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Kohlenpott? Nein!

Kleff

„Wir haben auch eine Heimat", war das Vorwort zum ersten Bande unseres Heimatbuches. Wir lieben unsere Heimat, wie jeder seine liebt und für sie eintritt. Wir lieben sie nicht zuletzt darum so, weil wir zu gut um all die Opfer wissen, die sie in langen Jahren hat bringen müssen. Übrigens: unsere Heimat ist auch längst nicht so arm an dem, was so landläufig Heimatschönheit genannt wird. Aber wir können das doch nicht alles an die Straßen und Strecken heranholen für die, die nur durchs Ruhrland hindurchrasen.

Unser Ruhrland ist „so anders arm, so anders reich". Wir wissen gar wohl, was unsere Heimat für die große Heimat, für das liebe deutsche Vaterland, bedeutet. Andere könnten und sollten das auch wissen. Es liegt uns nicht, damit zu prahlen. Aber wir empfinden es als ein brennendes Unrecht, dieses Land der Ruhr mit so einem Wegwurf wie „Kohlenpott" abzutun. Meine Mutter bleibt meine herzliebe Mutter, auch wenn ihr das Leben das und das genommen hat, auch wenn der Harm seine Furchen und die Sorge ihre Falten ins Antlitz grub, auch wenn sie nicht oder nicht mehr junghübsch ist, auch wenn ein gebeugter Rücken und gerauhte Schwielenhände von rastloser Arbeit reden.

Wir ehren all das harte Werken, das hierzulande durch unsere Tage und Nächte geht. Das heiße Ringen um Kohle und Eisen ist unser Stolz. Auch über unserm Schaffen hängt die Tafel „Alles für Deutschland!"

Wer meint, dieses Land an der Ruhr nicht lieben zu können, der verschone es wenigsten mit einem lieblosen Namen.

Wem das Ruhrland gut genug ist, sein Brot zu essen, der gebe ihm auch im Namen, was dann Rechtens ist.

Wer um unsere Heimat nur von weitem weiß, also aus eigenem nichts zur Wertung hat, der ist alles Rechtes bar, ihr einen Kohlenpott aufzustülpen.

Wir verlangen von keinem, für das Land der tausend Feuer zu schwärmen; wir verlangen jedoch von jedem, es wenigstens zu achten, auch wenn er es nur nennen will. Niemand spricht vom schlesischen Kohlenpott, keiner vom Saar- oder Wurmpott. Kohlenpottkohlen oder -koks, Kohlenpottknappschaft, Kohlenpott-Siedlungsverband und derlei Ungeheuerlichkeiten nimmt keiner in den Mund. Als vor 15 Jahren die Franzosen einfielen, sprach alles nur von Ruhreinbruch und Ruhrkampf.

Mit unseren Knappen vom Kohlberg, die unbestreitbar den köstlichen Schatz der deutschen Sprache trefflich zu bereichern verstanden, sehen wir in „Kohlenpott" doch nur „ein Gekoch, das bloß halbgar ist", vorne hochdeutsch, hinten plattdeutsch.

Was „Kohlenpott" geworden ist, ist letzte Jämmerlichkeit, letzter Behelf für einen Jungen, der an Fußball denkt, bis er da landet, wohin er gehört - beim alten Eisen.