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Die in der evangelischen Kirche in Stiepel freigelegten Grabsteine

Dr. Höfken

Es war in früheren Jahrhunderten üblich, daß die Geistlichkeit, der Adel und eine bevorzugte Schicht des Bürgertums ihre letzte Ruhestätte in der Kirche fanden. In ausgemauerten Gewölben wurden diese Erbgruften von Generation zu Generation belegt. Eine Grabplatte - meistens mit dem Wappen oder der Hausmarke und Inschriften geschmückt - hielt die Erinnerung an den Verstorbenen wach. Eine bevorzugte Stellung nahm der Patron der Kirche ein, er hatte das Anrecht auf eine Bestattung im Chor der Kirche. So war auch in der Kirche von Stiepel ein Erbbegräbnis für die Patronatsherren unter dem Chor der Kirche. Jeder Patronatsherr erhielt eine Gedenkplatte, mit Wappen geschmückt. Nach dem Tode des jeweiligen Patronatsherrn wurde die alte Platte an eine andere Stelle ins Innere der Kirche verlegt. So bedeckte schließlich eine ganze Anzahl von Grabplatten den Fußboden. Sie wurden allmählich von den Kirchenbesuchern im Laufe der Zeit abgetreten oder bei Erneuerungsarbeiten beschädigt. Bei der letzten umfassenden Renovierung der Kirche (1952) wurden diese alten Grabsteine aus der Kirche entfernt und die am besten erhaltenen im Torhaus zum alten Kirchhof aufgestellt.

Unter den Grabsteinen sind in der Mehrzahl diejenigen der auf Haus Kemnade wohnhaften Adelsfamilien erhalten. Die Herren dieses Rittersitzes waren die Patronatsherren der Kirche und spielten auch sonst als Gerichtsherren ihres kleinen selbständigen Bezirks, des „Königsreichs Stiepel", die größte Rolle.

1. Als älteste Grabplatte ist wohl diejenige anzusehen, die nur noch in der Mitte einen großen Wappenschild mit vier Querbalken im oberen Teil zeigt. Der Stein ist jetzt vorübergehend auf Haus Kemnade aufgestellt worden.

2. Eine Grabplatte, die ebenfalls sehr abgeschlissen ist und keine Inschrift mehr aufweist hat in der Mitte das Wappen der von Dücker (im Schild fünf Querbalken). An den Ecken der Platte erkennt man oben links einen Schild mit schrägem Rechtsbalken, im Wolkenschnitt geteilt, es ist das Wappen der von Eppenhusen. Oben rechts zeigt der Wappenschild sieben Querbalken und diese belegt mit einem aufgewendeten Löwen - das Wappen der Herren von Horst (Emscher). Unten links zeigt der Schild ein Sparrenschräggitter, das mehrere westfälische Adelsgeschlechter führten, und unten rechts führt der Schild eine schrägrechtsgestellte Pferde- prame, das Wappen der von Kückelsheim, einem ehemaligen Adelssitz im Landkreis Essen.

Als Inhaber der Lippischen Lehen und Stiepeler Patronats- und Gerichtsherren waren die Herren von Dücker seit der Mitte des 13. Jahrhunderts in Stiepel ansässig. Der gräfliche Amtmann des Amtes Blankenstein Series (Cäsar) Dücker hatte Sofie von Eppenhusen (Rittersitz bei Hagen) zur Frau, er starb 1377 und hinterließ mehrere Söhne, darunter Hinrich und Wennemar, die beide auf Haus Kemnade wohnten (1386 Hinrik dey Dukere van der Kemnade). Da auf der Grabplatte das Wappen der von Eppenhusen enthalten ist, so muß dieser Stein das Grab eines der Söhne des Series Dücker geschmückt haben, da es üblich war, die Wappen der Ahnen von väterlicher und mütterlicher Seite auf den Grabstein zu setzen.

