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Zur Herkunft der Bevölkerung der Stadt Bochum im Jahre 1871

Im Verwaltungsbericht der Stadt Bochum für 1871 finden sich bemerkenswerte Angaben über „Heimatverhältnisse" oder Gebürtigkeit der damaligen Einwohner der Stadt. Sicher hat diese Befragung auch den und den Zufallaufenthalt erfaßt. Noch sicherer wird mancher von den Befragten nach den sog. Gründerjahren wieder fortgezogen sein. Aber für einen Großteil war oder wurde Bochum dauernde Bleibe, der mitbestimmend wirkte für die spätere Zusammensetzung der Stadtbevölkerung.

Im Krisenjahr 1858 hatte Bochum 8797 Einwohner. 1861 stieg die Zahl auf 9840, 1864 auf 11 757, 1867 auf 15 091, 1871 auf 21 298. Den Gründerjahren 1870/73 folgte eine längere Niedergangsspanne. Aber die Einwohnerzahl Bochums stieg weiter; nur 1876 war ein kleiner Rückschritt zu verzeichnen. Auch im Tiefstand von 1878 hatte der Bochumer Verein, der für die Stadt immer ein gewisses Barometer war, mit 2507 Arbeitern der Gußstahlfabrik nicht viel weniger Arbeiter als 1871 mit 2598.

Der Zuzug der Familien hielt also etwas länger an als de von Einzelstehenden und sank in der Folge auch nicht so ab, während bei den Einzelstehenden der Abzug verhältnismäßig geringer und gleichmäßiger blieb.

Bei der Betrachtung der Zahlen über die Gebürtigkeit fällt zunächst die Tatsache auf, daß von den 21 298 Bewohnern Bochums im Jahre 1871 nur 7020 in Bochum geboren sind; das ist ungefähr nur ein Drittel. Zwei Drittel stammen also schon von auswärts.

In Westfalen - ohne die Stadt Bochum - sind geboren 8391, rd. 40 v. H. Wie Karte 1 zeigt, ist der damalige Kreis Bochum mit 1410 dabei am meisten beteiligt. Von dem starken Beitrag der Kreise im Zuge des Hellwegs ist der Anteil des Paderborner Landes besonders augenfällig.

Von den preußischen Provinzen - Karte 2 - treten das Rheinland mit 2651, also rd. ein Achtel, und Hessen-Nassau mit 1693, rd. mehr als ein Zwölftel, besonders hervor. Gegen spätere Jahre ist der preußische Osten noch verhältnismäßig schwach vertreten. Bei den übrigen deutschen Staaten kamen von den 120 Thüringern allein aus Sachsen-Weimar 113, aus Schwarzburg-Rudolstadt 5, aus Sachsen-Koburg 2. Unter den Ausländern stehen die Holländer mit 70 an der Spitze, während in der Provinz Preußen - die Teilung in Ost- und Westpreußen erfolgte erst 1878 - 69 geboren waren.

Es seien einige Zahlen von 1871 und 1900 gegenübergestellt. Da die erste Eingemeindung erst 1904 erfolgte, handelt es sich um das gleiche Stadtgebiet. In Bochum sind geboren 1871 32,95 v. H. und 1900 40,90 v. H.

In der folgenden Gegenüberstellung wird deutlich, daß der Gebürtigkeitsanteil für Westfalen (ohne Bochum) und Rheinland i. J. 1900 gegen 1871 erheblich gefallen, der Anteil der Provinz Posen und der Provinz Preußen bedeutend gestiegen ist.

Wenn man dabei berücksichtigt, daß 3454 Männer in der Ehe lebten und nur 3001 Frauen und 8701 männliche und 5367 weibliche Unverheiratete gezählt wurden, so ergibt sich auch daraus, daß im Schaffensalter viele Männer waren, die ihre Frauen oder ihre Familien in der Heimat der Geburt zurückgelassen hatten und sich in Bochum vorerst nur aufhielten des Verdienens wegen.

Bemerkenswert für 1871 ist noch, daß von der Stadtbevölkerung über 10 Jahre 190 männliche und 246 weibliche Personen nicht lesen und schreiben, 11 männliche und 14 weibliche Personen lesen aber nicht schreiben konnten.