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Heimatkundliches aus Grumme

Karl Freund

Im 12. Jahrhundert wird der heutige Stadtteil Bochum-Grumme urkundlich Grumhem genannt. Aus diesem Ortsnamen, der als Heim in der Grume (im Talgrunde) zu deuten ist, entwickelte sich über Grommen die heutige Ortsbezeichnung Grumme. Die Namensdeutung weist schon darauf hin, daß die erste Besiedlung in einem von zahlreichen Gewässern durchfurchten welligen Gelände erfolgt sein muß. An der Bodengestaltung ist die Bochumer Mulde beteiligt, die aus der Abflachung des Ardeygebirges von der Altenbochumer Wasserscheide zur Emscherniederung entstand, und die auch das Grummer Gebiet einbezieht.

Geologische und topographische Merkmale

Zur Eiszeit sind auch hier mächtige Moränen und Geschiebemassen abgesetzt worden. Die Halfsche Kiesgrube an der heutigen Heckertstraße gibt uns ein anschauliches Bild von den großen Kiesablagerungen mit den daraufliegenden hohen Lehm- und Lößschichten. Zahlreiche Gewässer, die von der Wasserscheide aus dem Emscher- und Rheintal zustrebten, durchfurchten den Boden und falteten vielfach das wellige Gelände. Der große Harpener Findling, die Ruhrschotter und die Lößkindel - kleine Kalkpüppchen im Löß - im Zillertal sollen Beweise dafür sein, daß die Ruhr einmal ihren Lauf durch das Tal der Rinbecke oder auch durch das Grummer Tal zum Rhein hin genommen hat.

Das beigefügte Lage- und Gestaltungsbild vom alten Grumme zeigt, daß es ein naturschönes Gebiet war. Westlich von Grümershof - heute Benking in Hiltrop - entspringt eine Quelle, deren Wasser zuerst in südlicher und dann in westlicher Richtung im Talgrunde verläuft. Es ist die Grumbecke oder der Grummer Bach, im Volksmund „Küttelbieke" genannt. Aus drei Einschnitten ergießen sich vom Süden her Gewässer in das Wiesental hinab. Die Grumbecke nimmt, vom Rottmannshof kommend, die Becke (später Rottmannsbach genannt), die Schmale Becke (kleiner Bach) und die Albecke (Bach im Tal, wo die Wiesen gealt wurden) auf. Sie treibt die 400 Jahre alte Grummer Mühle und etwas weiter gemeinsam mit dem Schmechtingsbach (entstanden aus Goldbecke und Ladbecke) die inzwischen stillgelegte seit 1438 genannte Bulxmühle in Hofstede.

Die südlichen Erhebungen zwischen den Seitentälern, der Böckenberg (Buchenberg), der Böckenbusch und „aut dem Heckert" (dorniger, krautiger Acker) sind die Ausläufer des Heidnockens und der Wasserscheidenhöhen. Nach Norden zu begrenzen den Talgrund der Hiltroper Güstenberg (trockener Berg, güste Kau = Kuh, die trocken steht), der nach Süden steil abfallende Kötterberg (Wohnplatz der Kötter) und der Tippelsberg (Diebels = Teufelsberg). Zu letzterem gehört der vorgeschobene Eickeler Kirchenbusch, hinter dem sich der Prattwinkel (zurückgezogener Winkel, wo die Kötter pratteten, sich nicht an andere störten) verkriecht. Dieses kleine Wiesental geht auch in den Haupttalgrund über. Alle Niederungen sind sehr wasserreich. Ein einstmals mit Eschen bestandenes sumpfiges Gelände heißt „Am Eschenbruch", früher „An der „Kaiseraue". Das ganze Grummer Gebiet war ehemals mit dichten Wäldern bedeckt. Die Markenwälder bei Hosberg und in der Wanne (Grenzgraben) gaben den Ansiedlern reichlich Schlagholz. Mancherlei gefiederte Sänger und farbenprächtige Vögel wie Blaurake und Pirol belebten die Täler.

