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Naturdenkmäler der Heimat.

Dr. B. Wefelscheid.

Eine Vereinigung, die sich die Pflege des Heimatgedankens zur Aufgabe stellt, wird auch dazu anregen müssen, weitere Volkskreise für die Bestrebungen des „Naturschatzes" zu gewinnen.

Die Naturschutzbewegung erblickt ihr Ziel in der Erhaltung der heimatlichen Natur, deren ständig fortschreitende Zurückdrängung und Verarmung infolge der Eingriffe des Menschen auf die Dauer zu einer Gefahr für die geistige und körperliche Gesundung und Erstarkung weiter Volkskreise führen muß. Die Bedeutung, die der Frage des Naturschutzes zukommt, erhellt daraus, daß der preußische Staat schon im Jahre 1906 eine „staatliche Stelle für Naturdenkmalpflege" errichtet hat. Als Naturdenkmäler bezeichnet man „besonders charakteristische Gebilde der heimatlichen Natur, vornehmlich solche, welche sich noch an ihrer Stätte befinden, seien es Teile der Landschaft oder Gestaltungen des Erdbodens oder Reste der Tier- und Pflanzenwelt". So werden also nicht nur Einzeldinge aus der Natur wie z. B. eratische Blöcke, einige seltene Pflanzen- und Tierarten unter staatlichen Schutz gestellt, auch zahlreiche und ausgedehntere Gebiete von insgesamt mehreren tausend Hektar Größe sind einschließlich ihres Bestandes an tierischen und pflanzlichen Bewohnern vor der Vernichtung durch den Menschen gesichert. Auf Betreiben der staatlichen Stelle wird die Zahl dieser „Naturschutzgebiete" ständig vermehrt.

Für unser Industriegebiet, das des Naturschutzes vor allem dringend bedarf, ist in der Naturschutzstelle des Ruhrsiedelungsverbandes eine amtliche Einrichtung geschaffen, die der rücksichtslosen Zerstörung der noch vorhandenen heimatlichen Naturgebilde entgegenwirkt. Doch können alle Bestrebungen der Behörden nur dann Erfolg haben, wenn der Gedanke des Naturschutzes in allen Volkskreisen Verständnis und die notwendige Unterstützung findet.

Besonders in unserer an Naturschönheiten verarmten engeren Heimat sollte man die für die Erhaltung bemerkenswerter, von der Natur geschaffenen Formen notwendigen und im allgemeinen geringen Opfer nicht scheuen! Daß es auch hier noch Dinge gibt, die jedem Naturfreund zur besonderen Freude gereichen können, möge die durch Abbildungen erläuterte Aufzählung einzelner Bäume aus dem südlichen Teile des Stadtkreises Bochum und aus der Gemeinde Weitmar zeigen. (Die Naturaufnahmen sind mit großer Sorgfalt von Herrn Ing. Neihuus, Bochum, angefertigt, wofür ihm auch an dieser Stelle herzlich gedankt werden soll).

In diesem Gebiete haben sich nur noch Reste ehemals ausgedehnter Waldungen in Gestalt von einzelnen Baumgruppen oder kleineren Gehölzen erhalten können. Trotzdem finden wir hier noch manche Baumgestalt, die wegen ihres ehrwürdigen Alters oder ihrer sonderbaren Form als Naturdenkmal zu bezeichnen ist und deren Erhaltung den Behörden und der Allgemeinheit dringend nahegelegt werden muß.

Schöne Gruppen alter Rotbuchen (Fagus silvatica) mit stark entwickelten Kronen finden wir noch im Rechener Busch. Die abgebildeten Bäume stehen im westlichen Teile in der Nähe des Tümpels; der stärkste von ihnen besitzt in Brusthöhe einen Stammunfang von mehr als 3 m. Das Alter dieser Buchen kann auf knapp 200 Jahre veranschlagt werden.

Bedeutend stattliche Buchen sind im nordwestlichen Teile des Weitmarer Holzes erhalten geblieben. Hier fallen uns in der Nähe des Waldrandes zwei besonders mächtige und alte Recken auf, von denen der stärkste einen Stammumfang von 4 m, der östlich von ihm stehende einen solchen von 3,5 m hat. Trotzdem sie wohl ungefähr ein Alter von 300 Jahren erreicht haben mögen, machen sie noch einen durchaus gesunden Eindruck.

Einige hundert Meter südlich von diesen Buchen steht am Rande des Gehölzes die bekannte, vom Volksmund als Kamelbaum oder Herrenlinde bezeichnete Linde, die zu der Art der Winterlinden (Tilia Parvifolia) gehört. Ihre eigenartige Wuchsform ist treffend durch den Beinamen Kamelbaum gekennzeichnet. Leider ist der Baum teilweise im Absterben begriffen und noch dazu infolge seines ungünstigen Standortes an der durch den Wald führenden Straße mannigfachen Beschädigungen ungeschätzt preisgegeben. Vielleicht ließe sich durch eine Einfriedigung letzterer Übelstand beseitigen, um diese höchst sonderbare Baumgestalt noch möglichst lange zu erhalten.

