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Kleine Bausteine für Heimatkunde

Kleff

Bei Bochum soll ein Dorf angelegt werden

Der Alte Fritz hat aus seinem Generaldirektorium erfahren, daß Bochum wie auch Unna und Soest eine große Feldmark habe. Sie sei weit von der Stadt entfernt, darum könne da wohl gut ein neues Dorf angelegt werden. Im Januar 1765 wird die Kammer in Kleve angewiesen, sich um den Plan zu bemühen. Nach einem halben Jahr antwortet Kleve, Bochum habe zwar eine große Feldmark, aber etwa der vierte Teil sei zur Viehweide nötig. Nahe bei der Stadt finde man nur 6 Kämpe für 12 - 18 Kühe. Am besten könne nach Castrop zu in der großen Vöde ein Dorf errichtet werden, etwa eine halbe Stunde vor der Stadt. Wie bei Unna sie aber Wassermangel zu befürchten. Die Ländereien lägen hoch. Man werde wohl 70 - 80 Ellen tief graben müssen, und dann auch lasse der lehmige Grund schlechtes Wasser vermuten.

In Berlin bezweifelt man, daß schon mal Versuche nach Wasser gemacht seien. Man kann überhaupt nicht begreifen, warum gerade bei Bochum tüchtige Kolonisten fehlen. Man wisse auch nicht anders, daß Stadt und Amt Bochum zu den werbefreien Kantonen gehöre, nicht aber zum Rekrutenbezirk des Wolffersdorffschen Regiments in Hamm.

Die Regierung in Kleve hat Zeit. Die Bochumer haben es noch viel weniger eilig, ihre Feldmark zugunsten eines neuen Dorfes herzugeben. Im Januar 1766 wird der Landesdirektor Grüter auf Altendorf bei Unna angewiesen, Versuche nach Wasser durchführen zu lassen. Berlin rügt in der Folge wiederholt, daß man in der Sache nicht weiterkomme, und spart auch nicht mit Ausdrücken des Mißfallens - bis es von dem Plan ganz still wird und still bleibt.

Ein Richtmaß am Rathaus

Das alte 1862 abgebrochene Bochumer Rathaus am Marktplatz, dem Kaiserhof gegenüber, hatte nach der Marktseite eine Halle auf fünf Pfeiler. In dieser Halle war an der Wand nach einer Vorschrift von 1816 ein Eisenstab eingelassen. Darunter war in Stein eingehauen „½ preuß. Rute". Hier konnten jederzeit Längen nachgeprüft werden.

Eine ganze Rute hatte nach heutigem Maß 3,766 m. Sie wurde in 12 Fuß zu 12 Zoll eingeteilt, der Fuß war also 0,313 m lang. 2000 Ruten ergaben eine preußische Meile (7,532 km).

Die Quadratrute (144 Quadratfuß) hatte nach heutigem Maß 14,1846 qm. 180 Ruten machten einen Morgen aus (2553 qm). Die Schachtrute, die beim Bauwesen gebräuchlich war, faßte 4,452 cbm.

Die Bergleute hatten ihr Fuß-Maß stets bei sich: die geballten Fäuste mit den nach rechts gespreizten Daumen. 80 Zoll (2,092 m) waren Lachter.

Zur Geschichte der Kokerei

1847 errichtete der Berggeschworene Alberts auf „Präsident" zum erstemal im Ruhrlande statt der Meiler für die Koksgewinnung Feldöfen oder Schaumburger Oefen. Nach dem Verfahren von Obernkirchen in Lippe-Schaumburg baute man lange übermannshohe oben offene Ziegelöfen. Auf eine glimmende Holzschicht packte man die Kohle auf und deckte sie mit Lehm ab. Die Verkokung dauerte etwa eine Woche.

