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Die Bauernschaft Wiemelhausen

Dr. Otto Hülsebusch

Ein wichtiger Verkehrsweg innerhalb der Stadtgrenzen ist u. a. die Wiemelhauser Straße. In südlicher Richtung verlaufend, verbindet sie die Stadtmitte mit Teilen Wiemelhausens und vermittelt darüber hinaus den Verkehr nach Weitmar und Stiepel. Ein lebhafter Straßenverkehr in dieser Richtung unterstreicht ihre Bedeutung. In ihrem Verlaufe führt die Wiemelhauser Straße, die eine beachtliche Länge aufweist, durch welliges Gelände. Unweit der Petrikirche in Wiemelhausen bei der Schule auf dem Berge senkt sie sich zur Unterführung der Eisenbahnstrecke Laer-Dahlhausen hin, durchschneidet dabei den oberen Teil des Wiesentales und steigt dann hinter der Unterführung in einigen Windungen zur Apotheke Wiemelhausen, ihrem Endpunkt, hinauf.

Nur wenige werden wissen, daß die Wiemelhauser Straße im oberen Wiesentale durch uraltes Siedlungsgelände führt, das man wohl nicht mit Unrecht als die Wiege der ehemaligen Bauernschaft Wiemelhausen bezeichnen kann. Allerdings hat die Entwicklung, die bereits vor vielen Jahrzehnten vornehmlich infolge des aufblühenden Bergbaues einsetzte, im oberen Tale und seinen natürlichen Zuflußgebieten große Änderungen hervorgerufen. Als erstes sei hier genannt der Bau der erwähnten Bahnstrecke um das Jahr 1870. Etwa ein Jahrzehnt später folgte die Fertigstellung der Bahnstrecke Bochum-Nord-Weitmar, die sich mit der Laer-Dahlhauser Bahn hinter der Zeche Prinzregent vereinigt und unterhalb der heutigen Wohlfahrtstraße das Wiesental auf einem mächtigen Damm überquert. Der Ausbau der Wiemelhauser und Wohlfahrtstraße, die Anschüttung des Dammes für die Königsallee vor etwa 16 bis 17 Jahren, die daneben sich vollziehende Besiedlung in der näheren und weiteren Umgebung, die bereits nach der Jahrhundertwende sich verstärkte, schlossen sich an. Alle diese Umstände haben das Landschaftsbild im Bereich des oberen Wiesentales von Grund auf umgestaltet. Das Anwachsen der Zeche Prinzregent zu einer Großschachtanlage mit vielen Nebenanlagen sei dabei nicht vergessen. Andererseits hat auch der Luftkrieg seine Spuren hinterlassen und manches geschichtlich Gewordene ausgelöscht. Nichtsdestoweniger fehlt es aber auch heute noch nicht an Anhaltspunkten, die uns in die Zeit der Anfänge der Bauernschaft Wiemelhausen zurückversetzen können. Im Jahre 1519, einem Jahr, in dem Wiemelhausen erstmalig, und zwar in der sog. Kommunikantensteuerliste der Pfarrkirche zu Bochum, als Bauernschaft erscheint, sind als Besitzer von Höfen bzw. Kotten verzeichnet Dirik to Wymelhusen, Ostermann, Stratmann, Vytink, Kötting, Hane und Bredensche. Bei einer Wanderung durch das bereits näher umschriebene Siedlungsgebiet werden wir auf diese Namen zurückkommen.

