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Kleine Bausteine für Heimatkunde

Trauernachricht

Mit äußerster Wehmuth und tiefhängendem Schwanze mach ich hiermit meinen zahlreichen Freunden und Verwandten des Fuchsgeschlechts bekannt, daß es dem Schicksale gefallen habe, am 16. dieses Monaths meinen im Leben herzlich geliebten Gatten, den Gestrengen Herrn Vulipius von Reinecke Erb- und Gerichtsherrn von Dreiröhren zu Fuchsburg, Erdloch, Schlaubüttel pp. Und Generalinspekteur sämtlicher Hüner- und Entenställe des weiland Heil. Römischen Reichs auch Erzzuchtmeister aller jungen Hasen und Kaninchen etc. etc. mir durch einen unerwarteten Tod von meiner Seite zu reißen, an welcher er mit seit 5 Jahren als ein treuer Gemahl beigewohnt hatte.

Sein trauriger Tod erfolgte gewaltsam in dem Hühnerstalle eines angesehenen Einwohners zu Schildburg, und er versetzt mich in den jammervollen Zustand einer Witwe, meine 2 unmündigen Kinder aber in die trostlose Lage verlassener Waysen.

Meine etwaige Beruhigung bei diesem großen Unglücke finde ich darin, daß mein frommer und getreuer Gatte in seiner Berufspflicht gestorben, als er grade einen freundschaftlichen Besuch bei einer ihm längst lieb und theuer gewesenen Hühnerfamilie abstattete. Auch gereicht es mir zum großen Troste und zur Ehre, daß er nicht durch Pulver und Blei eines gemeinen Jägers abgethan wurde, sondern daß ein vornehmer Mann ihn gewürdigt hat, ihm das Lebenslicht mit seiner Flinte auszublasen. Ebenso beruhigend finde ich es, daß durch den Schuß, welcher ihm an einem Orte gegeben wurde, wo brennende Stoffe in der Nähe waren, nicht ein Brandschaden entstanden, welcher der ganzen Stadt Schildburg um desto fürchterlicher hätte werden können, da gerade um die Zeit seiner Tötung alle Brunnen und Bäche zugefroren waren, mit deren Wasser allenfalls bei den hiesigen guten Polizeyanstalten das Feuer hätte gelöscht werden können.

Es ist mein herzliebster Gatte, wie ich zuversichtlich hoffe, nunmehr in den elyfäischen Feldern, wo ihm das Federvieh nicht mangeln wird, welches neidische Menschen ihm nicht gönnten, sondern solches lieber selbst aßen.

Ich zweifle auch nicht, daß Fiscus, welcher alles Schießen einmal vor allemal in bewohnten Orten untersagt hat, zwar nicht das Blut meines getöteten Gatten, aber doch 50 Reichsthaler von den Händen desjenigen fordern werde, welcher den entleibten in die andere Welt hinüber förderte, da doch derselbe ganz unbefangen und wehrlos sich im Hünerstalle befand. Auch werde ich den Pelz des Verstorbenen reclamiren, damit der Entleiber denselben nicht misbrauchen könne.

Ich hoffe übrigens, daß alle meine Freunde, denen dieser Klägliche Todesfall bekannt wird, ihr Beileid mir nicht versagen werden, verbitte jedoch alle schriftliche Antwort.

Witwe Reinecke

gebohrne Füchsin.

(Aus Dr. Kortums Nachlaß)

Kleff.

Der erste Backofen mit Steinkohlenfeuerung in Bochum

In der Stadt Essen, Regierungsbezirks Düsseldorf, besteht schon seit länger als zwei Jahren eine Bäckerei bei Steinkohlen-Feuerung, deren guter Erfolg Veranlassung gegeben hat, auch in Bochum, in dem Hause des Bäckers Heimeshoff (heute Rosenstraße 4) daselbst, einen Backofen, der auf Steinkohlen-Feuerung eingerichtet ist, zu erbauen. Im vergangenen Monat ist in diesem Ofen ein Probebacken unter Aufsicht der vorgesetzten Behörde vorgenommen und folgendes Resultat erlangt worden:

Bei einer Heizung mit 35 Pfund Steinkohlen zum Werthe von 1 Sgr. 6 Pf. Und einigen Holzsplittern an Werth 4 Pf. Wurde dem Ofen eine solche Hitze gegeben, daß nacheinander in fünf Gebäcken 138 Pfund 30 Loth Weißbrod, Zwieback und ähnliche Backwaren zu Gewicht von 1 ½ Loth bis zu 3 Pfund binnen 4 Stunden gar gebacken wurden.

Von dieser Zeit waren beiläufig 2 Stunden zur Heizung, zum ersten Gebäck 10 Minuten, zum zweiten ebenfalls 10, zum dritten 16, zum vierten 27 und zum letzten 65 Minuten erforderlich.

Wir machen dieses Ergebnis mit dem Bemerken bekannt, daß vorzüglich da, wo hohe Holzpreise sind, die Heizung der Backöfen mit Steinkohlen bedeutend wohlfeiler zu stehen kommt, und daß diejenigen, welche sich mit der Einrichtung und Behandlung der Steinkohlen-Backöfen näher bekannt machen wollen, solchen bei dem gedachten Heimeshoff in Augenschein nehmen können.