Einige Jahre später ging man nach dem Vorbild der Gebrüder Stinnes zum englischen Bienenkorbverfahren über, bei dem etwa 40 Ziegelkuppeln einem Schornstein angeschlossen wurden. In diesen Oefen war der Koks in drei Tagen gar. „Koksbrennereien" gab es damals nur bei Dortmund, Witten, Bochum und Essen. Ein guter Abnehmer des Koks war die Eisenbahn. Um 1850 gingen die Hochöfen zum Koks über.

Im Kreise Bochum verbrauchte man 1857 zur Verkokung 608905 Tonnen Kohlen, die 1 490 462 Ztr. Koks erbrachten. 1858 zählte der Kreis Bochum 254 geschlossene und 60 offene Oefen. Von insgesamt 5 030 596 Tonnen geförderten Kohlen kamen zu den Koksöfen 683 680 Tonnen. Die erzielten 1 650 360 Ztr. Koks stellten einen Wert von 540 000 Tlr. dar. Ein Teil wurde von benachbarten Hütten und Eisenbahnen abgenommen. Östlich ging der Koks bis nach Thüringen und Sachsen, südöstlich durch gewöhnliche Landfuhren zu Hütten des Siegerlandes.

Der merkwürdige Sprengstoff

Bochum, den 8 August 1864. In Betreff des merkwürdigen Sprengstoffes Nitroglycerin können wir die Mitteilung machen, daß derselbe nunmehr seit 3 - 4 Wochen in der hiesigen Steinkohlengrube ver. Konstantin der Große auf Veranlassung des Bergassessors v. Dücker und unter Leitung des Grubenverwalters Borgsmüller mit ausgezeichnetem Erfolge angewendet wird.

Glück auf! 1864 Nr. 33

Der Gußstahlglocken voller Chor

Anfangs Februar 1858 holte der spätere Kaiser Friedrich III. seine junge Gemahlin, die Prinzessin Viktoria von England, heim. An der westfälischen Landesgrenze auf dem Bahnhof Herne-Bochum an der Köln-Mindener Eisenbahn waren 10 Minuten zu einer feierlichen Begrüßung vorgesehen. Eine eigentümliche Ueberraschung auf der einsamen Station Herne-Bochum, wie die Kölnische Zeitung damals schrieb, sei dem jungen Paar zuteil geworden. Der Bochumer Verein habe vier mächtige Gußstahlglocken eine Weile weit hergeschleppt und hoch aufgehängt. Bei dem mit Grün umwundenen Glockengerüst waren 40 Schmelzer, die beim „Schmelzen" der Glocken tätig gewesen, und vier Meister aufgestellt. Als der Zug einlief, ertönte feierliches Geläute. Dann erfolgten die üblichen Begrüßungen durch den westfälischen Oberpräsidenten und andere hohe Persönlichkeiten. Darauf begrüßte Bourgoyne, der damals die Kanonen und größeren Stücke beim Bochumer Verein schmiedete, das Paar in englischer Sprache und überreichte folgenden Empfangsgruß:

Der Gußstahlglocken voller Chor,

Den nie vernommen Englands Ohr,

Er tönt: „Glückauf Viktoria!"

Willkommen! ruft Westfalia.

Der Dichter des Westfalenliedes über den Bochumer Stahl

Emil Rittershaus, der Dichter des Westfalenliedes, trug bei einer außerordentlichen Generalversammlung des Bochumer Vereins am 23. Mai 1872 u. a. folgende Verse vor:

„Hier ist des Stahles Heimatstätte,

Westfalenfaust den Hammer schwingt,

Und blitzend aus dem Wiegenbette

Das Erz in voller Woge springt

Zu Glocken, Schienen und Kanonen.

Wie wird gehämmert und schweißt!

Auch hier errang die Ehrenkrone

Der deutsche Fleiß, de deutsche Geist.

O möchten Bochums Glockenzungen

Den Frieden singen fern und nah!

Doch wird einmal das Schwert geschwungen,

Ist auch der Stahl von Bochum da."