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Zwei bemerkenswerte Münzen im Bochumer Heimatmuseum

Kleff

Aus der Münzensammlung des Bochumer Museums seien zwei Stücke hervorgehoben, weil sich mit ihnen der Name Bochum verbindet: einmal als Fundort der frühesten in der Grafschaft Mark gefundenen Münzen, dann als Münzstätte.

I.


In Nr. 6 der „Blätter für Münzfreunde", Jahrgang 1908, berichtete Dr. Buchenau in München über einen Fund von Regenbogenschüsselchen in Bochum. Danach stieß im Mai 1907 ein Herr Wilh. Winkelmann beim Graben in seinem Garten auf eine Urne, in der sich gegen 538 Regenbogenschüsselchen aus Silber und aus Kupferpotin fanden. Der fragliche Garten lag am Ende der Ehrenfeldstraße, gegenüber der Stahlindustrie, und wurde begrenzt von den Bahnanlagen. Alle Münzen zeigten auf der erhabenen Seite ein sog. Triquetrum, ein Dreiseitgebilde, in einem meist fischgrätenartig entstellten Lorbeerkranz, dessen beide Hälften je in einem Ringel mit Innenpunkt enden. Die vertiefte Seite hatte 7 Ringel, die vier oberen mit Innenpunkt, die drei unteren mit einem Innenringel; ein zackenartig entstellter Kranz wurde durch die oberen vier Ringel unterbrochen. Weitaus die meisten Stücke wiesen ein Beizeichen auf, wohl die Kennzeichnung des Münzers oder der Münzstätte. So hatten 253 Stück ein O, 54 dagegen, wohl die jüngsten und am besten erhaltenen Münzen, ein A. Das Durchschnittsgewicht eines Stückes bewegte sich um 5,4 Gramm.

Wie ich bei der genaueren Ausmittelung des Fundortes feststellen konnte, bedarf dieser Fundbericht insofern der Berichtigung, als die Münzen nicht beim Graben im Garten, sondern bei der Erweiterung der Gleisanlagen des Bochumer Hauptbahnhofs westlich des Endbogens der Ehrenfeldstraße zu Tage kamen. Die Bodenwelle, die ungefähr dem „Bergmannsheil" gegenüber liegt und heute Schrebergärten hat, wurde damals bei den Erweiterungsbauten angeschnitten; die gewonnenen Bodenmassen dienten zur Ausfüllung der östlich gelegenen Mulde. Das Gelände, Cranwinkelscher Grund, hieß früher „Maschinenbusch", weil in der Nähe von der Jugendzeit des Bochumer Bahnhofs her ein Lokomotivschuppen stand. Der völlig verkrustete Fundballen fiel nur durch eine Schwere auf und wäre beinahe als ein durchaus gleichgültiger Erdklumpen in der Mulde verschüttet worden. Schließlich wurden die „Buchsenkmöppe" als alte Münzen erkannt. Dem Lokomotivführer Winkelmann und dem Oberrangiermeister Schnorbus ist es in erster Linie zu verdanken, daß der für die Wissenschaft und für die heimische Geschichte so wichtige Fund nicht verloren ging.

In Bochum selbst ist der Münzfund damals nicht bekannt geworden; an ein Heimatmuseum , wohin doch solche Bodenfunde unbedingt gehören, dacht man noch nicht. Von den Fundstücken konnten im Laufe der Jahre nur wenige zurückgeholt werden.

Wenn die in Frage stehenden Prägungen als „keltische" bezeichnet werden, wie es z. B. Dr. Forrer, ein führender Kenner tut, so ist damit lediglich der Gegensatz zu griechischen und römischen Geprägen betont; man denkt an münzprägende Barbarenvölker der europäischen Vorzeit, die in den letzten Jahrhunderten vor Christus die Rhein- und Donaulande bewohnten. Man spricht auch wohl von gallischen Münzen. Geläufig ist der Name „Regenbogenschüsselchen". Weil die eine Seite rundlich erhaben, die andere rundlich vertieft ist, handelt es sich tatsächlich um schüsselförmige Gebilde. Nach altem Volksglauben sind sie vom Regenbogen abgetropft; ähnlich galten ja geschliffene Steinbeile als vom Himmel gefallene Donneräxte. Daher erklärt sich die Bezeichnung „guttae iridis", Regenbogentropfen oder kurzweg auch „Friden". Man wollte wissen, sie würden da gefunden, wo der Regenbogen auf der Erde ansetzte. Anlaß dazu gab wohl der Umstand, daß ein tüchtiger Gewitterregen, dem ja häufig ein Regenbogen folgt, solche Münzen im Erdreich bloß wusch und sie so sichtbar machte. Die „scutellae iridis", von denen alte Mediziner sprachen, die Regenbogenschüsselchen, wurden auch als Heilmittel gegen Fieber getragen, worauf durchlöcherte Stücke noch hinweisen.