Die Herren von Dücker stammten aus Brabant. Ihr Name bedeutete „Taucher" und wurde gewöhnlich mit dem Beiwort „dey" oder „dictus" gebraucht.

3. Grabplatte des Christoffer Dücker-Neiling, gestorben (nach von Steinen, Westfälische Geschichte 19. Stück S. 1129) am 2. 4. 1360. Der Stein ist sehr verwittert und die Wappen sind bis auf das in der Mitte angebrachte Dückersche nicht mehr zu erkennen. Von der Umschrift sind noch zu lesen die Worte: Anno milesimo . . . . aprilis starff de erbar unde ernveste Christoffer Duyker Neylinck dem godt gnedig unde barmertich sy amen. Der Stein steht jetzt im Torhaus, erster von links, allerdings auf den Kopf gestellt.

Die Dücker-Neiling waren ein Abzweig der Dücker und wohnten auf dem im 17. Jahrhundert abgebrochenen Rittersitz Beek in Stiepel-Brockhausen. Heute stehen an der Stelle die Beeker Höfe. Den Dücker genannt Neiling gehörte eine große Waldung im Grenzgebiet Weitmar, die nach ihnen „der Nelling" genannt wurde. Heute führt die Neulingstraße durch diesen Ortsteil Weitmar-Neuling.

4. Grabplatte des Wennemar von der Recke und seiner Gemahlin. Der Stein zeigt in der Mitte das von der Reckesche Wappen (Querbalken, belegt mit drei Pfählen). Die Schilde in den vier Ecken sind mit je zwei Wappen ausgefüllt und tragen die Wappen der Ahnen des Wennemar und seiner Frau Clara von Balen genannt Fleck: in der linken oberen Ecke die Wappen der von der Recke und von Balen, in der oberen rechten Ecke diejenigen der von Vaerst und von Berghe (der beiden Mütter). In der unteren linken Ecke zeigt der Schild die Wappen der von Botzeler und von Vittinghoff-Schell, der rechte untere Wappenschild ist ganz abgeschlissen. Von der Randschrift auf dem Stein sind nur noch die Worte zu lesen: Anno 1552 de 2. October starf Wenmer von der Reck her to Stipel. Der Stein steht jetzt im Torhaus als zweiter auf der linken Seite.

Wennemar v. d. Recke erhielt 1515 den Oberhof Stiepel und Haus Kemnade zu Lehen. Am 8. 3. 1535 übertrug ihm der Herzog von Kleve auch die Verwaltung seines Amtes Blankenstein, er führte diese bis zu seinem Tode. Bei seinem Amtsantritt wurde auch ein genaues Inventarverzeichnis der Burg Blankenstein angelegt, das erhalten geblieben ist und uns einen interessanten Einblick in die damaligen Verhältnisse der Burg gewährt (abgedruckt in der Festschrift Alt-Blankenstein, 1926/27, Urkundenanhang Nr. 2).

Wennemar, geb. 1485 auf Haus Horst bei Steele an der Ruhr, von dem seine Mutter Neyse (Agnes) von Vaerst stammte, hatte 1503 Clara, Tochter des Diederich von Baylen genannt Fleck zu Gleen, Glehn (Kr. Schleiden) und der Margarete von Berge genannt Trips, geheiratet. Die Fleck v. d. Bahlen (Balen, Baelen, Baylen) waren ein rheinisches Adelsgeschlecht, ihnen gehörte der Fleckenhof zu Lövenich (Kr. Euskirchen). Ihr Wappen zeigt in der Mitte einen Querbalken, darüber zwei und darunter ein herzförmiges Blatt. Der Vater der Margarete von Berghe war Wilhelm v. Berghe zu Limbrecht bei Sittart, seine Frau Margarete von Pallandt brachte ihm Trips als Heiratsgabe. Das Berghesche Wappen zeigt einen sechsmal silbern und rot quergestreiften Schild, die silbernen Streifen schwarz gegittert. Alle diese Wappen seiner und seiner Frau Ahnen waren auf dem Grabstein in den vier Ecken verzeichnet. Die gleichen Wappen finden sich an einem Kamin im Zimmer neben dem runden Turm auf Haus Kemnade.