Wenn wir, von Bochum kommend, die Straßenbahn unweit der Petrikirche verlassen, so können wir auf der linken (östlichen) Seite der Wiemelhauser Straße mehrere Gebäude ausmachen, die einst Mittelpunkte bäuerlicher Betriebe waren. Das Haus gegenüber der Wirtschaft Knappmann, das in Auswirkung des Luftkrieges noch teilweise mit einem Notdach versehen ist, war ehedem das Hofgebäude des Bauern Vieting. Dahinter liegt mit mehreren Nebengebäuden der Gutshof Wiemelhausen, der sich heute, im Besitze der Gelsenkirchener Bergwerks-AG. befindet. Diese Bezeichnung führt er erst seit einigen Jahrzehnten; früher gehörte er dem Bauern 0stermann. Beide Höfe, deren Ländereien sich ausdehnten z. T. bis zur Brenscheder und Borgholzstraße und nach der Stadt bis zur Wasserstraße, können auf einen vielhundertjährigen Bestand zurückblicken. Auch sind sie schon im Schatzbuch der Grafschaft Mark vom Jahre 1486 verzeichnet, das allerdings eine Bauernschaft Wiemelhausen nicht kennt, vielmehr die Höfe und Kotten Wiemelhausens unter der Bauernschaft Hreni (Rechen) mitumfaßt. Der Veranlagung nach war Ostermann neben Wiemelhausen der größte Hof in der Bauernschaft. Das Geschlecht Ostermann rechnet auch zu denjenigen wenigen Bauern, denen es gelungen ist, über alle Ungunst und Wechselfälle der Zeiten hinweg ihre gutsherrliche Unabhängigkeit zu wahren. Wir haben auch allen Anlaß zu der Annahme, daß die Familie Ostermann, die um die Wende des 16. zum 17. Jahrhundert mehrere Pfarrer in Bochum stellte und aus der auch Heinrich Johann Friedrich Ostermann, der spätere Graf und Vizekanzler Ostermann unter Peter dem Großen in Rußland, hervorgegangen ist, auf dieses uralte Wiemelhauser Bauerngeschlecht zurückgeht. Der Name als solcher weist auf die Lage des Hofes im östlichen Teile des Siedlungsraumes hin. Vieting war gegen Ende des 16. Jahrhunderts, wie aus der Türkensteuerliste 1598 ersichtlich ist, der Äbtissin zu Essen abgabepflichtig. Zu Ausgang des Dreißigjährigen Krieges war Grundherr dieses Hofes der Junker Hans von der Leithe, der bei ihm im selben Hause wohnte.

Auf der anderen - westlichen - Seite der Wiemelhauser Straße unterhalb der Wirtschaft Knappmann und im nördlichen Winkel mit der dort beginnenden Wiesenstraße lag der alte Stratmannshof der in den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts niederbrannte. Es hat dann in der Folge ein Einliegerhaus (Fachwerk) an dieser Stelle gestanden, das aber durch Bomben vernichtet wurde. Auch zum Stratmannshof, in den um die Mitte des vorigen Jahrhunderts ein Vierhaus aus Grumme einheiratete, gehörten erhebliche Ländereien. Zum Teil lagen sie sogar zu beiden Seiten der heutigen Querenburger Straße. Die Steinbrüche auf der westlichen Seite dieser Straße, zwischen Wasser- und Brenscheder Straße, waren ehedem sein Besitz. Auch das Gelände des Wiemelhauser Friedhofs im Winkel zwischen Wasser- und Wiemelhauser Straße wurde von Stratmann (Vierhaus) erworben. Zuletzt hatte Stratmann den Hof an einem Wortberg verpachtet. Auch dieser Hof wird bereits im Schatzbuch (Straitmann) erwähnt Er führt dabei den Zusatz „tho Wiemelhausen". Möglicherweise weist dieser darauf hin, daß der Stratmannshof ein Abspliß des Wiemelhausen-Hofes ist, der anschließend noch behandelt wird. Der Name Stratmann wird verständlich, wenn man berücksichtigt, daß der alte Hellweg, von dem Darpe in seiner „Geschichte der Stadt Bochum berichtet, vom Hammerthal über Stiepel und Brenschede an Stratmann vorbei nach Bochum führte. Die heutige Wiemelhauser Straße, die in den Südhellweg ausmündet, dürfte seinen Verlauf in etwa wiedergeben. Nicht ausgeschlossen ist, daß der Zusatz „tho Wiemelhausen" den Bauer Stratmann von gleichen Namensträgern in anderen Bauernschaften, z. B. Hamme oder Laer, unterscheiden sollte. Von Interesse dürfte es auch sein, zu wissen, daß das vom Luftkrieg verschonte Einwohnerhaus an der Wiemelhauser Straße bzw. Wiesenstraße, an der Ausweiche Unterführung, ehedem ein Wirtschaftsgebäude des Stratmannshofes war. Nach dem Dreißigjährigen Krieg war Stratmann dem Herrn zu Rade, Nesselrode, abgabepflichtig. Gegen Ausgang des 18. Jahrhunderts lebten Stratmann wie Vieting bereits als Bauern auf freiem Grunde.

