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Bochumer Fördertürme

Franz Fiermann

Am Verein mit Bodengestaltung und Pflanzendecke als Form und Farbe spendenden Faktoren gibt vielfach die Industrie einer Gegend charakteristisches Gepräge oder verleiht wenigstens einem bestimmten Ausschnitte der Landschaft seine besondere Note. Hämmer, Mühlen und Sägewerke, an den Bachläufen der Waldtäler traulich eingebettet, können allerdings heute bereits gleich den weithin schauenden Windmühlen im Flachlande als kennzeichnende Ueberbleibsel einer industriellen Romantik gelten, deren unaufhaltsames Schwinden Naturfreund und Künstler mit schmerzlichem Bedauern erfüllt.

Die im Zeichen der Flamme und als Bändigerin riesenhafter Naturkräfte daherschreitende neuzeitliche Technik schafft andere Bilder. Während zwar Talsperren, Stauseen und die Turbinenhäuser der Kraft- und Wasserwerke bei entsprechender baulicher Gestaltung meist noch als willkommene Beigabe zum Landschaftsbilde gelten dürfen, wird man dies von den zahllosen, hochragenden Fabrikschloten als recht allgemeinem Sinnbilde industrieller Tätigkeit weniger behaupten wollen. Anders steht es dagegen schon mit den Hochöfen und ihren gewaltigen Nebenanlagen; nicht zum wenigsten, weil sie das weithin sichtbare, eindrucksvolle Kennzeichen gerade einer bestimmten Industrie darstellen.

Ueberwältigt das Hüttenwerk durch seine wuchtigen, gigantisch emporgetürmten Massen, so beruht ein anderes, nicht minder bedeutsames Wahrzeichen unserer heimischen Industrie auf durchaus gegensätzlich gearteter Wirkung. Wie eine Filigranarbeit hebt sich das feingefügte, in seiner vollendet ersonnenen Zweckerfüllung kunstvolle, scheinbar so leichte Stadtwerk der Seilscheibengerüste unserer Zechen an dem mehr oder weniger diesigen und verqualmten Hintergrunde ab, in mäßiger Ferne schon im Dunstmeer verschwimmend, sich auflösend, als wäre es mit ihm eines Elementes.

Der Umstand, daß gerade in diesem Jahre ein neu entstandenes und für Bochum neuartiges, übrigens auch technisch höchst bemerkenswertes Bauwerk dieser Art in Dienst gestellt wurde, bildet die Veranlassung, sich mit dem Fördergerüst und seiner Entwicklung ein wenig zu beschäftigen. In der Tat wird es kaum möglich sein, die Bedeutung der markanten Neuanlage auf der Krupp-Zeche Hannibal recht zu würdigen, wenn man nicht einen kurzen Rückblick in die Vergangenheit tut und den einen oder anderen ehrwürdigen Vertreter aus früherer Zeit zum Vergleiche heranzieht, bevor man sich dem neuesten Bauwerke als einer Gipfelleistung heimischer Technik zuwendet.

Wie man in den Anfängen des Bergbaues gefördert haben mag, konnte man jüngst noch in der Zeit der Ruhrbesetzung sehen, als fast überall, wo Flöze zutage traten, in winzigem, aber um so emsigerem Betriebe Kohle von bemerkenswert zweifelhafter Güte in Eimern, Körben und anderen Gefäßen die paar notwendigen Schritte aus dem „Pütt" herausgeschleppt wurde. Einst wird es kaum wesentlich anders gewesen sein. Wie dann weiterhin der Handhaspel in Gebrauch kam, als die bescheidene Teufe der Bergwerke immerhin zu groß, die zu hebende Last zu schwer wurde, um das Fördergut auf den Fahrten heraufzutragen oder Hand über Hand emporzuziehen, das zeigt der halbe Ausbeutetaler Ernst Ludwigs von Hessen-Darmstadt (1678-1738) aus dem Jahre 1696, Abb. 1 Auf dieser im Bochumer Heimatmuseum aufbewahrten Münze findet man noch die „Püttrolle" ohne schützendes Dach dargestellt, während sich unter den Abbildungen des berühmten mittelalterlichen berg- und hüttenmännischen Buches „De re metallica" von Agricola unter handbedienten Haspel verschiedener Art auch überdachte finden.

Die sehr geringe, kaum auf 1/10 Pferdestärke zu veranschlagende Leistung der Menschenkraft an der Kurbel wird bereits bei einer bescheidenen Teufe von nur 20 Metern in achtstündiger Schicht je nach den Verhältnissen einer gehobenen Nutzlast von höchsten 2-4 Tonnen entsprochen haben.

