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Die Bauernschaft Rechen

Dr. Günter Höfken

Rechen wurde seit dem 17. Jahrhundert zu Wiemelhausen gezählt, noch früher war Wiemelhausen umgekehrt ein Ortsteil der Bauernschaft Rechen. Das bekannte Schatzbuch der (Grafschaft Mark von 1486, das zu Steuer- zwecken alle Höfe anführt, bringt unter „Rechen" auch die Höfe von Wiemelhausen und Krawinkel, einer kleinen Höfegruppe, die im Griesenbruch und hinter dem heutigen Kosthaus des Bochumer Vereins lag. Es werden 1486 genannt: Bruynsteyn (1 Gulden Landessteuer), Coster (2 Gulden, nisi = hat nichts), Schreyert (3 G.), Thelman (5 G.), Schult (3 G.), Schult van Kranwinkel (4 G.), Honscheit (5 G.), Tydken Wymelhuysen (6 G.), Stratmann to Wymelhusen (3 G.), Vytink (4 G.), Oistermann die jongh (6 G.), Oistermann die alde (2 G.). 1547 führt ein Register der Kirche die Höfe in Rechen und Wiemelhausen getrennt an und unter Rechen: Brunsten, Herman, Rychardt, Honschet, Krawinkel, Blanxstein. Lassen wir die zuletzt genannten beiden Krawinkeler Höfe beiseite, so gehörten zum eigentlichen Ortsteil Rechen die Höfe von Brunstein, Dennis, Schreiert und Honscheid. Mit der Bebauung des Stadtteils Ehrenfeld wurden auch diese Höfe aufgeteilt und stellten den landwirtschaftlichen Betrieb ein.

  1. Der Brunsteinhof führte seinen Namen nach dem vor dem Bauernhaus liegenden großen braunen Stein (einem rötlichen Granitfindling, der 1901 der Bergschule geschenkt und vor dem Eingang dieser Schule aufgestellt wurde). Das alte Bauernhaus lag am heutigen Steinring Nr. 52a und ist durch den letzten Krieg zerstört worden. Im 15. Jahrhundert gehörte der Hof der Familie von Eickel, die ihn an den aufsitzenden Bauern verpachtet hatte (Darpe Urk.-Buch Nr. 84, 90). Sie verkaufte ihn 1459 an den adeligen Heinrich Brunsten von Westrem. 1478 entstanden Streitigkeiten mit dem aufsitzenden Bauer (Darpe Urk.-Buch Nr. 115, 116). Später war er Eigentum der kath. Kirche, die 1546 bei ihrem Pächter Johann Brunstein ein Darlehen für den Aufbau der 1517 abgebrannten Kirche nahm und ihm hierfür die Pacht versetzte (Darpe a. a. O. Nr. 190, 230). 1664 wird als Eigentümer des Hofes der Procurator Brabeck in Dortmund genannt. „Brunstein" ein Erbgut, ein halber Hof, hat eine Feuerstätte im Hause. Das Landesgrundbuch von 1684 führt die einzelnen Hofesländereien an, insgesamt war der Hof 18 Maltersaat groß. An Abgaben waren zu leisten: gibt jährlichs 1 ½ Scheffel reinen Zehnten, 3 Malter duplicis an die Armen, 1 Scheffel Meßhafer, 1 Viertel Hundehafer, jährlichs 2 Reichstaler Dienstgeld, 1 Stiege Küstergarben, 1 Brot, 10 Scheffel Vicarienkorn. Der Besitzer Brunstein erwarb später den Hof zu Eigentum. 1755 erhielt ihn nach dem Tode des Joh. Wilhelm Brunstein sein Sohn Joh. Heinrich, 1804 ging der Hof auf Heinr. Wilhelm Stratmann, der als zweiter Mann auf dem Hof eingeheiratet hatte, mit Zustimmung der Vormünder der Kinder erster Ehe über. 1871 übernahm den Hof sein gleichnamiger Sohn, der sich Brunstein nannte. Seine Witwe geb. Friederike Schulte heiratete in zweiter Ehe den Landwirt Heinrich Rottmann. Ihre Kinder verkauften den Hof an den Landwirt Stratmann aus Kornharpen.