Das Wiesental läßt sich in seinem Verlauf nicht ohne weiteres weiter verfolgen, da der kaum 200 m abwärts aufgeschüttete Damm der Königsallee hier ein Halt gebietet; immerhin lohnt sich ein Gang in dieser Richtung am nördlichen Ufer entlang. Von der Wiesenstraße gehen wir hinauf zur Königsallee, gewahren rechter Hand unweit der Haltestelle der Linie 9 ein Anwesen, dem seine bäuerliche Vergangenheit unschwer abzulesen ist, wenn auch jetzt hier ein Gartenbaubetrieb zu Hause ist. Wir haben hier den ehemaligen Leithenhof vor uns, den die Stadt Bochum nach dem ersten Weltkrieg erworben hat. Hier war damals noch ein Waldbestand vorhanden, der aber dem weiteren Ausbau der Königsallee weichen mußte. Der Hof Leithe hat eine größere Vergangenheit, wenn der Name auch erst jüngeren Ursprungs ist. Bei diesem Hofe handelt es sich um jene Stätte, die viele Jahrhunderte hindurch den Namen Wiemelhausen bzw. Wiemelhaus getragen hat, welch letzterer erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts als Hofname erlosch. Dieser Hof war ehedem der Mittel- und auch wohl der Ausgangspunkt der Bauernschaft Wiemelhausen, der sie ihren Namen gab. Im Laufe der Entwicklung ist dann der Name, nachdem er bereits im 16. Jahrhundert die Bauernschaft Rechen umfaßte, auf die spätere Landgemeinde und endlich bei der Eingemeindung im Jahre 1903 auf den Stadtteil Wiemelhausen übergegangen.

Der alte Wiemelhaus-Hof hatte im Mittelalter den Charakter eines Adelssitzes. Träger des Namens Wiemelhausen haben in dem 13. und 14. Jahrhundert verschiedentlich von sich reden gemacht. Im Jahre 1389 ist bspw. ein Freifrone Huge von Wymelhusen Zeuge bei einer Grundstücksübertragung, die vor dem Bochumer Freigrafen stattfand. Wymelhusen wird auch erwähnt, und zwar im selben Jahr anläßlich der Dortmunder Fehde. Der Hof fiel auch in den Bezirk, der dem Dortmunder Söldnerführer Ritter von Raesfeld zur Plünderung übergeben wurde. Doch schon verhältnismäßig früh muß er seine Wertung als Rittersitz eingebüßt haben. In dem Schatzbuch der Grafschaft Mark vom Jahre 1486 wird er nur noch als Bauernhof geführt, der dem Stift Essen abgabepflichtig war. Immerhin ist er der Veranlagung nach dem Bauern Ostermann noch ebenbürtig. Die Gründe für den Niedergang des Hofes sind nicht bekannt. In Abhängigkeit zur Äbtissin von Essen ist der Wiemelhaus-Hof jahrhundertelang geblieben, wie sich auch aus der Kaminsteuerliste des Amtes Bochum aus dem Jahre 1664 ergibt. Ein Einblick in dieses Verzeichnis ist auch noch aus einem anderen Grunde von Interesse. Die Höfe der Bauernschaft Wiemelhausen, die in dieser Liste die Bauernschaft Rechen mit einschließt, weisen durchweg je zwei Feuerstätten auf, wovon die zweite einem Leibzüchter zustand. Die meisten Feuerstätten hatte der Hof Wiemelhaus, und zwar entfielen zwei auf den Hof selbst, eine dritte auf das Backhaus und die vierte auf die zum „Wiemelhausens Hof" gehörige Mühle, in der der Leineweber Hermann Schneider hauste. Auch die Zahl der Feuerstätten darf man noch als ein Zeichen der ehemaligen Größe des Hofes Wiemelhausen deuten.

Der Standort der Mühle ist nicht bekannt. Sie muß aber wohl in der Talniederung in nicht allzu großer Entfernung von dem Hofe gelegen haben. Bedenken, daß es hier etwa an Wasser gemangelt haben sollte, sind nicht begründet, zumal wenn man sich vergegenwärtigt, wie groß das Niederschlagsgebiet bis zu der Stelle, wo heute die Königsallee das obere Wiesental durchschneidet, gewesen ist. Einen erheblichen Zufluß wird bspw. das Borgholz, das z. T. bis zur Markstraße hinaufreichte, gebracht haben, von den anderen Randgebieten ganz abgesehen. Hinzu kommt, daß damals bei dem reichlichen Waldbestand das Grundwasser noch allgemein vorhanden war und der Bergbau trotz allem noch in seinen Anfängen steckte. Von Steinen weiß in seiner Westfälischen Geschichte (um 1750) von einer Mühle bei Wiemelhausen nicht mehr zu berichten, obschon er für Einrichtungen dieser Art ein starkes Augenmerk hatte.