5. Grabplatte des Dietrich von der Recke. Umschrift: Anno d(omi)ni 1559 den 27. Dag m(ensis) Augusti is in godt verstorve der erntfeste Diderich von der Recke tor Kemnae her tho Stipel dem godt gnedich si. Die Platte zeigt oben links das Wappen der von der Recke, oben rechts das der von Fleck von Balen, in der Mitte das Recksche Wappen, unten links das der von Vaerst (sechsmal quergeteilter Schild) unten rechts das der von Berghe. Dietrich von der Recke folgte seinem Vater als Patronats- und Gerichtsherr von Stiepel, er war seit 1539 mit Catrin von Elverfeld (auf Haus Herbede) verheiratet. Dieser Grabstein steht jetzt im Torhaus auf der rechten Seite als dritter.

6. Der Bruder des Dietrich war der Propst Henrich von der Recke an St. Severin in Köln, der auch Kanonikus zu Cronenberg und Soest war. Nachdem er in den Religionswirren des Erzbischofs Gebhard von Truchseß wie dieser aus Köln geflüchtet war, nahm er Wohnung in Blankenstein in der Besitzung Hauptstraße 28, die nach ihm die Propstei genannt wurde. Das Haus ist 1561 von ihm erbaut worden, über dem Kellereingang ist links das Recksche, rechts das Flecksche Wappen angebracht mit der Jahreszahl 1561 und den Initialen HVDR (Hinrich von der Recke). Er verfaßte eine 10 Bogen starke Geschichte seiner Familie, die von Steinen in seiner Westfälischen Geschichte seinen Ausführungen über die Familie von der Recke zugrunde legte, aber heute infolge des Verlustes des Archivs Kemnade nicht mehr vorhanden ist. Er fand seine letzte Ruhestätte in der Erbgruft in der Stiepeler Kirche. Von seinem Grabmal sind nur noch einige Stücke vorhanden, auf denen noch die Worte zu lesen sind: . . . . severini praeposito anno 1590 post meridiem mortuo patruo mag(istr)o Wenmar pietatis ergo . . . . Ein Stück der Grabplatte zeigt in der Mitte das von der Recksche Wappen und an den beiden unteren Ecken die Wappen der von Vaerst und von Fleck von Balen. Wie die Inschrift besagt, hatte sein Neffe Wennemar den Grabstein aufstellen lassen. Die Reste des Steins befinden sich jetzt auf Haus Kemnade.

Die Propstei erbte die Familie von Quadt zu Brockhausen. 1821 erwarb der Kaufmann G. F. Gethmann die Besitzung, baute das Haus zu einem schönen Wohnhaus im bergischen Stil um und legte den bekannten Garten an.

7. Dietrich von der Recke, gestorben 1559, hatte drei Kinder: den bereits erwähnten Wennemar, Cordt und die Tochter Clara. Cordt, Gerichtsherr von Stiepel, geb. 1539, war verheiratet mit Anna von Quadt, Tochter des Jürgen von Quadt zu Wickrath (bei Erkelenz) und der Ludolfa von dem Bruch genannt Calenburg. Dieser Herr von Quadt besaß die Rittergüter Aprath, das er von seiner Mutter, einer geborenen von Berchem geerbt hatte, und Brockhausen (bei Düsseldorf). Seine Tochter erbte diese Güter.

Im Jahre 1589 am Osterfest brannte die Wasserburg Kemnade bis auf die Grundmauern nieder, nur eine Notwohnung wurde vorerst errichtet. 1596 starb Cordt. Seine Grabplatte trägt in der Mitte den Doppelschild von der flecke und Quadt (zwei viermal oben und dreimal unten gezinnte Querbalken) in den Ecken die Wappen von der Recke, von Fleck von Baien, von Elverfeld; das rechte untere Wappen ist nicht mehr zu erkennen. Die Umschrift lautet: Ano dni 1596 den 12. feberarii is in godt vorstarven de erntveste Conradt von der Reck tor Kemnade her th. Stipel de(n) go(d) begnad. Der Grabstein steht jetzt im Torhaus als erster auf der rechten Seite.