  2. Der Denishof (das Bauernhaus lag hinter der Häuserreihe Oskar-Hoffmann-Straße Nr. 122-126) hat diesen Namen erst spät erhalten. 1519 heißt sein Besitzer Peter Thelman, 1547 wird er Herman, 1553 Peter to Rechen genannt, 1579 Derich, 1599 Johann to Rechen, 1664 heißt er nach dem Rufnamen Dionysius Denis. Der Hof behält seit dieser Zeit diesen Namen. Seit dem 16. Jahrhundert gehörte der Hof zu Haus Rechen und war an die aufsitzende bäuerliche Familie in Erbpacht gegeben. Die Abgaben aus dem Hofe sind oben angeführt. Der Hof war 13 Maltersaat groß. 1664 war das Bauernhaus nach dem Dreißigjährigen Krieg noch nicht wieder aufgebaut, der Bauer wohnte im Backhaus.

    Das Landesgrundbuch von 1684 verzeichnet an Abgaben: gibt jährlichs die dritte Garbe, 1 Schuldschwein, wöchentlich einen Dienst, ein Scheffel Meßhafer, ein Viertel Hundehafer, eine Stiege Küstergarben, 1 Stiege Frohnengarben.

  3. Der Schreierhof, den das Schatzbuch von 1486 mit Schreyert aufführt, wird in dem späteren Verzeichnis von 1513 mit Peter in dem Schrer genannt. Der Hof hatte bei der Grundsteuervermessung von 1810 nur noch eine Größe von rund 10 Morgen. Das Erbpachtverhältnis zum Hause Rechen löste der aufsitzende Kötter Heinrich Wilh. Oberdrevermann genannt Schreier im Jahre 1850 ab, 1869 übernahm sein gleichnamiger Sohn den Hof. Er verkaufte ihn 1892 an den Berginvaliden Wilhelm Buschei. Das Kottengebäude stand an der Ewaldstraße, und die Ländereien dienten später zum Aufbau der Häuser an dieser und den umliegenden Straßen.

  4. Das Schatzbuch von 1486 erwähnt den Hof Coster mit 2 Gulden Steuer, 1547 wird ein Hof Rychardt aufgeführt. Dieser Hof ist wahrscheinlich das Gut, das in dem obenerwähnten Verzeichnis von 1513 als zum Gasthaus gehörig bezeichnet wird. Das Gasthaus in Bochum war die Herberge für heimatlose, arme und kranke Personen, es lag auf der Gerberstraße. Seine Geschichte ist im 2. Band des Bochumer Heimatbuches dargestellt. Die Ländereien dieses Hofes wurden nach dem Pachtvertrag von 1548 vom Pächter des Gasthauses mitbewirtschaftet. Das alte Hofesgebäude muß an der Wiemelhauser Straße auf dem Gelände des Röhrenwerkes von Herm. Müller gestanden haben.

  5. Der Honcheidhof lag westlich der heutigen Hunscheidtstraße auf dem Gelände der Radrennbahn und der heutigen Dirschauer Straße. Er führte seinen Namen von der Lage auf der Höhenscheide (Honscheide) zwischen den von den beiden Bächen Diebergsbecke, die im Teich von Haus Rechen begann, und der Berenbecke durchflossenen Siepen. 1404 gehörte der Hof dem adeligen Friedrich von Büren genannt Schilling (Frerych van Buyr genannt Schyllinck), der nach einer Urkunde vom 13. Januar 1404 den Gildebrüdern in Hattingen 3 Malter Korn aus der Hälfte seines Gutes zu Honscheide, auf dem Thonys Honschede wohnte, verkaufte (Archiv Haus Rechen Urk.). 1561 ist Eigentümer des Hofes der adelige Goswin von der Steinkuhle, der mit Zustimmung seiner Frau Catharina und seines Sohnes Johann 9 Scheffel Erbrente aus dem Hof an Reinhard Berswort verpfändete. Später (vor 1590) wurde der Hof von den Schells auf Rechen erworben. 1542 wird Dyrich Honsched, 1663 Henrich uf dem Honscheidt erwähnt. Die Kaminsteuerliste von 1664 führt an: Honscheidt ein Pachtgut, ein halber Hof, eine Feuerstätte, item in dessen Backhaus eine Feuerstätte, so eine Frau bewohnt. Nach dem Landesgrundbuch von 1684 war der Hof 16 Malter groß. Der weitere Vermerk lautet: weil keine Weide noch Gemeinland bei dem Hof gehörig ist, sein bei vorigen Landmaßen 2 Scheffelsaat Landes davor eingelassen. Gibt jährliche 16 Malter triplicis, Herrn Drosten jährliches einen Reichstaler Dienstgeld, Herren Rentmeister und meinem gnädigsten Herrn zu dienen, wenn es nötig ist, 10 Pfund Schuldflachs, 10 Hühner, 2 Schweine, 1 Viertel Hundehafer.

