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Zur ältesten Geschichte der Bauernschaft Rechen

Günther Höfken

(Nachtrag zum Bochumer Jahrbuch 1953)

Eine der wichtigsten Quellen zur Siedlungsgeschichte unserer Heimat bilden die ältesten Güterregister der im Jahr 8G2 gegründeten und schon bald mit reichlichen Schenkungen an Land bedachten Abtei Werden.

In dem am Ende des neunten Jahrhunderts angelegten Verzeichnis seiner Besitzungen werden zwei Höfe in villa Hreni = Siedlung Rechen aufgeführt. Ihre Besitzer Gerlef und Liahtgrim gaben jährlich 15 Scheffel Hafer, 8 Scheffel Roggen und 8 Denare Heerschilling, eine alte Abgabe für Befreiung vom Heeresdienst. Diese Höfe müssen schon bald darauf von der Abtei veräußert worden sein, weil sie in den späteren Registern nicht mehr genannt werden.

Im Jahre 1045 übertrug die Witwe Adela zum Seelenheil ihres verstorbenen Mannes und Sohnes dem im Jahre 1003 gegründeten Kloster in Deutz 4 Höfe in Langendreer (Triere), 3 in Laer (Loire) und 5 in Velwich (Velewick, in Börnig bei Kastrop lag der Hof Schulte Velwig). Sie behielt sich den Nießbrauch vor von 12 Scheffeln Hafer, 12 Scheffeln Roggen, 40 Scheffeln Braugerste, 6 Schweinen, 6 Schafen, 1 Pfund Wachs, 1 Fuder Wein oder, wenn es daran fehlt 1 Mark an Geld. Die Auflassung dieser Höfe fand vor dem Grafen Hermann, Sohn Adolfs, der zugleich der Klostervogt über diese Besitzungen war, vor dem ordentlichen Gericht (placitum cum provincialibus habente) in dem Ort, welcher Rechen hieß (locus qui nominatur Rechne), statt. Die Lokalisierung der angeführten Örtlichkeiten hat zu verschiedenen Deutungen geführt. Lacomblet der zuerst in seinem Urkundenbuch für die Geschichte des Niederrheins (Bd. 1 Nr. 181 aus Gelenius, Farragines dipl. T. 80) die Urkunde brachte, wies in einer Fußnote darauf hin, daß er diese Örtlichkeiten nicht nachweisen könne, da sie der Abtei Deutz wieder verlorengegangen seien. In seinen Berichtigungen zum Urkundenbuch, Archiv für die Geschichte des Niederrheins Bd. 2 (1857, S. 205) werden sie, wie oben angeführt, für den Bochumer Raum lokalisiert. Demgegenüber meint Darpe, da in der Urkunde von einer Lieferung von Wein die Rede sei, könne sie für Orte wie Laer und Langendreer nicht in Frage kommen, da hier kein Weinbau betrieben worden sei. Aber die Urkunde sagt nicht, daß die ausgemachte jährliche Lieferung von den übertragenen Höfen selbst erfolgen sollte, so daß diese Bedenken hinfällig sind. Im übrigen ist in unserer Gegend im Mittelalter auch Weinbau betrieben worden. Auch Oppermann, Rheinische Urkundenstudien S. 22 weist das Rechne der angeführten Urkunde dein Rechen bei Bochum zu.

Geht man davon aus, daß in unserem Ort Bochum-Rechen die Auflassung der erwähnten Höfe stattgefunden hat, so ist von Wichtigkeit, daß als Vorsitzer dieses Gerichts der Graf Hermann genannt wird. Wie wir aus einer anderen Urkunde wissen, hatte ein Graf Hermann die Bochumer Grafschaft im Jahre 1019 im Besitz. Aus der eben besprochenen Urkunde von 1045 erfahren wir, daß er der Sohn des Adolf war. Leider können wir nicht das Geschlecht, dem beide angehörten, näher bestimmen. da damals die Grafenwürde im allgemeinen noch nicht erblich war und die Grafengeschlechter noch nicht nach ihren Stammburgen, sondern nur nach ihrem Rufnamen in den Urkunden genannt wurden.

So schwebt gerade für die Zeit des 11. Jahrhunderts über unserem Heimatgebiet ein nicht zu klärendes Dunkel, erst in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts können wir das Grafengeschlecht des Bochumer Raumes näher bestimmen; es sind die Grafen von Berg, die als Vögte der Stifter Werden und Essen im Bochum-Hattinger Raum herrschen. Ihre Nachfolger, die Grafen von Altena, werden dann mit Friedrich von Altena, der noch vor 1170 die Burg auf dem Isenberg bei Hattingen errichtete, in der alten Bochumer Grafschaft seßhaft Nach seinem Tode (1199) übernahm sein Bruder Arnold die Grafschaft und Burg. Übertragung von Grundbesitz fand im Mittelalter vor dem Grafengericht statt, es tagte jährlich mehrere Male unter Einberufung der Landbevölkerung unter dem Grafen, und sieben freie Schöffen fällten das Urteil. Wenn Rechen im Jahre 1045 Ort des Grafengerichts war, so muß sich dort eine alte Gerichtsstätte befunden haben, wahrscheinlich hat das Gericht auf der Rechener Heide, dem Platz der für die Zusammenkunft einer größeren Menschenmenge ausreichte, getagt. Die Urkunde von 1045 ist die einzige des 11. Jahrhunderts, die über eine Gerichtsstätte des Bochumer Raumes uns Kunde gibt denn die Auflassungen von Gütern an die Abtei Werden, die nach ihren alten Traditionsregistern in der Zeit von 1065 bis 1104 im Grafengericht in Buokheim stattgefunden haben, können entgegen der Ansicht Darpes nicht auf unser Bochum bezogen werden, weil der aufgelassene Grundbesitz In der Grafschaft Recklinghausen lag und der Bochumer Graf nicht für diesen Bezirk zuständig sein konnte.