8. Sein Sohn Wennemar (geb. 1578) folgte ihm als Herr von Kemnade, Stiepel, Aprath und Brockhausen. Er hatte zur Frau Sibilla Margarete von Büren, Tochter von Matthias v. B. zu Mengede und Margarete von Galen zu Bisping. Unter Wennemar wurde die Reformation in Stiepel eingeführt. Er begann auch den Aufbau von Kemnade, aber die Kriegszeiten hinderten den Fortgang. Er war ein schöngeistiger Mann und legte sich eine Sammlung farbiger Wappen an, wie von Steinen in seinen Quellen zur westf. Geschichte, S. 28, vermerkt. Er starb 1647, sein Grabmal ist stark beschädigt, die obere Hälfte mit einem Teil der Umschrift ist nicht mehr vor-handen. Der Rest zeigt oben das Recksche Wappen, darunter links in der Ecke das von Elverfeldt, rechts das von Calenburg. Von der Umschrift sind nur noch zu lesen: (Wenne)mer Reck zu Kemnate et Abrad natus anno 1578 ipso die conversionis d. Pauli defunctus. . . . Martii requiescit. Der Grabstein befindet sich jetzt im Torhaus als zweiter Stein von rechts. Seine Witwe heiratete am 16. 8. 1650 den Ernst von Arnheim (Dortmund Nicolai-Kirche). Der große Kamin auf Haus Kemnade wurde Wennemar von der Recke gewidmet, wie die lat. Inschrift besagt. Die 16 Wappen seiner Ahnen schmücken den Fries.

9. Von seiner Schwester Ludolfa ist noch eine beschädigte Grabplatte vorhanden (im Torhaus als vierter Stein auf der rechten Seite), sie zeigt oben das Recksche und Quadsche, unten das von Elverfeld und Calenburgsche Wappen. Von der Umschrift sind nur noch zu lesen: nobilissima et. . . domina Ludolfa v. d. Reck zur Kemna et Abrot. . nata, anno 1632 defuncta . . requiescit, Diese beiden Grabsteine sind die letzten der von der Recke. Die älteste Tochter des Wennemar Sibilia Arnolda (1622-60) vermählte sich mit Johann Georg von Syberg zu Wischelingen und brachte ihm die Herrlichkeit Stiepel zu, da keine Söhne vorhanden waren.

10. Der Grabstein des Johann Georg von Syberg (gest. 9. 12. 1679) ist nicht mehr erhalten; möglich ist, daß der total mit Mörtel beschmierte Grabstein, der jetzt auf der linken Seite des Friedhofes im Gebüsch auf-gestellt worden ist, sein Gedenkstein ist. Sein Sohn Friedrich Matthias von Syberg ist wohl die bedeutendste Persönlichkeit der Herren vom Hause Kemnade. Er vollendete den Ausbau des Herrenhauses, wie eine lateinische Inschrift über der Haupttür meldet, im Jahre 1704. Auf ihn ist auch die Erneuerung des Inneren der Kirche zurückzuführen: Orgelbühne, Kanzel, Taufstein und das Epitaph der Sybergschen Familie im Chor der Kirche. Auch den Gottesdienst regelt er als Patronatsherr und schrieb z. B. genau die Zeitfolge der Abendmahlsfeiern für die Gemeinde vor. Seine Grabplatte liegt jetzt auf der linken Seite des Friedhofes. Man liest die Umschrift: Anno 1711 de 23. Decemb. ist der hochwohlgebohrene Herr Friederich Mathias von Syberg Frey und Gerichts(herr). . im 65. Jahr seines Alters selig im Herren entschlafen. Der Stein hat in der Mitte den Sybergschen Wappenschild (ein fünfspeichiges Rad) und an den vier Ecken die bezeichneten Wappenschilder von Syberg (oben links), von Reck (oben rechts), von Neuhoff (unten links, im Schild drei Kettenringe) und von Büren (unten rechts, im Schild ein springender Löwe).