    1740 wurde der Hof von den von Schells an den Essener Bürger Heinrich Wilhelm Varenhorst verkauft, von diesem ging er 1770 in den Besitz des Kaufmanns Joh. Wilh. Waldhausen über, später besaß ihn der Essener Senator Gottfried Wilhelm Waldhausen. Der aufsitzende Bauer Theodor Rodeschürmann genannt Stratmann kaufte 1834 den Hof an. Sein Sohn Theodor Rodeschürmann genannt Honscheid erhielt 1848 im Wege der Erbteilung das Gut. 1877 erwarben den Hof die Eheleute Steiger Friedrich Backwinkel und Cath. Elis. geb. Schulte-Middelmann, 1896 ihr Sohn Theodor Backwinkel. Auf einem Teil des Geländes wurde von dem Metzgermeister Paass, Mauch und Sager eine Ziegelei angelegt. Der übrige Teil des Hofes ging 1906 auf den Bauunternehmer Erlemann über, der von seinem Rechener Gelände Ausgang zur Hattinger Straße haben wollte. Auf einem Teil des Ackerlandes wurde das Bergmannsheil erbaut.

  6. Nach dem ältesten Heberegister aus dem Anfang des 10. Jahrhunderts hatte das Kloster Werden damals Besitz in Hreni, worunter unser Rechen zu verstehen ist. Es gab Gerlef von seinem Hof 15 Scheffel Gerste, 8 Scheffel Weizen, 8 Denare Heerschilling, und ebensoviel gab Liathgrim von seinem Gut. Spätere Verzeichnisse erwähnen diese Höfe nicht mehr. Sie sind also der Abtei Werden verlorengegangen.
Nach dem ältesten Lehenverzeichnis der märkischen Grafen aus dem Jahre 1392 hatte dieser eine Reihe Lehngüter in Rechen, Es heißt in dem Lehnsregister an fünf Stellen:

Tonies van Lynden to lenegude den Ydewinkel, den derden del van den Schymmen mit syn antel van sinem gude to Rechen. Wilhelm Reyger to lengude dat gut to Rechen halff, dar Herman van Rechen oppe wont, in dem kerspele (Kirchspiel) van Boichem.Myn Junker hevet belent Brunstene und Evert van Westerem, sinem sone, dat gut to Rechene ind to Drere (Langendreer), dat het tom Helwege myt eren alingen (ganzen) thobehoeringen. Wennemar van Rechen to man-gude eyn gud to Rechen halff. Diderich van dem Gore haft entfangen toe Dienstmanrechte Hennen gud van Rechene by Boychem.

Nach diesem Lehnsregister besaß der Landesherr damals fünf Güter in Rechen, aber es ist schwierig, sie mit den oben genannten Höfen zu identifizieren. Geht man davon aus, daß damals auch die Bauernschaft Wiemelhausen noch zu Rechen gezählt wurde, so könnten die Lehen auch im Bezirk Wiemelhausen gelegen haben. Da sie in den späteren Lehnbüchern nicht mehr genannt werden, können wir ihren Verbleib nicht weiter verfolgen. Wahrscheinlich handelt es sich um Kotten, die früh von den märkischen Grafen verkauft wurden und zu den Höfen genommen wurden. Die eben genannten Mitglieder der Familie von Westrem (einem Rittersitz im Vest Recklinghausen) verfügten 1394 über das Seligen Gut in Rechen {Darpe, Urk.-Buch Nr. 26). Als Zeugen werden in der Urk. vom 11. März 1394 aufgeführt: Dydrich Schulte to dem Velthus, Hannes Schreyart, Tonies van Lynden, Johan Schyman. Außer dem Besitzer des Schulte-Vels-Hofes in Altenbochum sind die genannten Zeugen Besitzer von Rechener Gütern. Hans Schreiert saß auf dem obengenannten Schreierhof, Tomies von Linden (kein Adeliger) wird oben als märkischer Lehnsmann genannt, wo außer seinem Gute noch als weitere Lehnstücke der Idewinkel und das Schymmengut angeführt sind. Auf letzterem muß also der genannte Zeuge Schymmen gesessen haben, während der Idewinkel ein Kotten beim Hofe Schulte-Kranwinkel war, der später zum benachbarten Hof Blankenstein gehörte. Der adelige Wilhelm Reiger hatte nach dem Lehnsregister die Hälfte eines Gutes, das Hermann zu Rechen bewirtschaftete.