Arnsberg, den 5. November 1828.

Königl. Regierung,

Abteilung des Innern

(Amtsblatt 1818, S. 399.)

Aus einem alten Bochumer Rechnungsbuch

1848, Rechnung an die Wietwe Bernat Lahrmann hierselbst.

Von Schreiner Diederich Zimmermann hierselbst über den abgestorben Bernat Lahrmann sein Sargt oder sein Toten Laden gemacht ist den 24 u. 25 Mertz und den 26 Mertz seine Beerigun den Nachmittag um 4 Uhr

und sein Sargt ist in stille Demuth gemacht einwendig mit seinem Leinwand bekleidet und sein Kopfküssen mit zwahen Lind ausgeziert

im Süsen Namen Jesus

und diese Sämlig auf Tage und arbeits lohn mit Bräter und Nägel und Beschlag und Leinwand und Lind mit Nägel

Suma 7 thaler u. 28 fg.

Richtig Erhalten

Diederich Zimmermann.

Kleff.

Bekanntmachung

Mit Genehmigung der hochlöblichen Präfektur wird dieses Jahr zum erstenmal und künftighin alle Jahre in dem Kirchdorfe Harpen nach der Ostseite hin auf einem offenen Platze nahe am Gehölze am 14. August ein Viehmarkt und zugleich mit demselben ein Krammarkt gehalten werden. Es soll auf bestmöglichste Weise dafür gesorgt werden, daß dieser Markt so eingerichtet wird, daß das handelnde Publikum damit zufrieden ist.

Lütgendortmund im Canton Bochum, Departement der Ruhr, den 18ten Juli 1812.

Der Maire von Lütgendortmund

C. L. Elasen.

(Allgemeine Politische Nachrichten

Essen 1812, Nr. 61)

Die Papelone in Bochum-Weitmar

Der Volksmund nennt die Gegend um die Gartenwirtschaft Borgböhmer in Bochum-Weitmar „Papelone". Der Deutungsversuch, es handele sich um Lohn für die Papen oder Pfaffen der Wattenscheider Kirche, die Eigentümer des alten Borgböhmer- und des nahegelegenen Hüsken-Kottens gewesen seien, geht fehl. „Lone" steht für „Loh"-Gehölz; die Pagelone war das Papen- oder Pfaffengehölz, der Kirchenbusch der alten Pfarrkirche zu Wattenscheid. „Lohe" begegnen uns in alten Urkunden häufiger; es sei nur an „Lohberg" in Bochum, an „Eickel" (im 12. Jahrhundert Eckloh-Eichengehölz) und an den heute nicht mehr bestehenden Busch zwischen Seier und Hanefeld in Bochum-Wiemelhausen erinnert, der den seltsamen Namen „Gastlohden" in Urkunden der Armenprovisorei Bochum führte und in dem auch „loh" steckt und der dem Gast- oder Armenhause in Bochum gehörte.

Die Papelone war ein langgestrecktes Gehölz auf dem Bergrücken, auf dem sich jetzt ein Luftschacht erhebt. Er war in alter Zeit dem Primissar, dem Frühmesseherrn in Wattenscheid geschenkt worden. Dieser bezog aus ihr Holz zur Unterhaltung von Kirche und Wohnung. So wird 1662 in einer Urkunde angeführt, daß aus dem Kuhestertz - so hieß wohl der Busch wegen seiner länglichen Ausdehnung - in Weitmar 5 Hölzer von den Kirchspielsleuten geholt worden seien, welche zur Erbauung der Wehemen (= Wedume, Pfarrwohnung) gebraucht wurden.

Die beiderseits des Gehölzes brach liegenden Waldgründe überließ die Kirche Ende des 18. Jahrhunderts an Bergleute zur Ansiedlung. Ein solcher Siedler war auch der Vorfahre der noch heute dort ansäßigen Familie Borgböhmer. Auch der heute noch bestehende Hüsken-Kotten auf der nördlichen Seite des Bergrückens ist um die Wende des 18. Jahrhunderts angelegt worden.

Diedrich Borgböhmer erhielt von der katholischen Pastorat in Wattenscheid im Jahre 1796 2 Malterse Grund „im Papenloh" in Erbpacht. Er kultivierte das Land und erbaute ein kleines Kötterhaus. Sein Sohn Johann Heinrich erhielt 1817, dessen Sohn Friederich 1828 den Kotten weiterverliehen. Als Erbpacht waren jährlich 20 Taler = 15 Taler 11 Stüber 6 Pfennig preußisch Courant zu zahlen. Für die Aufsicht über das anliegende Gehölz erhielt Borgböhmer 2 Taler. Dieses Waldstück in Größe von 29 Morgen wurde erst 1814 abgeholzt, und hiermit verschwand das alte Papenloh. Der Boden wurde dann wohl in Ackerland umgewandelt und bebaut, bis er 1861 von Borgböhmer und von Hüsken angekauft wurde.

Höfken.