11.Von den Pastören, die in der Kirche vor dem Altar ihre letzte Ruhestätte fanden, wurden drei Grabsteinplatten freigelegt Die eine ist jetzt rechts vom Kirchenportal auf dem Friedhof aufgestellt worden. Sie zeigt auf der Vorderseite die Inschrift: plurim. reverendus Andreas Huelshovius, pastor Stypelensis per annos 56, obiit Anno 1675 13. Febr. Aetatis 85. Pastor Hülshof war von 1619 bis 1675 Seelsorger der evangelisch gewordenen Gemeinde, lebte aber wohl seit 1665, wo er die Pastoratrenten abtrat, im Ruhe stand.

Man war damals sehr sparsam, und so verwendete man zum Grabstein eine Grabplatte, die ein Menschenalter früher schon einem anderen Pastor gewidmet worden war. Die Grabplatte, zeigt nämlich auf der Rückseite folgende Inschrift: Anna 1624 den 2. Febru. ist der erwtürdige (Name unleserlich) in godt selich entschlafen.

12. Eine andere Grabplatte weist folgende Aufschrift auf: Anno 1744 d. 8. May ist der Hochwohl ehrwd. Herr Joh. Henrich Witthen im 81. Jahre seines Alters und im 55. Jahr seines Predigtamtes alhier im Herrn entschlafen. Darunter ist ein Kleeblatt abgebildet, das die Umschrift hat: mein Erbschaft und mein Kleeblatt is der heilige dreyeinige Gott in der unteren Hälfte der Platte heißt es: Leichtext Math. 25 v. 23: Ey du frommer und getreuer Knecht, Du bist über wenigem getreu gewesen, ich will Dich über viel setzen, gehe ein zu Deines Herren Freude. Im 55 Jahr seines Sehlstandes.

Dieser Grabstein steht jetzt auf der rechten Seite neben dem Torhaus.