Am 29. 11. 1398 trat er die Jahresgülte aus diesem Kotten (1 Scheffel Hartkorn, 3 Bochumer Schillinge, 3 gute Schuldhühner) an den adeligen Gert von der Munkenbecke ab.

Im Jahre 1372 besaß der Graf von der Mark das Gut Uchting in Rechen, dessen Hälfte er am 11. November 1372 an Heinrich Dücker von der Nettelbecke in Stiepel, der dieses halbe Gut als Mannlehen besaß, zu Eigentum abtrat (Darpe Urk.-Buch Nr. 13). Auf dem Gute hatte Otto von Uchting gewohnt, Mitglied der Adelsfamilie von Uchting, die damals auch auf dem Hofe Uchting in der Braubauerschaft saß (dem späteren Bauernhof Schulte-Uchting). Dieser Hof war ein Essener Lehnsgut. Otto von Uchting wird urkundlich am 3. Dezember 1359 als Zeuge vor dem Bochumer Freigericht genannt (Darpe Nr. 10). Der neue Eigentümer von Dücker teilte das Gut durch Vertrag vom 24. Juni 1373 mit (seinem Verwandten) Johann von Grimberg genannt von Aldenbockum, dem die andere Hälfte gehört hatte; in der Urkunde werden die einzelnen Landstücke, die Heinrich Dücker erhielt, namentlich aufgeführt. Es werden genannt der Distelacker (auf dem Distelberg, dem Gelände des heutigen Hauptbahnhofes), der Padacker (worunter wahrscheinlich der Acker am Kirchenpfad von Altenbochum nach Bochum zu verstehen ist), der Grüne Weg (heute Oskar-Hoffmann-Straße), das Land im Loh (Lohberg, Akademiestraße), der Bornacker, der Pasch, die Düdingbecke, das Heidestück an der Vödestraße in Altenbochum, das Land bei Schulte-Vels, der Burkamp (bei Haus Rechen), der Slotekotten, ein Kotten in Altenbochum, 14 Scharrechte im Bredenbroke, dem alten Gemeinland im südlichen Wiemelhausen (altes Kataster II 96, 97, später Kotten im Bredenbruch, Spieker).

Die Urkunde (Stift Essen, St. A. Düsseldorf) hat folgenden Wortlaut:

Ich Johan van dem Grintberghe anders gheheten van Aldenbochem do kundich allen luden und bekenne und bethuge openbar, dat Hinrich dey Duykere van der Netelbeke und ich mid wulbart und mid guden willen Diderix myns sons und al ons rechten erven hebt ghedeylet dat gut tho Rechene ghelegen dat geheiten is tot Uchtinc dat geweest hadde Othen van Uchtinc, also dat Hinrich de Duyker sol hebben dey Distelacker alinc as dey is gelegen, den padadcer halff und dey syde dey thot Altenbochem wart leghet und den groyneri wech, vartmer driger scepelsede, de ligget imme lo ok sol he bebben dat stukce dat by dem weghe neyderseitet tot der glatbeke wart vartmer sol Hinrich de Duker hebben beyde de borneckers und den pasch alinc und boven der Duydinebecke alinc und dat hedstucke op dey veywede tot Aldenbochem vallend, dat andere stuck sal he hebben alinc vortmer sal he hebben de helfte van den twe stucken by dem velthus und dey overste syde van beyden dat stucksken und dat stucksken op dem oevenberghe ok so sal Hinridi de Duyker hebben dey helfte van den veir stucken op dem Burcampe und de syde tot des husmans hove wart, ok sal Hinrich dey Duyker heben dey hoff dar slote jarlix affgeldet twe schillinghe twe honre und twe dachmat vartmer sal hebben den anderen garden dar slote jarlix aff gebiet twe schillinghe und enen garden dar bate amelunges wyff af plach to geldene jarlix twelff pennings, vortmer sal de Duyker hebben de helffte van dem stucke boven der glatbeke und de helffte van eme stucksken boven deme heirsake und dey koten to Aldenbochem und den gulden dey de koten doit, as Othe dar inne besad do he levede und dat holt tho raek vartmer so sal Hinrich hebben de helffte van vyften scaren in dem bredenbroke de hoirden in dat gut tot Uchtinc und de achte roeden halff de gevallet in den grisenbroke und malleke de weghe tot dem syme unbesproken und Hinrich de Duker sal gelden dey missehavere dey man plach to gevene und to gheldene van dem gude. in en tuych und orkonne dese vurg. deylinge so heb ich vurg .Johan van den Grintberghe geheten van Aldenbochem myn segel vur my und vur Dyderich minen sone und vor alle unse erven an diesen brieff ghehangen und ich Diderich Johans sone van Aldenbochem bekenne das dese alinge geseten as mit truwe van willen und wil dey vast und stede halten, vartmer so .hebbe wy vurg. Johan van dem Grintberghe und Diderich syn sone ghebeden den ersamen man Sander van Galen de en droste to Bochem was to desen tyden, dat he um uns bede willen desen breef mede, hefft besegelt op eme guden tughe und ich vurg. Sander van Galen bekenne des dat ich um bede willen Johans van dem Grintberge und Diderix syn sone desen breff besegelt hebbe mede tot eme guden tuyghe. datum anno dm. cccmo septuagesimo tertio in festo nativitatis sancti Johannis ap.

