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Von den Nachkommen des Grafen Ostermann

Ostermanns älterer Bruder Johann Christoph Dietrich war in Rußland Kanzleirat geworden, später mecklenburgischer Gesandter in Petersburg. Weil er kein Gehalt bezog, setzte Anna I. ihrem früheren Lehrer aus Dankbarkeit monatlich 300 Rubel aus. Eine besondere Rolle spielte er in Rußland nicht, weshalb er beim Sturze seines Bruders glimpflich wegkam. Als er 1742 des Landes verwiesen wurde, ging er in seine Heimat zurück und lebte eine Zeitlang bei Verwandten auf Haus Bönninghausen in Eickel und dann im Werdenschen, wo er um 1760 starb. Die Söhne Ostermanns, am Vater gemessen, waren wenig bedeutend. Graf Feodor Andrejewitsch wurde beim Sturz Ostermanns vom Kapitain der Garde zum Hauptmann bei der Feldarmee degradiert. Später stieg er wieder auf, wurde Generalleutnant und Gouverneur von Moskau und auch Ritter des Alexanderordens. Außergewöhnliche Talente bewies er nicht, auch nicht, als er Geheimer Rat wurde. Graf Iwan Andrejewitsch, Ostermanns zweiter Sohn, wurde 1742 gleichfalls von der Garde zum Feldheer versetzt. Noch unter Elisabeth wurde er Gesandter in Stockholm. Seine Nachrichten aus Schweden waren sehr brauchbar, er hatte gute Mitarbeiter. 1775 wurde er heimberufen, kam in den Geheimen Rat und wurde Vizekanzler. Von 1781 ab leitete er die auswärtigen Angelegenheiten, wenigstens dem Namen nach. So ehrenhaft er auch war, ein Diplomat war er nicht, und die russische Politik machten tatsächlich andere, u. a. auch die Teilung Polens. Als er endlich abtrat, war er ein zerfallener Mann.

Die einzige Tochter Ostermanns, Anna Andrejewna, heiratete den Obristleutnant Matwej Tolstoi, der es bis zum General der Artillerie brachte. Der Sohn dieser Ehe, Iwan, vermählte sich mit einer Bibikow aus einem zwar vornehmen, aber unbegüterten Geschlecht. Aus dieser Ehr ging Alexander Iwanowitsch hervor, der sich schon als junger Offizier auszeichnete. Er gewann die besondere Zuneigung seiner Großoheime Feodor und Iwan, die ihn zu ihrem Erben machten und von Katharina II. die Erlaubnis erwirkten, daß er sich Alexander Graf Ostermann-Tolstoi nennen durfte. Jetzt selber reich geworden, heiratete er eine gleichfalls begüterte Fürstin Galitzin . Er war Generalmajor geworden, als ihm wie allen Ostermanns die Kaiserliche Gunst zeitweilig entzogen wurde. Nach vorübergehender Beschäftigung als Staatsrat durfte er wieder ins Heer eintreten und kämpfte 1806/07 als Generalleutnant unter Benningsen. 1807 wurde er bei Deppen schwer verwundet und schied bald aus dem Heeresdienst aus. Bei Hofe war der offene und freimütige Mann wenig beliebt. Dann kam 1812. Ostermann-Tolstoi kommandierte ein Armeekorps und stellte seinen Mann bei Ostrowno und Borodino. Er war mit im Kriegsrat, der den Brand Moskaus beschloß. 1813 wurde er bei Bautzen nochmals schwer verwundet. Kaum genesen, eilte er wieder zur Armee und schlug Bandamme Ende August bei Kulm. Damit sprengte er die drohende Umzingelung der Verbündeten, bezahlte aber den ehrlich verdienten Ruhm mit dem Verlust seines linken Armes, so daß er an den weiteren Kriegszügen nicht mehr teilnehmen konnte. Ostermann-Tolstoi trug schwer daran, daß Rußland seine Verdienste nur karg lohnte; erst 1817 wurde er General der Infanterie. Darum auch verließ er sein Vaterland und unternahm große Reisen. 1834 bezog er eine Villa am Genfer See. Er erlebte noch, daß ihm bei Kulm ein Denkmal errichtet wurde. Spät, aber endlich hatte Rußland auch für ihn das blaue Band des Andreasordens. In Petit-Saconner starb der ehrlich-offene und tapfere General, ohne Kinder zu hinterlassen. Den Mitnamen Ostermann nahm ein Zweig des Hauses Galitzin an, den zur Zeit ein Fürst in Paris führt.

Staatsrat Heinrich Huyssen

Der S. 6 erwähnte Heinrich Huyssen stammte aus Essen. Er war ein Sohn des Heinrich Huyssen und der Helene Sölling. Letztere war eine Tochter jenes Dr. Johann Sölling, der in zweiter Ehe mit Ursula Margarete Wittgenstein verheiratet war, der späteren zweiten Frau des Bochumer Pfarrers Johann Konrad Ostermann.