Gesteigerten Ansprüchen vermochte eine so kümmerliche und auch unter damaligen Verhältnissen schon kostspielige Förderung bald nicht mehr zu genügen. Mit zunehmender Teufe wuchsen auch die Lasten, deren Förderung nunmehr dem Pferdegöpelbetrieb zufiel, der in einem immerhin recht ansehnlichen, turmartigen Gebäude Unterkunft fand, bereits gewisse Sicherheitsvorrichtungen besaß und, wie die Ausbeutemedaille von Bornhorst unseres Heimatmuseums, Abb. 2, zeigt, dem Handhaspel nur noch die Nebenförderung im Blindschacht überließ.

Als die Teufen beträchtlicher wurden und auch die den Gruben zusitzenden Wassermengen hier und da die Fortführung der Betriebe in Frage stellten, bot gerade im rechten Augenblick, vom Bergbau freudig begrüßt und bald wesentlich in ihrer Entwicklung gefördert, die Dampfmaschine ihre tatkräftige Hilfe an. Nun konnten die Förderlasten gewaltig vergrößert, die Fördergeschwindigkeiten in ungeahntem Maße gesteigert werden. Damit wuchs aber die Gefahr, daß der Förderkorb über die Rasenhängebank hinaus an die Seilscheibe gezogen, d. h. „übertrieben" war. Man begegnete ihr dadurch, daß man die Seilscheibe auf einem Balkengerüst lagerte, das oben in einem Turm befestigt war. Vereinzelt findet man noch im Ruhrbezirk Reste solcher nach heutigen Begriffe winzigen Fördertürme.

In Bochum steht z. B. am Südostzipfel des Weitmarer Holzes der alte, in Bruchsteinmauerwerk aufgeführte Förderturm der Zeche „Brockhauser Tiefbau". Der Schacht wurde 1874 begonnen, maß nur 2,25 X 2,75 Meter im Geviert und erreichte zuletzt eine Teufe von 150 Metern. Im Schachttiefsten konnte man noch vor zwei Jahren Wasser fließen sehen. Damals wurde er zugekippt. Erfreulicherweise soll der Turm als Baudenkmal erhalten bleiben und zu diesem Zwecke wieder überdacht werden.

Die mit den Teufen wachsenden Maschinenstärken und der rührige Betrieb verlangten immer höhere und geräumigere Türme, die insbesondere dem starken seitlichen Seilzug genügend Widerstand zu leisten vermochten. So enstanden die gewaltigen Malakowtürme, die mit ihren dicken Mauern und ihren starken, dem Fördermaschinenhause zu gelegenen Strebepfeilern eine festungsähnlichen Anblick gewähren. Sie haben ihren Namen nach dem Turm auf dem Malakowhügel, einem südöstlich Sewastopol gelegenen Fort, das im Krimkriege bei der Eroberung dieser Stadt als Schlüsselstellung eine entscheidende Rolle spielte, am 8. September 1855 nach furchtbarem dreistündigen Kampfe von den Franzosen genommen wurde und längere Zeit in aller Munde war. Solche Malakowtürme sind auch in und bei Bochum noch mehrfach anzutreffen, z. B. die bereits 1857 vorhandenen beiden prächtigen Malakows auf Zeche Hannover I/II in Bochum-Hordel, ferner die Türme auf Zeche Dannenbaum (Schacht 2), Präsident, Engelsburg, Centrum, Consolidation u. a.

Als Beispiel sei der 1877 auf der Schachtanlage Julius Philipp in Brenschede, errichtete Turm gezeigt, dessen Seilscheibenachse bereits in 25 Meter Höhe liegt. Die mit konischen Trommeln ausgerüstete Dampffördermaschine förderte mit einer Geschwindigkeit von 8 Metern in der Sekunde, während die Seilfahrtgeschwindigkeit 4 Meter je Sekunde betrug. Der gegenwärtig 545 Meter tiefe Schacht hat vor einigen Wochen eine elektrische Fördermaschine erhalten.