Neuestens gebraucht man gern die Bezeichnung „Schüsselstater". Damit rührt man an den Prototyp, an das schließliche Vor- und Ausgangsbild der Regenbogenschlüsselchen. Das ist für Westeuropa der goldene Stater Philipps von Makedonien. (359-336 v. Chr.) Da für die niederrheinischen Schüsselstater, zu denen die Bochumer zählen, das letzte Jahrhundert vor Christus angesetzt wird, läge zwischen Ausgangsbild und letzter Verrohung eine Spanne von rd. 300 Jahren. Man ist heute imstande, an Hand von großen Sammlungen, namentlich französischen, diese allmähliche Verrohung, die „Barbarisierung" dieser keltischen Gepräge aufzuzeigen sowohl im Gehalt wie im Bild. Das Gewicht fällt um mehr als 2 Gramm, bis er bei etwa 5 ½ Gramm anlangt; aus einer Goldmünze wird stufenmäßig ein Stück, das nur noch viel Kupfer und wenig Silber hat. Griechische Vorbilder, die mit dem Handel in Westeuropa sowohl wie in den Donaulanden Eingang und Verbreitung oder Streuung fanden, wurden mählich abgewandelt; schließlich konnte sich eine unzulängliche Prägetechnik nur noch auf schon stark verrohte Vorlagen stützen. Wie im Osten der Herakleskopf zu einem Vogelkopf verrohte, blieb im Westen von dem Apollokopf nur noch Auge und Nasse, woraus auch ein Vogelkopfgebilde wurde. Die dreifache Wiederholung des Schnabels ließ das Triquetrum erstehen. Das zackige Blätterkranzgefüge war eine letzte Erinnerung an den Lorbeerkranz des Philipper Apollokopfes. Von der Biga der Rückseite, dem klassischen Zweigespann, blieb nur der Lenker, der zu einem Bogengebilde verrohte. Daraus entstand ein Torques, ein gedrehtes Halsband mit Kugelenden, wie es häufiger Bodenfunde uns zeigen. Sicher werden die Präger bestrebt gewesen sein, mit ihren Münzbildern von ihrer Umwelt auch verstanden zu werden. Eine Umdeutung mit nationalem Gehalt wird dabei gewiß eine Rolle gespielt haben. So hält Forrer das merkwürdige Drei-Schnabel-Gebilde für ein bewußt übernommenes religiöses Sinnzeichen, ähnlich wie Sonnenrad, Stern und Kreuz. Auch die Ringel werden eine höhere Bedeutung gehabt haben; sie als Wertzeichen anzusprechen, ist wegen des verschiedenen Vorkommens nicht gut möglich. Was zu der schüsselförmigen Umbildung geführt hat, weiß man nicht recht. Vielleicht spielen Prägevorgänge und eine gewisse Fingergerechtigkeit dabei auch eine Rolle. Sicher ist, daß diese Umformung erst um die Wende des zweiten ins erste Jahrhundert vor Christus erfolgte.

Als Prägungsträger der Bochumer Schüsselstater gelten die Stämme der Tenkterer, Marsen und Sigamberer, neuerdings der Usipeter, Tenkterer und Ubier. Von dem Kernlande der Regenbogenschüsselchen, Bayern, von den Hauptträgern, den „keltischen" Boijern Süddeutschlands werden zunächst die Tenkterer das Muster übernommen haben. Staterstücke von der Art der Bochumer fand man in Köln, im Bettenkamper Moor bei Moers usw. Ein bei Mardorf unweit von Kassel gefundener Stater ist nicht allzuweit abgestreut. Diese unterrheinischen Prägungen weist Forrer einer Zeit zu, die unter 100 v. Chr. Liegt. Menadier setzt in seiner Arbeit über die Münzen der Grafschaft Mark für die „gallischen" Potinstücke von Bochum etwa ein halbes Jahrhundert vor Beginn unserer Zeitrechnung an.

Das Metall der Bochumer Schüsselmünzen ist, abgesehen von wenigen Stücken besserer Silbermischung, durchweg Silberpotin, eine Silbermischung, in der das Kupfer stark überwiegt. Von 253 Münzen, die mehr Kupfer als schlechtes Silberpotin hatten, wurde durch den Münchener Münzwardein Dr. Munkert eine Stichprobe gemacht; es ergab sich 170/1000 Feinsilbergehalt. Die Schrötlinge, d. h. die einzelnen Stücke, die beprägt wurden, sind gegossen worden und zwar so, daß sie zusammenhingen. Das erweisen Gußzapfen, die ab und an stehen blieben, auch wohl durch gewaltsame Trennung mit Zange oder Meißel verkürzt wurden. Die Beprägung geschah durch Stempel und Hammer, wie die oft recht scharfe Zeichnung und Prägerisse durch zu heftigen Hammerschlag bei ähnlichen Stücken erkennen lassen. Viele Münzen erscheinen aber auch so roh, daß man annehmen muß, daß die Münzbilder gleich mitgegossen wurden.