Heinrich Huyssen besuchte das Gymnasium in Dortmund und dann eine Reihe Universitäten, u. a. auch Straßburg, Genf und Wien. Dann war er zwei Jahre lang Erzieher der Kinder des Freiherrn Eberhard v. Dankelmann. Später war er in Wien tätig. Der gelehrte Mann, Doktor beider Rechte, wurde von Patkul, dem für Peter I. tätigen Livländer Edelmann, für Rußland gewonnen. Huyssen trat um 1702 in russische Dienste und wurde zunächst Erzieher bei Hofe. Er war der Verfasser einer Gegenschrift zur Schrift des Danzigers Neugebauer über Peter I. 1710 finden wir ihn am Braunschweiger Hofe, wo er für Peters Sohn Alexjej bei der Prinzessin Charlotte den Freiersmann machte; Charlottens Mutter war eine Schwester Kaiser Karls VI.

Auch Huyssen behielt Verbindung mit der Heimat. Sein Neffe Andreas Arnold gedachte ihn in Petersburg zu besuchen und starb 1729 in Reval. Warum Huyssen 1735 aus dem russischen Staatsdienst entlassen wurde, ist nicht klar. Zur Heirat war er nicht gekommen. Gleich Ostermann hatte er in der Fremde kein sonderliches Vermögen erworben. Als ihm der österreichische Gesandte bei der Kaiserin Anna neben Ersatz vieler baren Auslagen noch einen ansehnlichen Ueberschuß erwirkte, wurde ihm das Geld - gestohlen.

1739 wollte Huyssen nach Deutschland zurückkehren, wurde aber auf dem Schiffe krank und starb in den Armen eines aus Petersburg mitgekommenen Arztes. In der Marienkirche in Helsingöer liegt er begraben.

Ein Bruder dieses Heinrich Huyssen, Johann, war der Ururgroßvater jenes Heinrich Arnold Huyssen, auf den die Huyssen-Stiftung in Essen zurückgeht.

Bernhard Heinrich Steinweg

Die Witwe des Dr. Sölling brachte dem Pfarrer Ostermann eine Tochter, Katharina Maria, mit in die Ehe. Diese verheiratete sich mit Bernhard Heinrich Steinweg in Schwelm. Aus dieser Ehe stammte der spätere Gogräfe (Richter) Bernhard Heinrich Steinweg, der eine Luise Katharina Huyssen heimführte. Er hatte Rechtswissenschaften studiert. Kaum von der Universität heimgekehrt, wurde er wegen seiner Größe zu den Soldaten geholt. Durch Vermittlung Ostermanns in Berlin kam er wieder frei und wurde 1726 Richter in Schwelm. Steinweg verwaltete Ostermanns Vermögen in der Bochumer Gegend, und weil Ostermann mehrere Jahre keine Rechnungslage verlangte, war Steinweg in der Verwaltung etwas schleppend geworden. Um 1732 wies Ostermann die Gebrüder Jäger auf dem Birgen zwischen Lennep und Wermelskirchen - sie trieben Wienhandel und versorgten auch Ostermanns Keller in Petersburg - mit einer Rechnung an Steinweg. Als dieser um Ausstand bat, berichteten die Gebrüder Jäger nach Petersburg. Ostermann geriet in Eifer, wandte sich nach Berlin und erreichte, daß Steinweg aus dem Amte kam. Nach Jahresfrist konnte Steinweg bezahlen und erhielt seine Stelle wieder.

Anna Leopoldowna und Anton Ulrich

Das Schicksal Anna Leopoldownas und Anton Ulrichs war besonders hart und traurig. Iwan, der Kaiser in der Wiege, wurde bald von seinen Eltern getrennt. Ob der in der Feste Schlüsselburg 1764 getötete blödsinnige „Gregor" tatsächlich das ehemalige Kind auf dem Throne war, steht nicht durchaus fest. Anna Leopoldowna schenkte in der Gefangenschaft in Gholmogory südlich von Archangelsk noch drei Kinder das Leben. Drei ihrer Kinder trugen an der Erbschaft ihrer Mutter, die eine Enkelin Iwans V. war, des schwachsinnigen Halbbruders Peters I. . Von den 1780 nach Dänemark verbrachten Kindern starb das letzte 1805. Ihre Mutter war schon 1746 in der Oede der Gefangenschaft gestorben. Anton Ulrich, der nicht bloß bei Ranke schlecht wegkommt, zeigte in der Gefangenschaft weit mehr Haltung, als ihm zugetraut worden war. Vorzeitig erblindet, starb er erst 1774.