(Pergamenturk. 2 Siegel anhangend)

Heinrich Dücker hatte nun schon vorher durch Urkunde vom 5. Januar 1373 seine Hälfte an den Kanoniker Wessel von der Knippenburg (urk. erwähnt 1370-86) in Essen abgetreten. Da aber auf dem ganzen Gut noch ein Leibzuchtrecht der Witwe des Otto von Uchting, seiner Schwiegermutter, lastete, mußte dieses berücksichtigt werden. Das geschah in der Weise, daß der Verkäufer Dücker auf den ihm gehörenden Hof Vieting in Wiemelhausen die Abgaben für die Leibzucht übernahm, die der aufsitzende Bauer Schulte van Vieting abführen mußte. Dadurch wurde erreicht, daß Wessel von der Kippenburg für die Renten, die er für die Leibzucht weiter entrichten mußte, sich an den Einkünften aus dem Hof Vieting schadlos halten konnte. Es heißt in der bei Darpe, Urk.-Buch Nr. 14 insoweit nicht abgedruckten Urkunde (Original Stift Essen, St. A. Düsseldorf): ok so en sal ich (Dücker) nicht noch myn erven ut dem hoyve to Vytink nyne gifte noch iymand van unser weghene boren noch heffen se en hebben to vuren ere korengulte, gelt und al erre pacht und recht und gebrech al degher und to male geburt und gehaven ut dem vorg. hove to Vitinch und de vorscr. corngulte gelt und recht sal en de sculte van Vitingh antwarden und betalen alle jar to Essen op wilke staet se willet sunder ore schaden. Werd sake dat se dar enyghe brake an hehden, also dat en dyt corn und gelt un pacht op den dach da vorsat ys nicht en wurde, so maghen se penden em de corn gelt und pacht in dem hove to Vytink und in syner tobehoringe myt dem vronen to Bochem otfe sunder vronen wente also langhe dat se vor gebrech van den verscr. gulde aldegher hebben.

Zur Sicherheit gab dann noch Dücker in der Urkunde vom 9. Februar 1373 dem Ankäufer Bürgschaft für Erfüllung aller Vertragspflichten durch die adeligen Bürgen Series dey Dücker, Everd von der Leythen (in der Baldeney, Essen) und Wilhelm Reygher. Diese geloben rechte Wärschaft zu tun van der helfte des gudes gehyten to rechene in dem kerspele to Boychen geheyten to Uchtingh, dat otten van Uchtingh hadde gewest, und wollen, wenn der Käufer einen Nachteil erleiden sollte, sofort nach der Mahnung bürgen und zu diesem Zwecke sofort sämtlich in die Stadt Essen einreiten jeder mit einem Pferde und solange Quartier in eyner ersamen herberge nehmen, bis Herr Wessel v. d. Knippenburg mit seiner Forderung befriedigt ist (ut der leystinge unser neyn to komene noch af to latene wy en hebbet irsten dem Herrn Wessel dey brake van der warscap aldeghere wol verrichtet wo duke en des not is sunder wedersprake). Diese Punkte haben sie mit sinnender Hand gelobt und ihr Siegel zum Zeugnis der Wahrheit an diesen Brief gehangen (Urk. Stift Essen, St. Arch. Düsseldorf).