Das auf dem Mauerwerk solcher Türme aufliegende und mit ihm stark verankerte Seilscheibengerüst befand sich innerhalb des Turmes und war anfänglich aus Holz, mußte aber nach den Bränden auf Graf Beust, Constantin der Große und Barillon (der späteren Julia) den haltbareren eisernen Gerüsten weichen. Da die Lagerung des Seilsscheibengerüstes auf dem Turmmauerwerk selbst nicht nur die bedeutenden Seilkräfte, sondern auch alle mit dem rauhen Förderbetriebe verbundenen Erschütterungen auf den Turm übertrug und dadurch das Gefüge der Mauerung lockerte, so ging man zum Bau eiserner Seilscheibengerüste über, die man teilweise unter Beibehaltung der alten Türme, jedoch statisch von ihnen unabhängig errichtete und, sofern die bisherige Turmhöhe den sich ständig steigernden Ansprüchen nicht mehr genügte, über das Dach hinausgehen ließ. Eine derartige Anlage befindet sich z. B. auf der Zeche Constantin der Große, Schacht 1. Das Bild läßt die vorderen, der Entlastung des Mauerwerkes dienenden senkrechten Stützen erkennen, während die senkrechten Stützen auf er anderen Seite, sowie die schräge Stütze, welche als Haupttragorgan die Seilkräfte aufzunehmen hat, durch den Turm verdeckt sind.

Wo man die durch das dicke Gemäuer des Malakows verursachte Platzbeschränkung und Unübersichtlichkeit zu vermeiden wünschte, legte man den steinernen Turm nieder und errichtete an seiner Stelle ein freistehendes eisernes Fördergerüst, das gegenüber den früheren Anordnungen eine ganze Reihe von technischen Vorzügen besitzt. Die ersten derartigen Gerüste erstanden 1869 auf Barillon und 1870 auf Graf Beust, und heute besitzt die überwältigende Mehrzahl der Zechen eiserne Fördergerüste, die anfänglich als starrer vierbeiniger und pyramidenartiger Bock gebaut wurden. Sie trugen oben die Seilscheiben, über welche die Förderseile von den in besonderen Maschinenhäusern zu ebener Erde aufgestellten Fördermaschinen aus in den Schacht liefen. Später ging man zum zweibeinigen und dreibeinigen Bockgerüst über, bei dem man eine Stütze möglichst in der Richtung der Mittelkraft aus dem maschinenwärts und schachtwärts gerichteten Seilzug anordnete. Diese überall zu findende Strebe hat also die bei weitem größte Belastung aufzunehmen, während weitere Stützen, welche in der Hauptsache die schräge Strebe und betriebsmäßig auftretende Zufallasten zu tragen haben, wesentlich schwächer gehalten werden können.

Die große Mannigfaltigkeit in Form und Aufbau solcher Gerüste, die dem aufmerksamen Beschauer nicht entgeht, hat ihre Ursache einmal in der zuweilen unsicheren Beschaffenheit des Baugrundes, die zur Aufstellung vor Gerüsten mit Gelenken oder Pendelstützen führt. Diese verbleiben vermöge ihrer Aufstellung auf drei Punkten ähnlich einem dreibeinigen Hocker auch bei Senkungen eines Fußes standsicher, ohne daß im Stabwerk Kräfte auftreten, die berechenbare Werte überschreiten. Dann aber bedingen sonstige örtliche Verhältnisse, wie Lage der Fördermaschinen zum Schacht, Art der Maschinen - ob Koepelscheiben- oder Trommelmaschinen - Vorhandensein einer Doppelförderung und außer anderen gelegentlich auch die Notwendigkeit, für veraltete Gerüste während des vollen Betriebes ohne wesentliche Störung der Förderung Ersatz aufzustellen und in gleicher Weise den alten Turm abzubauen, eine Fülle von Varianten, die aufzuzählen oder gar zu begründen zu weit führen würde.

Gemeinsam ist diesen Gerüsten, von denen das auf der Zeche „Constantin der Große". Schacht IIa, als Beispiel herausgerissen sei, in der Regel eine dem Schutze der Seilscheiben dienende Wellblechbedachung, eine über diesen Scheiben liegende Kranbahn nebst Kran zum bequemen Auswechseln der Seilscheiben, sowie die Ausrüstung mit Schutzkräften unter den Seilscheiben, die bei einem Scheibenbruch herabfallende Stücke auffangen. Durch ihre im Laufe der Zeit bedeutend gesteigerte Höhe bieten die Fördergerüste schon eine gewisse Sicherheit gegen das äußerst gefährliche Uebertreiben. Die Korbführungen sind nämlich bis dicht unter die Seilscheiben verlängert und außerdem nach oben hin enger gestellt. Beim Uebertreiben erfährt der Förderkorb dadurch eine kräftige Bremsung und wird, falls diese nicht ausreicht, endgültig durch die am oberen Ende des Führungsgestänges angeordnete Prellbühne aufgehalten. Bei der hochdramatischen Dynamik eines solchen Vorfalles geht häufig das Seil zu Bruch, und der Korb würde dann in den Schachtsumpf hinabdonnern, wenn nicht fallriegelartige Fangstützen, sogenannte Käps, ihn daran fürsorglich hinderten. Bei Vorhandensein einer elektrischen Fördermaschine befinden sich außerdem oberhalb der normalen Endstellung des Korbes Sicherheits-Endschalter, die beim Uebertreiben durch den Korb selbst betätigt werden und ein rasches Anhalten der Maschine veranlassen.