Bei dem Bochumer Fund handelt es sich um sog. Kleingeld. Man fühlt sich an die Worte des Tacitus erinnert: „Silber ist (bei unsern germanischen Grenznachbarn) gesuchter als Gold, nicht aus Liebhaberei, sondern weil der Verkehr in Silbermünzen für Leute, die allerhand unbedeutende Dinge einhandeln, weit bequemer ist". Was Tacitus von seiner Zeit sagt, wird auch auf die älteren vorrömischen Germanen passen. Über die Gründe des Vergrabens der Bochumer Regenbogenschüsselchen kann man nur Vermutungen haben. Nicht ohne allen Belang wird sein, daß der Fundort im Zuge des uralten Hellwegs liegt, der bei Hattingen über die Ruhr kam und vor Bochum der heutigen Ehrenfeldstraße, der früheren Notstraße, erfolgte. Am Fuße des Fundhügels führte, an dem alten Kranwinkelschen Hofe vorbei, ein Muldenweg zu dem andern Hellweg, der von Essen her nach Bochum kam.

II.


Unter den Denaren der Grafen von der Mark gibt es nur einen, der den Namen der Stadt Bochum trägt. Es handelt sich um einen Denar des Grafen Engelbert II. (1308-1328) Die Vorderseite zeigt einen sitzenden Grafen mit Schwert und Zweig; ein rhombenförmiges Gebilde auf der Brust wird als Kleinod der Halskette ange-sprochen. Der Schluß der Umschrift ENGELB + SVTRE ist am Schluß infolge Verkehrung der Punzen rückläufig, wenn auch nicht bei allen Stücken. Auf der Rückseite erscheint ein Heiligenbrustbild unter einem Giebel zwischen zwei Türmen. Die Umschrift ergibt auf gut lesbaren Stücken: MONETA. IN. BOCHEM. Das Gewicht bewegt sich um 11/5 Gramm.

Moneta bedeutete im Mittelalter des öftern nicht nur Münze, sondern auch Münzberechtigung. Der Stadtname in vorliegender Form erscheint auch in der bekannten Urkunde des Jahres 1321 wie auch noch mehrfach in späteren Belegen. Eine Urkunde desselben Jahres im Bochumer Propsteiarchiv schreibt „Boychem", während in der vom Jahre 1324, die Bochum Marktfreiheit für drei Jahrmärkte gewährt, nach Kortums Wiedergabe „Buckem" gestanden haben soll; die schon 1790 sehr schadhafte Urkunde lag Darpe nicht mehr vor.

Das Vorbild des Bochumer Denars, dessen Art bereits unter Engelberts Vorgänger, unter dem Grafen Eberhard (1277-1308) aufkam, ist zweifellos ein Werdener Denar gewesen. Die Beischläge (Nachahmungen) zu den Pfennigen des Abtes Heinrich I. von Werden (1288-1310) zeigen statt des Bildes des thronenden Königs das des Grafen; ein sog. Turnierkränzchen ersetzt die Krone, ein Zweig den Reichsapfel. Ein Vergleich mit einem Denar des Abtes Wilhelm II. von Hardenberg (1310-1330) läßt diese Anlehnung zweifellos erkennen. Das nackte Schwert mit der sog. Blutrinne war die vor allem einem Fürsten zukommende Waffe, die Bauern durch „Kaiser Karls Recht" verboten sei. Den Zweig führte der Herrscher vielfach als Zepter, so auch der König im Sachsenspiegel.

Wann Graf Engelbert II. Anlaß zur Bochumer Münze nahm, ist nicht bekannt. Wahrscheinlich war es 1324, als er der Stadt Bochum Marktfreiheit für drei Jahrmärkte verlieh. Mit dem Münzrecht wurde nämlich auch öfters das Marktrecht verliehen, „da man an Orten, wo zur Hebung des Handels und Verkehrs ein Markt eingerichtet wurde, auch der erforderlichen Münze bedurfte und deshalb genötigt war, eigens zu diesem Zwecke eine Prägestätte einzurichten. Ferner war mit den Münzstätten damaliger Zeit häufig eine Art Wechselbank verbunden, indem der Münzmeister nicht nur für Rechnung seines Herrn prägte, sondern auch von dem Privatmann und von Kaufleuten Rohsilber oder fremdes Geld annahm und dasselbe ausmünzte oder unter Anrechnung der Prägekosten und des Schlagschatzes, d. h. der Entschädigung des Münzherrn durch den Unterschied zwischen Nenn- und Metallwert, gleich gegen vorrätige kurshabende Münzen umwechselte.