Wenn man die Höhe der Kaminsteuer als Maßstab für die Größe und Bedeutung eines Hofes verwenden darf, so bleibt Wiemelhausen nach dem Dreißigjährigen Krieg nunmehr weit hinter Ostermann, selbst hinter Stratmann und Hackert zurück. Der Hackertshof, der auf der anderen Seite der Königsallee (im Winkel mit der Wohlfahrtstraße), also dem Leithen- bzw. Wiemelhaus-Hof gegenüberlag, ist ebenfalls dem Luftkrieg zum Opfer gefallen. Übrigens scheint gerade dieser Hof einer Teilung des ehemaligen Wiemelhausen seine Existenz zu verdanken. Erstmalig erscheint der Hackertshof anläßlich einer Kirchenschatzung der Pfarrkirche zu Bochum im Jahre 1547. Er steht in den folgenden Jahrhunderten in Abhängigkeit zu dem Frhr. v. Schell auf Haus Rechen. Zu Ausgang des 18. Jahrhunderts war Bürgermeister Jakobi von Bochum sein Gutsherr.

Auf der südlichen Seite des Wiesentales lagen noch drei weitere Kolonate, die zur Bauernschaft Wiemelhausen gehörten. Bei dem einen handelt es sich um den sog. Dickamps Kotten. Das Kottengebäude lag an der Wiemelhauser Straße unweit der Unterführung der bereits eingangs erwähnten Bahnstrecke Laer-Dahlhausen, somit in nächster Nähe von Stratmanns Hof, von dem ihn nur eine Talsohle trennte. Auch dieses Gebäude ist infolge verschiedener Luftangriffe zerstört worden. Es war ehedem ein Bauernhaus, wie es mit seinen schwarzen Pfosten und den weißen Gefachen für die westfälische Landschaft typisch ist, leider aber aus unserer engeren Heimat immer mehr verschwindet. Im Jahre 1917 ging Dickamps Kotten in den Besitz der Zeche über, nachdem das Kottengebäude selbst bereits früher zu Mietzwecken umgebaut war. Die Reste eines Obsthofes erinnern noch an seine frühere Existenz. Im Jahre 1519 wohnte hier ein Kötter namens Hane. Der Joergen Hane der Türkensteuerliste 1542 wird, wenn nicht mit ihm identisch, so doch sein Nachfolger im Besitz des Kottens gewesen sein. 1598 bewirtschaftete Dickamp gen. Have den Kotten. In der Kaminsteuerliste des Jahres 1664 wird für den Kotten nunmehr Dickamp als Pächter angeführt. Sein Gutsherr war damals der „Kurfürstliche Anwalt" Omphall, der gleichzeitig Besitzer des Hauses Steinkuhl war. Im Jahre 1798 war die Familie v. Vaerst, die auch das Haus oberste Steinkuhl besaß, Grundherrin dieses Kottens.

Es sei dann noch der Köttings-Hof angeführt, der an der heutigen Wohlfahrtstraße in der Nähe des Überganges der Laer-Dahlhausener Bahn gelegen war. Der Hof wurde beim Ausbau der Zeche Prinzregent zu einer Großanlage nach der Jahrhundertwende in das Betriebsgelände einbezogen. Das Hofgebäude lag etwa an der Stelle, wo sich heute das Kraftwerk befindet. Zu diesem Hof, der im Schatzbuch der Grafschaft Mark noch nicht erwähnt wird, gehörten ebenfalls Ländereien, die sich z. T. bis zur Markstraße Wiemelhausen erstreckten.

Sodann rechnet die Kommunikantensteuerliste 1519 den Hof Bredensche zur Bauernschaft Wiemelhausen. In der Türkensteuerliste 1542 wird er Schulte zur Breensche genannt, möglicherweise ist er mit dem Hof des „Schult" des Schatzbuches identisch. Die Lage des Hofes ist nicht bekannt wahrscheinlich hat er im Zuflußgebiet des oberen Wiesentales, wenn auch näher zum Haus Brenschede, gelegen. Übrigens wird er bei der Kirchenschatzung 1547 und in der Türkensteuerliste 1598 zur Bauernschaft Querenburg gerechnet, zuletzt allerdings als unbewohnt bezeichnet.

