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Lise von Elverfeld

Aus dem Bereich der Wirtschaft sind für Bochum aus dem Mittelalter kaum Quellen überliefert. Statt dessen begegnen uns Frauen hier als Stifterinnen. Am 16. April 1475 schenkte Lise von Elverfeld der Kirche zu Bochum das Rotland im Hiltroper Feld und eine Kornrente aus Idewinkels Gut zu Krawinkel. Über die Verteilung dieser Einkünfte an die einzelnen Geistlichen traf sie nähere Bestimmungen. Als Gegenleistung sollte der Schulmeister der Bochumer Kirche mit seinen Schülern unter Teilnahme der gesamten Geistlichkeit an allen Sonn- und Feiertagen zur Vesperzeit zu Ehren der Gottesmutter das Salve Regina singen. Das Selbstbewusstsein der Stifterin drückte sich in Form und Sprache der Stiftungsurkunde deutlich aus. "Ich Lyse van Elvervelde", so begann sie den Text. Das Rotland im Hiltroper Feld hatte die "ehrbare Jungfer" 1465 von Beleke, der Witwe Gerlachs von Holte, gekauft und die Kornrente aus Idewinkels Gut zu Krawinkel 1473 von Bytter Hollinck, seiner Frau Tele und beider Söhne Evert und Heinrich.

Mit ziemlicher Sicherheit gehörte Lise von Elverfeld der Adelsfamilie gleichen Namens an, doch kommt sie in den entsprechenden Veröffentlichungen nicht vor. Vermutlich war sie eine Tochter des Conrad von Elverfeld zu Herbede, der 1435 Irmgard vom Quadt geheiratet hatte. Warum Lise von Elverfeld aber später als "Elise von Büren" erscheint, obwohl es sich zweifellos um dieselbe Stifterin handelt, ist ein Rätsel, das bisher nicht zu lösen war.

Das Schicksal der sogenannten "Salve-Regina-Stiftung" lässt sich bis ins 20. Jahrhundert verfolgen, was für eine mittelalterliche Stiftung recht ungewöhnlich ist. Bereits 1507 hatte der Vikar Johannes Varentrappe die Bestimmungen dahingehend geändert, dass der Schulmeister mit seinen Schülern ohne Unterstützung der Geistlichkeit, dafür aber jeden Abend das Salve Regina singen sollte. Zu Anfang des 19. Jahrhunderts schließlich erhielt der Lehrer der katholischen Elementarschule von dem geschenkten Land jedes Jahr sechs Scheffel Roggen, sechs Scheffel Hafer und vier Scheffel Gerste; dafür war er verpflichtet, von Ostern bis Michaelis (29. September) seinen Schulkindern dreimal in der Woche eine Stunde zusätzlichen Privatunterricht zu erteilen und danach mit ihnen in der Kirche das Salve Regina zu beten. Als 1864 die Abgabepflicht von dem Hiltroper Land gegen Zahlung eines Kapitals von 810 Talern abgelöst wurde, erhielt der katholische Schullehrer davon die vierprozentigen Zinsen, nämlich 32 Taler 12 Silbergroschen.

1878 wurde vom Schulvorstand beschlossen, von diesen Zinsen für arme Kinder Kleidung anzuschaffen, auch Wolle und Leinwand zu kaufen, woraus arme Kommunionskinder sich selbst im Handarbeitsunterricht Strümpfe und Hemden machen könnten; dabei wäre dann von ihnen das Salve Regina zu beten.

In dieser Form überlebte die Stiftung sogar die Inflation von 1923. 1934 bestimmten die NS-Machthaber per Gesetz, dass solche "sozialen Wohlfahrtsrenten", wie sie genannt wurden, vom 31. März 1937 an ersatzlos wegfallen sollten. So erlosch damals zwangsweise die Stiftung der Lise von Elverfeld im 462. Jahr ihres Bestehens.