Metanavigation

Die Stadt Bochum auf facebook
Folge der Stadt Bochum auf Twitter
Die Stadt Bochum auf YouTube
Folge der Stadt Bochum auf Instagram
Die Stadt Bochum auf flickr

Rathauskalender

Station 24: KZ - Außenlager / Brüllstraße

Kohlenstraße / Brüllstraße

An der Brüllstraße, auf dem Werksgelände des Bochumer Vereins, wurde im Juni 1944 ein Außenlager des Konzentrationslagers Buchenwald eingerichtet.

Am 21. Juni 1944 traf ein erster Eisenbahntransport mit 446 Menschen aus dem Konzentrationslager und Vernichtungslager Auschwitz in Bochum ein. Dabei handelte es sich überwiegend um jüdische Häftlinge, die zuvor aus ihren Heimatländern nach Auschwitz deportiert worden waren: Der Großteil von ihnen stammte aus Ungarn, andere waren tschechischer, russischer, polnischer oder rumänischer Nationalität. Weitere Transporte sollten folgen: im August 1944 kamen 400 bis 500 Häftlinge aus dem KZ Buchenwald, im Oktober / November erneut 270 Häftlinge aus Auschwitz und 500 Häftlinge aus dem KZ Neuengamme nach Bochum. Die Mehrzahl der im Außenlager an der Brüllstraße untergebrachten Häftlinge waren Juden, darunter auch einige deutsche Juden. Mit 1.627 registrierten Personen erreichte das Lager im Dezember 1944 die höchste Belegungsstärke.

Zur Bewachung der Häftlinge waren SS-Wachen des KZ Buchenwald zum Außendienst nach Bochum abkommandiert worden. Kommandant des KZ-Außenlagers Bochumer Verein war Hermann Großmann, ein Obersturmführer der Waffen-SS. Nach dem Krieg wurde Großmann von einem amerikanischen Militärgericht zum Tode verurteilt und im November 1948 in Landsberg am Lech hingerichtet.

Ein Teil der KZ-Häftlinge beim Bochumer Verein musste in körperlicher Schwerstarbeit Bauarbeiten und Erdarbeiten im Lager verrichten, die anderen wurden in der Geschossfabrik des Bochumer Vereins eingesetzt: im Pressbau und in der Dreherei. Arbeitsunfälle der ohne Schutzkleidung an den Pressen und Drehbänken arbeitenden Menschen sowie Misshandlungen durch die Vorarbeiter im Betrieb und die SS-Wachen im Lager waren an der Tagesordnung.

Zahlreiche Häftlinge waren den unmenschlichen Anforderungen der Zwangsarbeit bei gleichzeitiger unzureichender Unterbringung und Ernährung nicht gewachsen. Im Januar 1945 wurde ein Transport "unbrauchbarer" Häftlinge zusammengestellt und nach Buchenwald geschickt - für viele ein Weg in den Tod. Aber auch im Bochumer Lager fanden zahlreiche Häftlinge den Tod. Ihre genaue Zahl ist nicht bekannt. Von Werksärzten des Bochumer Vereins wurden 108 Todesfälle beurkundet. Die Leichen von 52 jüdischen Häftlingen des KZ-Außenlagers Bochumer Verein wurden auf dem jüdischen Friedhof an der Wasserstraße beigesetzt. 16 nichtjüdische KZ-Häftlinge wurden auf dem Hauptfriedhof Freigrafendamm bestattet.

Im Frühjahr 1945 rückten die Alliierten auf das Ruhrgebiet vor, so dass die SS das Lager auflöste. Im März 1945 wurden die verbliebenen 1.326 Häftlinge zusammen mit den Wachmannschaften
nach Buchenwald geschickt. Nur wenige von ihnen dürften dort die Befreiung durch amerikanische Truppen erlebt haben.

Ein weiteres Außenlager des KZ Buchenwald bestand in Bochum bei der Eisen- und Hüttenwerke AG (nach dem Krieg: Stahlwerke Bochum AG, heute: EBG Gesellschaft für elektromagnetische Werkstoffe mbH). Es wurde im August 1944 eingerichtet und ebenfalls im März 1945 aufgelöst. In diesem Unternehmen wurden circa 650 Häftlinge zur Zwangsarbeit eingesetzt.

Gestern und heute


Luftaufnahme des Lagers mit den Unterkünften und der Außenanlage. Das Gelände ist mit Stacheldrahtzaun umzäunt.
Ehemaliges Lager an der Brüllstraße, 5. Februar 1954.
heute: Gelände Umwelttechnologiepark, Februar 2007
Gelände Umwelttechnologiepark, Februar 2007