Die bedeutenden Teufen der Schächte und die wirtschaftlichen Verhältnisse zwangen zu wesentlicher Erhöhung der Fördergeschwindigkeit und der Nutzlast. Schwere und des Schutzes gegen die Folgen des Uebertreibens wegen besonders hohe Gerüste wurden daher vielfach als Ersatz für veraltete Anlagen aufgestellt.

Hierbei entstanden zuweilen Schwierigkeiten, weil der Platz für die weit ausgreifenden Streben und ihre schweren Fundamente sowie für die starken Fördermaschinen nicht mehr zur Verfügung stand oder anderweitig für den Betrieb benötigt wurde. Der ruhige, praktisch erschütterungsfreie Lauf der elektrischen Fördermaschine und ihr geringer Raumbedarf gestatten ihre Aufstellung auf dem entsprechend ausgebildeten Fördergerüst selber, das damit zum Förderturm in eigentlichen Sinne wurde und in technischer Beziehung einen wesentlichen Fortschritt darstellte. Die erste derartige Anlage wurde im Jahre 1905 in Belgien errichtet. Im rheinisch-westfälischen Industriebezirk stehen bemerkenswerte Ausführungen von Türmen mit obenliegender Maschine auf Zeche Herkules in Essen, Rosenblumendelle in Mülheim-Ruhr, sowie als bis vor kurzem bedeutendste der Förderturm auf „Minister Sein" bei Dortmund.

Neuerdings darf sich Bochum rühmen, in seinem Weichbild auf der Kruppschen Zeche „Hannibal" eine der größten Turmfördermaschinenanlagen Europas zu beherbergen. Wo man auch immer von einem höher gelegenen Punkte aus die Blicke über Bochums Häusermeer und seine zahllosen Industriebauten schweifen läßt, immer wieder wird das Auge gefesselt werden durch die auf scheinbar so zierlichem Stützwerk in Kirchturmhöhe gelagerte gewaltige Maschinenhalle, die mit ihrem warmleuchtenden Gelb dem Stadtbild unstreitig eine neue Note einfügt. Nahe am Schacht erscheinen die Ausmaße des Bauwerkes geradezu erdrückend. Man erkennt, das von dem eigentlichen Tragwerk statisch unabhängige und mit ihm daher nur leicht verbundene Führungsgerüst für die Seilkörbe. Auch sieht man noch die auf einer besonderen Bühne unterhalb des Maschinenhauses gelagerte und mit Schutzmulde versehene Seilablenkscheibe, die das eine Ende des über die Koepescheibe der Maschine gelegten Seiles wieder über die Mitte des zugehörigen Förderkorbes lenkt, während das andere Seilturm ohne weiteres senkrecht über dem zweiten Korbe herunterhängt.

Ein geräumiger Fahrstuhl, dessen kastenartiger Umbau sich von dem Tragwerk deutlich abhebt, trägt rasch bis zum Maschinensaal empor, dessen Flur 51,3 Meter über dem Erdboden liegt. Man tritt in eine Halle, die mit 15 Meter Breite, 40 Meter Länge und 12 Meter Höhe recht eindrucksvolle Abmessungen besitzt. Die durch riesige Glasflächen flutende Lichtfülle läßt das warme Rot der Fliesen des Bodens hell aufleuchten, und die frischen, lichten Farben des Wandanstriches bilden einen lustigen Gegensatz zu dem dunklen Erst des elektrischen Fördermotors und der schweren, 6,5 Meter im Durchmesser haltenden Koepescheibe, deren Bewegung sich lediglich durch Reibung auf das darüber gelegte Förderseil überträgt.