Wohl den ältesten Baum unserer Heimat birgt der Pfarrgarten an der Hattinger Straße in Weitmar. Dicht an der Nordgrenze dieses Grundstückes, an dem ein Weg längs der Anschlußbahn nach der Zeche General vorbeiführt, steht eine Eibe (Taxus baccata), die von jenem Wege aus deutlich zu sehen ist. Wie die allgemein bekannten Fichten und Kiefern stellt die Eibe eine immergrüne Nadelholzart dar. Sie war früher in Deutschland in größeren Beständen anzutreffen; infolge ihres sehr langsamen Wuchses und ihres dichten und schweren, sehr geschätzten Holzes („Deutsches Ebenholz"!) ist die Zahl der Eibenbestände stark zusammengeschmolzen. Wir finden die Eiben daher meist nur noch in Parkanlagen, wo man sie vielfach in Form von Hecken zieht, da sie den Schnitt, ähnlich wie die Weißbuche, gut verträgt. Zum Unterschied von den übrigen bei uns heimischen Nadelholzarten enthält die Eibe kein Harz, dagegen aber ein Gift (Taxin) in den Blättern, den jungen Stengelteilen und den Samen. Mit 1,9 m Stammumfang in 1,3 m Höhe hat die obenangeführte Eibe Anspruch darauf, als höchst seltener Baum ihrer Art zu gelten. In 1,5 m Höhe hat sie sich in mehrere Äste verzweigt; von den noch vorhandenen drei Ästen, die in einer senkrechten Ebene liegen, sind die beiden äußeren am stärksten. Der nach der Straßenseite hin entspringende Ast ist stark beschnitten, da mehrere seiner Zweige abgestorben waren; die beiden Hauptäste zeigen reichlichen Stockausschlag. Die Krone des Baumes hat einen Durchmesser von 10 bis 12 m und erreicht eine Höhe von etwa 9 m. Um den Baum zu erhalten, hat man an der neuen Gartenmauer, die dicht an ihm vorbeiläuft, einen Ausbau hergestellt, der sein Wurzelwerk halbkreisförmig einschließt; hoffentlich genügt diese Maßnahme zur Erhaltung des Naturdenkmals, dessen Alter auf etwa 400 Jahre geschätzt werden kann. Wie alle Eiben, steht auch dieser Baum unter staatlichen Schutz.

Als eine Charakterpflanze unseres weiteren heimatlichen Gebietes gilt die Stechpalme (Ilex aquifolium), bekannter unter dem Namen Hülse oder Hülsenkrabbe. Die Hülse wächst als immergrüner Strauch oder Baum mit Vorliebe als Unterholz in Buchenwäldern. Ihr Verbreitungsgebiet ist auf das westliche Europa mit seinem ozeanischen Klima beschränkt und wird im Osten etwa von der Elbe begrenzt. Wenn ihr Vorkommen bei uns auch noch ziemlich häufig ist, so kann doch nicht dringend genug davor gewarnt werden, daß diese schöne aber nur langsam wachsende Pflanze, die namentlich während des Herbstes im Schmuck ihrer leuchtend roten Früchte einen prächtigen Anblick bietet, durch übermäßige Beraubung ihrer Zweige und Blätter zu allerlei Schmuckwerk wie Guirlanden usw. zum Aussterben in der freien Natur verurteilt wird. Stattliche Bäume der Hülse waren sicherlich früher bei uns keine Seltenheit; sie sind aber infolge des festen Holzes, das sich vorzüglich zu Drechslerarbeiten eignet, nach und nach dem Menschen zum Opfer gefallen. So dürfen wir uns darüber freuen, daß auf Bochumer Gebiet noch ein Hülsenbaum wächst, der seinem Stammunfang nach zu den stärksten im Regierungsbezirk Arnsberg gehört. Er steht im Obsthofe des Landwirtes Köllermann an der Markstraße in Steinkuhl. Er mißt in Brusthöhe 0,97 m an Umfang des Stammes; leider mußte er 5 m über den Boden abgesägt werden, da die oberen Zweige trocken wurden. Trotzdem macht der Baum einen gesunden Eindruck und hat reichliche Stockausschläge gebildet, sodaß er jetzt einschließlich der Krone 5 m Höhe erreicht. Früher war er doppelt so hoch und besaß eine ausgebreitete Krone. Da er Früchte trägt und bei den Hülsen die beiden Geschlechter auf verschiedenen Pflanzen erzeugt werden, ist er weiblichen Geschlechts.

Die vorstehenden Ausführungen, die den ersten Versuch darstellen, weitere Kreise mit einigen Naturdenkmälern eines Teiles unseres Heimatgebietes bekannt zu machen, erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Sie würden aber ihren Zweck erreicht haben, wenn sie möglichst viele Naturfreunde dazu anregen könnten, nach weiteren Schätzen auf diesem Gebiete Umschau zu halten und unserer Heimatvereinigung von ihren Funden gegebenen Falls Mitteilung zu machen.