Die Withen waren eine in der Grafschaft Mark verbreitete Pastorenfamilie, so waren sie im 17. Jahrhundert in drei Generationen in Halver tätig. In Stiepel leiteten nacheinander Arnold Georg 25 Jahre lang und sein Sohn Johann Heinrich Withen (Wittenius) 55 Jahre lang die Gemeinde. Von dem ersten ist der Grabstein, dessen lateinischen und deutschen langzeiligen Text der Pfarrer H. Ostheide 1872 in seiner Geschichte der Kirchengemeinde Stiepel mitteilte, noch vorhanden, allerdings ist die Schrift im oberen Teil des großen Steines stark verblaßt. Sein Sohn Johann Heinrich Withen sorgte für eine würdige Ausstattung der Kirche. Er veranlaßte die Aufstellung einer neuen Kanzel, richtete die Orgelbühne ein, schaffte einen neuen Taufstein an mit der Umschrift: „1698 ope et industria Joh. Henr. Withenii past." und sorgte für die Errichtung eines barocken Ehrenmals für die Patronatsfamilie von Syberg im Chor der Kirche. Dieses Ehrenmal ist jetzt entfernt worden und soll später in dem neuen Heimatmuseum einen würdigen Platz finden. Das Ehrenmal stammte von dem Schwelmer Bildhauer Schmidt An der Außenseite der Orgelbühne ließ der Patronatsherr die Namen der Patronatsherren mit ihren Wappen anbringen. Es hieß in dieser Aufstellung: die Patrone seyn gewesen 1004 Gräfin Imma eine geborene von Stiepel, weiter 1115 die von Kemnade, 1300 die von Dücker, 1400 die von Romberg, 1414 die von der Recke, 1647 die von Syberg. Für die Wappen der von Stiepel und von Kemnade hielt er zwei zu beiden Seiten des Chorbogens auf Kragsteinen angebrachte Wappen. Aber seine Angaben über die Patronatsherren halten einer kritischen Prüfung nicht stand. Die Gräfin Imma, die die Kirche nach 1008 erbauen ließ, war keine geborene von Stiepel, sondern stammte aus dem hochadeligen Ge-schlecht der Immedinger, die in Nordsachsen ihre Besitzungen und Beziehungen hatten, sie hat auch nicht, wie Ostheide in seiner Kirchengeschichte von Stiepel schrieb, auf Kemnade ihren Witwensitz gehabt, sondern auf der Herrschaft Lesum bei Bremen (von Uslar-Gleichen, das Geschlecht Wittekinds des Großen und die Immedinger, 1902, S. 80 f). Sie war eine große Wohltäterin der Bremer Kirche, der sie ihr Vermögen, darunter den Hof Stiepel vermachte. Die ältesten bekannten Lehnsträger sind die von 1194 bis 1261 urkundlich erwähnten Herren von Stiepel. Ihnen folgten ab Mitte des 13. Jahrh. die von Dücker. Ob vor den von Stiepel eine Familie von Kemnade auf Kemnade, einer früher häufig gebrauchten Bezeichnung für einen Rittersitz (kemenate), gewohnt hat ist sehr fraglich, jedenfalls kommt diese Familie in unserer Gegend in den Urkunden des 11. und 12. Jahrhundert nicht vor. Die von Ostheide angeführten Träger dieses Namens waren in anderen Teilen Westfalens seßhaft, so gab es im Kreise Holzminden eine Adelsfamilie von Kemnade, ein Kloster Kemnade und ein gleichnamiges Dorf; um Coesfeld saß eine andere Adelsfamilie, die zehn Rauten im Wappen führte, schließlich wohnten noch im Raume Meschede-Arnsberg Mitglieder einer weiteren Familie von Kemnade. Das angebliche Wappen der von Kemnade in Stiepel zeigt einen senkrechten Zinnenschnitt. Da es sonst weder in Spießen, Westf. Wappenbuch, noch bei Ilgen, Westf. Siegel des Mittelalters erscheint, muß bezweifelt werden, ob es ein Wappen der von Kemnade ist. Das andere noch heute am Chorbogen befindliche Wappen soll nach dem Vermerk des Herrn von Syberg das von Stiepelsche Wappen sein, es zeigt drei oben und unten gespitzte Pfähle auf dem Wappenschild. Dieser Schild ist aber als Tartsche (mit einer Ausbuchtung an seiner rechten Seite) ausgeführt. Solche Schildart gab es erst in den Zeiten der Spätgotik. Zu dieser Zeit wohnten aber keine von Stiepel mehr auf Kemnade, sondern die Herren von der Recke. Das von Stiepelsche Wappen zeigt größte Ähnlichkeit mit dem von der Reckschen Wappen (drei senkrechte Balken auf Querbalken). Welche Bewandtnis es mit den beiden Kragsteinen am Chorbogen hat, ist noch nicht ganz geklärt, möglich ist, was Kessels meint, daß sie zur Auflage eines Chorabschlusses gedient haben. So muß es vorläufig auch fraglich bleiben, ob die dargestellten Wappen die der Herren von Kemnade und von Stiepel waren. Soviel über die alten Aufzeichnungen über die ehemaligen Patronatsherren an der alten Orgelbühne, die offensichtlich fehlerhaft sind. Ihr Inhalt ist von den Geschichtsschreibern wie von Steinen, Fahne, Ostheide, Darpe und Weiß ohne Nachprüfung ihren Darlegungen über Stiepel und seine Adelsgeschlechter zugrundegelegt worden. Man hat jetzt mit der Erneuerung der Orgelbühne auch diese alte Aufzählung der Pastoratsherren mit den Wappenschilden entfernt.