Die Bauernschaft Grumme

Von diesem naturschönen, abgesonderten Gebiet erfahren wir verhältnismäßig spät etwas, obwohl es im Bereich des Hellweges und der Kreuzung zweier alter Heeres- und Handelswege lag. Es muß aber schon von Franken besiedelt worden sein, ehe Urkunden davon sprechen. Ein Haupthof in der Grumme am Böckenberg dürfte der Sitz eines Landadelsgeschlechtes gewesen sein. Wie die Heberegister des Klosters Werden nachweisen, besaß dieses schon im 12. Jahrhundert in Grumhem einen Hof, dessen Aufsitzer Hermann an den Werdener Oberhof Krawinkel in Bochem Abgaben entrichten mußte. Nur ein Angehöriger des alten Geschlechts vom Grundhof ist uns mit Namen überliefert worden. Es ist Hugo von Grumhem, der in einer Urkunde des Bochumer Freigrafen Sybert von Aldenboychem bei einer Grundstücksübertragung im Jahre 1321 neben andern Adeligen als Zeuge aufgeführt wird. Der Name bedeutet: Hugo vom Heim (fränk. hem) in der Grume. Sonst wissen wir nichts von diesem Geschlecht. Von Interesse ist noch eine Urkunde vom Jahre 1498, in der die Witwe Clara des Wennemar Paskendal genannt wird, die zugunsten des Spitals in Bochum 1 Maltersaat Landes an dem „Detmarskruie, dar ein wech goir geit nae Grummen" (der heutige Quellenweg durch die Albecke nach Hof Hoen) verkauft. Das steinerne Feldkreuz ist später vor dem Bauernhof Dieckmann an der Castroper Straße aufgestellt worden. Ein altes Kettenbuch des freiweltlichen Damenstiftes Essen (um 1410 angelegt) nennt zwei Höfe in Grumme. Der zum Oberhof Viehhof (in Essen) gehörige Hof des Peter Knoyst gab an das Stift Essen jährlich 12 Denare Abgabe, dies ist der Dördelmannhof, der seit den letzten beiden Jahrhunderten nach seinem neuen Besitzer Helfhof heißt. Dem Oberhof Uckendorf unterstand der Hof Overdyk, der jährlich drei Malter Gerste an die Essener Abtei gab. Ein Pachthof hatte seinen Namen von seiner Lage an einem alten Teich und sein Besitzer hieß deshalb Dieckmann. Der Hof gehörte seit dem 16. Jahrhundert der Familie von Loe auf Haus Overdiek in Hamme, die ihn an den aufsitzenden Bauern in Erbpacht gegeben hatte. (Urk. von 1594 bei Symann, Urkunden des Archivs Wanne-Eickel Nr. 122.) Als der Hof abbrannte, wurde er an der Castroper Straße neu aufgebaut.

Der größte Hof der Bauernschaft Grumme ist der Rehlinghaushof, der 1684 mit 38 Maltersaat vermessen wurde. Er war doppelt so groß wie jeder der anderen zehn Höfe. 1372 hieß er Redelinghusen (Darpe, Urk. Buch Nr. 12). Dieser Hof war wahrscheinlich ein altes Freigut, das in den Fehdezeiten des 14. Jahrhunderts seine Selbständigkeit verloren hatte und an den Adel übergegangen war, so daß der Bauer nur Erbpächter war. Seit dem 15. Jahrhundert gehörte er den von Aschebrock auf Nosthausen, im 17. Jahrhundert den von Loe auf Overdiek (Symann Nr. 76). Eine Seelenheilstiftung von jährlich drei Malter Korn wird 1446 aus dem Hof an die Bochumer Kirche gegeben (Darpe Nr. 74). Die alte Freibauerneigenschaft des Hofbesitzers Rehlinghaus kam aber noch im 16. Jahrhundert dadurch zum Ausdruck, daß die Gebrüder Wilhelm und Johann Rehlinghaus in einer Urkunde vom 20. Februar 1559 sich stolz „Freileute unseres gnädigen Landesherrn" nannten (Darpe Nr. 211). Ihr Vater, Johann Rehlingthaus, war als Kirchenrat tatkräftig beim Aufbau der 1517 zerstörten Bochumer Kirche beteiligt. Er gab größere Darlehen, auf deren Rückzahlung seine beiden eben genannten Kinder 1559 verzichteten.

Das alte märkische Schatzbuch von 1486 führt die Grummer Höfe an, die zur Landessteuer aufgeboten wurden: Rehlinghusen, Busman, Hoen, Vierhuis, Jan to Grummen, Thienthoff, Kleesberg, Dorleman, Rütger op der Drewe, Henrik op der Drewe und die Kötter Haeselhoff, Schroider, in dem Hulse. Nicht genannt ist der Diekmannhof, weil dieser als Essener Hof vom Stift Essen aus besteuert wurde. Unter dem Hof Jan to Grummen ist wohl der Hof Blomberg gemeint.

Nach Unterlagen von Dr. Höfken lagen der Buschmannshof und der Vierhaushof in Vierhausen, einer Lagebezeichnung des 15. Jahrhunderts, die dem letztgenannten Hof auch seinen Namen gab. „Dat goed tho Veyrhusen, geheyten in dem Busch" gehörte im 14. Jahrhundert den von Brüggeney in Stiepel. Es wurde in dieser Adelsfamilie in zwei Linien vererbt und am 17. Oktober 1439 an den Pastor von Eickel, Everd von der Brüggeney, verkauft, mit Vorbehalt des Wiederkaufrechtes. Im Jahre 1488 wurde es von dem Drosten Wennemar Brüggeney genannt Hasenkamp zurückgekauft und blieb seit dieser Zeit bei der Familie von Hasenkamp auf Haus Weitmar (Darpe Nr. 53, 55, 61, 97). Als aufsitzender Bauer wird 1541 Seger Buysman genannt (Darpe Nr. 181). 1664 wird als Obereigentümer der adelige von Schell zu Ripshorst angeführt

Der Vierhaushof war im 16. Jahrhundert Eigentum der Familie von Aldenbockum zur Wiesche und wurde 1562 von Johann von Aldenbockum an Melchior von Loe auf Haus Dorneburg in Eickel verkauft (Symann, Wanner Urk. Buch Nr. 78). Als Eigenleute wird Frau Ide mit ihren Kindern genannt. 1664 gehörte der Hof der Familie von Palandt.