In der Bauernschaft Rechen lagen zwei große Höfe, die seit dem 13. Jahrhundert den Grafen von Altena gehörten und an Adlige zu Lehen gegeben wurden. Der eine Hof vererbte sich in den Linien Altena-Isenberg-Limburg-Styrum und war nach dem ältesten Styrumer Lehnsregister um 1350 im Besitz des Wennemar von der Brüggeney. Aus diesem Hof ging Haus Rechen hervor. Ein anderer Hof Uchting blieb gemeinschaftlicher Besitz der märkischen und limburger Linie. Im Jahre 1372 verzichtete der märkische Graf zugunsten des damaligen Lehnsträgers Heinrich Dücker von der Nettelbecke auf seine Hälfte an dem Hofe. Die andere Hälfte wurde von der Linie Limburg weiter verlehnt. Nach den ältesten Lehnsregistern waren nacheinander belehnt (vor 1400):

Wenbeir van Reychene myt dem hus sine woeninge half, Otten van Reyghen myt der woenyngen to Reygen halff, Johann van dem Gryntberge anders geheiten van Aldenbochem rnyt dem halven deyle des guides to Reghene, Diederich van Aldenbochem myt der helffte des gudes to Rechgede.

Um 1478 besaß Jan van Aldenbockem dat guet to Rechene, dat den Derych toe thoine plach (= das der Bauer Dietrich zu zäunen pflegte).

Nachdem der rnärkische Graf seine Hälfte an Hinrich Dücker freigegeben hatte, hatte dieser im Jahre 1372 das ganze Gut aufgeteilt.

Die an Johann von Aldenbockum gefallene andere Hälfte blieb weiter Lehen der Hohenlimburger Grafen, der letztbelehnte ist 1478 Johann von Aldenbockum. Wahrscheinlich ist der Denishof an der Wiemelhauser- und Kronenstraße-Ecke aus diesem alten Rittersitz als Reststück hervorgegangen. Er gehörte seit dem 16. Jahrhundert zu Hause Rechen. Das im letzten Kriege untergegangene Haus Rechen war als Rittersitz mit seinem charakteristischen Wassergraben erst im 14. Jahrhundert erbaut worden, und zwar wurde die alte Wasserburg von einem Hof, der ein styrumer Lehengut war, abgezweigt. Dieser Hof, dessen Besitzer der "Schulte von Rechen" urkundlich noch 1486 hieß, wurde später zur adligen Baut gezogen und damit frei von der Grundsteuer, da der Adel von dieser für seine adlige Baut wie man die um den Rittersitz gelegenen Ländereien nannte, freigestellt war. An den alten Hof erinnerte später noch der Flurname Schultenhof für ein Geländestück, das dem Eingang zum Haus Rechen gegenüberliegt (altes Kataster Flur I 55 Weide, 4 Morgen groß).

Wenn am Schlusse meines Beitrages zur Geschichte des Hauses Rechen erwähnt wurde, daß nur noch ein Zweig der Familie von Schell den Namen fortpflanze, so hat sich nachträglich ergeben, daß noch in anderen Linien die Familie von Schell fortlebt. Generalleutnant Friedrich von Schell, der 1837 sich mit seinen Geschwistern auseinandersetzte und Haus Rechen übernahm, hatte drei Söhne: Otto, Generalleutnant a. D., er erbte Rechen, Adolf, der als Generalmajor bereits 1888 kinderlos starb, und Ludwig, der wieder einen Sohn Friedrich hatte, von dem jetzt noch ein Sohn Adolf Ludwig Jürgen, geboren 1924, lebt. Von den beiden Brüdern des Generalleutnants Friedrich von Schell, geboren 1810, hatte der zweite Bruder Ludwig, geboren 1818, gestorben 1890 als Bürgermeister a. D., einen Sohn Adolf, geboren 1870, der als Oberstleutnant a. D. 1949 starb. Seine Witwe, geborene Berta von Albedyll, wohnt auf Haus Husen an der Hohensyburg. Die Ehe ist kinderlos. Der dritte der Brüder, Adolf, geboren 1822, gestorben zu Kamen 1867, verheiratet mit Sophie von Rudorff, hatte ebenfalls drei Söhne, von denen der zweite, Julius, als Oberst a. D. unverheiratet starb. Der älteste, Louis, ging früh in die Welt, heiratete eine Holländerin und hatte einen Sohn Adolf, geboren 1894, der seit den letzten Tagen von Berlin vermißt ist. Er hatte eine Holländerin zur Frau, aus der Ehe lebt ein Sohn in Darmstadt, Carl. Der jüngste der Söhne des Adolf, geboren 1822, war Adolf, geboren 1861 in Brilon, gestorben 1944 in Düren. Sein Sohn ist der Generalleutnant a. D. Adolf von Schell, geboren 1893 in Magdeburg, auf Haus Franzburg in Gehrden (Hannover), der drei verheiratete Söhne: Adolf, Joachim und Dietrich hat, von denen Joachim zwei Söhne: Andreas und Thomas hat. So blüht das Geschlecht von Scheu noch in den verschiedensten Zweigen fort.