vollmer blieb es vorbehalten in seinen köstlichen Büchern "Weltreise zur Fröhlichen Morgensonne" und "Johannisfest auf Siebenplaneten" von der grauen Welt des Ruhrreviers in der Sprache eines Zauberers zu reden, der hinter der lär-menden Fassade unserer technischen Welt das Wunder des Menschlichen entdeckt. In beiden Büchern spielt der Langendreerer Raum eine Rolle.

Durch den Bombenkrieg wurde Langendreer verhältnismäßig wenig zerstört. Das erste Haus, das vollständig zerstört wurde, war die Wirtschaft Merkel gegenüber der Marienkirche. Dann fielen noch einige Häuser im Ortsteil "Alter Bahnhof" aus. Mehr Häuser wurden im Bereich Unterstraße-Ovelackerstraße zerstört. Sonst wurden nur einzelne Häuser getroffen. Vernichtet wurden an öffentlichen Gebäuden die katholische Wilhelmschule und die katholische Marienkirche. Nach fast sieben Jahren wurde die Marienkirche wieder aufgebaut Der Vorläufer der Marienkirche war der Boltesche Saal am Kaisersteg, der 1881 feierlich eingeweiht wurde. Mit der weiteren Entwicklung der Industrie wuchs auch die Zahl der katholischen Bevölkerung. Im Jahre 1887 wurde von Schulte-Bünger ein Grundstück erworben und ein Jahr später der Grundstein zu einer Notkirche gelegt. Die dreischiffige Kirche wurde am 5. Mai 1889 eingeweiht. Im März 1893 wurde unter Vikar Schiermeyer eine eigene Pfarrei St. Marien errichtet. Bereits 1900 wurde der Grundstein zu einer Pfarrkirche gelegt. Die Einweihung erfolgte am 13. April 1902. Dreiundvierzig Jahre diente die schöne Pfarrkirche gottesdienstlichen Zwecken. Am 15. Januar 1945 wurde die Kirche wenig, am 22. März 1945 wurde sie vollständig zerstört. Der Gottesdienst mußte im Schwesternhaus abgehalten werden. Im Herbst 1950 wurde mit dem Neubau der Marienkirche begonnen. Der Bau wurde auf den alten Fundamenten errichtet. Man wählte die Form einer Basilika. Charakteristisch für die neue Kirche ist ihre Lichtfülle.

Langendreer liegt im Tal, aber die Ausläufer des Ardey, der Westerberg und die Kaltehardt, ragen in das Ortsbild hinein, auch der Heimelsberg gibt der Landschaft eine eigene Note. Leider ist der auf dem Westerberg gelegene Volkspark, der Bismarckhain, stark verwildert und im wesentlichen eine Niststätte der Vögel. Trotzdem aber sollte man ihn nicht vergessen, sondern manchen Spaziergang dorthin machen. So bietet dieser Ort das merkwürdige Bild des friedlichen Nebeneinander von Industrie und Landwirtschaft. Der östlichste Stadtteil von Bochum ist zwar arm an Wald geworden, aber Felder mit grünen Saaten und goldgelben Ernten erfreuen immer wieder das Herz des schaffenden Menschen.