Die beiden Höfe op der Drewe, worunter wohl die uralte Trift zu verstehen ist, auf die die Grummer Bauern ihr Vieh trieben, wechselten ihren Namen nach dem jeweiligen Rufnamen ihrer Besitzer. Erst im 16. Jahrhundert kommt für den einen Hof die Bezeichnung Niederdrewen (1598, Darpe Nr. 275) für den anderen die Overdrever (1599, Darpe S. 216) auf, 1684 finden wir dann die bleibenden Namen Niederdrevermann und Oberdrevermann. Damals gehörten die Höfe zum Haus Grimberg (Oberdrevermann) bzw. Haus Gosewinkel bei Eickel.

Der Hof Kleberg war 1664 im Eigentum des Herrn von Bodelschwingh, der Hof Blomberg dem Bochumer Bürger und Wirt Wilhelm Iden zugehörig. Der Hof Höbne gehörte 1664 der Witwe Esselen in Bochum.

Auf allen Höfen lastete der alte Kirchenzehnte, der schon früh in die Hände des Adels kam. 1365 gehörte er der Familie von Fürstenberg (Westf. Zeitschrift Bd. 91 S. 352), später den auf Haus Grimberg seßhaften Adelsfamilien von Sobbe und von Knipping, die ihn von 1556 an Robert Stael von Holstein auf Haus Steinhausen bei Bommern abtraten (Darpe Nr. 205, 240). Diese Adeligen gaben den Zehnten an Bochumer Bürger in Pacht. Im 15. Jahrhundert war Pächter die sehr begüterte Familie op der Borg. 1556 entstanden Streitigkeiten zwischen den Erben der op der Borg, dem Bochumer Amtsrichter Dierich Delscher und dem Heinrich Ovelgünne über die Anteilsrechte an dem Zehnten. Der Prozeß beschäftigte schließlich das Reichskammergericht. Aus den noch vorhandenen Schriftsätzen (St. Archiv Münster, Reichskammergerichtsakten D 189 - 558) erfahren wir, daß der Zehnte 1564, erbrachte: 29 Malter Roggen, 23 Malter Gerste, 2 Malter Weizen, 11 Malter Hafer, 5 Scheffel Wicken, 5 Scheffel Rübsamen, 5 Boten Flachs (1 Boten = 2 ½ Pfund). Dazu kamen noch die Abgaben an Schweinen, Lämmern und Hühnern. Später, im 17. Jahrhundert gehörte der Zehnte der Bochumer Familie Hugenpoth, dann durch Erbschaft dem Hoffiskal und Advokaten Moritz Konrad Vathacke (1713 - 1780), der im Hause Bongardstraße 9 in Bochum wohnte. Der Zehnte wurde von Zehnthof eingezogen. Dieser Hof Tenthof war immer im Besitz der Adelsfamilien; die den Zehnten besaßen, und an den aufsitzenden Bauern in Erbpacht gaben.

Der Bauer hatte nur das Untereigentum am Hof. Wirkliche Hofeseigentümer wurden die meisten Bauern erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts durch Abfindung der an den Adel zu leistenden Abgaben. Mit dem Anwachsen der Bevölkerung und der dadurch veranlaßten Bebauung an neu angelegten Straßen, kam der landwirtschaftliche Betrieb auf einigen Höfen zum Erliegen. Er wird heute in beschränktem Umfang noch auf den Höfen Buschmann (im Eigentum der Stadt Bochum), Helf, Höhne (der auch den alten Blomberghof besaß), Rehlinghaus (Rottmann), Oberdrevermann (im Eigentum der Zeche Constantin), Niederdrevermann und Dieckmann betrieben.

In diese noch geschlossene Bauernschaft fügten sich mehrere Kotten ein, vor allem im Prattwinkel, am und auf dem Kötterberg, am Böckenberg und im Deinsloh, wo die Dienstleute (Deinstlui) vom Hofe Dördelmann und Kleberg wohnten. An die kirchliche Zugehörigkeit zu Eickel erinnern noch der Eickelsweg zwischen Heckert- und Liboriusstraße und der Kirchenbusch mit dem Aufsitzer Lueg. Alte Ziegeleien waren die von Vierhaus und Rottmann. Mittelalterlich ist auch die Grummer Mühle. Feldsteine (sogenannte Fredesteine) bezeichneten die Grenze des Weichbildes von Bochum, außerhalb dieser Steine galt das alte Landrecht.