Damit wären alle die Höfe und Kotten behandelt, die in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts im Bereich des oberen Wiesentales vorhanden waren. Mehr oder weniger lehnten sie sich an das Tal selbst an. Ein wichtiger Umstand wird dabei die Tatsache gewesen sein, daß unweit des Hofes Wiemelhausen sich auch eine Mühle befand, wie die Kaminsteuerliste zu erkennen gibt. Schon durch die Benutzung der Mühle wird in einem gewissen Grad ein stärkeres zusammengehörigkeitsgefühl sich entwickelt haben. Die Höfe und Kotten sind in den folgenden Jahrhunderten der Landwirtschaft treu geblieben. Rechts und links des Wiesentales dehnten sich ihre Ländereien aus, häufig von Wald unterbrochen oder umschlossen. Im Laufe der Zeit ist dann eine dichtere Besiedlung erfolgt, die sich zu beiden Seiten des Tales vollzog. Es seien hier die Kotten Bredenbruch, Alten-kamp, Bleckmann und Schmidt erwähnt. Die drei letzteren wurden im Schultheißen Gehölz angelegt. Durch den sich immer mehr entfaltenden Bergbau wurden die landwirtschaftlichen Anwesen immer mehr zurückgedrängt und haben dann meistens schließlich ganz weichen müssen, um Raum für die in den letzten Jahrzehnten durchgeführte Bebauung zu schaffen.

Die Bauernschaft Wiemelhausen in ihren Anfängen interessiert aber auch noch aus einem anderen Grunde. Wir gehen in der Annahme nicht fehl, daß die Angehörigen dieser Bauernschaft schon sehr früh in ihren Sied-lungsraum selbst oder in der Nachbarschaft Bergbau betrieben haben. So hören wir aus dem Jahre 1634, daß Ostermann und Stratmann zu Wiemelhausen Kohle gewonnen haben. Damals fiel der Kohlberg zu Wiemelhausen ein, weshalb Stratmann sich bereit fand, trotz der Unsicherheit im Lande eine Karre Kohlen aus der Weitmarer Mark zu holen. Dieckamp gehörte neben Bußmann und Altenkamp zu den Bochumer Kohlenfuhrleuten, die gewerbsmäßig die Kohlen auf ihre Karren verfrachteten und verkauften. Im Jahre 1655 schwebten Streitigkeiten über einen Kohlberg im benachbarten Brenschede zwischen Wennemer von Melschede und dem Vertreter der Brandenburgisch-Preußischen Staatsgewalt, dem Bergvogt von Diest. Hierzu wurde u. a. neben Arndt auf dem Schrepping, 68 Jahre alt, auch Heinrich Kötting 60 Jahre alt, als Zeuge gehört. Beide bekunde-ten, daß sie vor 23-24 Jahren auf dem Kohlberg des Herrn von Brenschede gekohlt hätten. Diese Vernehmung fand am 3. Mai 1655 vor dem Richter Hugenpott in Bochum statt. Am 29. 7. 1659 erteilte der Bergvogt von Diest in der Bochumer Rentei dem Cord von Hallo, nachdem eine Verhandlung in Anwesenheit des Leonhardt Hackerts. Kohlenbergsgewerker zu Wiemelhauss" voraufgegangen war, auf eine Kohlenbank unweit Haß-linghausen bei Schwelm einen Mutungszettel. Zum Abbau der Kohlenberge taten sich häufig mehrere Kohlenbergsgewerken, später. auch Konsorten oder Interessenten genannt, zusammen, wobei in der Regel einer die Führung übernahm und die anderen Mitgewerken waren. Aus diesen Ausführungen ergibt sich, wie auch die Bauern und Kötter der alten Bauernschaft Wiemelhausen zu der Entwicklung des Bergbaues in unserer Heimat schon früh beigetragen haben.

Wie bereits an anderer Stelle erwähnt, ist aus der kleinen Bauernschaft am oberen Wiesental im Laufe der Jahrhunderte die größere Bauernschaft, später die Landgemeinde und schließlich der Stadtteil Wiemelhausen entstanden. Ohne das gewaltige Aufblühen des Bergbaues, besonders in den letzten Jahrzehnten, wäre dies nicht möglich gewesen. Im Zusammenhang hiermit wurde die gegenseitige wirtschaftliche und siedlungsmäßige Ver-flochtenheit zum eigentlichen Stadtkern immer enger. In demselben Umfange sind aber auch viele eindrucksvolle Zeugen einer bäuerlichen Vergangenheit Wiemelhausens, auch des hier in Rede stehende Siedlungsgebiets, insbesondere die Höfe und Kotten wie auch der Waldbestand fortschreitend verschwunden. Der Luftkrieg tat das Seinige hinzu. Aufgabe des Heimatforschers ist es, die Kunde und das Wissen um diese Dinge der Gegenwart und auch den Nachfahren zu erhalten und festzuhalten. Der vorliegende Aufsatz soll ein Versuch sein, zu dem angedeuteten Ziel beizutragen.