Lichtsignaleinrichtungen, der die Stellung der Förderkörbe angebende Teufenzeiger, ein Geschwindigkeitsschreiber und andere für den Betrieb nötige Vorrichtungen blinken und blitzen wie Symbole der Sicherheit und Zuverlässigkeit. Nach dem Willen des Fördermaschinisten steuert ein Hebel die Maschinenleistung von normal 2600 bis zu rd. 5600 Pferdestärken (4100 Kilowatt), welche die beiden vieretagigen Förderkörbe und ihre Nutzlast von je 8 Wagen mit der staunenerregenden Geschwindigkeit von 18 Meter je Sekunde, entsprechend rd. 65 Kilometer je Stunde, spielend durch den Schacht eilen läßt, während für die Seilfahrt immerhin 10 Meter je Sekunde, auf die Stunde bezogen also 36 Kilometer, zugelassen sind. Wiederum bedarf es nur eines Handgriffes, und vertrauenerweckende Bremsbacken nehmen die Treibscheibe in die Zange, um die Körbe auf das Zentimeter genau an der vorgeschriebenen und für den Maschinisten an Seilmarken erkennbaren Stelle zum Halten zu bringen. Die mittels Preßluft betätigte Manöverier- und Sicherheitsbremse sowie die Fallgewichtsbremse stehen nebst anderen Hilfseinrichtungen unter Flur in einem besonderen, der Maschinenhalle gewissermaßen untergehängten Raume. Dort hat u. a. auch der kleine Kompressor zur Erzeugung der für die Bremsen benötigten Preßluft sowie ein Vorratsbehälter Unterkunft gefunden, während über Flur von der Bremseinrichtung im wesentlichen nur die Backen und das sie verbindende Hebelgestänge sichtbar sind.

Auf Kranbahnen, die an den Längswänden der Halle entlanglaufen, ruht breit aufgelagert ein Laufkran, dessen Bewegungen elektrisch erfolgen, und dessen wuchtigem Haken man es glaubt, daß er es mit 40 000 Kilogramm Höchstbelastung aufnimmt. Durch eine geräumige, im allgemeinen abgedeckte Oeffnung an einem Ende der Halle vermag dieser Kran Lasten unmittelbar vom Erdboden heraufzuziehen und wird bei der vorgesehenen Aufstellung eines zweiten Fördermaschinensatzes, für den die Halle bequem Raum bietet, sicher gute Dienste leisten. Während der Laufkran den Innenraum der Halle bestreicht, vermag ein schmales, leiterartiges Gerüst auf zwei außen an den Wänden entlang geführten Schienen rings um die Halle herumzufahren und ermöglicht auf diese Weise die bequeme und gefahrlose Säuberung der Glasflächen und nebenher auch die Erneuerung des Außenanstriches.

Ueberflüssig erscheint der Hinweis, daß sich nach allen Seiten fesselnde Ausblicke in Nähe und Ferne eröffnen, und selbst von der Seillenkscheibenbühne kann man noch den älteren, aber wesentlich kleineren Bruder, einem Seilscheibengerüst mit Doppelförderung (also mit 4 Förderkörben), auf sein Wellblechdach schauen. Beim Abstieg wird man noch an der Hängebank, die über Tage gewissermaßen den Güter- und Personenbahnhof für den Schachtverkehr darstellt, einen Blick auf das dem Wagenumlauf dienende Schienensystem werfen, das, mit Weichen, Kippern, Schleppketten, Ablaufbergen, Wagenbremsen ausgerüstet, abgesehen von Steuerung und Ueberwachung vollständig selbsttätig arbeitet. Dies gilt selbstverständlich auch von den Aufschiebevorrichtungen am Schacht, welche die für die Grube bestimmten Wagen auf den Förderkorb schieben und dabei gleichzeitig die zu Tage geförderten Wagen vom Korb hinunterdrücken.

Die Beschreibung so mancher, den Fachmann interessierenden Einzelheit wird den nicht fachkundigen Leser kaum fesseln. Nehmen wir darum Abschied von unserem jüngsten und doch gewaltigsten Bochumer Förderturm, der so tatenfroh und n so leuchtendem Gewande mit kluger Sachlichkeit aus lustiger Höhe ins Weite schaut, und vergessen wir nicht, daß auch unter ihm die dunkle Tiefe des Schachtes gähnt, der 615 Meter lange Aufstieg aus den weit ausgedehnten, vielverzweigten unterirdischen Bauen zum Lichte. Vergessen wir nicht, daß auch hier jahraus, jahrein und Tag um Tag in hundertfältiger Wiederholung Menschenleben und Sachwerte einem Stahlseile anvertraut sein werden, das eine Hand mühelos zu umspannen vermag, und hoffen wir, daß sich die Flaggen auf den beiden Fahnenstangen des Turmes niemals um eines Grubenunglückes willen auf Halbmast senken müssen.

Und dazu, Hannibal, Schacht I, ein frohgemutes Glückauf!