Der Hof Vieting in Wiemelhausen (Wiemelhauser Straße 297) hatte der adeligen Familie Viting gehört (einem Zweig des Geschlechts von Vitinghoff-Schell). Heinrich Viting der ältere hatte ihn an den Vater des Heinrich Dücker, Hermann Dücker zu Netelbecke verkauft, sich aber das Wiederkaufsrecht vorbehalten. Nach der Familie von Viting hatte der Hof seinen Namen angenommen, so daß der aufsitzende Bauer auch Vieting genannt wurde.

Wegen der erwähnten Belastung des Hofes durch die Leibzuchtrenten mußte die Schwester des Heinrich Dücker als Miterbin ihre Zustimmung geben, das tat Jutta Dücker von der Netelbecke mit Transfixbrief vom 5. Februar 1375, der an die Urkunde vom 5. Januar 1373 angeheftet wurde. Der Kanoniker Wessel von der Knippenburg vermachte die angekauften Ländereien des Uchtinggutes vor seinem Tode der Pröpstin des Stiftes Essen und setzte aus dem Gut noch zu seinem und der Greyte Prodynne Seelenheil ein Vermächtnis von 10 Malter Hartkorn, halb Gerste und halb Roggen, der Pröpstin des Stiftes Rellinghausen aus, wie diese in der Urkunde vom 13. November 1398 bestätigte. Sie nennt in diesem Schriftstück den früheren Besitzer des Gutes Otto von Rechen (nicht von Uchting!), ein Beweis dafür, daß die auf dem Hof Uchting früher ansässig gewesene Familie von Uchting sich auch von Rechen nannte, so daß unter den im Aufsatz über Haus Rechen genannten Trägern des Namens von Rechen auch Personen der Familie von Uchting sein können.

Ueber die weitere Geschichte der Uchtingländereien konnte ebensowenig etwas ermittelt werden wie über die andere Hälfte des Uchtinghofes, die Johann von Aldenbockum bei der Teilung 1372 gehörte.

In seiner Stadtgeschichte, S. 98, 204, vertritt Darpe die Ansicht, der Hof Uchting sei mit Haus Rechen identisch, und es habe eine limburgische und eine märkische Hälfte des Hauses Rechen bestanden. Offenbar hat er die Stelle aus von Steinen, Westf. Geschichte 16. Stück, S. 194 übernommen, der sagt: Haus Rechen gehörte im 14. Jahrhundert den von Dücker, wie denn Johann von Aldenbockum die Halbscheid des Hauses Rechen von Heinrich Dücker in der Netelbecke geerbt hat.

Diese Ansicht muß aber nach den neuesten Forschungsergebnissen aufgegeben werden, wohl besteht die Möglichkeit, daß die Hälfte des Gutes Uchting, die bei Johann von Aldenbockum blieb, später an Haus Rechen gekommen ist. Darpe verwechselt im übrigen die Höfe Uchting und Vieting. Zur Geschichte des letztgenannten Hofes seien noch einige Bemerkungen gemacht. Der Hof war 1684 13 Maltersaat groß, darunter 9 Maltersaat schlechtes Land. Er gab aus den Ländereien den Wiemelhauser blutigen Zehnten (jährlich die zehnte Kodde = ein junges Schwein, das zehnte Huhn und 1 Boten Flachs) an das Pastorat in Herten. 1664 gehörte der Hof dem adeligen Hans Herman von der Leithen, der auch auf dem Hof in einer Scheune mit seiner Tochter wohnte. Die Familie des Erbpächters Vieting erwarb später den Hof zu Eigentum. Den Hof übernahm ab 1780 Joh. Heinr. Christian Vieting, verheiratet mit Maria Katharina Ostermann, ab 1828 sein Sohn Joh. Heinr. Vieting, später dessen Sohn Georg Heinrich Vieting. Heute gehört der Hof dem Bergwerksdirektor Kleemann. Der landwirtschaftliche Betrieb ist eingestellt.